Probleme in Regionalliga
„Bislang haben wir uns noch nicht gefunden“: So erklärt Werder-Nachwuchschef Hüsing den U23-Fehlstart
Die U23 des SV Werder Bremen hat in der Regionalliga Nord einen Fehlstart hingelegt. Jetzt spricht Nachwuchschef Oliver Hüsing über die Gründe.
Bremen – Wenn Werder Bremens U23 am Mittwochabend (18.30 Uhr) beim Eimsbütteler TV antritt, trifft der Tabellen-16. auf den Tabellenelften. Für die Bremer soll die Partie im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel der Wendepunkt nach einem verkorksten Saisonstart werden. Die Zahlen nach acht Spieltagen sprechen schließlich eine deutliche negative Sprache: Nur ein Sieg, zwei Unentschieden, gleich fünf Niederlagen – macht magere fünf Punkte und Platz 16 in der Regionalliga Nord. Besonders auffällig: Mit gerade einmal sieben erzielten Toren stellt Werders Nachwuchs den geteilten schwächsten Angriff der Liga dar, dazu kommen 14 Gegentore. Was also läuft schief bei Werders Zweitvertretung?
Für sportliche Antworten lohnt sich der Blick zu Oliver Hüsing. Der Leiter des Bremer Nachwuchsleistungszentrums macht aus seiner Unzufriedenheit über die ersten Wochen der neuen Saison keinen Hehl: „Wir sind natürlich allesamt unzufrieden mit dem Saisonstart – speziell mit der Art und Weise, wie wir spielen“, sagt Hüsing im Gespräch mit der DeichStube. Gleichzeitig betont der 33-Jährige: „Die Jungs geben aber Gas und wollen sich unbedingt verbessern. Bislang haben wir uns als sehr neu zusammengestellte Mannschaft aber noch nicht gefunden.“
Werder Bremens U23 legt Fehlstart in Regionalliga Nord hin - Verein setzt auf extrem jungen Kader
Genau in dieser Neuzusammenstellung liegt eines der Kernprobleme. Etwas anders als in den Vorjahren hat Werder Bremen in diesem Sommer bewusst auf einen extrem jungen Kader gesetzt, in dem ein Großteil der Spieler gerade sein erstes Herrenjahr bestreitet und entweder aus der eigenen oder aus anderen U19-Mannschaften stammt. Erschwerend kam hinzu, dass die Mannschaft über Wochen hinweg – bedingt durch die parallele Bundesliga-Vorbereitung vieler Spieler – kaum komplett zusammen trainieren konnte.
Wer im Sommer noch bei den Profis mittrainierte oder gar Vorbereitungsspiele bestritt, kehrte teils erst spät und mit gemischten Gefühlen in die U23 zurück, da sich womöglich Hoffnungen auf Einsätze im deutschen Oberhaus gemacht wurden. Das Team lernte sich somit erst im Laufe des Spielbetriebs wirklich kennen – Abläufe konnten zuvor kaum bis gar nicht einstudiert werden. Für ein neues Trainerteam um Cedric Makiadi, das selbst zum ersten Mal in dieser Konstellation im Herrenbereich arbeitet, keine leichten Startbedingungen. Hüsing erklärt die Philosophie dahinter offen: „Wir haben uns dieses Jahr bewusst dazu entschieden, sehr viele Jungs mit dazunehmen, die aus der A-Jugend kommen und ihr erstes Herrenjahr spielen, von denen wir uns langfristig aber versprechen, dass sie auch das Talent für höhere Aufgaben besitzen.“
Nachwuchs-Chef Oliver Hüsing über Werder Bremens U23: „Wir müssen mit Blick auf die Tabelle hellwach sein“
Diese Strategie hat schon jetzt einen prominenten Nutznießer: Paul Erevbenagie, der eigentlich für die U23 eingeplant war, ist bei Werder Bremen inzwischen fester Bestandteil des Bundesliga-Kaders. Genau das ist für Hüsing der eigentliche Erfolgsmaßstab: „Unser Hauptauftrag ist es, Spieler für die Bundesliga auszubilden. Wenn wir dann 13. werden sollten, aber ein Paul Erevbenagie dafür konstant Bundesliga-Minuten gesammelt hat, ist das genau das, was wir wollen. Natürlich möchten wir auch unbedingt eine erfolgreiche Saison in der Regionalliga spielen, am Ende geht es aber darum, möglichst viele sehr junge Spieler an die Bundesliga heranzuführen.“ Ein Grund mehr, weshalb die Bremer bewusst eine jüngere U23 als zuletzt zusammenstellten, dort aber hauptsächlich Spieler verpflichteten, denen langfristig auch höhere Aufgaben zugetraut werden.
Ganz sorglos ist man beim SV Werder Bremen mit Blick auf die Tabelle in der Regionalliga Nord dennoch nicht. Schließlich funktioniert das gesamte Ausbildungskonzept nur, solange die U23 auch in der Regionalliga verbleibt und nicht wie vor einigen Jahren den Gang in die Bremen-Liga antreten muss. „Wir müssen mit Blick auf die Tabelle hellwach sein. Es ist die klare Zielsetzung, in dieser Liga zu bleiben, denn ansonsten macht unser System mit der Ausbildung vielversprechender Talente in der U23, um sie für höhere Aufgaben vorzubereiten, keinen Sinn“, betont der Nachwuchs-Chef deutlich. Für die Arbeit von Cheftrainer Makiadi und seinem Team findet Hüsing trotz der schwierigen Lage lobende Worte: „Wir nehmen wahr, wie akribisch Cedric und sein Trainerteam arbeiten. Sie versuchen wirklich Tag und Nacht, die Jungs weiterzuentwickeln – maximal akribisch, maximal professionell.“
Nach schwachem Saisonstart hat Oliver Hüsing klare Erwartungen an Werder Bremens U23
An die eigene Mannschaft richtet der gebürtige Bührener klare Erwartungen: „Ich erwarte von der Mannschaft, dass sie weiter so hart arbeitet, wie sie es tut, dass sie diese Regionalliga und die U23 zu 100 Prozent annimmt – und es weiterhin als Privileg begreift, für Werder in der U23-Regionalliga spielen zu dürfen, und sich darüber alles Weitere zu verdienen. Wenn die Mannschaft diesen Dreiklang weiterhin beherzigt, bin ich überzeugt, dass wir unsere Ziele erreichen werden.“ Geduld sei dabei der Schlüssel – auch für Spieler, die bereits Luft im Profitraining des SV Werder Bremen geschnuppert haben, wie beispielsweise Stefan Smarkalev, Luca Höcker, Darwin Soylu oder Kenny Quetant. Ohne auf die genannten Namen einzugehen, sagt Hüsing allgemein: „In der Regionalliga werden keine Wunderdinge von ihnen verlangt. Auch nicht, wenn sie bereits bei den Profis reinschnuppern durften. Es geht wirklich darum, über einfaches Fußballspielen wieder zu Stabilität und Selbstvertrauen zu kommen.“
Mit Blick auf Eimsbüttel am Mittwochabend sieht der 33-Jährige bereits erste positive Ansätze: „Wir haben in den letzten beiden Spielen schon längere Phasen gesehen, in denen wir einen Ticken mehr hinkommen zu dem, was wir sehen wollen. Diese Phasen müssen wir länger und konstanter halten. Dann bin ich überzeugt davon, dass die Erfolgserlebnisse kommen werden.“ (bvo)
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