Werders streitbarerer „Aggressive Leader“

Die Brisanz um Leonardo Bittencourt beim SV Werder Bremen

Verbleib bei Werder Bremen oder Transfer? Was macht Leonardo Bittencourt?
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Verbleib bei Werder Bremen oder Transfer? Was macht Leonardo Bittencourt?

Leonardo Bittencourt zählt zu den Führungsspielern bei Werder Bremen, weiß aber auf dem Platz nicht immer zu überzeugen. Wechselt der 30-Jährige im Sommer den Verein? Und was würde ein Verlust des Mittelfeldprofis eigentlich bedeuten?

Bremen – Wenn der SV Werder Bremen Mitte August im DFB-Pokal bei Energie Cottbus antritt, dann schließt sich für Leonardo Bittencourt ein Kreis: Schließlich hat der 30-Jährige dort seine Karriere begonnen, Papa Franklin ist eine Energie-Legende. Bittencourt junior zog schon in jungen Jahren weiter, versuchte sein Glück in Dortmund, Köln und Hoffenheim, aber erst in Bremen wurde der Deutsch-Brasilianer so richtig sesshaft. Seit fünf Jahren lebt er nun bereits mit seiner Familie an der Weser, hat Absturz und Aufschwung des Clubs mitgeprägt wie kaum ein anderer. An ihm scheiden sich die Geister. Mal wird er für seine extrovertierte Spielweise geliebt, mal für seine geringe Effektivität kritisiert – und das intern wie extern. Deshalb stellt sich auch in diesem Sommer die Frage: Bleibt Bittencourt? Und was würde eigentlich ein Verlust des streitbaren Führungsspielers bedeuten?

Andere Vereine haben für sich schon Antworten gefunden: Premier-League-Aufsteiger FC Southampton möchte den ehemaligen deutschen U21-Nationalspieler gerne verpflichten, nach Informationen der DeichStube gibt es auch Interessenten aus Spanien und der Bundesliga. „Bei uns ist nichts angekommen. Deswegen beschäftigen wir uns mit dem Thema derzeit auch nicht“, berichtet Clemens Fritz auf Nachfrage der DeichStube. Aber natürlich würde sich der Leiter Profifußball des SV Werder Bremen umgehend mit einem entsprechenden Angebot für Bittencourt beschäftigen. Denn bei Werder ist aus finanziellen Gründen kein Spieler unverkäuflich. Wenn die Ablöse stimmt, sind die Grün-Weißen stets verhandlungsbereit. Das gilt zum Beispiel auch für Marvin Ducksch, Marco Friedl oder Jens Stage. Lediglich bei jüngeren Profis wie Justin Njinmah oder Mio Backhaus gibt es ein „Wir haben kein Interesse, den Spieler abzugeben“, weil der Zeitpunkt für einen Transfer nicht optimal erscheint und später eine wesentlich höhere Ablöse winkt.

Kaum ein Spieler des SV Werder Bremen hat so viel Einfluss auf die Stimmung in der Kabine wie Leonardo Bittencourt

Leonardo Bittencourt ist aber auch in der Kategorie Stage noch einmal ein Sonderfall, in dem wesentlich mehr Brisanz steckt. Denn der 30-Jährige ist Fluch und Segen zugleich, er bringt regelmäßig Feuer ins Team und in den Club. Das kann die Stimmung anheizen und die Leistungen verbessern, das kann aber auch zu Verbrennungen führen – wie im vergangenen Winter, als Bittencourt öffentlich die Transferpolitik des SV Werder Bremen kritisierte. Sportchef Frank Baumann bestellte ihn umgehend zum Rapport und löschte damit das Feuer.

Auch Trainer Ole Werner hat den angriffslustigen Leonardo Bittencourt schon mal kaltgestellt – oder besser gesagt: nicht aufgestellt. Das mag dieser gar nicht gerne. Die Reservistenrolle schmeckt ihm nicht, weil sie nicht zu seinem Selbstverständnis passt. Der 30-Jährige sieht sich als absoluten Führungsspieler. Doch sportlich gesehen konnte er dieser Rolle bei Werder Bremen längst nicht immer gerecht werden. Gerade in der Offensive wurde sein Einfluss auf das Spiel immer geringer. In der Saison 2022/23 war er lediglich an fünf Treffern beteiligt. In der Hinrunde der vergangenen Serie lief es ähnlich. Werners Entscheidung gegen Bittencourt war also mehr als nachvollziehbar, aber eben auch gefährlich. Denn kaum einer im Team hat so viel Einfluss auf die Kabine wie der Deutsch-Brasilianer. Bittencourt ist ein Stimmungsmacher – positiv wie negativ. Da muss ein Trainer aufpassen.

Leonardo Bittencourt findet offenbar Gefallen an seiner Rolle als „Aggressive Leader“ bei Werder Bremen

Ole Werner fand eine interessante sportliche Lösung, ließ Leonardo Bittencourt defensiver agieren – nicht mehr als Achter, sondern als zweiten Sechser. Und siehe da: Werder Bremen wurde stabiler und kreativer. Bittencourt haute sich voll rein, fand offenbar großen Gefallen an seiner Rolle als „Aggressive Leader“ auf dem Platz. Er ist ohnehin jemand, der sich gerne aufreibt – mit Fouls und Wortgefechten. Bittencourt kann die Stimmung auf dem Platz entscheidend mitbestimmen. In der Vergangenheit tauchte er allerdings auch gerne mal ab oder ließ sich auswechseln, wenn das Spiel in die falsche Richtung kippte. Das wurde sehr wohl intern wahrgenommen und sehr kritisch gesehen. Gepaart mit seiner Sonderrolle in der Kabine sorgte das dafür, dass Bittencourt immer auch als Verkaufskandidat galt. Nur gab es nie die passenden Interessenten für den Spieler, der sich in Bremen zudem sehr wohlfühlt mit seiner Familie.

Verlässt nach Christian Groß mit Leonardo Bittencourt ein weiterer Teil des Mannschaftsrates den SV Werder Bremen?

Sein Vertrag bei Werder Bremen läuft noch zwei Jahre. Die letzte Verlängerung im Herbst 2022 war schon sehr speziell. Die Grün-Weißen wünschten sich eine Gehaltsanpassung, denn Bittencourts noch zwei Jahre gültiger Kontrakt stammte aus der Vor-Corona-Zeit und war entsprechend üppig dotiert. Für den Verzicht boten sie dem Profi eine Laufzeit bis 2026. Der Mittelfeldspieler willigte ein. Und nun? In der Premier League dürfte Leonardo Bittencourt beim FC Southampton wesentlich besser verdienen. Aber will er dort überhaupt hin? Gleiches gilt für Spanien. Dem Vernehmen nach tendiert er aktuell zu einem Verbleib an der Weser. Werder sieht es ähnlich, denn durch das Karriereende von Christian Groß ist bereits ein wichtiger Teil des Mannschaftsrates verloren gegangen. Zu viel Veränderung kann schwierig werden. Eine Bittencourt-Rückkehr nach Cottbus zum Wiedersehn im Pokal ist also wahrscheinlich, wenngleich zu ihm auch diese Eigenschaft gehört: Er ist unberechenbar. (kni)

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