Große Mitgliederversammlung
Zu Gast beim größten Werder-Fanclub „WFC 27801“: Niemeyer und Laufmann erklären späte Transfers, Nachwuchsförderung und Umgang mit Pyrotechnik
Zu Gast beim „WFC 27801“, dem größten Fanclub des SV Werder Bremen: Bei der Jahreshauptversammlung standen Werder-Funktionäre den Fans Rede und Antwort. Es ging um Transfers, Talente, Pyro und mehr.
Dötlingen – Rund 300 Mitglieder hatten sich im großen Saal des „Hotel und Restaurant am Huntepadd“ in Dötlingen zur 24. Jahreshauptversammlung des größten Fanclubs des SV Werder Bremen, des „WFC 27801“, zusammengefunden. Man könnte es auch anders ausdrücken: Der Raum platzte förmlich aus allen Nähten, als Werders Leiter Profifußball Peter Niemeyer und die Geschäftsführerin für Sport und Nachhaltigkeit Anne-Kathrin Laufmann unter den lauten Klängen des Songs „Wir sind Werder Bremen“ als Ehrengäste ihre Plätze einnahmen. „Ich bin total beeindruckt. Ihr habt meine Vorstellungen übertroffen. Da können wir uns einiges für unsere Mitgliederversammlung in zwei Wochen abschauen“, sagte Laufmann zur Begrüßung. Und auch Niemeyer meinte mit einem breiten Grinsen: „Normalerweise sind Mitgliederversammlungen eher etwas dröge, aber ich habe irgendwie das Gefühl, das wird heute ein sehr lustiger Abend.“
Und der 41-Jährige sollte recht behalten, denn die Jahreshauptversammlung des mit 2.489 Mitgliedern mit Abstand größten Werder-Fanclubs hielt tatsächlich den ein oder anderen Schmunzler bereit. So hieß es bei der Verlesung der Kassenbeiträge mit Blick auf den Überschuss des vergangenen Jahres augenzwinkernd: „Das Plus von 756 Euro reicht nur knapp nicht ganz zum Rückkauf von Nick Woltemade.“ Auch Fanclub-Präsident Ingo Kläner, der erneut ohne Gegenstimmen für weitere drei Jahre wiedergewählt wurde, brachte die Menge zum Toben, als er sich direkt an Niemeyer wandte: „Wir sollten auch diese Saison wieder alles dafür tun, um das große Ziel Europa zu erreichen!“
Zu Besuch beim größten Werder Bremen-Fanclub „27801“: Peter Niemeyer spricht über späte Transfers und Talente-Entwicklung
Es war nur eines von mehreren Themen, zu denen am Ende der Versammlung sowohl Niemeyer als auch Laufmann in einer ausführlichen Fragerunde Stellung nahmen. Mehrfach wurde aus dem Plenum nach den Ursachen für die späten Sommertransfers gefragt. „Wir sind auch am Anfang des Transferfensters nicht untätig – auch wenn es von außen manchmal so wirken mag“, beteuerte Niemeyer und betonte: „Wir stehen eben auch nicht ganz oben in der Nahrungskette des Transfermarkts. Als Beispiel: Yuki Sugawara wäre zwei Wochen früher für uns nie auf dem Markt gewesen.“ Erst zum Ende der Transferperiode hätten sich, so Niemeyer, die oft zitierten Türen für Werder Bremen geöffnet. Die schwere Verletzungsmisere habe die Situation zusätzlich erschwert: „Zur Wahrheit gehört eben auch, dass wir erst etwas Geld einnehmen mussten, um hinten heraus noch Leihen umzusetzen.“
Neben Transferfragen standen auch die Entwicklung junger Spieler und deren Perspektiven bei Werder Bremen im Mittelpunkt. „Man sieht schon jetzt, dass das Momentum auf der Seite der jungen Spieler wie Karim Coulibaly oder Patrice Covic ist“, sagte Niemeyer und lobte: „Ich muss da ein großes Kompliment an die Jungs aussprechen, wie sie sich bisher präsentieren. Karim spielt bislang so, als würde er schon immer auf dem Niveau des Profifußballs agieren.“ Dieses Engagement bleibe auch außerhalb Bremens nicht unbemerkt und zahle sich bereits jetzt aus: „Man merkt es jetzt schon auf dem Transfermarkt – Berater bieten uns zunehmend junge Spieler an, die vorher vielleicht gesagt hätten, dass wir nicht unbedingt für Spielerentwicklung stehen.“
Werder Bremen-Geschäftsführerin Anne-Kathrin Laufmann spricht vor dem Fanclub „27801“ über den Umgang mit Pyrotechnik
Doch nicht nur sportliche Themen wurden angesprochen – auch das immer wiederkehrende Thema Pyrotechnik kam zur Sprache. „Grundsätzlich ist unsere Haltung als Verein klar: Wir haben eine Null-Toleranz-Einstellung gegenüber Pyrotechnik“, stellte Anne-Kathrin Laufmann zunächst klar. „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Pyrotechnik ein Teil der aktiven Fanszene ist. Die Strafen treffen uns in unserer finanziellen Situation allerdings immer wieder hart. Deshalb müssen wir es gemeinschaftlich hinbekommen, dass es weniger wird.“ Einer möglichen Teil-Legalisierung von Pyrotechnik zu bestimmten Momenten im Stadion steht Laufmann grundsätzlich offen gegenüber, betonte jedoch: „Wichtig ist, dass eine mögliche Regelung nicht von oben herab beschlossen wird, sondern im Dialog entsteht – sonst wird sie keine Akzeptanz finden.“
Deutlich mehr Zustimmung erhielt hingegen der Vorschlag, Laufmann und Niemeyer zu Ehrenmitgliedern des Fanclubs zu ernennen – ein Antrag, den die Versammlung begeistert annahm. Als zum Abschluss alle Anwesenden noch einmal inbrünstig die Werder-Bremen-Hymne „Lebenslang Grün-Weiß“ anstimmten, zückte auch Peter Niemeyer begeistert sein Handy und filmte die beeindruckende Kulisse – er sollte schließlich recht behalten: Mit einer „drögen“ Mitgliederversammlung hatte der Abend in Dötlingen tatsächlich nichts zu tun. (bvo)
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