Kolumne: Thomas Schaaf schreibt für die DeichStube

„Trainerwechsel sind nicht einfach“

Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen, Andreas Herzog und Rolf Fuhrmann.

Von Thomas Schaaf. Es wurde in letzter Zeit in diversen Medien viel berichtet, dazu möchte ich nur sagen: Ich bin überhaupt nicht in die aktuellen Ereignisse bei Werder involviert.

Es gab keinen Kontakt zu den handelnden Personen. Was sich da in Zukunft zwischen dem Verein und mir neben meiner Aufgabe als Botschafter entwickeln könnte, wird sich zeigen, ist aber im Moment auch nicht so wichtig.

Werder hat gerade keine schöne Situation. Ich maße mir nicht an, zu beurteilen, ob der Trainerwechsel richtig war. Da vertraue ich den Verantwortlichen. Man muss ihnen dieses Recht der Entscheidung zugestehen, daran werden sie letztlich auch gemessen. Fakt ist, dass die Phase der Spiele ohne Sieg saisonübergreifend schon sehr lang war. Da wächst der Druck auf die handelnden Personen immer mehr. Gerade in der heutigen Zeit, wo alles immer schneller gehen muss.

Trainer muss sich klar sein, ob das Risiko zu groß sein könnte

Man darf aber nicht alles nur am Trainer festmachen und muss genauso die Mannschaft in die Pflicht nehmen. Außerdem hat sich der Kader im Sommer schon verändert, es fehlen so erfahrene Spieler wie Clemens Fritz und Claudio Pizarro, auch das Tempo eines Serge Gnabry könnte Werder gut gebrauchen. Und Alexander Nouri konnte auch nichts dafür, dass Max Kruse verletzungsbedingt so lange ausgefallen ist. Das alles muss in die Bewertung mit einfließen. Im Sport zählen natürlich die Ergebnisse. Wenn die nicht stimmen, dann muss aber zumindest die Überzeugung der Verantwortlichen in den eingeschlagenen Weg noch da sein. Das war offenbar nicht mehr der Fall.

Nun hat Florian Kohfeldt das Traineramt übernommen. Das ist eine große Herausforderung für ihn. Ich kann verstehen, dass jeder Trainer – egal welchen Alters – gerne auf der höchsten Bühne seine Fähigkeiten unter Beweis stellen möchte. Im Moment wird sehr schnell sehr jungen Trainern die Verantwortung für eine Bundesliga-Mannschaft übertragen. Ich hoffe dann immer, dass sie auch die richtige Unterstützung und die nötige Zeit bekommen, um ihre Ideen umsetzen zu können. Jeder Partei sollte bewusst sein: Was kann und darf ich von der anderen Seite erwarten? Auch der Trainer muss sich klarmachen, was da alles auf ihn zukommt. Und er muss abwägen, ob es die richtige Situation für ihn ist oder das Risiko zu groß sein könnte, sich zu verbrennen.

Thomas Schaaf: Seine Karriere in Bildern

Thomas Schaaf
Schon mit elf Jahren spielt Thomas Schaaf in der Jugend des SV Werder Bremen, sein Bundesliga-Debüt gibt er in der Saison 1978/79 kurz vor seinem 18. Geburtstag. In der Saison 79/80 steigt er mit Werder ab. © imago
Thomas Schaaf
In der Zweiten Liga wird Schaaf zum Stammspieler, steigt nach nur einer Saison wieder auf und wird zur festen Größe in der Bundesliga. 1988 feiert er erstmals die Deutsche Meisterschaft. © imago
Thomas Schaaf
Drei Jahre später folgt mit dem DFB-Pokal der nächste Titel. Schaaf hat in der Saison nur wenige Einsätze, fiebert im Elfermeterschießen von der Bank aus mit. © imago
Thomas Schaaf
Der Pokalsieg läutet die goldene Ära ein, die mit dem Europapokal 1992 ihren Höhepunkt findet. Schaaf kommt im Finale für den verletzten Thomas Wolter ins Spiel. © imago
Thomas Schaaf
In den folgenden Jahren geht es wieder auf den Rathausbalkon: Werder holt 1993 die Schale erneut an die Weser... © imago
Thomas Schaaf
...und im Jahr darauf gibt es eine weitere Gravur auf dem DFB-Pokal. Thomas Schaaf (ganz rechts) ist da schon seltener auf dem Platz zu finden. 1995 beendet er seine Karriere nach 262 Bundesligaspielen. © imago
Thomas Schaaf
Auch nach dem Karriereende bleibt er dem Verein treu, wird erst Jugendtrainer und übernimmt 1999 kurz vor Saisonende die Profis. Er rettet die Mannschaft vor dem Abstieg und gewinnt einen Monat später seinen dritten Pokal – sein erster Titel als Trainer. © imago
2004 schafft er dann, was zuvor noch keinem bei Werder gelang: Seine Mannschaft holt zuerst die Meisterschaft...
2004 schafft er dann, was zuvor noch keinem bei Werder gelang: Seine Mannschaft holt zuerst die Meisterschaft... © imago
...und dann noch den Pokal in die Hansestadt. Trainer Schaaf wird als Double-Coach zur Legende.
...und dann noch den Pokal in die Hansestadt. Trainer Schaaf wird als Double-Coach zur Legende. © imago
Zusammen mit Sportchef Klaus Allofs, seinem ehemaligen Teamkollegen, prägt er ein erfolgreiches Jahrzehnt der Grün-Weißen.
Zusammen mit Sportchef Klaus Allofs, seinem ehemaligen Teamkollegen, prägt er ein erfolgreiches Jahrzehnt der Grün-Weißen. © imago
In dieser Zeit ist Werder Bremen Dauergast im internationalen Wettbewerb. Trainer Schaaf kleidet sich dem Anlass entsprechend.
In dieser Zeit ist Werder Bremen Dauergast im internationalen Wettbewerb. Trainer Schaaf kleidet sich dem Anlass entsprechend. © imago
Seinen letzten Titel holt er 2009: Bremen verliert zwar das Finale des UEFA-Cups, geht aber zehn Tage später in Berlin als Sieger vom Platz.
Seinen letzten Titel holt er 2009: Bremen verliert zwar das Finale des UEFA-Cups, geht aber zehn Tage später in Berlin als Sieger vom Platz. © imago
Als 2013 die Erfolge nach zwei schwierigen Spielzeiten ganz ausbleiben, trennt sich der Verein schließlich nach 14 Jahren von Thomas Schaaf. Länger war nur Otto Rehhagel bei Werder im Amt.
Als 2013 die Erfolge nach zwei schwierigen Spielzeiten ganz ausbleiben, trennt sich der Verein schließlich nach 14 Jahren von Thomas Schaaf. Länger war nur Otto Rehhagel bei Werder im Amt. © imago
Nach nur einem Jahr kehrt Schaaf jedoch in die Bundesliga zurück. Es folgen kurze Anstellungen bei Eintracht Frankfurt (2014/15)..
Nach nur einem Jahr kehrt Schaaf jedoch in die Bundesliga zurück. Es folgen kurze Anstellungen bei Eintracht Frankfurt (2014/15).. © imago
...und Hannover 96 (2015/16). Nach knapp vier Monaten wird er von den Niedersachsen beurlaubt. Es ist seine bisher letzte Trainerstation.
...und Hannover 96 (2015/16). Nach knapp vier Monaten wird er von den Niedersachsen beurlaubt. Es ist seine bisher letzte Trainerstation. © imago
Thomas Schaaf
Bei der EM 2016 ist er dann als Beobachter für die UEFA tätig. Im Oktober 2017 ist Thomas Schaaf im Gespräch als Kandidat für den geplanten Posten des Technischen Direktors bei seinem Heimatklub Werder Bremen. © imago
Thomas Schaaf wird ab Juli Technischer Direktor beim SV Werder Bremen.
Seit dem 30. April 2018 ist klar: Thomas Schaaf kehrt zum SV Werder zurück und besetzt ab dem 1. Juli die Position des Technischen Direktors. © gumzmedia

Julian Nagelsmann hat das Vertrauen und die Zeit bekommen. Er ist ein gutes Beispiel, dass es mit einem sehr jungen Trainer funktionieren kann. Aber für den einen oder anderen jungen Coach war der Weg auch sehr schnell wieder zu Ende.

Bei Florian Kohfeldt hoffe ich natürlich, dass er einen erfolgreichen Weg gehen wird. Er wird alles versuchen, um Werder zu helfen. Ich bin mir zudem sicher, dass seine Zusammenarbeit mit Frank Baumann als Sportchef sehr gut funktionieren wird. Da herrscht ein großes Vertrauen. Das ist sehr wichtig. Deswegen dürfte es auch kein Problem sein, dass die Zusammenarbeit erst mal nur bis zur Winterpause gilt. Vielleicht will der Verein damit verdeutlichen: Wir sind uns der schwierigen Lage bewusst und wachsam.

Hannover war eine kurze, aber intensive Zeit für mich

Am Sonntag kommt nun Hannover 96 nach Bremen. Ich freue mich, dass mein ehemaliger Club wieder zurück in der Bundesliga ist. Das war vor zwei Jahren eine kurze, aber sehr intensive Zeit für mich als Trainer. Wir sind dort in einer sehr schwierigen Situation eingestiegen und haben alles versucht. Aber es gibt Situationen, da passt es einfach nicht. Ich konnte dort das Steuer nicht rumreißen.

Ich hätte dafür möglicherweise auch zu viel ändern müssen. Das war nicht gewollt – und das ist auch absolut in Ordnung. Trainerwechsel sind nicht so einfach, wie sich die Öffentlichkeit das vorstellt. Denn alle hoffen sofort auf bessere Ergebnisse. Aber im Fall von Werder mache ich das jetzt natürlich auch. Es muss unbedingt gepunktet werden, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Thomas Schaaf

Thomas Schaaf: Erst Spieler, dann Trainer – mehr Werder geht eigentlich nicht. Und dabei war Thomas Schaaf extrem erfolgreich. Als Spieler (1978 bis 1995) holte er zwei Meisterschaften, zweimal den DFB-Pokal und den Europapokal der Pokalsieger, als Trainer (1999 bis 2013) das Double und dreimal den Pokal. Aktuell arbeitet der 56-Jährige als technischer Beobachter für die Uefa.

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