Knapper 1:0-Heimsieg

Mit Geduld und Konzentration: Wie Werder den VfL Bochum müde spielte - Taktik-Analyse zum Sieg

Europa-League-Aspirant gegen Kellerkind? Von wegen! Lange Zeit kontrollierte der VfL Bochum gegen Werder Bremen das Geschehen. Bochums Dominanz war aber mehr Schein als Sein. Warum Werders Konterstrategie nach der Pause vollends aufging, erklärt Taktik-Analyst Tobias Escher.

Vor dem Duell zwischen Werder Bremen und dem VfL Bochum hätte die Ausgangslage kaum unterschiedlicher sein können. Während die Bremer um Europa mitspielen, steckt der Gast aus dem Ruhrpott tief im Abstiegskampf. Doch wären beide Teams am Samstagnachmittag in neutralen Trikots aufgelaufen, hätte wohl kaum jemand erkannt, wer der Europa-Aspirant und wer das Kellerkind sein soll. Der VfL kontrollierte die Partie über weite Strecken, während Werder in der eigenen Hälfte festhing. In der ersten Stunde hatte Bochum ein Ballbesitz-Plus und gab mehr Torschüsse ab. Doch am Ende zahlte sich Werders Spielweise aus: Sie ließen die Gäste kommen, um in der finalen halben Stunde zuzuschlagen.

Ole Werner und Werder Bremen haben den VfL Bochum müde gespielt. Der Heimsieg in der Taktik-Analyse.

Werder Bremens Sieg in der Taktik-Analyse: VfL Bochum übernimmt zunächst die Initiative

Ole Werner sah nach dem 2:1-Erfolg in Stuttgart keine Notwendigkeit, seine Startelf zu verändern. Werder Bremen begann in der bekannten Mischung aus 5-3-2 und 5-2-3. Romano Schmid agierte gegen Bochum in einer etwas tieferen Rolle. Da auch Weiser bei gegnerischem Ballbesitz in der Abwehrkette verharrte, verteidigte Werder zumeist im 5-3-2. 

Gäste-Trainer Dieter Hecking stellte seine Elf etwas offensiver auf. Die Bochumer agierten durchgehend mit drei Stürmern. Als Grundformation wählte Hecking ein 3-4-3. Mit dieser Variante konnte der VfL die Bremer spiegeln: Vorne liefen die drei Stürmer die drei grün-weißen Innenverteidiger an. Hinten rückte ein Innenverteidiger aggressiv vor, um Schmid zu stören. So stellten die Bochumer den Spielaufbau der Hausherren zu. 

Während der VfL Bochum auf dem ganzen Feld Mann-gegen-Mann verteidigte, zogen sich die Hanseaten überraschend zurück. Nur selten liefen die Bremer den Gegner in vorderster Linie an. Das war auch dem Spielaufbau der Bochumer geschuldet: Immer wieder ließ sich ein Sechser fallen. So hatte Bochum in der ersten Linie eine Überzahl. Aber auch wenn sich kein Sechser fallenließ, verharrte Werder Bremen meist in der kompakten 5-3-2-Grundordnung. 

Die Grafik zeigt Bochums Spielaufbau. Werder stellte die Passwege zu, presste die Bochumer Überzahl in der ersten Linie aber nicht. Der VfL wählte häufig den langen Ball und ging dann mithilfe der Sechser und Außenverteidiger auf den zweiten Ball.

Die zweiten Bälle landen beim VfL Bochum: Taktikanalyse zu Werder Bremens Heimsieg

So entstand ein überraschendes Bild im Weserstadion: Die Bochumer erarbeiten sich bis zur Halbzeitpause ein optisches Übergewicht. Sie liefen den Spielaufbau der Gastgeber wuchtig an. Werder Bremen versuchte wie gewohnt, das Spiel über die Außenverteidiger ins Sturm- oder Mittelfeldzentrum zu eröffnen. Doch der Druck der Gäste war so hoch, dass sie selten diese Pässe spielen konnten. 

VfL Bochum konnte wiederum gänzlich ungestört das Spiel aufbauen. Werder Bremen stellte zwar die Passwege ins Mittelfeldzentrum zu. Dafür erhielten die Innenverteidiger des VfL genug Zeit am Ball, um einen langen Ball vorzubereiten. Der lange Schlag gehört zum Bochumer Repertoire: Kein Team in der Bundesliga schlägt mehr hohe Bälle. Gegen Werder überboten sie ihren Saisonschnitt von 66 langen Bällen noch einmal deutlich: Insgesamt 84 hohe Bälle flogen in Richtung Bremer Strafraum. 

Diese hohen Bälle konnte der Tabellensiebzehnte zwar selten direkt verarbeiten. Zumeist gehörte der zweite Ball jedoch den Gästen aus dem Ruhrgebiet. Die Bochumer Doppelsechs schob aggressiv vor, um die Abpraller aufzusammeln. Auch die Außenverteidiger rückten ins Zentrum, um die zweiten Bälle zu erobern.  

Taktik-Analyse: VfL Bochums Dominanz gegen Werder Bremen mehr Schein als Sein

Langer Ball Bochum, zweiter Ball, erneut der lange Ball: So entstand der Eindruck, als stünde Werder Bremens Abwehrkette unter Dauerbeschuss. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Bochums Dominanz mehr Schein als Sein darstellte. Zwar kamen sie über ihre langen Bälle in die gegnerische Hälfte. Dort war jedoch zumeist Schluss. Die grün-weiße Abwehr klärte jeden hohen Ball und jede Flanke.  

Die fehlende Durchschlagskraft kam wenig überraschend: Vier Bochumer Spieler waren im Aufbau gebunden, zwei bis drei weitere lauerten auf den zweiten Ball. Wenn ein Spieler eine Flanke schlug, standen maximal zwei bis drei Abnehmer im Strafraum bereit. VfL Bochum mag optisch überlegen gewesen sein. In Torchancen konnten sie diese Dominanz nie ummünzen. 

Werder Bremens Spiel war ganz auf den Umschaltmoment ausgelegt: Schmid ließ sich auf halblinks fallen, während Oliver Burke und Mitchell Weiser auf rechts die Abwehrkette attackierten. Oft fehlte den Bremer jedoch die letzte Genauigkeit, um diese Konterangriffe auszuspielen. Zudem stand die Bochumer Abwehr der Verteidigung des SVW in Sachen Konzentration in nichts nach. Auf beiden Seiten zeigten die Abwehrspieler die stärksten Leistungen. 

Dem VfL Bochum geht gegen Werder Bremen die Puste aus - Taktikanalyse zum Heimsieg

In der zweiten Halbzeit fokussierte sich Werder Bremen etwas stärker über Angriffe über die eigene linke Seite. Tim Oermann rückte hier häufig vor, um Schmid zu decken. Felix Agu agierte etwas offensiver, um die Lücke hinter Oermann zu attackieren. Ein klares Chancenplus erarbeiteten sich die Bremer jedoch erst in der Schlussphase. Das hatte zwei Gründe: Zum einen belebten Ole Werners Wechsel das Angriffsspiel. Justin Njinmah suchte wie Burke die Tiefe, während Marco Grüll etwas mehr Bälle festmachte als Marvin Ducksch. Schmid konnte zudem etwas höher agieren, da Leonardo Bittencourt als tiefer Sechser neben Senne Lynen absicherte. 

Der zweite, gewichtigere Grund für den Bremer Sieg lag beim Gegner: Der VfL Bochum konnte das Tempo der ersten Halbzeit nicht mehr halten. Sie wirkten mit jeder Minute müder. Ihr Pressing war etwas weniger mannorientiert, die zweiten Bälle landeten öfter bei Werder. Das genügte, damit die Gastgeber sich ein klares Chancenplus erarbeitete. Acht ihrer insgesamt 14 Schüsse gaben die Bremer nach der 70. Minute ab. Einfacher gesagt: Werder Bremen hat den Gegner müde gespielt. Dem SVW genügte eine starke Schlussphase sowie eine konzentrierte Abwehrleistung für den wichtigen 1:0-Sieg. Am Ende ist vielleicht genau diese Cleverness der Grund, warum Werder um Europa und Bochum um den Abstieg spielt.  

Rubriklistenbild: © IMAGO/MDeFodi Images

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Kommentare