Nach Köln-Spiel

Genervte Fans, schmallippiger Trainer: Werder Bremens Dauerthema Victor Boniface sorgt für Unmut

Victor Boniface steht nach einem mitunter erschreckend lustlos wirkenden Auftritt gegen den 1. FC Köln in der Kritik. Fans des SV Werder Bremen und Coach Horst Steffen reagieren auf das Dauerthema zunehmend genervt.

Bremen – Natürlich ploppte die Personalie auf. Mehrmals sogar. Das tut sie immer. Und Horst Steffen kann es eigentlich nicht mehr hören. Denn wann immer derzeit ein Medientermin für den Trainer des SV Werder Bremen ansteht, soll er auch Fragen zum Leistungsvermögen von Victor Boniface beantworten. Der 56-Jährige lächelt zwar stets höflich dabei, doch längst reagiert er schmallippig, wenn es um seinen kriselnden Stürmer geht. So auch am Samstag, als er den erschreckend lustlos wirkenden Auftritt des eingewechselten Profis gegen den 1. FC Köln (1:1) kommentieren sollte. „Wir müssen jetzt nicht ständig Einzelspieler bewerten“, sagte Steffen und probierte so die Angelegenheit abzubügeln. Wesentlich genervter hatten kurz zuvor etliche Fans auf den Tribünen des Weserstadions gewirkt, sogar vereinzelte Pfiffe waren zu hören gewesen, weil Boniface ab der 70. Minute keineswegs so engagiert wie Vorgänger Keke Topp auf dem Rasen unterwegs war, mitunter Situationen lieber aus dem Stand lösen wollte und so Ballverluste produzierte.

Victor Boniface, Stürmer des SV Werder Bremen, konnte nach seiner Einwechslung gegen den 1. FC Köln nicht überzeugen. Er wirkte sogar etwas lustlos.

Werder Bremen-Profi Victor Boniface nach schwachen Leistungen im Zentrum der öffentlichen Kritik

Und so bleibt es dabei: Die Leihe des 24-Jährigen ist bislang alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Es regiert vielmehr weiterhin das Prinzip Hoffnung, dass Victor Boniface seine Qualitäten der Vergangenheit irgendwie noch bei Werder Bremen nachweisen kann. Doch klar ist auch: Nach Darbietungen wie diesen dürften die Gelegenheiten dazu nicht zahlreicher werden. Dass er mittlerweile oft im Zentrum öffentlicher Kritik steht, nimmt der Nigerianer selbst gelassen. „Im Fußball ist es doch so: Wenn du eine Saison gut spielst, Tore machst, erwarten alle, dass du das auch in der nächsten Saison genau so wiederholst. Sonst fangen die Leute eben an zu reden“, sagte Boniface schon vor der Partie in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, in dem er auch über seine wiederkehrenden Verletzungsprobleme und einen vermeintlichen sportlichen Abstieg durch den Wechsel an den Osterdeich sprach: „Von meiner Zeit in Norwegen bis jetzt hatte ich viele Schmerzen, aber ich habe es bis hierhin geschafft. Ich bin wirklich sehr froh, dass ich es überhaupt geschafft habe, für solche Top-Clubs Fußball spielen zu dürfen, also kenne ich keine Angst mehr. Ich muss damit leben.“

Victor Boniface von Werder Bremen überzeugt selten auf dem Rasen - und lenkt sich mit Social Media ab

So geht sie weiter, die Suche nach sportlichen Akzenten. „Vielleicht hilft ein Tor, damit er noch stärker wird“, sagte Horst Steffen noch kurz, ehe die Diskussion um seinen Angreifer für ihn nun aber wirklich endgültig beendet war. Für diesen Tag zumindest. Die nächsten Fragen werden sicher kommen. Dafür polarisiert Victor Boniface einfach zu sehr. Gern auch in den Sozialen Medien, in denen er aktuell wesentlich mehr auffällt als auf dem Platz. Immer wieder sorgen kryptische Wortmeldungen für irritierte Reaktionen. „Ich poste diese Sachen doch nur, um mich ein bisschen abzulenken von allen anderen Dingen. Es ist doch nichts Ernstes“, sagte der Stürmer des SV Werder Bremen. „Ich beleidige ja niemanden, es schadet niemandem und hat auch keine Bedeutung. Ich habe das Gleiche gemacht, als ich in Leverkusen war. Der Unterschied ist: Damals habe ich Tore geschossen und wir haben alles gewonnen. Niemand hat darüber gesprochen.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Ralf Treese/DeFodi Images

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