Werder-Wahl Mitte November

Vor Werders Aufsichtsratswahl: Kandidatenliste sorgt für Kritik - mangelnde Transparenz moniert

Am 16. November steht Werder Bremens Mitgliederversammlung an. Im Mittelpunkt dabei: Die Neubesetzung des Aufsichtsrats. Vor der Wahl gibt es von den Fans Kritik für die Kandidatenliste und das Verhalten des Clubs.

Bremen - Noch ein Spieltag, dann geht die Fußball-Bundesliga in die dritte Länderspielpause der laufenden Saison. Für den SV Werder Bremen bedeutet das: Zeit zum Durchschnaufen! Was allerdings nur auf sportliche Belange bezogen ist. Strukturell stehen dem Verein während des spielfreien Wochenendes Mitte des Monats richtungsweisende Entscheidungen bevor - für Sonntag, 16. November (11 Uhr im DeichStube-Liveticker), ist die Mitgliederversammlung anberaumt. In deren Mittelpunkt: die Neubesetzung von vier Aufsichtsratsposten. Im Hintergrund laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren - wie zu erfahren ist, aber nicht geräuschlos. Seit der Wahlausschuss die offizielle Kandidatenliste Mitte Oktober präsentiert hat, rumort es an Stellen innerhalb des Vereins sowie dessen Umfeld.

Mitte November ist es wieder soweit: Die nächste Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen steht an.

Mangelnde Transparenz bei Werder Bremen? Kandidatenliste für Aufsichtsratswahl sorgt für Kritik

Moniert wird etwa mangelnde Transparenz des Wahlausschusses, was die Festlegung auf die zur Auswahl stehenden Kandidaten betrifft. Das Fehlen einer konkreten Erklärung dafür, warum es Dirk Wintermann und Ulrike Hiller nach vier Jahren im Aufsichtsrat trotz der Absicht, erneut zu kandidieren, nicht mehr auf die Liste geschafft haben, hatte Ingo Kläner, der Vorsitzende des größten aller Werder-Fanclubs „27801 Dötlingen“, zuletzt scharf kritisiert. „Mitglieder aus dem Aufsichtsrat auszuschließen, ohne eine klare und nachvollziehbare Erklärung abzugeben, lässt Raum für Spekulationen und schürt Misstrauen“, sagte er - und forderte: „Der Wahlausschuss sollte daher eine klare Stellungnahme zu den Gründen der Ausbootung abgeben. Andernfalls verstärkt sich der Verdacht, dass kritische Stimmen oder Fürsprecher von Fanbelangen entfernt werden sollen.“ Zur Einordnung: 2021 war der Unternehmer Wintermann mit den Stimmen von „27801 Dötlingen“ ins Kontrollgremium des SV Werder Bremen gewählt worden. Seine unkonventionelle Interpretation der Rolle als Aufsichtsrat - Wintermann präsentierte sich sendungsbewusst, trat etwa in Podcasts und Diskussionsrunden auf - hat innerhalb des Vereins nicht überall Anklang gefunden.

Vor Aufsichtsratswahl: Fans monieren mangelnde Transparenz bei Werder Bremens Kandidatenliste

Auf Nachfrage der DeichStube, welche Gründe gegen Dirk Wintermann sowie die ehemalige Staatsrätin Ulrike Hiller gesprochen haben, teilte der Wahlausschuss in dieser Woche allgemein mit: „Der Wahlausschuss hat über einen Zeitraum von knapp eineinhalb Jahren nach Maßgabe der Vereinssatzung ein strukturiertes, professionelles und objektives Auswahlverfahren anhand eines vorab definierten Rollen- und Aufgabenprofils geführt, um die geeignetsten Kandidat*innen für die Wahl zum Aufsichtsrat zu finden.“ Die Grundlage dieses Verfahrens beim SV Werder Bremen hätten folgende Kriterien gebildet: „Gremienkompetenz, Management- und Führungserfahrung, wirtschaftliches und strategisches Verständnis der Bewerberinnen, Nachhaltigkeit sowie die Fähigkeit, ein Aufsichtsratsmandat auf Augenhöhe mit der Geschäftsführung wahrzunehmen“. Abschließend heißt es: „Die durch den Wahlausschuss getroffene Entscheidung war keine Entscheidung gegen Personen, sondern für die nominierten Kandidat*innen.“ Wobei deren Zahl nicht begrenzt ist, Wintermann und Hiller theoretisch also auch zusätzlich hätten antreten können.

Insgesamt hat sich der Wahlausschuss um den Vorsitzenden Manfred Jacobi nach eigener Aussage mit „einer mittleren zweistelligen Zahl“ an Personen auseinandergesetzt und daraus die am Ende sechsköpfige Kandidatenliste erstellt. Hilfe erfuhr der Ausschuss dabei von der Frankfurter Personalberatungsagentur AvS International Trusted Advisors GmbH. Nachdem es im Vorfeld der Aufsichtsratswahl 2021 zu mehreren Pannen rund um die Kandidatenliste gekommen war, fiel bei Werder Bremen die Entscheidung, dass der ehrenamtlich tätige Wahlausschuss künftig professionelle Unterstützung zur Verfügung gestellt bekommt. Immerhin sind die Aufgaben rund um die Listenerstellung inzwischen enorm umfangreich und komplex. Erstmals ist eine Kandidatenliste bei Werder nun auf diese Weise entstanden.

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Aufsichtsratswahlen: Diese Kandidaten stehen bei Werder Bremen zur Wahl

Zur Wahl stehen am 16. November Dr. Julian Deutz (CEO AS Classifieds GmbH), Torsten Hoppe (Head of Audit & Risk bei Haleon pic.), Prof. Dr. Christina Reuter (Professorin für nachhaltige Produktionssystem TU München) sowie Lene Knoll (Geschäftsführerin von Lenes Bio-Backstube), die neben Daniela Schmidt (Vorstandsmitglied bei der OHB) zunächst Ersatzkandidatin war, jüngst aber für Chadia Freyhat (zog ihre Kandidatur aus gesundheitlichen Gründen zurück) nachgerückt ist. Außerdem auf der Liste: die aktuellen Amtsinhaber Harm Ohlmeyer (Finanzvorstand der adidas AG) und Dr. Florian Weiß (CEO HR WORKS Gruppe), die 2021 von den Mitgliedern ins Gremium gewählt worden waren. Die DeichStube hätte im Vorfeld der Wahl - so wie vor vier Jahren auch -gerne mit den Kandidaten gesprochen und sie sowie ihr Programm der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine entsprechende Anfrage wurde von Werder Bremen allerdings mit dem Hinweis abgelehnt, dass nur der Verein selbst Vorab-Interviews mit den Kandidaten führt und sich diese ansonsten nicht äußern werden.

Interessenskonflikt? Werder Bremens Aufsichtsrat Harm Ohlmeyer mit spezieller Rolle

Auf der Hand liegt, dass die Rolle des fachlich enorm geschätzten Harm Ohlmeyer durchaus speziell ist. Der 57-Jährige gehört dem regionalen Investorenbündnis an, das zu Jahresbeginn 2024 insgesamt 38 Millionen Euro in Werder Bremen investiert hatte und dafür 18 Prozent der Anteile an der ausgegliederten Kapitalgesellschaft sowie zwei Aufsichtsratsmandate bekam. Aktuell haben diese Mandate Arnd Brüning und Jens Christoffers inne. Sollte Ohlmeyer von den Mitgliedern am 16. November wiedergewählt werden, sitzen de facto für die nächsten vier Jahre drei Angehörige des Investorenbündnisses im Aufsichtsrat, was von Teilen der Fanszene kritisch gesehen wird. Einen möglichen Interessenskonflikt sieht der SV Werder hier jedoch nicht: „Die aufgeworfene Frage deutet auf ein Rollenverständnis hin, das primär durch Beteiligungsverhältnisse geprägt ist. Diese Interpretation teilen wir nicht. Für den SV Werder Bremen steht im Vordergrund, dass jedes Aufsichtsratsmitglied – unabhängig von etwaigen Zugehörigkeiten oder Beteiligungen – seine Aufgabe im Sinne des Unternehmens wahrnimmt.“ Bereits im Zuge des Einstiegs des regionalen Bündnisses Anfang 2024 habe sich das Präsidium intensiv mit dieser Thematik befasst. Ergebnis: „Nach sorgfältiger Prüfung und umfassender Abwägung aller relevanten Aspekte wurde festgestellt, dass die Zusammensetzung und Mandatsverteilung mit den Grundsätzen und Zielsetzungen des Vereins im Einklang stehen. An dieser Einschätzung hat sich bis heute nichts geändert.“

Bundesliga-Expertise fehlt auf Werder Bremens Aufsichtsrat-Kandidatenliste

Zudem fällt auf, dass auf der Kandidatenliste kein Name steht, der über operative Erfahrung in der Herren-Bundesliga verfügt. Nach Informationen der DeichStube wird das auch von Stimmen innerhalb des Vereins moniert. Der Wahlausschuss des SV Werder Bremen schreibt dazu: „Operative Erfahrung im Profifußball kann eine wertvolle Expertise bei der Gremienarbeit sein. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass Sportexpertise nicht ausschließlich anhand operativer Erfahrungen im Herrenprofifußball entwickelt werden kann. Vielmehr war es das Ziel des Wahlausschusses, eine ausgewogene Liste an Kandidat*innen vorzulegen, die unterschiedliche berufliche Hintergründe, Perspektiven und Kompetenzen abbildet.“ (dco)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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