Kapitän wieder an Bord

Junuzovic als Hoffnungsträger

Erst mit Junuzovic wird Bremen im Nordderby etwas gefährlich.
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Erst mit Junuzovic wird Bremen im Nordderby etwas gefährlich.

Hamburg. Der linke Knöchel war dick in Eis gepackt, und auch die Statements von Zlatko Junuzovic nach dem 0:0 beim Hamburger SV wirkten gut gekühlt.

Dass Werder Bremen beim Nordderby wieder nicht getroffen und deshalb auch im siebten Saisonspiel der Fußball-Bundesliga ohne Sieg geblieben war, kommentierte der nach langer Verletzungspause ins Team zurückgekehrte Kapitän mit Aussagen, die zwischen eisernem Optimismus und ungeschminktem Realismus pendelten.

„Sicher“, sagte der 30-Jährige, „die Situation wird jetzt nicht einfacher für uns. Sicher, der Druck auf uns steigt jetzt automatisch“, sagte er. Aber eben so sicher sei auch, dass die bescheidene Ausbeute von vier Punkten in sieben Spielen kein Grund ist, in Fatalismus zu verfallen: „Es passt nicht alles, das ist klar. Sonst hätten wir nicht nur vier Punkte. Ich würde es aber nicht zu schwarz malen. Wir haben in jedem Spiel die Chancen gehabt, drei Punkte zu holen. Jedes Spiel stand bisher auf des Messers Schneide.“

Allerdings beschränkte sich die Argumentationskette des Kapitäns, weshalb auch das Nordderby so ein Spiel auf des Messers Schneide war, auf eine gute (von ihm aufgelegte) Chance für Fin Bartels sowie einen Kopfball von Thomas Delaney in der Anfangsphase. „Da waren schon noch mehr Situationen“, meinte der Österreicher zwar. Durch Fakten unterfüttert war diese Aussage jedoch nicht.

Junuzovic nennt die Dinge beim Namen

Ein bisschen schönreden darf ja sein. Aber von Junuzovic weiß man, dass er die Dinge auch beim Namen nennen kann. Und das machte er dann auch – und zwar die Gesamtsituation betreffend. Werder erneut im Abstiegskampf? Der 30-Jährige sagte es so: „Es ist wieder eine schwierige Situation. Wie in den vergangenen Jahren auch. Aber wir haben die Qualität, um es drehen zu können.“ Eine Trainerdiskussion hält er für absolut nicht nötig: „Mit dem Trainerteam läuft es sehr gut.“ Auf dem Platz jedoch nicht.

Zlatko Junuzovic umzingelt von drei Hamburger Spielern.

Vielleicht bringt Junuzovic ja die Besserung. Sportchef Frank Baumann hofft darauf. „Natürlich ist er ein wichtiger Faktor“, sagte der 41-Jährige – betonte aber auch: „Durch Zladdi allein wird nicht alles gut. Wir sollten nicht alles auf einen Spieler abladen. Wir sind als Mannschaft gefordert.“

In Hamburg war Junuzovic in der 63. Minute für Florian Kainz in die Partie und so zu seinem Saisondebüt gekommen. Wegen Achillessehnenproblemen hatte er die ersten sechs Saisonspiele verpasst – dass er nun wieder dabei ist, sei eine ungemeine Erleichterung: „Ich hatte natürlich Lust aufs Kicken. Nur Kraftraum und Reha, das geht einem auf die Nerven.“ 

Entscheidend ist nun aber, ob die Achillessehne nach der Belastung im Spiel ruhig bleibt. Der Eisverband sollte helfen. Junuzovic: „Ich hoffe, dass es keine Reaktion gibt.“ Bis zum nächsten Spiel gegen Borussia Mönchengladbach hat er zwei Wochen Zeit, sich noch weiter an Form und Fitness heranzutasten – und dann rechnet Junuzovic auch mit dem ersten Werder-Sieg der Saison: „Mit der Anlage, die wir haben, können wir Gladbach schlagen.“ Doch das war eher ein Satz aus der Rubrik eiserner Optimismus.

Einzelkritik: Pavlenka wieder Werders Bester, Bartels enttäuscht

Jiri Pavlenka: Bestätigte seine Leistung aus dem Freiburg-Spiel und war Werders bester Mann. Wurde er gebraucht, war er da. Vor der Pause gegen Sakai (23.) und Hahn (26.) zur Stelle, nach dem Wechsel dann gegen Hahn (56.), Wood (60.) und Hunt (79.). Note: 2
Jiri Pavlenka: Bestätigte seine Leistung aus dem Freiburg-Spiel und war Werders bester Mann. Wurde er gebraucht, war er da. Vor der Pause gegen Sakai (23.) und Hahn (26.) zur Stelle, nach dem Wechsel dann gegen Hahn (56.), Wood (60.) und Hunt (79.). Note: 2 © nordphoto
Robert Bauer: Mit seiner Mentalität genau der richtige Mann für ein Derby – keine Frage. War giftig in den Zweikämpfen, bisweilen aber zu übermotiviert. Hatte zudem Probleme mit dem schnellen Ito. Note: 3,5
Robert Bauer: Mit seiner Mentalität genau der richtige Mann für ein Derby – keine Frage. War giftig in den Zweikämpfen, bisweilen aber zu übermotiviert. Hatte zudem Probleme mit dem schnellen Ito. Note: 3,5 © nordphoto
Milos Veljkovic: Agierte wie zuletzt im Zentrum der Dreierkette und das ohne größere Fehler. In den Drangphasen des HSV wirkte der Serbe jedoch teilweise unorientiert. Leistete sich unnötige Fouls. Note: 3,5
Milos Veljkovic: Agierte wie zuletzt im Zentrum der Dreierkette und das ohne größere Fehler. In den Drangphasen des HSV wirkte der Serbe jedoch teilweise unorientiert. Leistete sich unnötige Fouls. Note: 3,5 © nordphoto
Niklas Moisander: Hinten links so sachlich wie gewohnt. Bemühte sich darum, in der hitzigen Atmosphäre Ruhe ins Bremer Spiel zu bringen, spielte aber auch den ein oder anderen Fehlpass. Was weitestgehend fehlte: Seine präzisen Pässe in der Spieleröffnung. Note: 3
Niklas Moisander: Hinten links so sachlich wie gewohnt. Bemühte sich darum, in der hitzigen Atmosphäre Ruhe ins Bremer Spiel zu bringen, spielte aber auch den ein oder anderen Fehlpass. Was weitestgehend fehlte: Seine präzisen Pässe in der Spieleröffnung. Note: 3 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie: Zu Beginn sehr offensiv, vorne aber wie so oft ohne das nötige Glück. Im Laufe des Spiels dann mehr und mehr defensiv gegen Ito gefordert, wobei er nicht immer gut aussah. Note: 3,5
Theodor Gebre Selassie: Zu Beginn sehr offensiv, vorne aber wie so oft ohne das nötige Glück. Im Laufe des Spiels dann mehr und mehr defensiv gegen Ito gefordert, wobei er nicht immer gut aussah. Note: 3,5 © nordphoto
Philipp Bargfrede (bis 63.): Erhielt zum zweiten Mal in Folge den Vorzug vor Maximilian Eggestein. Ging als Sechser zwar keinem Duell aus dem Weg, Akzente im Spiel nach vorne setzte er aber nicht. Verlor dafür zu viele Bälle. Dass die Luft bei ihm nicht für 90 Minuten reicht, war nach dem Wechsel klar zu sehen. Note: 4
Philipp Bargfrede (bis 63.): Erhielt zum zweiten Mal in Folge den Vorzug vor Maximilian Eggestein. Ging als Sechser zwar keinem Duell aus dem Weg, Akzente im Spiel nach vorne setzte er aber nicht. Verlor dafür zu viele Bälle. Dass die Luft bei ihm nicht für 90 Minuten reicht, war nach dem Wechsel klar zu sehen. Note: 4 © nordphoto
Ulisses Garcia: Rückte für den verletzten Augustinsson in die Startelf. Auf der linken Seite vor allem darum bemüht, hinten keine Fehler zu machen, was ihm zunächst gelang. Sah dann vor Hahns Heber aber gar nicht gut aus (56.). Vorstöße auf dem Flügel zeigte er keine. Note: 4,5
Ulisses Garcia: Rückte für den verletzten Augustinsson in die Startelf. Auf der linken Seite vor allem darum bemüht, hinten keine Fehler zu machen, was ihm zunächst gelang. Sah dann vor Hahns Heber aber gar nicht gut aus (56.). Vorstöße auf dem Flügel zeigte er keine. Note: 4,5 © nordphoto
Florian Kainz (bis 63.): In der Offensive im ersten Durchgang der auffälligste Bremer. Wirbelte viel, auch wenn der Ertrag nicht groß war. Scheiterte per Freistoß an HSV-Keeper Mathenia (39.), später flog eine Direktabnahme übers Tor (56.). Tauchte im zweiten Durchgang ab. Note: 4
Florian Kainz (bis 63.): In der Offensive im ersten Durchgang der auffälligste Bremer. Wirbelte viel, auch wenn der Ertrag nicht groß war. Scheiterte per Freistoß an HSV-Keeper Mathenia (39.), später flog eine Direktabnahme übers Tor (56.). Tauchte im zweiten Durchgang ab. Note: 4 © nordphoto
Thomas Delaney: Hatte per Kopf die erste Bremer Chance des Spiels (9.). Rieb sich in den Zweikämpfen auf. Die ganz großen Ideen hatte aber auch er nicht – ganz im Gegenteil: Oft war der Ball sofort wieder weg, wenn er bei ihm war. Kein gutes Spiel des Dänen. Note: 4
Thomas Delaney: Hatte per Kopf die erste Bremer Chance des Spiels (9.). Rieb sich in den Zweikämpfen auf. Die ganz großen Ideen hatte aber auch er nicht – ganz im Gegenteil: Oft war der Ball sofort wieder weg, wenn er bei ihm war. Kein gutes Spiel des Dänen. Note: 4 © nordphoto
Fin Bartels (bis 90.): Die Partie lief vor der Pause komplett an ihm vorbei. Kein Abschluss, keine auffällige Szene – keine gute Leistung. Wurde auch in Hälfte zwei nicht besser, hatte aber Werders größte Chance, als er an Mathenia scheiterte (71.) Note: 5
Fin Bartels (bis 90.): Die Partie lief vor der Pause komplett an ihm vorbei. Kein Abschluss, keine auffällige Szene – keine gute Leistung. Wurde auch in Hälfte zwei nicht besser, hatte aber Werders größte Chance, als er an Mathenia scheiterte (71.) Note: 5 © nordphoto
Ishak Belfodil: Körperlich war der 1,92-Meter-Mann zu Beginn enorm präsent, dazu sehr lauffreudig. Köpfte über das Tor (13.), mehr Gefahr strahlte er aber nicht aus. In den zweiten 45 Minuten kaum noch zu sehen. Note: 4,5
Ishak Belfodil: Körperlich war der 1,92-Meter-Mann zu Beginn enorm präsent, dazu sehr lauffreudig. Köpfte über das Tor (13.), mehr Gefahr strahlte er aber nicht aus. In den zweiten 45 Minuten kaum noch zu sehen. Note: 4,5 © nordphoto
Maximilian Eggestein (ab 63.): Sollte das zerfahrene Bremer Spiel ordnen und machte es besser als Vorgänger Bargfrede. Note -
Maximilian Eggestein (ab 63.): Sollte das zerfahrene Bremer Spiel ordnen und machte es besser als Vorgänger Bargfrede. Note - © nordphoto
Zlatko Junuzovic (ab 63.): Saisondebüt für den Österreicher. Mit ihm kam mehr Struktur ins Werder-Spiel. Schade: Blieb mit einem Freistoß in der Mauer hängen (69.). Note -
Zlatko Junuzovic (ab 63.): Saisondebüt für den Österreicher. Mit ihm kam mehr Struktur ins Werder-Spiel. Schade: Blieb mit einem Freistoß in der Mauer hängen (69.). Note - © nordphoto
Izet Hajrovic (ab 90.): Kam als Joker für die letzten Minuten, stach aber nicht mehr. Note -
Izet Hajrovic (ab 90.): Kam als Joker für die letzten Minuten, stach aber nicht mehr. Note - © nordphoto

Lest auch die Taktikanalyse von Tobias Escher: Krampf statt Klasse - Nouri verliert Trainerduell gegen Gisdol

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