Werder droht der Abstieg
Qualitätsdebatte bei Werder Bremen: Wie gut ist das Team wirklich?
13 Bundesliga-Spiele in Serie ohne Sieg: Dem SV Werder Bremen droht der Abstieg in die 2. Bundesliga. Fehlt es dem SVW an Qualität?
Bremen – Als Jens Stage vor einigen Wochen nach der 0:2-Heimniederlage gegen die TSG Hoffenheim die Abschlussqualität des SV Werder Bremen anprangerte, war es das erste Mal, dass ein Spieler öffentlich zumindest leichte Zweifel an der Qualität des Teams formulierte. Mittlerweile ist diese Art der Analyse nach Spielen allerdings immer häufiger zu hören. „Wir spielen immer gut mit, agieren ordentlich und haben einen Fuß in der Tür. Jedes Spiel – vielleicht Bayern ausgenommen – hätte auf unsere Seite kippen können. Aber wenn es jedes Mal nicht zu unseren Gunsten ausgeht, dann ist es auch eine Qualitätsfrage“, stellte beispielsweise Kapitän Marco Friedl nach der 1:2-Niederlage am vergangenen Wochenende beim FC St. Pauli erneut klar.
Werder Bremens Daniel Thioune: „Intern stellen wir aus meiner Sicht manchmal zu sehr die Qualität infrage“
Es sind drastische Worte, die sinnbildlich dafürstehen, dass innerhalb der Kabine nach 13 sieglosen Bundesliga-Spielen in Serie nicht nur das Selbstvertrauen merklich gelitten hat, sondern auch kontrovers über die eigenen Stärken diskutiert wird. Etwas, das Cheftrainer Daniel Thioune nicht unbedingt gefällt. „Intern stellen wir aus meiner Sicht manchmal zu sehr die Qualität infrage“, kritisierte der 51-Jährige. „Wenn es nach einem Spiel um die Gründe geht, warum es nicht gewonnen wurde, passiert es schnell, dass aus der Emotion heraus die Qualität angezweifelt wird. Aber die ist vorhanden“, sagte Thioune. Der Coach des SV Werder Bremen ist grundsätzlich ein Freund mündiger Spieler, die auch einmal den Finger in die Wunde legen – wie er bereits in der Vergangenheit betont hatte. An der grundsätzlichen Qualität seines Kaders möchte er zumindest öffentlich jedoch keine Zweifel aufkommen lassen. Im Gegenteil: „Wenn mir jemand die Qualität abspricht, will ich beweisen, dass ich sie besitze. Und das hat die Mannschaft in der Vergangenheit bereits nachgewiesen“, erklärte Thioune.
Werder Bremens Marco Friedl: „Wir spielen viele Angriffe ganz ordentlich, aber dann ist nicht die letzte Qualität da“
Es ist ein Muster, das sich seit Wochen zeigt. Sowohl die Trainer – ob Horst Steffen oder Daniel Thioune – als auch die Verantwortlichen um Sportchef Clemens Fritz und Leiter Profifußball Peter Niemeyer betonten öffentlich, dass genügend Qualität im Kader des SV Werder Bremen vorhanden sei – defensiv wie offensiv –, um in der Tabelle deutlich besser dazustehen als auf dem vorletzten Platz. Nur auf dem Platz ist davon bislang eben wenig bis gar nichts zu sehen. Ist Werders Spiel zwischen den Strafräumen häufig zumindest gefällig anzuschauen, fehlt in beiden Boxen seit Monaten die letzte Konsequenz, Entschlossenheit – und eben auch die Qualität.
„Wir spielen viele Angriffe ganz ordentlich, aber dann ist nicht die letzte Qualität da. Auch im Abschluss fehlt uns die Qualität“, sagt Marco Friedl. Und selbst Thioune stimmt seinem Kapitän in diesem Punkt zu: „Die vergangenen Wochen waren in der Umsetzung ordentlich – aber ordentlich reicht in der Bundesliga nicht, um Spiele zu gewinnen. Wir müssen die Qualität auf den Platz bringen.“ Das womöglich richtungsweisende Spiel des SV Werder Bremen am Samstag (15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) im Weserstadion gegen das Tabellenschlusslicht 1. FC Heidenheim bietet die nächste Gelegenheit zu zeigen, wie viel Qualität tatsächlich in dieser Mannschaft steckt. (bvo)
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