Kolumne: Thomas Schaaf schreibt für die DeichStube
„Trainerwechsel sind nicht einfach“
Von Thomas Schaaf. Es wurde in letzter Zeit in diversen Medien viel berichtet, dazu möchte ich nur sagen: Ich bin überhaupt nicht in die aktuellen Ereignisse bei Werder involviert.
Es gab keinen Kontakt zu den handelnden Personen. Was sich da in Zukunft zwischen dem Verein und mir neben meiner Aufgabe als Botschafter entwickeln könnte, wird sich zeigen, ist aber im Moment auch nicht so wichtig.
Werder hat gerade keine schöne Situation. Ich maße mir nicht an, zu beurteilen, ob der Trainerwechsel richtig war. Da vertraue ich den Verantwortlichen. Man muss ihnen dieses Recht der Entscheidung zugestehen, daran werden sie letztlich auch gemessen. Fakt ist, dass die Phase der Spiele ohne Sieg saisonübergreifend schon sehr lang war. Da wächst der Druck auf die handelnden Personen immer mehr. Gerade in der heutigen Zeit, wo alles immer schneller gehen muss.
Trainer muss sich klar sein, ob das Risiko zu groß sein könnte
Man darf aber nicht alles nur am Trainer festmachen und muss genauso die Mannschaft in die Pflicht nehmen. Außerdem hat sich der Kader im Sommer schon verändert, es fehlen so erfahrene Spieler wie Clemens Fritz und Claudio Pizarro, auch das Tempo eines Serge Gnabry könnte Werder gut gebrauchen. Und Alexander Nouri konnte auch nichts dafür, dass Max Kruse verletzungsbedingt so lange ausgefallen ist. Das alles muss in die Bewertung mit einfließen. Im Sport zählen natürlich die Ergebnisse. Wenn die nicht stimmen, dann muss aber zumindest die Überzeugung der Verantwortlichen in den eingeschlagenen Weg noch da sein. Das war offenbar nicht mehr der Fall.
Nun hat Florian Kohfeldt das Traineramt übernommen. Das ist eine große Herausforderung für ihn. Ich kann verstehen, dass jeder Trainer – egal welchen Alters – gerne auf der höchsten Bühne seine Fähigkeiten unter Beweis stellen möchte. Im Moment wird sehr schnell sehr jungen Trainern die Verantwortung für eine Bundesliga-Mannschaft übertragen. Ich hoffe dann immer, dass sie auch die richtige Unterstützung und die nötige Zeit bekommen, um ihre Ideen umsetzen zu können. Jeder Partei sollte bewusst sein: Was kann und darf ich von der anderen Seite erwarten? Auch der Trainer muss sich klarmachen, was da alles auf ihn zukommt. Und er muss abwägen, ob es die richtige Situation für ihn ist oder das Risiko zu groß sein könnte, sich zu verbrennen.
Thomas Schaaf: Seine Karriere in Bildern




Julian Nagelsmann hat das Vertrauen und die Zeit bekommen. Er ist ein gutes Beispiel, dass es mit einem sehr jungen Trainer funktionieren kann. Aber für den einen oder anderen jungen Coach war der Weg auch sehr schnell wieder zu Ende.
Bei Florian Kohfeldt hoffe ich natürlich, dass er einen erfolgreichen Weg gehen wird. Er wird alles versuchen, um Werder zu helfen. Ich bin mir zudem sicher, dass seine Zusammenarbeit mit Frank Baumann als Sportchef sehr gut funktionieren wird. Da herrscht ein großes Vertrauen. Das ist sehr wichtig. Deswegen dürfte es auch kein Problem sein, dass die Zusammenarbeit erst mal nur bis zur Winterpause gilt. Vielleicht will der Verein damit verdeutlichen: Wir sind uns der schwierigen Lage bewusst und wachsam.
Hannover war eine kurze, aber intensive Zeit für mich
Am Sonntag kommt nun Hannover 96 nach Bremen. Ich freue mich, dass mein ehemaliger Club wieder zurück in der Bundesliga ist. Das war vor zwei Jahren eine kurze, aber sehr intensive Zeit für mich als Trainer. Wir sind dort in einer sehr schwierigen Situation eingestiegen und haben alles versucht. Aber es gibt Situationen, da passt es einfach nicht. Ich konnte dort das Steuer nicht rumreißen.
Ich hätte dafür möglicherweise auch zu viel ändern müssen. Das war nicht gewollt – und das ist auch absolut in Ordnung. Trainerwechsel sind nicht so einfach, wie sich die Öffentlichkeit das vorstellt. Denn alle hoffen sofort auf bessere Ergebnisse. Aber im Fall von Werder mache ich das jetzt natürlich auch. Es muss unbedingt gepunktet werden, um den Anschluss nicht zu verlieren.
Thomas Schaaf: Erst Spieler, dann Trainer – mehr Werder geht eigentlich nicht. Und dabei war Thomas Schaaf extrem erfolgreich. Als Spieler (1978 bis 1995) holte er zwei Meisterschaften, zweimal den DFB-Pokal und den Europapokal der Pokalsieger, als Trainer (1999 bis 2013) das Double und dreimal den Pokal. Aktuell arbeitet der 56-Jährige als technischer Beobachter für die Uefa.
Weitere Kolumnen aus der DeichStube
Nils Petersen: „Richtig schlechtes Gewissen! - So habe ich Trainerwechsel erlebt“
Andreas Herzog: „Ich würde sofort als Trainer einsteigen!“
