Werder-Profi im DeichStube-Gespräch

„Ich schätze ehrliche Menschen extrem“: Werder-Profi Schmid im Interview über Kabinen-Zankereien, seine Zukunft und Spaß mit Arnautovic

Romano Schmid (rechts) spricht im Interview mit DeichStube-Reporter Malte Bürger (links) über Kabinen-Zankereien bei Werder Bremen, seine Zukunft und Späße mit Marko Arnautovic bei der österreichischen Nationalmannschaft!
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Romano Schmid (rechts) spricht im Interview mit DeichStube-Reporter Malte Bürger (links) über Kabinen-Zankereien bei Werder Bremen, seine Zukunft und Späße mit Marko Arnautovic bei der österreichischen Nationalmannschaft!

Im DeichStube-Interview spricht Romano Schmid über Kabinen-Zankereien bei Werder Bremen, seine Zukunft und Späße mit Marko Arnautovic bei der österreichischen Nationalmannschaft!

Bremen – Der Assist zum 2:1-Siegtreffer von Derrick Köhn in Mainz war ganz nach dem Geschmack von Romano Schmid, sichtlich beschwingt erscheint der Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen zum Interviewtermin mit der DeichStube. Dort spricht der 24-Jährige über das nahende Duell mit dem FC Bayern München (Samstag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker), Träume von Europa sowie beleidigte Teamkollegen – und er verrät, warum am vergangenen Wochenende ausgerechnet Marco Grüll so wichtig für den Bremer Siegtreffer war.

Werder Bremens Romano Schmid im Interview: „Ich will einfach unbedingt gewinnen und lasse dafür alles auf dem Platz“

Romano Schmid, Werders Double-Gewinner Ivan Klasnic hat Sie in seiner neuesten DeichStube-Kolumne als „Herzstück dieser Mannschaft“ bezeichnet. Werden Sie ihm da widersprechen?

Vielen Dank an Ivan. Es ist eine Riesenehre, wenn solch ein Spieler so über mich denkt. Ich versuche immer, das Spiel an mich zu ziehen – sicherlich auch mehr als in den ersten Jahren.

Neben Ihren spielerischen Qualitäten schätzen Klasnic, die Fans und auch die Werder-Verantwortlichen Ihr Talent, Fußball in gewisser Hinsicht zu arbeiten. Woher kommt diese Leidenschaft, den Gegner ständig zu beackern?

In direkten Duellen war ich schon mein ganzes Leben so. Ich will einfach unbedingt gewinnen und lasse dafür alles auf dem Platz. Mit meinem Wechsel nach Salzburg 2017 habe ich dann gemerkt, wohin es führt, wenn man gemeinsam als Mannschaft gegen den Ball arbeitet und was da alles möglich ist.

Wann merken Sie, dass Sie einem gegnerischen Verteidiger so richtig auf die Nerven gehen?

Ich versuche gern, fußballerisch eklig zu sein – der andere ist eben mein Gegenspieler und nicht mein Freund. Da ist es mir auch egal, ob der Gegenspieler körperlich überlegen ist, wie beispielsweise zuletzt gegen Dortmund ein Niklas Süle.

Werder Bremens Romano Schmid über Ralf Rangnick: „Ich schätze ehrliche Menschen extrem – und der Coach ist sehr ehrlich zu mir“

Spielertypen wie Sie gibt es nicht so oft – auch nicht in Österreich. Ist das vielleicht auch in der Nationalmannschaft Ihr großes Plus, wo doch sonst gern auf den viel zitierten Red-Bull-Fußball gesetzt wird? Eine klassische Pressing-Maschine sind Sie schließlich nicht.

Man muss nur das Holland-Spiel bei der EM nehmen, in dem ich ungefähr 16 Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte hatte. Ich kann das also. Für eine Pressing-Maschine ist es wichtig, dass die ganze Mannschaft mitmacht. Auch ein Konrad Laimer, der aktuell wahrscheinlich der beste Pressing-Spieler der Welt ist, kann bei den Bayern nicht in jedem Spiel zeigen, wie gut er presst, wenn nicht dauerhaft vorne draufgegangen wird. Bei uns in der Nationalmannschaft ist das anders. Da gehen wir früh drauf und deshalb klaut er wahrscheinlich jeden Ball, der bei ihm in der Nähe ist.

Und bei Werder?

Wir lösen hier gut aus, unsere Kompaktheit passt genau zu den Spielertypen, die wir haben. Auch wenn wir ins hohe Pressing gehen, machen wir mittlerweile einen echt guten Job. 

Sie haben alle Ihre 17 Länderspiele unter Ralf Rangnick gemacht. Warum passt es so gut zwischen Ihnen?

Keine Ahnung, vielleicht mag er mich (lacht). Ich schätze ehrliche Menschen extrem – und der Coach ist sehr ehrlich zu mir. Ich bin ihm sehr dankbar, auch wenn er mir schon oft gesagt hat, wenn ich richtig schlecht war. Wenn ich was Gutes mache, sagt er es mir aber auch.

Werder Bremens Romano Schmid über das Siegtor gegen Mainz 05: „Grülli hat die ganze Zeit ,links, links, links´ gerufen“

Gibt es die eine Traumvorlage, die sofort in Ihrem Kopf auftaucht, wenn Sie an eine besonders gelungene Aktion denken?

(überlegt) Die zuletzt gegen Mainz war schon sehr stark. Von A bis Z war es von uns richtig cool durchgespielt, im letzten Moment habe ich dann Derrick noch gesehen. Auch letztes Jahr gegen Mainz war es eine krasse Aktion, als Nick Woltemade mir den Ball vor dem 4:0 per Hacke in den Lauf gelegt hat und ich dann tief auf Justin Njinmah gespielt habe.

Wie oft hat sich Derrick Köhn schon bei Ihnen bedankt, dass Sie ihm dieses Traumdebüt ermöglicht haben?

Zu wenig (lacht). Nein, er hat sich natürlich bedankt und uns wirklich sehr gutgetan.

Er hat uns erzählt, dass er in der Szene „gewunken und so laut geschrien“ habe, wie er nur konnte, damit Sie Ihn sehen – auch weil Sie zunächst nur nach rechts geschaut haben. Waren Sie selbst überrascht, dass da links noch einer angespurtet kam?

Ich habe nur im Augenwinkel geschaut, ohne dabei den Kopf zu drehen und niemanden gesehen. Grülli (Marco Grüll, Anm. d. Red.) hat dann wirklich einen guten Job gemacht und die ganze Zeit „links, links, links“ gerufen. Ihn habe ich gehört, dann Derrick gesehen und sofort gespielt. Deswegen gehört auch Grülli ein Teil dieses Tores. Derrick selbst habe ich tatsächlich leider gar nicht gehört, das ist in solch einem Stadion aber auch immer schwierig.

Werder Bremens Romano Schmid im Interview: „Mit der Mannschaft möchte ich noch besser sein als letztes Jahr“

Wie sehen Ihre fußballerischen Träume aus, was wollen Sie noch erreichen?

Viel. Persönliche Ziele behalte ich lieber für mich, aber mit der Mannschaft möchte ich noch besser sein als letztes Jahr. Ich finde unsere generelle Entwicklung gut, es macht einen riesigen Spaß, hier jeden Tag zu spielen. Wenn es jedem nur ansatzweise so geht wie mir, dann kann das nur gut werden. Das Teamgefüge ist hier richtig gut geworden – das war nicht immer so.

Wie meinen Sie das?

Als wir abgestiegen sind und auch später im ersten Jahr Bundesliga war es noch nicht so homogen wie jetzt. Inzwischen kann man alles offen ansprechen, niemand ist gleich sauer. Manch einer war vielleicht etwas schneller beleidigt, wenn man mal was als jüngerer Spieler gesagt hat. Das ist heute nicht mehr so, jeder darf seinen Teil zum Ganzen beitragen. Wir nehmen das nicht mehr mit in die Kabine.

Wie hat sich das entwickelt?

Vielleicht ist es das Kennenlernen. Gerade der Stamm, der häufig spielt, ist ja schon lange zusammen. Darüber hinaus kamen Neuzugänge hinzu, die menschlich überragend sind. Senne Lynen und Olivier Deman etwa, auch Jens Stage ist ein grandioser Typ, aber auch die anderen Neuen. Sie bringen alle viel Freude mit und tragen diese in die Mannschaft.

Werder Bremens Romano Schmid im Interview: „Ich stehe nicht morgens auf und ärgere mich, dass ich wieder nicht international spiele“

Nochmal zurück zu den Zielen. Definieren Sie diese jedes Jahr neu für sich?

Nachdem ich mich im Winter 2023 verletzt habe, habe ich damit begonnen, viel mental an mir zu arbeiten. Dabei werden Ziele regelmäßig gesteckt, sich wieder vor Augen geführt. Jetzt kann ich es ja sagen: In der letzten Saison habe ich mit elf Scorern genau das erreicht, was ich mir vorgenommen hatte – nur die Aufteilung von Toren und Vorlagen hätte ausgeglichener sein können.

War auch die EM ein Ziel?

Mir war vor allem wichtig, dass wir bei Werder vorankommen. Aber mir war bewusst, dass wenn ich hier meinen Job mache, ich dann wahrscheinlich auch dabei sein werde. Dass ich dann vor allem zum Ende der letzten Saison so wichtig wurde und viele entscheidende Szenen hatte, hat mir natürlich in die Karten gespielt.

Sie spielen im Nationalteam mit einigen Kollegen zusammen, die auch im Club regelmäßig international unterwegs sind. Wie groß ist Ihre Sehnsucht nach Europa?

Damit habe ich mich tatsächlich noch nullkommanull befasst. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es gar kein Ziel von mir ist. Aber ich stehe jetzt nicht morgens auf und ärgere mich, dass ich wieder nicht international spiele. Ich bin froh, wie es ist, dass ich bei solch einem tollen Verein spielen kann und wir innerhalb des Teams derart viel Spaß gemeinsam haben.

Werder Bremens Romano Schmid über FC Bayern: „Es wird eine schwierige Aufgabe, doch wir sind selbstbewusst und müssen uns nicht verstecken“

Sie haben Ihren Vertrag ohnehin erst während der Vorsaison verlängert, aber wiegen diese Werte, die sie gerade beschrieben haben, mehr als der schnelle europäische Einsatz, den irgendein Angebot eines anderen Clubs bieten könnte.

Auf jeden Fall. Ich habe mir in der Mannschaft ein großes Standing erarbeitet und merke generell, wie meine Mitspieler und das Trainerteam über mich denken. Das ist mir persönlich sehr wichtig. Ralf Rangnick hat mal gesagt, dass man mir Vertrauen schenken müsse. Und ich spüre hier Vertrauen nicht nur vom Trainer, sondern auch von den Spielern. Wenn ich mal nicht so gut im Spiel bin, kommt beispielsweise gleich Jens Stage vorbei und sagt mir, dass die Mannschaft mich braucht und ich weiter Gas geben soll. Solche Teamkollegen pushen dich natürlich – und wie ich schon gesagt habe: die menschliche Komponente ist mir sehr wichtig. Ich bin daher sehr gern hier und habe nicht das Bedürfnis, schnell wegzugehen – auch wenn man es natürlich nie ganz ausschließen kann.

Am Samstag kommen die Bayern. Die haben zuletzt sechs Tore gegen Kiel und sogar neun gegen Zagreb erzielt. Haben Sie schon Angst vor der drohenden Offensiv-Power?

Pulver verschossen (lacht). Nein, das ist eine außergewöhnliche Mannschaft, keine Frage. Wir haben aber gezeigt, dass wir sie schlagen können. Es wird eine schwierige Aufgabe, doch wir sind selbstbewusst und müssen uns nicht verstecken.

Welche Rolle spielt noch der 1:0-Erfolg in München aus dem vergangenen Januar?

Die Jungs, die dabei waren, wissen ja, wie cool es ist, wenn man gegen eine der besten Mannschaften der Welt mithalten kann und gewinnt. Deshalb glaube ich, dass es hier nicht einen einzigen Spieler gibt, der mit Angst in diese Partie geht.

Werder Bremens Romano Schmid über Marko Arnautovic: „Er ist ein großartiger Fußballer, ein sehr witziger und lustiger Mensch“

Zum Bayern-Kader gehört Ihr Landsmann Konrad Laimer – haben Sie schon eine Wette laufen?

Das kann ich jetzt nicht sagen, sonst wird das bei euch bestimmt eine Schlagzeile und ich habe ein großes Problem (lacht). Nur so viel: Einen Spruch habe ich ihm beim Nationalteam während des Essens so ganz nebenbei natürlich schon gedrückt.

Wie ist es eigentlich, mit Marko Arnautovic im Nationalteam zusammenzuspielen? Er gilt ja doch mitunter als launisch.

Ist er nicht. Er ist ein großartiger Fußballer, ein sehr witziger und lustiger Mensch, mit dem ich sehr gern zusammenspiele – und ich habe das Gefühl, dass er auch ganz gern mit mir spielt und sieht, dass ich auch ganz gut bin. Als ich zum Team gekommen bin, habe ich nicht unbedingt damit gerechnet, noch lange mit ihm gemeinsam dort zu sein – aber jetzt ist er noch immer da und das freut mich sehr.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass Sie gemeinsam bei der nächsten WM für Österreich unterwegs sind?

Ich weiß ja nicht, wie Markos Pläne aussehen. Ich hätte da aber Zeit, glaube ich. mbü

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