Werder-Transfer-News
Bleibt Bittencourt? Bei Werder wertgeschätzt, aber aktuell nur Außenseiter im Stammplatz-Rennen
Bleibt Leonardo Bittencourt bei Werder Bremen oder wechselt er noch im Sommer? Er wird im Verein geschätzt, doch ihm droht ein Platz auf der Bank - und er gilt nicht als unverkäuflich.
Bremen – Woche für Woche, sobald die Saison erstmal läuft, ähneln sich die Szenen, zu denen es noch weit vor dem Anstoß in den Stadien der Bundesliga kommt. In den Katakomben, am Bus, bei der Platzbegehung – überall ein großes Hallo. Man kennt sich eben. Spieler von Verein x begrüßen dann alte Weggefährten, die nun für Verein y aktiv, also Gegner sind. Ein kurzes Abklatschen, etwas Smalltalk, mal mehr, mal weniger überschwänglich, dann geht jeder wieder seiner Wege – bis zur nächsten Begegnung dieser Art, die oft nur ein paar Schritte weiter wartet. Die Querverbindungen in der Branche Bundesliga sind nahezu unzählbar – irgendwer hat immer schon mit irgendwem zusammengespielt, und sei es vor einer Ewigkeit in irgendeiner Landesauswahl.
Beim SV Werder Bremen heißt der unangefochtene Top-Netzwerker Leonardo Bittencourt, der bereits für fünf Bundesligisten aktiv war und von sich selbst schon mal im Scherz behauptet hat, dass er jeden Spieler der Liga kennt. Vielleicht war es auch ernst gemeint. Bevor der Mittelfeldmann im September 2019 in Bremen anheuerte, galt er so manchem Beobachter als eine Art Wandervogel. Nach nunmehr fünf Jahren am Osterdeich – nirgendwo war Bittencourt länger – ist der 30-Jährige diesen Ruf längst los, endgültig. Was nicht bedeuten muss, dass er in diesem Sommer nicht doch noch einmal weiterzieht.
Werder Bremen-Konkurrenzkampf im Mittelfeld: Bleibt Leonardo Bittencourt nur Ersatzmann?
Klar ist: Im Mittelfeld des SV Werder Bremen herrscht aktuell ein Überangebot an Spielern, die um die drei Positionen im Zentrum konkurrieren. Einen Sechser sowie zwei Achter bietet Cheftrainer Ole Werner dort in der Regel auf, was Bittencourts Möglichkeiten auf zwei Positionen zusammenschnurren lässt, weil er als Sechser nicht eingeplant ist. Vor der Abwehr vertraut Werner auf Senne Lynen und Skelly Alvero, alternativ könnte auch Jens Stage eine Position weiter hinten agieren. Grundsätzlich spricht nach der bisherigen Vorbereitung aber vieles dafür, dass Werner mit dem Dänen auf der Achterposition plant, neben EM-Teilnehmer Romano Schmid, der ohnehin gesetzt ist. Und Leonardo Bittencourt? Könnte sich mit der Rolle des Ersatzmannes anfreunden müssen. Wie ein heißer Kandidat für einen Stammplatz wirkt er derzeit eher nicht, auch wenn Leiter Profifußball Peter Niemeyer betont: „Wir haben im Mittelfeld eine sehr große Konkurrenzsituation. Leo mischt da voll mit.“
In den vergangenen Jahren ist der erfahrene Mann bei Werder Bremen tatsächlich immer auf seine Einsätze gekommen, zuletzt waren es stolze 29 von möglichen 34 in der Bundesliga-Saison 2023/24 – Bittencourts bisheriger Bremer Bestwert. In Niemeyers Augen kann der Profi aber auch dann wichtig sein, wenn er gar nicht auf dem Platz steht. „Er kann ein wichtiger Spieler innerhalb der Mannschaft sein, auf und neben dem Platz und kann mit seiner Art für eine positive Atmosphäre innerhalb des Teams sorgen.“
Werder Bremen-Transfers: Wechselt Leonardo Bittencourt? Routinier gilt nicht als unverkäuflich
Dass Leonardo Bittencourt der Mannschaft als eine Art „Mental Leader“ helfen kann, hat er mehrfach bewiesen. Dass er bisweilen unbequem sein kann, wenn er über längere Zeit mal nicht zum Einsatz kommt, gilt aber auch als offenes Geheimnis. Dazu kommt, dass ihn Alter und Marktwert (2,5 Millionen Euro) durchaus zu einem denkbaren Verkaufskandidaten des SV Werder Bremen in diesem Sommer machen. „An uns ist bisher nichts herangetragen worden, mit dem wir uns beschäftigen müssten“, sagt Niemeyer dazu.
Vor einigen Wochen hatte die „Bild“-Zeitung berichtet, dass sich Premier-League-Aufsteiger FC Southampton mit Leonardo Bittencourt beschäftige. Ansonsten ist es bisher recht ruhig geblieben um den Routinier, der sich während der Vorbereitung gegenüber den Medien noch nicht geäußert hat. Dabei dürfte die entscheidende Frage sein, was Bittencourt selbst möchte. Dem Vernehmen nach fühlt sich der Spieler in Bremen generell und speziell bei Werder nach wie vor sehr wohl und strebt einen Wechsel deshalb nicht unbedingt an. Möglich, dass sich daran noch etwas ändert, falls ihm ein lukratives Angebot auf den Tisch flattert. Es müsste aber wohl eines aus der Kategorie „letzter großer Vertrag der Karriere“ sein. Werder Bremen dürfte sich in einem solchen Fall gesprächsbereit zeigen – als unverkäuflich gilt Leonardo Bittencourt in Bremen jedenfalls nicht. (dco)