Matchplan von Werder-Trainer Werner geht auf

Mit Kampf und Flanken: So knackte Werder Bremen den FC Augsburg – die Taktik-Analyse

Wie der SV Werder Bremen um Trainer Ole Werner den FC Augsburg bezwang - die Taktik-Analyse.
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Wie der SV Werder Bremen um Trainer Ole Werner den FC Augsburg bezwang - die Taktik-Analyse.

Werder Bremen gewinnt das wichtige Spiel gegen den FC Augsburg mit 2:0. Die Bremer überzeugen in Kategorien, für die sonst eigentlich die Augsburger bekannt sind. DeichStube-Taktikanalyst Tobias Escher erklärt, was Werder richtig gemacht hat

Bremen - Niko Hüls, Musikjournalist und Fan des SV Werder Bremen, sagte einst, für Bundesliga-Vereine im Abstiegskampf gäbe es nur eine Richtgröße: Wie viele Punkte beträgt der Abstand zum FC Augsburg? Wer den FCA hinter sich lässt, steigt am Ende der Saison nicht ab. Diese – zugegebenermaßen recht simple – Logik gilt seit deren Aufstieg in die Bundesliga im Jahr 2011.  Aus diesem Grund war Werders direkte Duell gegen Augsburg aus mehreren Gründen bedeutend: Die Bremer wollten den Abstand zum Abstiegskonkurrenten verringern und zugleich ihre Negativserie beenden. Beides gelang dem SVW. Werder besiegte den FCA mit dessen eigenen Waffen: viel Kampf, ein wenig spielerische Klasse und viele Angriffe über die Flügel.

Taktik-Analyse: Werder Bremen deckt den FC Augsburg eng

Werder-Coach Ole Werner veränderte seine Startelf auf zwei Positionen. Felix Agu und der verletzte Marco Friedl wurden nach dem 0:2 gegen den VfB Stuttgart durch Olivier Deman und Niklas Stark ersetzt. Werder Bremen begann im bekannten 5-3-2-System. Werder kehrte gegen Augsburg zur mannorientierten Deckung zurück. Diese hatten sie an den ersten Spieltagen der Saison angewandt. Zuletzt hatte Werder stärker im Raum verteidigt. Exemplarisch stand dafür Romano Schmid: Gegen den Ball agierte er als Zehner hinter der Doppelspitze aus Marvin Ducksch und Rafael Borré. Schmids Aufgabe bestand darin, den gegnerischen Sechser Niklas Dorsch zu verfolgen.

Schmids Deckung gegen Dorsch war clever gewählt. Unter Trainer Jess Thorup lässt sich Dorsch im Spielaufbau fallen. Der Sechser hat im Augsburger 4-2-3-1-System die Aufgabe, das Spiel aus der Tiefe zu gestalten. So griff Augsburg in einem 4-3-3 an. Werder Bremen zeigte sich gegen dieses 4-3-3 gut gerüstet: Während Schmid Dorsch bewachte, deckten Leonardo Bittencourt und Jens Stage die gegnerischen Achter Elvis Rexhbecaj und Ermedin Demirovic. Werder agierte eng am Mann.

Die Grafik zeigt Werder Bremens mannorientierte Verteidigung. Romano Schmid verfolgte Niklas Dorsch eng. Ermedin Demirovic ließ sich aus dem Sturmzentrum ins Mittelfeld fallen. Auch er fand in Jens Stage einen wachsamen Gegenspieler.

Beide Teams schenken sich nichts: Werder Bremen gegen den FC Augsburg in der Taktik-Analyse

In der Anfangsviertelstunde konnte Werder Bremen sich dank der engen Deckung einen Vorteil erarbeiten. Sie selbst versuchten, maßgeblich über die rechte Seite anzugreifen. Mitchell Weiser rückte hier weit vor, während Deman sich auf der anderen Seite zurückhielt. Werder suchte Schmid oder Ducksch in den Zwischenlinienräumen. Beide spielten den Ball anschließend nach Außen zu Weiser. Nach einer Viertelstunde fand Augsburg besser in die Partie. Auch die Augsburger griffen fast ausschließlich über die Flügel an. Die Außenstürmer hatten die Aufgabe, Werders Außenverteidiger aus der Abwehrkette zu ziehen. Anschließend schossen die Außenverteidiger nach vorne, um die Räume in der Tiefe zu besetzen. Werders Außenverteidiger ließen sich nur selten locken. Mit zunehmender Spielzeit fand Augsburgs Rechtsverteidiger Kevin Mbabu den freien Raum hinter Deman.

Weder die Bremer noch die Augsburger konnten in der ersten Halbzeit echte Torgefahr entfachen. Beide Teams trauten sich nicht mit allzu vielen Spielern nach vorne. Gegen das Pressing des Gegners ging niemand ins Risiko. So schlugen beide Teams bei der kleinsten Gefahr einen langen Ball. Die zweiten Bälle konnte zumeist das verteidigende Team erobern. Mit ihrer risikoarmen Spielweise neutralisierten sich beide Teams. Folgerichtig fiel der einzige Treffer nach einem Standard. Niklas Stark beendete Werders Eckball-Krise und köpfte sein Team in Führung (39.).

Werder Bremen drängt auf das 2:0: Die Taktik-Analyse zum Sieg gegen den FCA

In der zweiten Halbzeit ruhten sich die Bremer nicht auf der Führung aus. Auf den Wiederanpfiff folgte Werders dominanteste Phase. Augsburg versuchte nun, den Druck zu erhöhen. Demirovic agierte seltener als Achter, sondern zumeist als zweiter Stürmer. Das verschaffte Werder Bremen ein Übergewicht im zentralen Mittelfeld: Werders Dreier-Mittelfeld war der Augsburger Doppelsechs überlegen. Profiteur war in dieser Phase kein Spieler im Zentrum – sondern Rechtsverteidiger Weiser. Schmid erhielt im Zentrum mehr Bälle, er spielte sie heraus zur rechten Seite. Werder kam vermehrt zu Flanken. Eine Hereingabe von Weiser führte zum 2:0 (65.). Auch Milos Veljkovic rückte weit vor und schlug einige Hereingaben. Insgesamt 22 Flanken schlug Werder in den Strafraum – Saisonrekord.

Hausaufgabe für Werder Bremen: Konterspiel - die Taktikanalyse zum 2:0-Sieg gegen den FC Augsburg

Mit der 2:0-Führung im Rücken zog sich der SV Werder Bremen zurück. Bis zum 2:0 lag Bremens Ballbesitzwert bei über 55 Prozent. In der letzten halben Stunde sammelte Werder nur 40%. Werder zog sich im 5-3-2 zurück und überließ Augsburg das Spiel. Diesen fiel auch in der Folge wenig ein, wie sie vor das Tor gelangen sollten. Immer wieder suchten sie den Weg über die Außen, nur selten erreichten sie von dort den Strafraum. Werder hätte einen ruhigen Abend verleben können – hätten sie eine ihrer zahlreichen Kontermöglichkeiten verwertet. Coach Ole Werner wechselte mit Justin Njinmah einen Konterstürmer ein, er sortierte sich im offensiven Mittelfeld ein. Jens Stage rückte nach der Einwechslung von Senne Lynen ebenfalls nach vorne. Theoretisch war Werder gut gerüstet für Konterangriffe, zumal Augsburg mit dem Mute der Verzweiflung immer weiter aufrückte.

Einziges Problem: Werder Bremen spielte die eigenen Konter nicht sauber zu Ende. Mal startete kein Angreifer in die Tiefe, mal gleich mehrere. Zu häufig stimmte der erste Pass nicht, sodass Augsburg die Kugel zurückerobern konnte. So wäre das Spiel beinahe noch einmal spannend geworden. Doch Arne Engels traf aus guter Position nur die Latte (86.). So überwiegen angesichts des 2:0-Siegs die positiven Seiten des Bremer Spiels. In der ersten Halbzeit überzeugten sie mit einer kämpferisch starken Leistung. Nach der Pause steigerten sie sich fußballerisch und verdienten sich den 2:0-Erfolg. Werder setzt sich damit nicht nur von den Abstiegsrängen ab, sie verringern auch ihren Rückstand auf Augsburg auf nurmehr drei Punkte. Das kann im Abstiegskampf noch wichtig werden.

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