Nach der Verpflichtung von Nuri Sahin wird Kohfeldt das Mittelfeld umbauen müssen
Überangebot im Zentrum
Bremen - Der Frage wich er zunächst aus – Nuri Sahin ist eben erfahren genug, um zu wissen, was sich für einen Profi-Fußballer im Umgang mit den Medien gehört.
„Das muss der Trainer entscheiden“, sagte er pflichtbewusst, nachdem er zu seiner möglichen Rolle im Bremer System gefragt worden war. Kurz darauf dann mit einem Schmunzeln: „Irgendwo im Mittelfeld wäre schon ganz in Ordnung.“ Damit hatte der Neuzugang aus Dortmund seinen Arbeitsplatz zwar nur grob beschrieben, aber „irgendwo im Mittelfeld“ wird Werder-Trainer Florian Kohfeldt den 29-Jährigen in der Tat unterbringen wollen. Sahin will Stammspieler sein und dürfte von Werder diese Perspektive während der Verhandlungen klar aufgezeigt bekommen haben – sonst wäre er nicht gekommen.
Kohfeldt stellt das vor ein Luxusproblem: Er muss sein bewährtes Dreiermittelfeld entweder personell umstellen oder für Sahin gar die Grundordnung ändern.
Einen Spieler wird Kohfeldt opfern müssen
Zwei Spiele hat Werder in der laufenden Bundesliga-Saison nun bestritten. Sowohl beim 1:1 gegen Hannover als auch beim 2:1 in Frankfurt lief die Mannschaft in einem 4-3-3 auf – und in beiden Partien bildeten Philipp Bargfrede, Maximilian Eggestein und Davy Klaassen das Dreier-Mittelfeld der Bremer. Sollte Kohfeldt an dieser Grundordnung auch im kommenden Heimspiel gegen Nürnberg (16.September, 15.30 Uhr) festhalten und zugleich Sahin bringen wollen, wird er einen Spieler aus dem Trio opfern müssen. Aber wen?
Bargfrede ist als Sechser vor der Abwehr gesetzt, Eggestein einer von Kohfeldts absoluten Lieblingsschülern und Klaassen als Werders Rekordtransfer eigentlich unantastbar. Platz für Sahin ist da auf den ersten Blick nicht. Gut möglich also, dass der Trainer eine Position mehr schafft im Mittelfeld, sprich mit Werder zum 4-4-2 zurückkehrt.
Lieber dominieren als reagieren
Sahins bevorzugte Rolle auf dem Platz ist die im defensiven Mittelfeld. Dort agiert der Ex-Dortmunder allerdings nicht als klassischer Abräumer, sondern als Stratege, fast schon als Spielmacher, der Tempo und Rhythmus im Spiel seiner Mannschaft vorgibt.
So hat er es zumindest früher, in der Glanzphase des BVB unter Trainer Jürgen Klopp getan, und Kohfeldts Idee dürfte es sein, dass er daran nun bei Werder anknüpft. Der Coach möchte bekanntlich weg vom reinen Konterfußball, möchte mit seinem Team lieber dominieren als reagieren. Denkbar ist also ein Vierer-Mittelfeld, in dem Sahin und Bargfrede gemeinsam auflaufen. Entweder als Doppelsechs mit offensiverem (Sahin) und defensiverem Part (Bargfrede), oder als zwei Bestandteile der berühmten Raute, in der Sahin dann aber auf eine der beiden Halbpositionen vorgezogen würde.
So oder so: Für Kevin Möhwald, im Sommer aus Nürnberg gekommen, ist der Weg in Werders erste Elf durch die Sahin-Verpflichtung noch weiter geworden, als er es ohnehin schon war. Auch Ole Käuper, der im Moment an einer Bänderverletzung laboriert, muss sich weit hinten anstellen.
Dezente Hinweise darauf, dass Werder künftig mit Sahin und Bargfrede antritt, gab es zuletzt schon einige. Sportchef Frank Baumann hatte die Idee öffentlich ins Spiel gebracht, und auch Sahin betonte: „Ich schätze Philipp wirklich sehr und kann mir gut vorstellen, gemeinsam mit ihm auf dem Platz zu stehen.“
Großes Angebot an qualifiziertem Personal
Kommt es tatsächlich so, hätte es Auswirkungen auf die Angriffsreihe, die von drei auf zwei Planstellen zusammenschrumpfen würde. Da Kapitän Max Kruse vorne gesetzt ist, bliebe an seiner Seite nur noch ein Posten frei, bei dessen Besetzung Kohfeldt aus einem großen Angebot an qualifiziertem Personal wählen könnte. Martin Harnik und Yuya Osako passen vom Spielerprofil her am ehesten in einen Zweiersturm, aber auch die Außenstürmer Milot Rashica, Florian Kainz und Fin Bartels (wenn er denn wieder fit ist) sind Alternativen.
An der Jokerrolle von Claudio Pizarro dürfte sich ebensowenig ändern wie am Ersatzspielerstatus des ohnehin noch verletzten (und im Grunde schon aussortierten) Aron Johannsson. Bliebe nur noch die Frage, wie Coach Kohfeldt bei diesem Überangebot die Talente Johannes Eggestein und Josh Sargent wie angekündigt hin und wieder im Team unterbringen will. Luxusprobleme, wie schon gesagt.
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