Wohin mit dem Kapitän?

Freifahrtschein mit Einschränkung für Junuzovic

Werder-Kapitän Zlatko Junuzovic verpasste das Spiel gegen RB Leipzig verletzungsbedingt.
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Werder-Kapitän Zlatko Junuzovic verpasste das Spiel gegen RB Leipzig verletzungsbedingt.

Bremen - Der Ausfall kam ganz plötzlich – quasi ohne Vorwarnung. Zlatko Junuzovic fehlte in Leipzig wegen muskulärer Beschwerden in der linken Wade.

Doch auch ohne den Kapitän machte Werder ein gutes Spiel, verlor unglücklich mit 0:2. Wie schwierig wird es nun für Junuzovic, zurück ins Team zu finden? Wie ist es grundsätzlich um seine Zukunft bei Werder bestellt? „Zladdi ist ein Spieler, auf den wir sehr schwer verzichten können“, sagt Trainer Florian Kohfeldt: „Wir werden die Trainingswoche genau beobachten, wenn er körperlich fit ist, dann gibt es da keine Diskussion.“ Es ist ein Freifahrtschein mit Einschränkung – und das könnte noch ziemlich interessant werden.

Junuzovic optimistisch für Samstag

Denn vollständige Fitness ist bei Junuzovic keine Selbstverständlichkeit mehr. Am Dienstag nahm er zwar das Mannschaftstraining wieder auf und war hinterher mit Blick auf die Partie gegen den VfB Stuttgart auch zufrieden: „Es war schon ganz gut. Ich gehe davon aus, dass es mit einem Einsatz klappen wird.“ Grundsätzlich gilt für Junuzovic aber: Mit 30 Jahren steht Junuzovic alles andere als am Anfang seiner Karriere, seine Spielweise hat dem Körper zugesetzt.

Der Österreicher kommt über die Physis, läuft immer sehr viel, schont sich in Zweikämpfen nur selten. Das hat Spuren hinterlassen. Das Sprunggelenk streikt schon länger, genauso wie die Achillessehne. Zu Beginn der Saison musste der Kapitän deshalb lange pausieren, kam erst am siebten Spieltag erstmals zum Einsatz. Obwohl der Mittelfeldspieler gerade erst wieder mit der Mannschaft trainiert hatte, wechselte ihn Alexander Nouri im Nordderby beim Hamburger SV nach einer Stunde ein.

Noch kein neues Angebot für Junuzovic

Für den damaligen Coach war Junuzovic extrem wichtig, sein erster Ansprechpartner im Team. Deshalb hatte er ihn schon vor Ende der Saison zum Kapitän und damit zum Nachfolger von Clemens Fritz gemacht. Ungewöhnlich früh, zumal die Zukunft von Junuzovic unklar war. Dessen Vertrag läuft im Sommer 2018 aus, deswegen liebäugelte Junuzovic durchaus mit einem finanziell lukrativen Wechsel. Trabzonspor lockte ihn mit viel Geld in die Türkei. Keine glückliche Geschichte für einen Spieler, den der Trainer gerade zum Kapitän gemacht hat. Die Fans waren wenig begeistert.

Junuzovic ist letztlich geblieben. Werder ließ ihn für die gebotene Ablöse (drei Millionen Euro) nicht gehen. Der ganz große Poker fiel aber auch deshalb aus, weil Junuzovic verletzt war. Gut möglich, dass sich die Geschichte im Winter wiederholt – ohne Verletzung und deshalb vielleicht mit einem anderen Ausgang. Sportchef Frank Baumann betont zwar: „Wir haben großes Interesse, mit Zladdi weiterzuarbeiten.“ Aber die Tatsache, dass er ihm seit Sommer kein neues Angebot vorgelegt hat, spricht auch nicht für ein großes Vertrauen. Zumal, wenn es um den Kapitän geht.

Und der muss plötzlich sogar um seinen Posten in der Startelf fürchten. Gegen Hannover 96 (4:0) war für Junuzovic schon kein Platz mehr im Zentrum, der neue Coach schob Junuzovic auf die linke Seite. „Das ist nicht meine Idealposition“, gestand der Österreicher in den Tagen danach und kritisierte damit bewusst oder unbewusst Trainer Kohfeldt.

Doch der ließ sich davon nicht beeindrucken. Er hob Junuzovics Stärken auch auf dieser Position hervor, lobte ihn explizit. Der Österreicher fände eben die Räume, die Werder so dringend sucht. Alles gut also? Nur bedingt. Denn im Zentrum haben sich Philipp Bargfrede, Maximilian Eggestein und Thomas Delaney zum gut funktionierenden Trio eingespielt. Von diesen Spielern wird Kohfeldt kaum einen opfern, um Platz für Junuzovic zu schaffen.

Junuzovic bleibt ein kleines Rätesel

Bliebe die Position auf der Außenbahn, die es aber so in der Partie Leipzig gar nicht mehr gab. Dort hatte der Coach auf eine Dreierkette umgestellt und die beiden Außenverteidiger etwas nach vorne gezogen. Auf die Frage, wie er im Mittelfeld mit einem gesunden Junuzovic aufgestellt hätte, rettete sich Kohfeldt mit dem Hinweis heraus: „Zum Glück habe ich das Privileg, darauf nicht antworten zu müssen. Aber die Frage hat sich auch nicht gestellt.“

Die Frage könnte aber schon bald wiederkehren, wenn Junuzovic in dieser Woche voll durchzieht. Grundsätzlich ist Kohfeldt da zuversichtlich, aber er sagt auch: „Natürlich müssen wir gucken, wo diese muskulären Probleme so plötzlich herkamen. Das war für alle schon sehr überraschend – inklusive Zladdi.“

Der Kapitän bleibt ein kleines Rätsel. Im Sommer ging es um seine Zukunft bei Werder, nun um seine Bedeutung für das Team – und im Januar vielleicht erneut um seinen Verbleib oder einen vorzeitigen Wechsel. Der 30-Jährige hat in der Vergangenheit oft bewiesen, wie wertvoll er für Werder sein kann. In dieser Saison hat er noch nicht getroffen und noch kein Tor vorbereitet. Der Abstiegskampf wäre sicher nicht der schlechteste Moment, daran etwas zu ändern und an die guten, effektiveren Zeiten anzuknüpfen.

Zlatko Junuzovic: Seine Karriere in Bildern

Zlatko Junuzovic
Zlatko Junuzovics Karriere begann in seiner Heimat Österreich. Nach seiner Jugendzeit in Graz wechselte „Zladdi“ im Sommer 2007 zu Austria Kärnten. Dort blieb er zwei Jahre. © imago
Zlatko Junuzovic
Dann schloss er sich dem 24-fachen Meister Austria Wien an, wo er für drei Jahre spielte. © imago
Zlatko Junuzovic
Im Januar 2012 holten Trainer Thomas Schaf und Manager Klaus Allofs den Mittelfeld-Allrouner an die Weser. Bei Werder unterschrieb Junuzovic bis Sommer 2015. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Der Österreicher war bei Werder direkt gefordert... © nordphoto
Zlatko Junuzovic
...und stand in der Rückrunde der Saison 15 Mal auf dem Platz - meistens über die volle Spielzeit. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
In der Saison 2013/14 schoss der Österreicher den 1:0-Siegtreffer im Nordderby gegen den Hamburger SV. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Im Februar 2015 verlängerte Junuzovic seinen Vertrag vorzeitig bis 2018. Werder-Anhänger machten sich zuvor mit Sprechchören und Plakaten für den Verbleib von Junuzovic stark. Unter dem Hashtag #JunobleibtBremer fanden viele Fans zusammen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Seine wohl beste Saison bei den Grün-Weißen spielte der Mittelfeldspieler 2014/15. Am Ende dieser Spielzeit standen sechs Treffer und 16 Torvorlagen auf Junuzovics Konto. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Der österreichische Nationalspieler biss immer auf die Zähne und zählt zu den Führungsspielern in Bremen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Nach dem Karriereende von Clemens Fritz wurde Junuzovic von Cheftrainer Alexander Nouri zum Kapitän ernannt. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Seit der Saison 2017/18 trägt er nun die Binde als neuer Spielführer. Ganz neu ist das für den Profi aber nicht. Zuvor war er schon Vizekapitän gewesen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Am 13. Oktober 2017 gab Junuzovic überraschend sein Karriere-Ende in der österreichischen Nationalmannschaft bekannt. Er kam auf 55 Einsätze in der ÖFB-Elf. © imago
Zlatko Junuzovic
In der Rückrunde der Saison 2017/18 hat Junuzovic trotz Kapitänsbinde seinen unangefochtenen Stammplatz verloren und musste das eine oder andere Mal - besonders bei Auswärtsspielen - auf der Bank Platz nehmen. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Ein ganz wichtiges Tor für Werder schoss Junuzovic gegen Schalke 04, als er in der Nachspielzeit den Ball zum 2:1-Auswärtssieg über die Linie stocherte. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Dank Junuzovics Treffer bejubelte Werder einen ganz wichtigen Sieg im Kampf um den Klassenerhalt. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Nach Jahren voller Wechsel-Spekulationen geht im Sommer 2018 das Kapitel Junuzovic bei Werder zu Ende. Dass der Kapitän von Bord geht, teilte der SV Werder am 23. April 2018 mit. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Junuzovic wurde beim letzten Heimspiel der Saison im Weserstadion offiziell verabschiedet. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Der 30-Jährige genoss die letzten Momente im Weserstadion gemeinsam mit Sohn Clemens. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Die Werder-Fans bescherten Junuzovic einen schönen Abschied. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Junuzovic wechselt zurück in seine österreichische Heimat. Ziel ist Serienmeister RB Salzburg. © gumzmedia

Die Grün-Weißen sind weiterhin auf der Suche nach einem neuen Verteidiger. Beim Werben um Benjamin Henrichs von der AS Monaco kriegt Werder Bremen Konkurrenz aus der eigenen Liga – auch RB Leipzig soll interessiert sein.

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