Zwischenbilanz an der Weser

Minenfeld Transfermarkt: So blickt Werder auf aktuelle Preise bei Spielersuche

Im Gegensatz zu Nordrivale HSV hat Werder Bremen schon viele Neuzugänge präsentiert. Wie die Grün-Weißen auf den Transfermarkt blicken.

Beinahe neidvoll ging der Blick zur Konkurrenz – und somit auch nach Bremen. Schließlich hat der SV Werder in personeller Hinsicht schon einiges für die neue Saison getan. Beim Nordrivalen Hamburger SV dagegen passierte bislang: recht wenig. Leihspieler Albert Grönbaek wurde fest verpflichtet, darüber hinaus kam Kofi Amoako aus Dresden. Was manch Fan an der Elbe beunruhigen mag, sorgt bei den handelnden Personen keineswegs für Panik.

„Die Sache ist die: Wir könnten frühzeitig Verlässlichkeit haben, dann allerdings zu dem einen oder anderen Mondpreis“, hatte HSV-Vorstand Eric Huwer gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“ betont. „Der neue HSV ist nicht bekannt dafür, Mondpreise zu zahlen.“ Ein paar Kilometer weiter die A1 entlang wird ebenfalls nicht gern mit Geld um sich geworfen – weil es auch gar nicht geht. Und deshalb blickt Peter Niemeyer, Leiter Profifußball des SV Werder Bremen, im Gespräch mit der DeichStube trotz der bislang ansehnlichen Transferzwischenbilanz ebenfalls auf einen derzeit tückischen Markt.

Bisher hat Werder Bremen um Sportchef Clemens Fritz (re.) und Leiter Profifußball Peter Niemeyer (li.) auf dem Transfermarkt schon ordentlich zugeschlagen, beendet sind die Planungen aber noch nicht.

Anders als Nordrivale HSV: Werder Bremen hat auf dem Transfermarkt ordentlich zugeschlagen – ist aber noch nicht fertig

„Es gehen bereits extreme Summen von A nach B“, hat der 42-Jährige registriert. „Jeder versucht, für sich das Bestmögliche herauszuholen, was völlig legitim ist. Aber weil auch noch sehr viel Zeit bis zum Transferende ist, sind die Summen an vielen Stellen sehr ambitioniert.“ Die laufende Weltmeisterschaft tut da ihr Übriges. Folglich braucht es andere, kreative Lösungen, wenn die eigene Kasse nicht proppevoll ist, der eigene Kaderumbau aber vorangetrieben werden soll. Werder Bremen fährt dabei bislang den Kurs der kontrollierten Finanzoffensive.

Die beiden Stürmer Kenny Quetant und Cedric Itten wurden ebenso ablösefrei geholt wie der spanische Mittelfeldspieler Chuki und Torhüter Alexander Schlager. Für den bisherigen Magdeburger Dariusz Stalmach wurde nach DeichStube-Informationen lediglich eine Ablösesumme im sechsstelligen Bereich fällig. Keeper Karl Hein, der für knapp drei Millionen Euro als Ersatz für den nach Freiburg verkauften Mio Backhaus fest verpflichtet wurde, und der unter der Woche verpflichtete Verteidiger Oskar Wojcik (drei Millionen Euro plus mögliche Boni) waren am teuersten.

Hohe Transfer-Preise: Werder Bremen will auf Fundament aufbauen, braucht aber noch Geduld

Die Transferbemühungen des SV Werder Bremen sind dadurch nicht abgeschlossen, es werden noch Profis benötigt, die zwangsläufig mit einem anderen Preisschild im Schaufenster stehen. Aber: Es wurde in den Vorwochen ein Fundament geschaffen, das dazu beiträgt, dass nun nicht überhastet unmoralischen Verlockungen erlegen werden muss, wenn ein Wunschspieler kommen soll. Und doch ist es ein schmaler Grat, auf dem der Bundesligist wandelt, denn auch wenn die Vorbereitung erst an diesem Wochenende so richtig beginnt, gibt es keine Zeit zu vertrödeln. Neue Spieler müssen sich in einem für sie neuen Umfeld schließlich erst einmal zurechtfinden. Und so ergibt sich alljährlich ein Minenfeld aus Chancen und Optionen, das möglichst sicheren Fußes durchquert werden will.

Da können die hohen Preisvorstellungen ziemlich aufs Gemüt schlagen. „Wir lassen uns davon nicht beeinflussen und probieren, in den für uns möglichen Bereichen das Bestmögliche umzusetzen“, betont Werder Bremens Niemeyer jedoch. „Wir haben zu unserer Freude schon vieles umsetzen können, aber wir werden auch noch Geduld in den nächsten Wochen brauchen. Wir wollen weiterhin schnell und mutig sein, sind aber auch von anderen Faktoren abhängig. Und dann kann es eben manchmal dauern.“ Ganz ähnlich denken übrigens die Kollegen aus Hamburg. Dort versprach Eric Huwer der eigenen Anhängerschaft, der HSV werde bis Ende August eine Mannschaft „ins Feld jagen, die in der Lage sein wird, drei Mannschaften hinter sich zu lassen“. (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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