Enttäuschung und Kritik

Werder-Aufsichtsrat Dirk Wintermann reagiert auf Ausbootung – Größter SVW-Fanclub übt Kritik

Aufsichtsrat Dirk Wintermann wurde vor den Wahlen beim SV Werder Bremen ausgebootet. Jetzt reagiert der Unternehmer erstmals – und vom größten Werder-Fanclub gibt‘s Kritik am SVW.

Bremen – Beim größten Werder-Fanclub, dem „WFC 27801“ aus Dötlingen, begann vor vielen Jahren die Reise von Dirk Wintermann zum späteren Aufsichtsratsmitglied des SV Werder Bremen. „Der Ursprung meiner Kandidatur liegt bei diesem Fanclub und seinem Präsidenten Ingo Kläner, da mich hier die ersten Mitglieder für eine Kandidatur vorgeschlagen haben“, sagte Wintermann am Donnerstagabend bei der 24. Jahreshauptversammlung des „WFC 27801“, dem er selbst seit mehreren Jahren als Mitglied angehört. Seine kurze Ansprache war im Vorfeld mit Spannung erwartet worden – schließlich wurde erst vor wenigen Wochen bekannt, dass Wintermann neben Ulrike Hiller keine Zukunft mehr im Aufsichtsrat des SV Werder Bremen hat. Das Duo war vom Wahlausschuss überraschend nicht auf die Kandidatenliste gesetzt worden, aus deren Kreis die Vereinsangehörigen bei der bevorstehenden Mitgliederversammlung am Sonntag, 16. November (11 Uhr im DeichStube-Liveticker), vier neue Aufsichtsräte wählen werden.  

Wurde nicht erneut für die Aufsichtsratswahl beim SV Werder Bremen aufgestellt: Dirk Wintermann kann Ausbootung nicht nachvollziehen.

Nach Aufsichtsrats-Ausbootung bei Werder Bremen: Unternehmer Dirk Wintermann zeigt sich enttäuscht

Bislang hatte der Unternehmer Wintermann öffentlich zu dieser Entscheidung geschwiegen, auch auf Nachfrage der DeichStube wollte er sich nicht zu seiner Ausbootung äußern. Am Rande der Fanclub-Veranstaltung ging der 58-Jährige zwar ebenfalls nicht ins Detail, erklärte jedoch: „Ich bin natürlich sehr enttäuscht über die Entscheidung, da ich die Aufgabe gerne weitergeführt hätte. Ich bin mir auch weiterhin nicht im Klaren darüber, woran es gelegen hat.“ Dabei beließ es Dirk Wintermann, verzichtete aber nicht auf die Ankündigung, womöglich nach seinem Ausscheiden aus dem Amt bei Werder Bremen etwas mehr zu den Umständen sagen zu wollen. „Bis zum Ende meiner Amtszeit am 16. November werde ich nicht viel dazu sagen, sondern mein Amt bis zum letzten Tag mit dem nötigen und gebührenden Respekt ausüben“, sagte der Noch-Aufsichtsrat, betonte aber zugleich: „Dass ich jetzt als einziger jemals von Mitgliedern vorgeschlagener Kandidat nicht auf der neuen Liste auftauche, das wird man noch zu diskutieren haben.“

Zumal die Art und Weise des Ausscheidens offenbar nicht besonders wertschätzend ablief. Nach Informationen der DeichStube waren sowohl Ulrike Hiller als auch Dirk Wintermann erst wenige Minuten, bevor die neue Aufsichtsrats-Kandidatenliste vom SV Werder Bremen veröffentlicht wurde, über ihr Aus informiert worden. Auch die Möglichkeit eines „gesichtswahrenden“ Rücktritts von sich aus, soll dem Duo, das 2021 in das Kontrollgremium gewählt worden war, nicht angeboten worden sein.

Größter Fanclub kritisiert Werder Bremens Vorgehensweise bei der Wahl des neuen Aufsichtsrats

Unter den rund 300 anwesenden Mitgliedern des Dötlinger Fanclubs sorgte die Entscheidung des Wahlausschusses für Unverständnis. Präsident Ingo Kläner wählte deutliche Worte: „Mitglieder aus dem Aufsichtsrat auszuschließen, ohne eine klare und nachvollziehbare Erklärung abzugeben, lässt Raum für Spekulationen und schürt Misstrauen. Der Wahlausschuss sollte daher eine klare Stellungnahme zu den Gründen der Ausbootung abgeben. Andernfalls verstärkt sich der Verdacht, dass kritische Stimmen oder Fürsprecher von Fanbelangen entfernt werden sollen“, sagte Kläner. Bislang steht diese Stellungnahme aus. In einem Interview gegenüber den Vereinsmedien erklärte der Wahlausschuss-Vorsitzende Manfred Jacobi lediglich: „Das war keine Entscheidung gegen die, die nicht benannt worden sind, sondern eine klare Entscheidung für die nun ausgewählten Kandidaten.“ Gegenüber externen Medien wollte sich das Gremium bisher nicht äußern. Klar ist: Da die Kandidatenliste zahlenmäßig nicht begrenzt ist, hätten Dirk Wintermann und Ulrike Hiller neben den sechs anderen Anwärtern theoretisch auch erneut zur Wahl stehen können.

Bei Werder Bremen ausgebootet – doch Aufsichtsrat Dirk Wintermann gibt nicht auf

Wintermann galt allgemein als volksnaher Aufsichtsrat, der sich für Fanbelange einsetzt und auf vielen Veranstaltungen des Clubs Präsenz zeigt. Auch öffentlich, etwa bei Auftritten in Podcasts oder bei Podiumstalks, hielt er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg, was nicht überall gut ankam. Nach Informationen der DeichStube soll ihm diese durchaus ungewöhnliche Auslegung seiner Aufsichtsratsrolle intern Kritik und Gegenwind eingebracht haben. Für Fanclub-Chef Kläner ist das aber kein Grund dafür, Dirk Wintermann nicht zumindest eine weitere Kandidatur zu ermöglichen: „Die Idee, alle vier amtierenden und vier neuen Kandidat*innen aufzustellen und die Mitglieder darüber abstimmen zu lassen, wäre eine faire Lösung gewesen. Unser Verein verdient einen Aufsichtsrat, der kritisch, kompetent und von der Basis unterstützt wird“, betonte der Präsident des „WFC 27801“ und fügte hinzu: „Wenn ausschließlich monetäre Interessen im Vordergrund stehen, verliert Werder Bremen seine Identität.“

Kampflos aufgeben möchte Dirk Wintermann jedenfalls nicht, und so beendete er seine Rede mit einem Schmunzeln und unter großem Applaus: „In vier Jahren gibt es ja wieder einen neuen Wahlausschuss. Vielleicht werde ich ja dann von euch nochmal vorgeschlagen.“ (bvo/dco)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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