Unfitter Werder-Stürmer
„Macht etwas mit der Psyche“: Werder-Coach Thioune über Hintergründe von Bonifaces Fitnessproblem
Victor Boniface ist unfit zu Werder Bremen zurückgekehrt. Was ist da los – und wie geht‘s weiter? Trainer Daniel Thioune spricht über die Hintergründe.
Das Hinspiel gegen den 1. FC Köln im vergangenen November war bislang der vorletzte Einsatz von Victor Boniface im Trikot des SV Werder Bremen. Kurze Zeit später fiel der nigerianische Mittelstürmer über Monate mit einem Knorpelschaden im Knie aus, musste operiert werden. Allgemein, so auch bei Werder, wurde mit Bonifaces Saisonaus gerechnet. Seit Anfang April ist der 25-Jährige jedoch wieder in Bremen und steht schon seit einigen Tagen sogar wieder im Mannschaftstraining. Ein Blitz-Comeback auf dem Rasen, ausgerechnet beim wichtigen Auswärtsspiel in Köln (Sonntag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) ist dennoch höchst unwahrscheinlich – Bonifaces körperlicher Zustand lässt es nicht zu, wie Cheftrainer Daniel Thioune während der Pressekonferenz vor der Partie deutlich machte: „Zur Wahrheit gehört, dass wir davon ausgegangen sind, dass Victor in einem körperlich besseren Zustand zu uns zurückkehrt.“
Werder Bremen-Trainer Daniel Thioune: Victor Boniface zu unfit für die Bundesliga - was sind die Hintergründe?
Seit Victor Boniface wieder bei Werder Bremen ist, ist sein klar erkennbares Übergewicht großes Thema. Während seiner Reha, die der Angreifer bei seinem Stammverein Bayer 04 Leverkusen absolvierte, galt sein Fokus offenbar ausschließlich dem Knie, nicht der allgemeinen Fitness, die ein Bundesligaprofi allerdings braucht, um seinen Job ausüben zu können. Davon ist Boniface aktuell weit entfernt. „In einer normalen Welt sind wir noch ein paar Tage zu früh dran. Ich würde daher jetzt ausschließen, dass Victor am Samstag mit in den Bus nach Köln steigt“, sagte Thioune, ließ sich aber noch ein klitzekleines Hintertürchen offen: „Unsere Personaldecke in der Offensive ist sehr dünn. Wenn noch ein Kaderplatz frei werden sollte, kann es sein, dass er uns begleitet.“ Geplant ist das nicht.
Dass Bonifaces Leibesfülle ein Problem ist, an dem Verein und vor allem der Spieler arbeiten müssen, weiß Daniel Thioune natürlich auch. Vorwürfe in Richtung Bayer Leverkusen, den Spieler während der Reha nicht gut genug betreut zu haben, gibt es vom 51-Jährigen aber nicht. „Das ist eine Frage, über die ich mir auch Gedanken gemacht habe“, räumte Thioune zunächst ein, ehe er zu einem kleinen Monolog ansetzte: „Ich finde es immer sehr leicht, über Personen und Sachverhalte zu urteilen, wenn man nur das Bild eines übergewichtigen Spielers von außen sieht. Für mich gehört mehr dazu. Ich will wissen, was die Hintergründe sind und warum ein Mensch zulässt, dass sein Zustand aktuell nicht dem eines Leistungssportlers entspricht.“
Victor Boniface „genießt Schutz“ von Werder Bremen-Trainer Daniel Thioune - mentale Komponente Teil des Problems?
Warum das bei Victor Boniface aktuell der Fall ist? Auf die genauen Hintergründe wollte Daniel Thioune öffentlich nicht näher eingehen, deutete jedoch an, dass auch die mentale Komponente in den vergangenen Monaten eine Rolle gespielt haben könnte. „Wenn man als junger Spieler, der in der Vergangenheit sehr erfolgreich war, von einem Arzt gesagt bekommt, dass man in den nächsten Monaten oder vielleicht sogar im nächsten Jahr keinen Fußball spielen kann, dann macht das etwas mit der Psyche.“ Der Trainer des SV Werder Bremen betonte: „Victor genießt unseren und meinen Schutz. Deshalb wird es keine Schuldzuweisung geben. Ich muss aber auch unseren Kreis schützen. Ein Spieler, der nicht spielfähig ist, wird deshalb nicht in den Kader zurückkehren.“ (bvo)
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