Bei Mitgliederversammlung

Die Gewinner der Wahl stehen: Neue Besetzung des Werder-Aufsichtsrates auf den Weg gebracht

Auf der Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen wurden vier neue Aufsichtsratsmitglieder gewählt: Florian Weiß, Harm Ohlmeyer, Christina Reuter und Julian Deutz!

Bremen – Es dauerte bis weit in den Nachmittag hinein, ehe tatsächlich abgestimmt wurde. Die traditionelle Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen näherte sich am Sonntag der Sechs-Stunden-Grenze, als die mit Spannung erwarteten Wahlen der vier Anwärter beziehungsweise Anwärterinnen für die freien Plätze im Aufsichtsrat tatsächlich Gestalt annahm. Zuvor war im Verlauf der Veranstaltung bereits kritisch, aber zu jeder Zeit respektvoll und konstruktiv über mögliche Versäumnisse oder gar Fehler bei der Kandidatenkür diskutiert worden. Nach einer ausführlichen Vorstellung der Bewerber und der dann erstmals in digitaler Form durchgeführten Abstimmung stand fest: Im sechsköpfigen Feld erhielt schließlich das Quartett Florian Weiß (CEO bei der HR Works Gruppe), Harm Ohlmeyer (Vorstand Finanzen bei Adidas), Christina Reuter (Wirtschaftsingenieurin und Professorin an der TU München) und Julian Deutz (CEO der AS Classifieds GmbH) den Zuschlag. Lene Knoll (Geschäftsführerin Lenes Bio-Backstube) und Torsten Hoppe (Finanzexperte beim Gesundheits- und Konsumgüterunternehmen Haleon) gingen dagegen leer aus. Pikant: Ausgerechnet Hoppe war zuvor in einem Ranking von Wahlausschuss und der unterstützenden Frankfurter Personalberatungsagentur AvS International Trusted Advisors GmbH als Favorit auf Platz eins gelandet. Zu Ersatzkandidaten wurden anschließend Daniela Schmidt (Juristin beim Raumfahrtunternehmen OHB SE) und im zweiten Anlauf Lene Knoll erkoren.

Auf der Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen in den Aufsichtsrat gewählt (von links): Dr. Florian Weiß, Prof. Dr. Christina Reuter, Harm Ohlmeyer und Dr. Julian Deutz

Werder Bremens Wahlausschuss-Chef Manfred Jacobi: „Es gab nie eine Ausschlussliste über Personen, die wir nicht haben wollen“

Werder Bremen hatte vorgesorgt, war räumlich extra in die Energieleitzentrale in der Überseestadt gewechselt, wo 1000 Gäste Platz gefunden hätten. Nötig war das im Nachhinein nicht, wie sich herausstellte. Als die Zusammenkunft begann, waren etwa 350 Stimmberechtigte vor Ort, bei der späteren Wahl waren es dann noch 311, von denen 303 von ihrem Recht Gebrauch machten und das Votum auf den Weg brachten. Der aktuelle Aufsichtsrat wird noch bis Ende Januar in seiner bisherigen Besetzung fungieren, erst dann hebt die Hauptversammlung das nun ermittelte Vierergespann offiziell ins Amt, was unter normalen Umständen aber lediglich einen formalen Akt darstellen dürfte.

Bevor jedoch überhaupt die Ja- und Nein-Stimmen gezählt werden konnten, hatte Werder Bremens Wahlausschuss-Chef Manfred Jacobi noch einmal das Rollenverständnis skizziert, das bei der vorherigen Suche nach den Kandidaten gegolten hatte. „Wir brauchen niemanden, der vermeintlich besser weiß, wie man eine Mannschaft aufstellt oder einen Ersatz Geschäftsführer Fußball. Die Aufgabe ist, nach innen hinzuwirken und nicht nach außen, denn das ist die Aufgabe der Geschäftsführung“, betonte er. „Der wesentliche Aspekt ist es, eine Art Sparringspartner für die Geschäftsführung zu sein.“ Und auch auf den Vorwurf der Ausbootung der bisherigen Ratsangehörigen Ulrike Hiller und Dirk Wintermann ging Jacobi ein: „Die Bewertung von unserer Personalberatung und unsere eigene Wahrnehmung hat am Ende zu einer Rangliste geführt. Es gab niemals in irgendeiner Form eine Ausschlussliste über Personen, die wir nicht haben wollen. Alle Ergebnisse stimmten am Ende zu 100 Prozent überein, so leid es mir für die Kandidaten tut, die nicht zur Wahl stehen.“

Werder Bremens Harm Ohlmeyer über Doppelrolle als Aufsichtsrat und Investor: „Das war nicht mein Plan und nicht meine Idee“

Bereits im Vorfeld der Versammlung des SV Werder Bremen, aber auch am Sonntag wurde noch einmal aus dem Kreis der Zuschauer in der Energieleitzentrale in der Überseestadt die Enttäuschung darüber formuliert, dass kein Vertreter der Fan-Belange zur Wahl stand – ebenso wie das Fehlen von Personen, die selbst im Profifußball aktiv gewesen seien. Manfred Jacobi verwies mit Nachdruck einerseits darauf, dass sich trotz monatelanger Möglichkeit kein einziger Fan für einen entsprechenden Posten beworben habe und sagte andererseits mit Blick auf einen fußballerischen Hintergrund der Bewerber: „Wir haben gezielt Personen aus diesem Bereich angesprochen, aber ganz viele wollten nicht. Und andere, das muss ich gestehen, wollten wir wiederum nicht.“ 

Und auch eine andere Frage musste noch beantwortet werden. Nämlich die, nach der Rolle von Harm Ohlmeyer. Der 57-Jährige war nicht nur während der vier vergangenen Jahre bereits Teil des Aufsichtsrates beim SV Werder Bremen, sondern gehört seit Januar 2024 auch zum regionalen Investorenbündnis, das den Verein mit einer millionenschweren Finanzspritze unterstützt hat. Ein daraus möglicherweise resultierender Interessenkonflikt hatte deshalb ebenfalls viele Fans bewegt. Ohlmeyer sagte dazu am Rednerpult bereits vor der späteren Wahl: „Ich verstehe absolut die Sorgen, die Sie haben, wenn ich als Teil des regionalen Bündnisses im Aufsichtsrat eine spezielle Rolle hätte. Vom ersten Tag an, als ich vor vier Jahren gewählt wurde, war es ein Teil meiner Aufgabe, einen Partner zu finden. Zusammen mit der Geschäftsführung haben wir meiner Meinung nach die bestmögliche Lösung gefunden — mit Bremer Unternehmen und Bremer Familien, die sich engagieren, ohne in das operative Geschäft einzugreifen und ohne eine erwartbare Rendite.“ Und der gebürtiger Hoyaer ergänzte: „Als ich dafür geworben habe, haben Unternehmen zu mir gesagt: ,Wenn du dafür wirbst, dann wäre es ein tolles Zeichen, wenn du da auch mitmachst.‘ Das war nicht mein Plan und nicht meine Idee. Das muss ich bis heute meiner Frau erklären.“

Rückblickend auf seine bisherige Arbeit für Werder Bremen betonte Harm Ohlmeyer deshalb: „Ich kann mich in den letzten zwei Jahren an keinen Interessenkonflikt erinnern. Bei Adidas kann ich es keinem recht machen, da sie mich fragen, weshalb ich zu Werder gehe, da es kein Adidas-Verein ist. Dann antworte ich, dass hier die Emotionen und die Liebe zum Verein vorhanden sind. Warum bin ich ein Teil des strategischen Bündnisses geworden? Aufgrund der Liebe zum Verein.“ Worte, die am Sonntag offenkundig auch die abstimmungsberechtigten Mitglieder überzeugten. (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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