Werder-Talente im Fokus

Mehr Überholspur, weniger Sackgasse: Starten Werders Talente jetzt auch in der Bundesliga groß durch?

Werder Bremen hat vielversprechende Talente - und mit Horst Steffen einen Trainer, der schon bewiesen hat, dass er junge Spieler besser machen kann. Startet der Werder-Nachwuchs jetzt auch in der Bundesliga durch?

Bremen – Ein wenig Durchschnaufen darf er noch – sofern das in diesen Tagen überhaupt möglich ist. Doch Horst Steffen, der neue Cheftrainer des SV Werder Bremen, hatte schon vor seiner kurzen Urlaubsgelegenheit orakelt: „Ganz arbeitslos wird die wohl nicht.“ Dafür steht einfach zu viel auf dem Spiel. Zentraler Baustein ist die Kaderplanung bei den Grün-Weißen, aber auch sonst gilt es, im Hintergrund zielführende Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Eigentlicher Trainingsstart am Osterdeich ist der 7. Juli, doch nach Informationen der DeichStube wird Steffen schon in der kommenden Woche wichtige Gespräche im Weserstadion führen, um ganzheitliche Planungen voranzutreiben. Wahrscheinlich wird dann auch einmal mehr das Thema Nachwuchsförderung gestreift – bei dem nach der Begeisterung um die Elversberger Vorleistungen des Neu-Coaches öffentlich zuletzt beinahe der Eindruck entstehen konnte, dass Werder künftig mit fünf bis sechs Eigengewächsen auf dem Platz durch die Bundesliga rauschen werde. Entsprechenden Phantasien nimmt Peter Niemeyer aber ganz schnell den Wind aus den Segeln.

Werder Bremen hat vielversprechende Talente - und mit Horst Steffen einen Trainer, der schon bewiesen hat, dass er junge Spieler besser machen kann. Startet der Werder-Nachwuchs jetzt auch in der Bundesliga durch?

Werder Bremens Peter Niemeyer über Talente im Verein: „Wir sehen viel Potenzial“

„Die Spieler sollen durch ihre Qualität eine Berechtigung im Profiteam haben – und den nötigen Raum bekommen, sich weiterzuentwickeln“, betont der Leiter Profifußball des SV Werder Bremen im Gespräch mit der DeichStube. „Wir sehen viel Potenzial, allerdings ist die Erwartung nicht, dass sie in der Bundesliga direkt durchstarten, sondern sich im Training Schritt für Schritt an das Niveau gewöhnen und sich über Spielzeit in der U23 weiterentwickeln.“ Neben Torhütertalent Stefan Smarkalev werden aus Werders bisheriger U19 auch der dortige Kapitän Wesley Adeh sowie die beiden Verteidiger Karim Coulibaly und Mick Schmetgens, Mittelfeld-Hoffnung Patrice Covic und Torjäger Salim Musah die Vorbereitung mit den Profis absolvieren. Sie alle haben Ende Mai etliche Schulterklopfer nach dem gewonnenen U19-Pokalfinale in Potsdam geerntet und viele Menschen im Verein und drumherum glücklich gemacht. Aber an der einen oder anderen Stelle auch die Erwartung geschürt, dass noch mehr möglich ist. Der Trainerwechsel tut sein Übriges. Die Sehnsucht nach mehr Überholspur für die Jugend und weniger Sackgasse ist groß.

„Bei den sechs Spielern wissen wir, was sie können. Es geht jetzt darum, dass sie in der Vorbereitung das Niveau im Profibereich adaptieren, sich freischwimmen und mit guten Trainingsleistungen auf sich aufmerksam machen“, hebt Peter Niemeyer hervor. „Danach wird individuell geschaut, was für jeden Einzelnen der sinnvollste nächste Schritt ist. Wichtig wird sein, dass sie auf Spielzeit kommen – deshalb haben wir auch betont, dass die U23 weiterhin als Plattform dienen kann.“ Wie gut dieser „Umweg“ funktionieren kann, hat zuletzt der Werdegang von Leon Opitz gezeigt. Der 20-Jährige schnupperte früher schon bei den Profis hinein, war zuletzt aber konsequent in der Regionalliga Nord eingesetzt worden. Dort reifte der flinke Offensivspieler derart nachhaltig, dass nun größere Herausforderungen Pflicht sind – womöglich auf Leihbasis bei Zweitligist Holstein Kiel oder tatsächlich doch direkt bei Werder Bremen. Auch darüber wird Horst Steffen demnächst final entscheiden müssen, nachdem er sich einen ausführlichen Eindruck vom gesamten Spielerpersonal gemacht hat. Mehr Chance für alle Beteiligten geht eigentlich nicht. Doch das kostet auch Zeit. Und mit Blick auf die gesamten Transferplanungen kann da schnell ein brisanter Balanceakt entstehen.

Werder Bremens Horst Steffen: „Ich baue sehr gerne junge Spieler ein, aber nur, wenn sie auch die Qualität mitbringen“

Dem 56-jährigen Chefcoach des SV Werder Bremen ist jedenfalls sehr damit geholfen, wenn sein guter Ruf bei der Talentförderung nicht einen verpflichtenden Automatismus voraussetzt. „Ich baue sehr gerne junge Spieler ein, aber nur, wenn sie auch die Qualität mitbringen“, hatte Horst Steffen bereits bei seinem Amtsantritt betont und sich quasi selbst den imaginären Heiligenschein vom Kopf gerissen: „Es gab auch schon junge Spieler, die es unter mir nicht geschafft haben.“

Eine Verjüngungskür „auf Teufel komm raus“ wird es also auch jetzt nicht geben, schließlich geht es bei Werder Bremen auch noch um sportliche Ziele in der kommenden Saison. Zuletzt war es Ole Werner stets gelungen, mit seinem Team eine bessere Platzierung in der Abschlusstabelle der Bundesliga einzufahren. Verantwortlich waren dafür vornehmlich die arrivierten Kräfte, für viel Fluktuation war kein Platz. Oder nicht genügend Qualität in der Breite vorhanden. Lücken, in die nun das bisherige U19-Sextett stoßen könnte. „Die Jungs haben sich diese Chance durch ihre starken Leistungen in den vergangenen Wochen verdient“, sagt Peter Niemeyer. „Wir glauben, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für sie gekommen ist, den nächsten Schritt zu gehen – und wir wollen sie auf diesem Weg bestmöglich unterstützen.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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