Mittelstürmersuche

Fehlende Durchschlagskraft: Werder und die Stürmerfrage – kommt ein neuer Angreifer im Winter?

Die Flaute im Sturmzentrum des SV Werder Bremen geht weiter. Holen die Grün-Weißen im Winter deshalb einen neuen Angreifer? So denken die Verantwortlichen über einen Transfer.

Bremen – Es gehört nach einem Fußballspiel zu den beliebtesten Diskussionspunkten unter Fans, Verantwortlichen und Medien, darüber zu sprechen, wie sich eine Partie entwickelt hätte, wenn einzelne Aktionen anders ausgegangen wären. Nach der am Ende sehr deutlichen 0:4-Heimniederlage des SV Werder Bremen gegen den VfB Stuttgart galt dies besonders für die drei aussichtsreichen Bremer Chancen zu Beginn der Partie – allesamt durch Justin Njinmah. Der 25-Jährige war anstelle von Keke Topp in die Mannschaft gerückt und in der ersten Hälfte ein belebendes Element im grün-weißen Offensivspiel. „Wenn man solche Chancen gegen Stuttgart früh nutzt, nimmt das Spiel einen ganz anderen Verlauf“, sagte Njinmah nach der Partie mit Blick auf seine drei Gelegenheiten in den ersten zehn Minuten und ergänzte: „Davon muss mindestens einer sitzen.“ Tat er am Ende jedoch nicht. Die Partie nahm bekanntlich eine andere Wendung, weshalb nach dem Schlusspfiff in den Katakomben erneut das Thema der fehlenden Mittelstürmertore aufkam. Denn bis auf Njinmah selbst, der in der Vorwoche nach seiner Einwechslung als Mittelstürmer bei der Derbyniederlage gegen den HSV zum zwischenzeitlichen Ausgleich getroffen hatte, kann Werder in dieser Saison bislang kein weiteres Tor aus dem Zentrum vorweisen.

Kaum Tore von Mittelstürmern: Keke Topp (li.) und Victor Boniface (Mitte) sind in dieser Saison noch ohne Treffer für den SV Werder Bremen, immerhin Justin Njinmah hatte bereits Grund zum Jubeln.

Mittelstürmer-Tore bei Werder Bremen schmerzlich vermisst: Muss der SVW nochmal auf dem Transfermarkt zuschlagen?

Die beiden nominellen Neuner Keke Topp und Victor Boniface, der gegen Stuttgart mit einer Knieprellung fehlte, warten auch nach dem 14. Spieltag weiterhin auf ihr erstes Erfolgserlebnis. Marco Grüll, der gegen die Schwaben in der Sturmspitze auflief, hat zwar bereits zwei Saisontore auf dem Konto, erzielte diese jedoch jeweils als Flügelspieler. Eine Situation, die kurz vor Beginn der Wintertransferperiode die Frage aufwirft, inwiefern Werder Bremen auf der Mittelstürmerposition noch einmal nachlegen sollte. Denn das aktuelle Personal lieferte in dieser Spielzeit noch keinen Beleg dafür, dass die Bremer offensiv quantitativ wie qualitativ ausreichend gut besetzt sind. Während Boniface weiterhin seiner optimalen körperlichen Verfassung hinterherläuft, ist Topp zwar stets bemüht, bislang aber auch den Beweis schuldig geblieben, in seinem jungen Alter bereits als verlässlicher Stammstürmer in der Bundesliga zu taugen. Auch die Experimente mit Grüll und Njinmah als alleinige Spitze erwiesen sich nicht als dauerhafte Lösungen.

Holt Werder Bremen im Winter einen neuen Stürmer? So denken Horst Steffen und Co. über einen möglichen Transfer

Muss also im Winter auf dieser Position ein neuer Mann kommen? „Natürlich bewerten wir unseren Kader und schauen, was im Winter möglich ist“, sagte Werders Leiter Profifußball Peter Niemeyer auf Nachfrage. „Wir haben grundsätzlich verschiedene Varianten im Sturm, sind von der Quantität her im Angriff aber nicht groß besetzt.“ Nach einem kategorischen Transfer-Ausschluss klang das nicht, auch wenn Niemeyer betonte: „Das ist aber kein Thema für direkt nach dem Spiel.“ Klar ist jedoch, dass Werders Möglichkeiten zur Nachbesserung im Winter begrenzt sind. Zum einen ist das Kontingent von sechs möglichen Leihspielern bereits im Sommer ausgeschöpft worden, zum anderen sind die finanziellen Mittel stark limitiert, um auf dem ohnehin schwierigen Wintermarkt eine sofortige Verstärkung für die Mittelstürmerposition fest verpflichten zu können. Bedeutet: Entweder müsste Werder Bremen bei einer festen Verpflichtung finanziell ins Risiko gehen oder eine bestehende Leihe abbrechen, um Platz für ein weiteres Leihgeschäft zu schaffen. Dabei wäre man allerdings auf das Einverständnis des abgebenden Vereins sowie des Spielers angewiesen – was im Fall von Victor Boniface angesichts seiner bislang unzureichenden Auftritte sowie Leverkusens Wunsch, ihn bereits im vergangenen Sommer fest abzugeben, nur schwer vorstellbar erscheint.

Ein Thema dürfte die ungeklärte Frage nach einer Dauerlösung in der Sturmzentrale des SV Werder Bremen dennoch bis zum Schließen des Transferfensters Ende Januar bleiben – auch wenn Cheftrainer Horst Steffen nach der Stuttgart-Pleite öffentlich auf Forderungen nach Neuzugängen verzichtete. „Wir werden das sicherlich besprechen, aber ich weiß noch nicht, welche Möglichkeiten es gibt. Natürlich stehe ich für meine Belange ein, aber die muss ich nicht öffentlich kundtun“, sagte der 56-Jährige und ergänzte: „Solange kein Neuzugang da ist, arbeite ich mit den Jungs, die da sind, und versuche, sie in ihre beste Verfassung zu bringen, damit wir unsere Tore schießen.“ (bvo/dco)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Weis/TEAM2sportphoto

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