Alarm im Advent

Werder Bremen schlingert weiter in die Krise – mit hausgemachten Problemen

Beim SV Werder Bremen herrscht nach dem Debakel gegen den VfB Stuttgart endgültig Krisenstimmung. Wie die Lage am Osterdeich eingeschätzt wird – ein Nachbericht.

Bremen – Die reguläre Spielzeit war praktisch abgelaufen, da kam es am späten Sonntagabend im Weserstadion zu einem bemerkenswerten Moment. Denn dass sich der SV Werder Bremen von seinen eigenen Fans höhnischen Applaus anhören muss, hat absoluten Seltenheitswert. Zu fein ist dafür das Gespür des Anhangs für die jeweilige Lage des Teams und zu groß seine fast schon ans Bedingungslose grenzende Unterstützung. Generationen von Spielern und Trainern haben das bereits gelobt, ja ehrfürchtig erwähnt. Umso alarmierender also, wenn die Stimmung auf den Rängen plötzlich kippt. So wie am Sonntagabend, als (einmal mehr) erschreckend schwache Bremer im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart in der 90. Minute beim Stand von 0:4 ihren ersten Eckball zugesprochen bekamen, was das Eckenverhältnis auf 1:9 korrigierte – und mit vergiftetem Beifall quittiert wurde. Beim Schlusspfiff dann: ein gellendes Pfeifkonzert. So klingt sie also, die Bremer Vorweihnachtszeit, in der längst nicht mehr nur der Adventskranz brennt.

Ernste Gesichter beim SV Werder Bremen: Die Grün-Weißen schlingern mit dem Debakel gegen den VfB Stuttgart weiter in die Krise.

Alarmstimmung bei Werder Bremen: Wie Horst Steffen und Co. mit dem Debakel gegen den VfB Stuttgart umgehen

Die wenig besinnliche Bestandsaufnahme: Seit vier Spielen hat Werder Bremen in der Bundesliga nun nicht mehr gewonnen, stattdessen drei davon verloren – und dabei einen Fußball gezeigt, der Fans und Beobachter weitestgehend ratlos zurücklässt. Hatten während des äußert milden Bremer Herbstes noch gute Ergebnisse durchwachsene Auftritte kaschieren können, treten die Probleme nun umso deutlicher zutage. Auch der Mannschaft bleibt das nicht verborgen. „Ich glaube, dass wir schon eine Zeitlang nicht so gespielt haben, wie wir uns das vorstellen, aber die Punkte dennoch gestimmt haben“, sagte Innenverteidiger Niklas Stark nach dem 0:4 gegen Stuttgart – und hielt schonungslos fest: „Das fällt uns jetzt auf die Füße.“ Weil es offenbar für trügerische Sicherheit und das Gefühl gesorgt hat, in der Entwicklung deutlich weiter zu sein, als es die Mannschaft tatsächlich ist. Und zwar in etlichen Bereichen.

„Es geht sicherlich darum, dass wir unsere Lösungen nach vorne noch besser spielen können“, sagte Cheftrainer Horst Steffen am Sonntagabend, „auch dürfen wir uns weiter in der Zweikampfquote verbessern. Das sind Themen, die wir anpacken müssen.“ Nach öffentlichem Weckruf oder gar einer Brandrede klang das wahrlich nicht, und das muss es ja auch nicht zwingend. Nur sollte intern die Ansprache längst unmissverständlich klar ausfallen. Schließlich wissen alle Beteiligten, dass die aktuellen Auftritte des SV Werder Bremen kaum ausreichen werden, um in der Bundesliga nicht in ganz große Not zu geraten. Dass Phasen innerhalb der Spiele gut aussehen – gegen Stuttgart waren es die ersten 15 Minuten – mag als Ansatz gelten. Für nachhaltigen Erfolg reicht es aber nicht aus.

Werder Bremen nach Debakel gegen VfB Stuttgart in der Krise: Zahlreiche Spieler finden noch nicht in ihre Rollen

„Von der Punkteausbeute her ist es auf jeden Fall ein Negativtrend. Wir sollten in der letzten Woche des Jahres alles dafür tun, um eine Reaktion hinzubekommen“, sagte Werder Bremens Leiter Profifußball Peter Niemeyer, der trotzdem dafür warb, die Spiele einzeln zu bewerten und an gute Abschnitte beispielsweise gegen Köln und Leipzig erinnerte. Sagen wir es so: Viel verbales Gewicht konnte er damit am Sonntagabend nicht in die Positiv-Waagschale legen. Vielleicht auch deshalb der Gang ins Beschwichtigende. „Sorgen müssen wir uns nicht machen“, sagte Niemeyer, schob aber direkt hinterher: „Aber wir müssen alle Antennen ausfahren und wirklich die Grundtugenden an den Tag legen.“

Ein Punkt, mit dem sich die Mannschaft derzeit schwertut, weil es so wirkt, als hätten zu viele Spieler zu viel mit sich selbst zu tun. Angefangen von den notorisch glücklosen Mittelstürmern Victor Boniface und Keke Topp über Kapitän Marco Friedl in ungewollter Linksverteidigerrolle bis hin zu den (eigentlichen) Offensivfreigeistern Samuel Mbangula und Cameron Puertas, die in Steffens System jedoch mit ungewohnt vielen Defensivaufgaben betraut sind, was sie wiederum daran hindert, vorne voll zur Entfaltung kommen zu können. Zufriedene Profis erzeugt so etwas bei Werder Bremen nicht.

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Krise bei Werder Bremen spitzt sich zu: Letztes Spiel des Jahres gegen FC Augsburg wird eminent wichtig

„Wir sind noch nicht so gefestigt. Der Trainer versucht, Lösungen zu finden“, sagte Niemeyer. „Man merkt, dass die Balance noch nicht da ist.“ Eine Hypothek, die Werder Bremen nach wie vor mit sich herumschleppt, angefangen im Sommer bis in den Dezember hinein, und die nun, kurz vor Weihnachten, so richtig aufs Bremer Gemüt drückt. Dem letzten Spiel des Jahres in Augsburg kommt somit doppelt große Bedeutung zu. Neben wertvollen drei Punkten geht es am kommenden Samstag (15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) schließlich noch um ebenso Wichtiges – nämlich die Möglichkeit, der angeknacksten Stimmung kurz vor der Winterpause noch eine dringend benötigte Aufhellung zu verpassen. (dco)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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