Schmid bei der Nationalmannschaft

Gute Standards, schlechte Standards: Werder-Profi Schmid fällt erneut beim ÖFB-Team auf und spricht über die Kraft seines speziellen Mentaltrainings

Romano Schmid von Werder Bremen bereitete beim 4:0-Sieg Österreichs gegen Kasachstan ein Tor per Ecke vor.
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Romano Schmid von Werder Bremen bereitete beim 4:0-Sieg Österreichs gegen Kasachstan ein Tor per Ecke vor.

Romano Schmid gefällt mit einer Torvorlage bei der Nationalmannschaft und rückt in Österreich zunehmend in den Fokus. Dass der Profi des SV Werder Bremen immer besser wird, liegt auch an seinem mentalen Training.

Bremen/Linz – Die Uhr tickte der 53-Minuten-Marke entgegen, als Romano Schmid an der Eckfahne zwei Schritte Anlauf nahm und den Ball gefühlvoll auf eine Reise in Richtung Strafraum schickte. Dort schraubte sich Nationalmannschaftskollege Philipp Lienhart ebenso präzise in die Luft und köpfte zum zwischenzeitlichen 2:0 der österreichischen Auswahl gegen Kasachstan ein. Am Ende des Nations-League-Duells hieß es am späten Donnerstagabend sogar 4:0 – und Schmid hatte wieder einmal gezeigt, dass er nicht nur beim SV Werder Bremen, sondern auch in seiner Heimat immer mehr im Fokus steht. So sehr, dass er mit einer Jubelpose gar das Titelbild der aktuellen Ausgabe des Verbands-Magazins „ÖFB Corner“ ziert.

Romano Schmid mit Ecken-Assist für Österreich: Anreiz für Standards bei Werder Bremen?

Das Foto stammt vom bislang wohl größten Ausrufezeichen, das Romano Schmid in seiner Nationalmannschaftskarriere gesetzt hat. Als die Österreicher bei der vergangenen EM während der Vorrunde die Niederlande mit einem 3:2-Erfolg überrumpelten, hatte der Bremer einen wunderschönen Treffer per Flugkopfball beigesteuert. Anschließend war es mit ausgebreiteten Armen den begeisterten Fans im Berliner Olympiastadion entgegengegangen. Und jetzt? Da jubelte Schmid wieder im Pulk mit den Kollegen des ÖFB-Teams. Aus dem Spiel heraus war dem Mittelfeldspieler gegen die Kasachen zwar nicht ganz so viel gelungen, dafür sorgten seine Aktionen nach ruhenden Bällen gleich mehrfach für Gefahr. Umso weniger überraschte es, dass die Kugel irgendwann auch im Netz zappelte. Womöglich auch ein Anreiz für den SV Werder Bremen, wo Schmid meist bei Ecken eine andere Rolle einnimmt und in der Regel Marvin Ducksch die Ausführung überlässt. „Ich habe heute wirklich richtig gute Standards geschossen“, sagte Schmid hinterher – fügte aber auch lachend an: „Gestern im Training habe ich wirklich keinen einzigen Ball auch nur in die Nähe meiner Mitspieler gebracht. Es gibt so Tage, da funktioniert sehr viel und an anderen nicht.“

„Entwicklung ist unglaublich“: Werder Bremen-Profi Romano Schmid wird immer besser - auch durch mentales Training

Für den gebürtigen Grazer war es im 18. Länderspiel der dritte Assist. Fast noch beeindruckender: Schon zum neunten Mal gehörte Romano Schmid dabei zur Startelf Österreichs. Bundestrainer Ralf Rangnick gefällt offenkundig, was der Profi von Werder Bremen zeigt. Exakt jene Wertschätzung hatte der 66-Jährige auch kurz nach der kontinentalen Großveranstaltung im Sommer zum Ausdruck gebracht: „Vor einem Jahr war nicht absehbar, dass Romano beim Turnier so eine wichtige Rolle spielt. Was er für eine Entwicklung gemacht hat, ist unglaublich.“ Schmid schmeicheln die Worte verständlicherweise – wenngleich auch er deutliche Verbesserungen in den vergangenen knapp 14 Monaten festgestellt hat. „Ich bin im letzten Jahr noch selbstbewusster geworden und habe versucht, wirklich jeden Moment zu nutzen und Gas zu geben“, sagte der 24-Jährige. „Ich bin jeden Tag ins Training gegangen und habe versucht, besser zu werden. Und das ist mir gelungen. Manchmal ist es nur eine Sache des Kopfes.“

Als einer von vielen Werder-Spielern vertraut auch Romano Schmid auf die Kraft durch mentales Training. Vor ziemlich genau drei Jahren kam in Yasin Seiwasser ein absoluter Experte auf diesem Gebiet nach Bremen, in regelmäßigen Abständen tauscht sich der Mentalcoach mit Profis und Verantwortlichen aus, gibt wertvolle Tipps in Gesprächsrunden oder Einzelsitzungen. „Ich habe jemanden, der mir geholfen hat“, erzählt Schmid ganz allgemein. „Aber dann habe ich auch alleine weiter daran gearbeitet und mache bis heute regelmäßig Übungen, die mich weiterbringen. Ich glaube, dass der mentale Bereich nach wie vor unterschätzt wird. Gerade im Teamsport ist Selbstbewusstsein unglaublich wichtig.“ Daraus hat sich für den Offensivmann des SV Werder Bremen ein kleiner Lehrsatz ergeben: „Es läuft ja nicht immer perfekt, und trotzdem muss man immer an sich und seine Stärken glauben. Wenn man das hinbekommt, kann man auch anders auftreten.“

Werder Bremens Romano Schmid träumt nur entfernt von Europa - und will wieder in Österreichs Startelf stehen

Den Lohn erntet Romano Schmid bei Werder Bremen und in der ÖFB-Auswahl. Für Grün-Weiß hat er trotz seines noch recht jungen Alters bereits 129 Pflichtspiele absolviert, erst im vergangenen Jahr verlängerte der 1,68 Meter große Kreativspieler seinen Vertrag an der Weser. Was sportlich zweifelsfrei gut für die Bremer ist, sich irgendwann aber auch wirtschaftlich für den Verein ordentlich lohnen könnte, wenn Schmid weiterhin überzeugende Arbeit leistet und auch andere Clubs auf den 24-Jährigen aufmerksam werden. Mit solchen Gedanken beschäftigt sich Werders Leistungsträger aber nicht, erst kürzlich hatte er im DeichStube-Interview mit Blick auf möglicherweise andernorts erfüllbare Europapokal-Träume betont: „Damit habe ich mich tatsächlich noch nullkommanull befasst. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es gar kein Ziel von mir ist. Aber ich stehe jetzt nicht morgens auf und ärgere mich, dass ich wieder nicht international spiele.“ Und weiter: „Ich bin froh, wie es ist, dass ich bei solch einem tollen Verein spielen kann und wir innerhalb des Teams derart viel Spaß gemeinsam haben.“

Ähnlich viel Spaß wie auch beim Nationalteam Österreichs. Dort, wo Romano Schmid zu gern auch am Sonntag (20.45 Uhr) in der nächsten Partie gegen Norwegen und Topstar Erling Haaland zur Startelf gehören möchte. Denn nach dem jüngsten Sieg gegen Kasachstan ist der Gruppensieg und die damit verbundene Rückkehr in die höchste Liga der Nations League wieder greifbar. „Auf jeden Fall tut es gut, dass wir gewonnen haben, denn es war ein Spiel, das wir unbedingt gewinnen mussten“, meinte Schmid. „Wir können die Energie, dieses Gefühl, dass wir den Gegner von der ersten Minute an genervt haben, mitnehmen. Aber gegen Norwegen wird es natürlich ein komplett anderes Spiel mit einer komplett anderen Qualität.“ (mbü)

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