Vor Mitgliederversammlung

13 Fanclubs schlagen Alarm – Debatte um Werders Wahlausschuss spitzt sich vor der Aufsichtsrats-Wahl zu

Vor der Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen hagelt es Kritik mehrerer Fanclubs. Der Grund: Die Kandidaten für die Aufsichtsrats-Wahl. Alle Details.

Bremen – Sportlich läuft es aktuell gut für den SV Werder Bremen. Nach zehn Spieltagen steht das Team von Cheftrainer Horst Steffen mit 15 Punkten auf Platz acht der Tabelle und schnuppert damit sogar an den internationalen Plätzen. Die Vorzeichen für eine friedvolle Mitgliederversammlung am Sonntag (11 Uhr im DeichStube-Liveticker), sie stehen somit eigentlich gut. Aber eben nur eigentlich. Denn trotz dieser zufriedenstellenden Ausgangssituation dürfte es bei der Versammlung heiß hergehen – der Grund liegt dann jedoch nicht bei den gezeigten Leistungen der Bundesliga-Männer, sondern bei der seit Wochen mehr und mehr brodelnde Debatte über die Auswahl der Kandidatenliste für die vier vakanten Aufsichtsratspositionen. Jetzt haben sich insgesamt 13 Werder-Fanclubs, die sich geografisch von Hamburg bis nach Landshut erstrecken, zusammengeschlossen und eine gemeinsame Presseerklärung veröffentlicht, in der sie die fehlende öffentliche Transparenz des Wahlausschusses in deutlicher Form kritisieren.

Bei der anstehenden Aufsichtsratswahl des SV Werder Bremen könnte es heiß hergehen: Zahlreiche Fan-Clubs üben bereits im Voraus heftige Kritik (Archivbild).

Gemeinsame Presseerklärung: Fanclubs des SV Werder Bremen kritisieren Wahlausschuss vor Aufsichtsrats-Wahl

„Die Fanclubs des SV Werder Bremen zeigen sich tief besorgt über die Entscheidung des Wahlausschusses zur Neubesetzung des Aufsichtsrates“, heißt es zu Beginn der Mitteilung. Und weiter: „Mit großem Unverständnis wurde zur Kenntnis genommen, dass engagierte Aufsichtsratsmitglieder ohne Vorankündigung von der Kandidatenperiode ausgeschlossen wurden und ihre Wählbarkeit entfällt.“ Mit diesem Punkt sprechen die Fanclubs die Nicht-Nominierung der bisherigen Aufsichtsratsmitglieder Dirk Wintermann und Ulrike Hiller an, die aus bislang öffentlich nicht benannten Gründen vom Wahlausschuss nicht erneut für eine Kandidatur berücksichtigt wurden, obwohl beide eine weitere Amtszeit anstrebten. Besonders die Personalie Wintermann erhitzt in Fankreisen die Gemüter, da der 58-Jährige bislang der erste und einzige von Mitgliedern vorgeschlagene Aufsichtsrat des Vereins war. Auch die Art und Weise der Ausbootung wirft bei den Fans Fragen auf. Nach Informationen der DeichStube wurden sowohl Hiller als auch Wintermann erst wenige Minuten vor Veröffentlichung der neuen Kandidatenliste über ihr Aus informiert.

Ausbootung und fehlende sportliche Expertise: Was die Fanclubs des SV Werder Bremen vor der Aufsichtsrats-Wahl bemängeln

Dass der Wahlausschuss diesen Vorgang bisher nicht öffentlich erklärt hat, wird von den 13 Fanclubs des SV Werder Bremen – die zusammen über 4.000 Mitglieder vertreten – deutlich kritisiert: „Aus Sicht der Werder-Fans fehlt es dabei an Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Der Wahlausschuss wird daher aufgefordert, offenzulegen, auf welcher Grundlage diese Entscheidung getroffen wurde, welche Kriterien maßgeblich waren und welche Rolle die bisherigen Amtsinhaber dabei spielten. Entscheidungen, die die demokratische Mitbestimmung der Mitglieder betreffen, müssen transparent, fair und respektvoll erfolgen.“

Zudem fordern die Fanvertreter eine ausgewogene Zusammensetzung des insgesamt neunköpfigen Aufsichtsrates, für den am Sonntag vier neue Mitglieder gewählt werden. Dabei wünschen sie sich nicht nur Personen aus der Wirtschaft, sondern auch ehemalige „Profis, Trainer oder Manager“. Eine solche sportliche Expertise fehlt auf der aktuellen Kandidatenliste sowie bereits im bestehenden Gremium. Ebenso müsse die Perspektive von Fans und Mitgliedern des SV Werder Bremen glaubwürdig vertreten sein, heißt es weiter. Denn: „Der Aufsichtsrat eines Bundesligisten ist nicht mit dem eines börsennotierten Unternehmens zu vergleichen. Er muss die gesamte Werder-Familie repräsentieren – mit Vertreterinnen und Vertretern aller Mitglieder und Stakeholder.“

Nach Brandbrief: Fanclubs arbeiten an kritischen Wortbeiträgen für Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen

Die Pressemitteilung hat in ihrer Deutlichkeit fast schon Brandbrief-Charakter. Nach Informationen der DeichStube wird im Hintergrund bereits an entsprechenden Wortbeiträgen gearbeitet, die am Sonntag auf der Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen vorgetragen werden sollen, um den Unmut über die Entscheidungen und speziell die fehlende öffentliche Transparenz deutlich zu machen. Bereits unter der Woche hatte Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald auf der vereinseigenen Internetseite zum wachsenden Unmut im Umfeld über die Auswahl des Wahlausschusses Stellung bezogen: „Wenn man inhaltlich anderer Meinung ist, ist es legitim, das zu äußern. Aber es darf nicht dazu führen, dass die Arbeit des Wahlausschusses diskreditiert wird. Die Mitglieder dieses Gremiums, die sich aus dem Ehrenrat und dem Gesamtpräsidium rekrutieren, sind von den Vereinsmitgliedern gewählt und legitimiert.“ Sätze, die offenbar größere Teile der Bremer Fanszene nicht befrieden konnten.

Die Mitteilung der organisierten Anhänger endet daher mit den Worten: „Uns geht es um Transparenz, Fairness und die Wahrung der Werte, für die Werder Bremen steht. Werder war immer mehr als Fußball – es ist Gemeinschaft, Haltung und Verantwortung. Diese Prinzipien müssen sich auch im Aufsichtsrat widerspiegeln.“ (bvo/dco)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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