Coach zieht Fazit
Werner sieht positive Entwicklung: Werders Trainer ist nach Remis in Bochum mit der Hinrunde insgesamt einverstanden
Mit dem 1:1 gegen den VfL Bochum ist die Hinrunde für den SV Werder Bremen beendet. Trainer Ole Werner zieht nach der ersten Saisonhälfte ein versöhnliches Fazit und sieht eine positive Entwicklung.
Bremen/Bochum – Ein bisschen kurios war die Situation schon, deshalb vermutlich auch das leichte Schmunzeln im Gesicht von Werder-Trainer Ole Werner, als der 35-Jährige am Sonntagnachmittag darum gebeten wurde, nach dem ersten Pflichtspiel des neuen Jahres, einem Auftakt also, direkt ein großes Abschlussfazit zu ziehen – nämlich das der Hinrunde. Der Terminplan wollte es nun einmal so, dass Spieltag 17 des SV Werder Bremen beim VfL Bochum erst nach dem Jahreswechsel anstand – bekanntlich einen Punkt hat er den Bremern am Ende eingebracht, die die erste Saisonhälfte deshalb mit 17 Zählern auf Platz 13 beendet haben. Eine Ausbeute, mit der sich Ole Werner nach dem 1:1 in Bochum alles in allem einverstanden zeigte.
Werder Bremen mit der Hinrunde halbwegs zufrieden: 17 Punkte als Mindestvoraussetzung für den Klassenerhalt
„Unter dem Strich befinden wir uns in einer Ausgangslage, in der wir weiterhin alles in der eigenen Hand haben. Das ist positiv und nicht selbstverständlich, weil im Sommer ganz viel bei uns los war“, sagte Werner und spielte damit auf späte Neuverpflichtungen und Verletzungssorgen an. „Umso bemerkenswerter ist es, wie die Mannschaft ihre Leistungen stabilisiert hat“, betonte der Coach des SV Werder Bremen, räumte in der Folge aber ein: „Dennoch ist es so, dass wir einigen Punkten hinterhertrauern und in einem so engen Tabellenfeld mehr Boden hätten gutmachen können.“
Zufrieden, aber nicht so ganz, höchstens halbwegs – so könnte man dieses Resümee wohl zusammenfassen, und in der Tat ist es gar nicht so einfach, das bisherige Abschneiden des SV Werder Bremen einzustufen. Warum? Nun ja, zum einen sind 17 Punkte eben kein üppiger Wert, vielmehr sind sie eine Art Mindestvoraussetzung, die es pro Halbserie zu erfüllen gilt, um am Ende Chancen auf den Ligaverbleib zu haben. Zum Vergleich: Nach der Hinrunde der Vorsaison brachten es die Bremer auf gute 21 Zähler, die am Ende mehr als das Fundament des Klassenerhalts waren.
Werder Bremen-Trainer Ole Werner: „In der Rückrunde noch mehr Punkte holen und Ziele erreichen“
Beim übereinanderlegen der beiden Spielzeiten sollte andererseits aber nicht unerwähnt bleiben, dass Werder Bremen seinem Saisonziel aktuell sogar minimal näher ist als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Damals bedeuteten 21 Punkte nämlich fünf Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz, den Bochum innehatte. Nun liegen die Grün-Weißen mit 17 Punkten sechs Zähler vor der gefährlichen Zone, weil die Ausbeute der Kellerkinder in der Serie 2023/24 allgemein deutlich geringer ist.
Darauf verlassen sollten sich die Bremer im weiteren Saisonverlauf aber nicht, ganz im Gegenteil: Die Punktzahl in den verbleibenden 17 Spielen sollte tunlichst üppiger ausfallen, um nicht in ganz große Nöte zu geraten. Das weiß auch Ole Werner, dessen Vorgabe deshalb lautet: „Jetzt geht es darum, in der Rückrunde noch mehr Punkte zu holen und unsere Ziele zu erreichen.“
VfL Bochum-Spiel gibt keinen Grund für Euphorie, aber Werder Bremen ist seit vier Spielen ungeschlagen
Der jüngste Auftritt beim VfL Bochum bot fußballerisch nicht gerade überbordenden Grund zur Euphorie, eher im Gegenteil, war aber jahresübergreifend bereits das vierte Spiel am Stück, das der SV Werder Bremen nicht verloren haben. Da kann man durchaus von einer kleinen Serie sprechen und auch von zunehmender defensiver Stabilität, die sich die Bremer inzwischen erarbeitet haben.
„Die Entwicklung der Mannschaft ist insgesamt positiv“, sagte Ole Werner, der zum Abschluss der Hinrunde neben dem altbekannten 3-5-2-System ein 3-4-3 als Alternative eingeführt hatte und dieses zuletzt zwei Mal in Serie von Beginn an spielen ließ. Beim 1:1 gegen RB Leipzig hatten die Bremer ihren Gegner damit überrascht. In Bochum funktionierte die Formation dann zwar defensiv gut, im Spiel nach vorne gelang den Gästen aber nahezu nichts. Die Balance dürfte in den kommenden Wochen am Osterdeich also ein Thema bleiben.
Werder Bremen erst gegen den FC Bayern, dann in „entscheidender Phase“ gegen Teams aus dem Tabellenkeller
„Entscheidend ist für uns, dass wir eine Entwicklung der Mannschaft sehen“, sagte Werder Bremens Leiter Profifußball Clemens Fritz am Montag im Gespräch mit der DeichStube – und hielt fest: „Und die ist zu sehen.“ Deshalb hat der Ex-Profi auch keinerlei Zweifel daran, dass die Spielzeit für seinen Verein ein erfreuliches Ende nehmen wird: „Natürlich hätten wir Spiele wie gegen Heidenheim und Darmstadt nicht so leichtfertig hergeben dürfen, diesen Punkten laufen wir jetzt hinterher. Wir sind aber nach wie vor absolut von unserem Weg und der Qualität unseres Kaders überzeugt.“
Am kommenden Wochenende führt der Spielplan diesen Kader nun für den Rückrundenauftakt zum FC Bayern München, wo es seit 2008 keinen Bremer Sieg mehr gab. Werder-Stürmer Justin Njinmah war zarte sieben Jahre alt, als den Bremern der spektakuläre 5:2-Erfolg glückte. Danach folgten bis heute 15 Pflichtspiele in der Allianz Arena, Werders Bilanz: drei Remis und zwölf Niederlagen. Zu rechnen ist mit Punkten am 18. Spieltag also nicht unbedingt. Entscheidender dürften ohnehin die Wochen danach werden mit Duellen gegen Freiburg und die direkten Konkurrenten Mainz, mit Abstrichen auch Heidenheim sowie Köln und Darmstadt. Von einer „entscheidenden Phase“ hatte Ole Werner erst kürzlich gesprochen – nach ihr dürfte es klare Hinweise darauf geben, wie viel diese 17 Punkte aus der Hinrunde für den SV Werder Bremen wirklich wert waren. (dco)