Spielweise des Werder-Profis polarisiert
„Relativ außergewöhnlich“ - Coach Ole Werner adelt Werder-Stürmer Marvin Ducksch und wünscht sich Verbleib
Marvin Ducksch hat in den vergangenen Saisons beeindruckend viele Scorerpunkte für den SV Werder Bremen gesammelt - doch die Spielweise des Stürmers polarisiert. Trainer Ole Werner erklärt, warum das so ist, lobt seinen Angreifer und wünscht sich einen Verbleib des Wechselkandidaten.
Bremen - „In der Zeit, in der ich hier bin, hat er 67 Scorer in 87 Spielen gemacht!“ Es wirkte fast so, als hätte Ole Werner beim 8. DeichTalk der DeichStube nur auf die Frage nach Marvin Ducksch gewartet. Der Trainer des SV Werder Bremen nannte die durchaus beeindruckende Statistik, um zu untermauern, welchen Wert der Stürmer für die Grün-Weißen hat. Denn es gibt Clubs, in deren Umfeld bei einem Spieler mit so einer Statistik schon über die Farbe einer Statue gesprochen oder zumindest der Zusatz „Vereinslegende“ genannt werden würde. Doch bei Ducksch ist das anders. Denn obwohl der 30-Jährige seit seinem Wechsel an die Weser vor drei Jahren in jeder Saison fleißig Scorerpunkte sammelt, ist er bei den Fans wegen seiner Art und Weise, Fußball zu spielen, umstritten. Und auch die Club-Verantwortlichen vermieden es in der Vergangenheit oft, sich öffentlich vollends hinter den Angreifer zu stellen – auch, weil es immer wieder Gerüchte um einen Transfer gibt, dem Ducksch selbst nicht abgeneigt gegenübersteht. Beim DeichTalk hat Ole Werner nun die Besonderheit um seinen Schützling erklärt.
Marvin Ducksch polarisiert: Werder Bremens Trainer Ole Werner erklärt, warum - und hofft, dass sein Stürmer nicht wechselt
„Ich habe Marvin das auch schon gesagt: In den letzten zweieinhalb Jahren war er ein ganz wichtiger Teil unserer Entwicklung. Deshalb ist es natürlich unser Wunsch, dass er bei uns bleibt“, sagte der Werder-Trainer, schränkte aber ein: „Trotzdem gehört zur Wahrheit dazu: Es können Angebote kommen, die für einen Spieler und einen Verein so attraktiv sind, dass es zu einem Wechsel kommt - obwohl man mit einem Spieler sehr zufrieden ist und gerne mit ihm weiterarbeiten würde.“ Interesse an Marvin Ducksch ist in der jüngeren Vergangenheit vorhanden gewesen - zum Beispiel aus Saudi-Arabien.
Dass Marvin Ducksch bei Teilen der Werder-Fans einen schweren Stand hat, obwohl er nicht zuletzt aus statistischer Sicht viel mehr Zuspruch erhalten könnte, liegt für Ole Werner an einer simplen Sache: „Es gibt einfach Spieler, die aufgrund ihrer Spielweise polarisieren.“ Ducksch werden oft eine unglückliche Körpersprache, eine zu hohe Fehlpassquote und ein fehlendes Kopfballspiel vorgeworfen. Dinge, die Werner natürlich auch auffallen: „Gerade bei einem Spieler wie Duckschi, der viel Risiko in vielen Aktionen geht und sehr viel mit einem Kontakt löst, da gelingen auch mal Dinge nicht.“ Vor allem bei Stürmern seien viele Situationen für die Fans offensichtlich - zum Beispiel, ob ein Ball im Tor lande oder nicht und ob derjenige zum Kopfball gehe oder eben nicht. „Und daran kann man sich dann reiben“, erklärte der Trainer des SV Werder Bremen.
Trainer Ole Werner lobt Marvin Ducksch: Darum ist der Stürmer so wichtig für den SV Werder Bremen
Doch der Werder-Coach nimmt die vermeintlichen Schwächen Duckschs in Kauf. „Das ist eben häufig so bei Spielern, die etwas Kreatives und Besonderes machen, die haben dann auch nicht alles in ihrem Spiel“, meinte Ole Werner und führte aus: „Wenn Duckschi jetzt noch 35 km/h laufen würde und einen breiten Körper hätte, dann würde er wahrscheinlich auch nicht bei uns spielen. Aber Duckschi ist jemand, der etwas Außergewöhnliches macht und beim Gegner dadurch etwas auslösen kann. Er ist ein Stück weit unberechenbar in seinem Spiel und davon profitiert er.“ Im November 2023 lud ihn Julian Nagelsmann wegen seiner Qualitäten sogar zur deutschen Nationalmannschaft ein, wo er gegen die Türkei (2:3) und Österreich (0:2) zum Einsatz kam.
Zurück zu den Statistiken, die nicht jeder pro Marvin Ducksch auslegt. „Natürlich kann man sagen, dass bei seinen Werten auch ein Jahr zweite Liga dabei war. Aber da sind eben auch zwei Jahre Bundesliga dabei, wo wir ehrlicherweise von vielen Experten im unteren Drittel angesiedelt waren. Dann diese Produktivität zu haben, das ist schon eine Leistung.“ Und den Kritikern, die damit argumentieren, dass Ducksch viele Scorerpunkte durch seine Standards sammelt, hielt Ole Werner entgegen: „Das machen andere auch. Aber diese Produktivität erstmal zu haben, ist schon mal ein großer Wert. Und das ist, bei allen Schwächen, die ein Spieler hat, und bei allen Dingen, die man verbessern kann, trotzdem etwas, was für einen Verein wie Werder Bremen relativ außergewöhnlich ist.“ (nag)