Werder-Neuzugang in der Analyse
Werders neuer Stürmer Itten im Datencheck: Der Mann, der dringend gute Flanken braucht
Welche Stärken und Schwächen hat Cedric Itten und wie gut passt er zu Werder Bremen? Der Neuzugang in der Datenanalyse von „F30 Football Insights“!
Erst einmal zählt für Cedric Itten noch die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko – schließlich steht für ihn mit der Schweizer Nationalmannschaft am Freitag (5 Uhr MESZ) das Sechzehntelfinale gegen Algerien an. Und geht es nach dem Stürmer, dann soll das Turnier danach noch nicht beendet sein. Es könnte also noch etwas dauern, bis der 29-Jährige tatsächlich beim SV Werder Bremen auftaucht.
Bei jenem Club, zu dem der bisherige Angreifer von Fortuna Düsseldorf in diesem Sommer ablösefrei wechselt. Im Auftrag der DeichStube haben die Datenexperten von „f30 football insights“ ganz genau hingeschaut, wo Ittens Stärken und Schwächen liegen – und wie er dem Bundesligisten am besten helfen kann.
Werder Bremens Neuzugang Cedric Itten in der Datenanalyse: Vom FC Basel zum Schweizer Nationalspieler
Werdegang: Der 1,90 Meter große Mittelstürmer absolvierte den Großteil seiner fußballerischen Ausbildung in den Jugendteams des FC Basel, für den er mit 19 Jahren nicht nur sein Profidebüt gab, sondern dieses direkt mit einem Assist krönte. Mit dem Club gewann Cedric Itten die Schweizer Meisterschaft, konnte einen Stammplatz in den Folgejahren jedoch nicht behaupten. Deshalb wurde er 2018 an den FC St. Gallen transferiert, nachdem er bereits dorthin sowie auch nach Luzern verliehen worden war.
Nach einem starken Beginn riss sich Itten im September 2018 das Kreuzband und startete erst in der Folgesaison so richtig durch. Mit 19 Toren und sechs Assists in 34 Spielen sicherte er den Ostschweizern die Vizemeisterschaft und schoss sich in die „Nati“. Bei seiner Premiere in der EM-Qualifikation gegen Georgien im November 2019 erzielte er prompt das 1:0-Siegtor. Es folgte ein Wechsel zu den Glasgow Rangers für eine Ablöse von drei Millionen Euro, wo Cedric Itten in eineinhalb Jahren aber kaum über Jokereinsätze hinauskam. Während der Hinrunde 2021/22 wurde er an Greuther Fürth in die Bundesliga ausgeliehen, wo er ebenfalls nicht glücklich wurde.
Werder Bremens Neuzugang Cedric Itten in der Datenanalyse: Die Lebensversicherung von Fortuna Düsseldorf
Im Juli 2022 folgte schließlich der Schritt zurück in die Schweiz, was seiner Karriere neuen Schub verlieh: Die Young Boys Bern verpflichteten Cedric Itten und schrieben mit ihm eine echte Erfolgsgeschichte. In drei Saisons wurde Itten zweimal Meister und einmal Pokalsieger. Dabei gelangen ihm starke 68 Torbeteiligungen (48 Treffer und 20 Assists) in 128 Einsätzen.
Als Schlüsselspieler und Fanliebling wechselte Itten im vergangenen Sommer dann erneut nach Deutschland und schloss sich Fortuna Düsseldorf an, wo zunächst noch Daniel Thioune Trainer war. Dort funktionierte er auf Anhieb als alleinige Spitze im 4-2-3-1-System. Auch wenn die Saison aus Sicht der Fortuna letztlich katastrophal verlief und mit dem Abstieg in die 3. Liga endete, spielte Itten konstant auf hohem Zweitliganiveau.
Mit 15 Toren in 30 Spielen war er lange die Lebensversicherung – umso bitterer, dass er im entscheidenden Spiel gegen Fürth gelbgesperrt zusehen musste. Von allen Mittelstürmern der vergangenen Zweitligasaison hatte Cedric Itten die meisten Ballkontakte und Torschüsse, was seine enorme Bedeutung unterstreicht. An 54 Prozent aller Fortuna-Tore war der Neuzugang des SV Werder Bremen entscheidend beteiligt. Ligaweit besaß nur Fürths Torschützenkönig Noel Futkeu einen höheren Anteil am Teamerfolg.
Werder Bremens Neuzugang Cedric Itten in der Datenanalyse: Bälle behaupten und Kopfballstärke
Spielstil: Cedric Itten ist ein kantiger Mittelstürmer, der mit seinem kräftigen Körperbau Parallelen zu Ex-Werder-Bremen-Star Niclas Füllkrug aufweist. Dank eines hohen Körperschwerpunkts und seiner Durchsetzungsstärke im Luftduell fühlt er sich als Empfänger von Flanken im Strafraum am wohlsten. In der vergangenen Saison führte er für die Düsseldorfer pro 90 Minuten mehr als sieben Luftduelle (dritthöchster Wert der Liga) und entschied starke 52 Prozent davon für sich.
Kein anderer Zweitligaspieler hatte einen positiveren Einfluss auf das Festmachen von Bällen in der gegnerischen Hälfte und das Gewinnen von Kopfballduellen. Ittens Hoheitsgebiet ist ganz klar der Strafraum, wo er sich in gute Positionen nahe dem Fünfmeterraum bringt. Der neue Angreifer des SV Werder Bremen zögert nicht lange, sondern versucht häufig bereits mit dem ersten Kontakt, den Ball aufs Tor zu bringen – lediglich der Neu-Wolfsburger Fraser Hornby tat dies noch häufiger. Starke 2,3 Abschlüsse pro 90 Minuten stehen bei Cedric Itten zu Buche, knapp die Hälfte davon per Kopf, was den Höchstwert der 2. Bundesliga darstellte.
Der Neu-Bremer beteiligt sich indes nur wenig am Spielaufbau seines Teams. Er lässt sich selten fallen, sondern positioniert sich oft im halbrechten Zwischenraum zwischen der gegnerischen Abwehr- und Mittelfeldkette, um lange Bälle zu erwarten. Dementsprechend unternimmt er nur wenige Tempoläufe, erhielt dafür aber die meisten linienbrechenden Zuspiele aller Zweitligastürmer. Aufgrund seiner exponierten Stellung und seiner Positionierung mit dem Rücken zum Tor zieht Itten in Ballbesitzphasen die Aufmerksamkeit der Gegner auf sich und wird häufig unter Druck gesetzt. Dank seines Körpers und seiner technischen Fähigkeiten kann sich der Neuzugang des SV Werder Bremen in solchen Momenten gut behaupten und den Ball auch auf engem Raum sicher verarbeiten. Dadurch kann Cedric Itten in Druckphasen häufig für Entlastung sorgen.
Werder Bremens Neuzugang Cedric Itten in der Datenanalyse: Zweikampfmonster für dem SVW
Über die gesamte Saison gesehen gewann kein Zweitligastürmer mehr Zweikämpfe als Cedric Itten. Diese Robustheit lässt hoffen, dass er die Anpassung ans Bundesliganiveau schafft und sich auch eine Etage höher gegen noch physischere Verteidiger behaupten kann. Bei Standardsituationen ist Itten ein häufiges Ziel, er erzielte ganze 20 Prozent seiner Tore nach ruhendem Ball. Außerdem besitzt der Neuzugang des SV Werder Bremen ein Gespür dafür, Konter zu verwerten, denn obwohl er kein hohes Tempo oder nennenswerten Tiefgang hat, kann er Freiräume nutzen und sich im Rücken der gegnerischen Abwehr in Schusspositionen bringen.
Dass sich Itten zuletzt im Pressing eher zurückhielt, lag am Spielstil der Fortuna. Im teaminternen Vergleich löste jedoch kaum ein Spieler häufiger Druck auf den ballführenden Gegner aus als der Schweizer. Itten erobert häufig den Ball im vorderen Mitteldrittel und scheut keinen Zweikampf. Er hatte über die gesamte Saison hinweg die meisten Defensivaktionen aller Zweitligastürmer. Bei ihm steht das Unterbrechen gegnerischer Angriffsmöglichkeiten an erster Stelle. Häufig begeht Cedric Itten taktische Fouls, um den Spielfluss zu stören, was ihm einige Gelbe Karten einbringt. Für ein hohes Angriffspressing ist er aufgrund seiner mangelnden Schnelligkeit (34 km/h) weniger geeignet, für Teams in einem mittleren Block hingegen umso mehr.
Fazit zu Werder Bremens Neuzugang Cedric Itten: Kräftiger Strafraumstürmer, der mit Flanken gefüttert werden muss
Fazit: Cedric Itten ist ein kräftiger Strafraumstürmer, der mit Flanken versorgt werden muss, um optimal zu funktionieren. Für ihn und Werder gleichermaßen bedeutsam ist daher die Rückkehr von Mitchell Weiser, Werders bestem Flankengeber der vergangenen Jahre. Durch die zusätzliche Assistqualität von Romano Schmid oder eines Cameron Puertas – sofern beide weiter für Werder spielen – wird es Itten in Bremen kaum an qualitativen Zuspielen mangeln. Dass Werder Bremen in der vergangenen Saison zu den ligaweit schwächsten Teams nach Standards zählte und wie der Hamburger SV nur sieben Tore nach Ecken beziehungsweise Freistößen erzielte, lag weniger an den Hereingaben, sondern an einem oftmals fehlenden Abnehmer als Zielspieler. Diese Rolle soll Cedric Itten ausfüllen.
Mit seinem Stärkenprofil passt er ideal in die Rolle des kopfballstarken Verwerters: Er erzielte sechs von 15 Saisontoren per Kopf – damit nicht nur mehr als jeder andere Zweitligastürmer, sondern genauso viele wie der gesamte Kader des SV Werder Bremen. Taktisch ist es dabei von geringerer Relevanz, ob der WM-Fahrer als Mittelstürmer in einer Ballbesitzphilosophie oder in einem Team mit mehr Umschaltmomenten agiert. In beiden Varianten stellte er seine Stärken bereits unter Beweis. Für ihn ist es am wichtigsten, dass Chancen über die Flügel kreiert werden.
Seine erfolgreichste Zeit hatte der 29-Jährige als Wandspieler im Berner 4-2-2-2-System neben einer dynamischeren zweiten Spitze. Der Schweizer hat ein ganz anderes Profil als die vorhandenen Stürmer bei Werder, er ist der erste „echte“ Strafraumstürmer seit Niclas Füllkrug. Im Gegensatz zu Marco Grüll, Justin Njinmah oder Keke Topp benötigt er deutlich weniger Raum, um vor dem Tor effizient zu sein. Dass seine Verpflichtung ablösefrei vonstatten ging, ist für den SV Werder Bremen ein Glücksgriff. Ob der Transfer erfolgreich sein wird, hängt stark davon ab, wie gut die Hanseaten Itten per Flanke in Szene setzen können. (mbü)
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