Jerome Gondorf: „Mir tut das Herz weh"

Zuspruch für Frings: „Du hast null Schuld“

Nach der Niederlage gegen Aue wurde Thorsten Frings bei Darmstadt 98 entlassen.
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Nach der Niederlage gegen Aue wurde Torsten Frings bei Darmstadt 98 entlassen.

Von Frank Hellmann. Vermutlich hätte es kaum ein passenderes Fotomotiv gegeben, als das letzte aus dem Erzgebirge: Torsten Frings im Schneetreiben. Die Hände in den Taschen der Thermojacke.

Und doch dachte der Trainer in seinem letzten Spiel für den Zweitligisten SV Darmstadt 98 gar nicht daran, die Kapuze über die wallende Mähne zu ziehen, schließlich waren auch seine Spieler dem Flockenwirbel schutzlos ausgeliefert. Nach dem 0:1 in Aue entschied sich Frings dafür, auch die Seinen nicht mehr länger zu schützen. „Das war kampflos und herzlos. Das hat mit Profifußball nichts zu tun“, wetterte der Kämpfertyp am Freitagabend.

Am Samstagnachmittag war der 41-Jährige seinen ersten Cheftrainerjob los. „Nach intensiver Analyse der aktuellen sportlichen Entwicklung sind wir zu der Auffassung gelangt, diesen schmerzhaften Schritt vollziehen zu müssen“, teilte Präsident Rüdiger Fritsch mit. Die Entscheidung habe man sich nicht leicht gemacht, „weil wir Torsten Frings fachlich und menschlich außerordentlich schätzen.“ Der Wirtschaftsanwalt hätte noch anfügen müssen: Weil erst am 5. September der Vertrag mit Frings mitsamt Trainerteam bis 2020 verlängert worden war.

Ungewöhnlich viel Zuspruch

Ein Vierteljahr später galt diese Übereinkunft ebenso wenig wie das Treuebekenntnis des Vereinsbosses aus der Vorwoche. Man eiere nicht herum wie an anderen Standorten, hatte Fritsch da noch beteuert. Nun handeln die Lilien, die laut Vereinsslogan „aus Tradition anders“ sind, eben doch genauso wie jeder andere Club: Bei plötzlicher Abwärtsbewegung wie jetzt elf sieglosen Partien bricht das schwächste Glied der Kette. Ungewöhnlich nur, welch Zuspruch der langjährige Spieler des SV Werder noch erhielt. „Du hast für diese Situation null Schuld. Du hast Charakter, bist ein ehrlicher Mensch und ein super Trainer“, schrieb Weltmeister Kevin Großkreutz. Überdies meldete sich am Sonntag auch der von Darmstadt nach Bremen gewechselte Mittelfeldspieler Jerome Gondorf. „Mir tut das Herz weh. Mit dieser Entscheidung trifft es leider den Falschen.“ Frings schmeiße sich jeden Tag zu 100 Prozent in die Arbeit.

Frings wird wohl in Bremen weilen

Gleichwohl hatte der 79-fache Nationalspieler zuletzt nicht mehr gegensteuern können. Anfänglich steuerte der Bundesliga-Absteiger auf den sofortigen Wiederaufstieg zu, nun droht zum Jahreskehraus am kommenden Sonntag bei der SpVgg Greuther Fürth das Abrutschen auf einen direkten Abstiegsplatz. Im Frankenland übernehmen auf Interimsbasis wohl der Torwarttrainer Dimo Wache und Athletikcoach Kai-Peter Schmitz, während Frings vermutlich – wie an seinen freien Tagen - in Bremen weilen wird, wo seine 14 und 17 Jahre alten Töchter aus erster Ehe und seine neue Familie mit dreijährigem Sohn geblieben waren. Obwohl er nach eigenem Bekunden die private Situation nie als optimal empfunden hatte, wäre er gerne länger bei den Südhessen geblieben. Immerhin konnte er dort erste Spuren hinterlassen, nachdem er beim SV Werder als Assistent gemeinsam mit seinem Freund und Chefcoach Viktor Skripnik entlassen worden war.

Thorsten Frings und Florian Kohfeldt waren von 2014 - 2016 Co-Trainer unter Viktor Skripnik.

In Darmstadt hatte Frings kurz nach Weihnachten 2016 ohne großes Zögern in auswegloser Situation angeheuert. Die Aufgabe, die sich dem Geradeaus-Charakter stellte, hätte schwieriger kaum sein können: Er sollte einen Abstieg erhobenen Hauptes gestalten, eine spielerische Weiterentwicklung einleiten und einen zukunftsfähigen Kader bauen. Dass Frings sich an diesem Spagat nicht verbog, hat viele Außenstehende verwundert. Wie hilflos er dann mit ansah, als eine maßgeblich von ihm zusammengestellte Mannschaft seine eigenen Überzeugungen verriet, wirkte allerdings nicht minder verstörend. Und irgendwann stand er dann alleine da. In Aue im Schnee.

Torsten Frings - Eine Legende bei Werder Bremen

Kurz vor Weihnachten 1996 stellen Manager Willi Lemke (l.) und Trainer "Dixie" Dörner Torsten Frings bei Werder Bremen als Neuzugang von Alemannia Aachen vor.
Kurz vor Weihnachten 1996 stellen Manager Willi Lemke (l.) und Trainer "Dixie" Dörner Torsten Frings bei Werder Bremen als Neuzugang von Alemannia Aachen vor. © imago
Frings wird schnell Stammspieler im Bremer Ensemble um Vereins-Ikone Dieter Eilts (r.). In den ersten Spielzeiten landet Werder auf Mittelfeldplätzen, rettete sich 1999 sogar nur knapp vor dem Abstieg.
Frings wird schnell Stammspieler im Bremer Ensemble um Vereins-Ikone Dieter Eilts (r.). In den ersten Spielzeiten landet Werder auf Mittelfeldplätzen, rettete sich 1999 sogar nur knapp vor dem Abstieg. © imago
Trotz einer Krisen-Saison gewinnt Werder 1999 mit Torsten Frings den DFB-Pokal. In einem dramatischen Elfmeter-Krimi gegen Bayern München holt Frings seinen ersten Profi-Titel.
Trotz einer Krisen-Saison gewinnt Werder 1999 mit Torsten Frings den DFB-Pokal. In einem dramatischen Elfmeter-Krimi gegen Bayern München holt Frings seinen ersten Profi-Titel. © imago
Am 27. Januar 2001 bestreitet Torsten Frings im Pariser Stade de France sein erstes Spiel für die deutsche A-Nationalmannschaft. Das Spiel gegen Frankreich endet 0:1.
Am 27. Januar 2001 bestreitet Torsten Frings im Pariser Stade de France sein erstes Spiel für die deutsche A-Nationalmannschaft. Das Spiel gegen Frankreich endet 0:1. © imago
Unter Thomas Schaaf setzt sich Werder mit Torsten Frings wieder in der oberen Tabellenhälfte der Bundesliga fest.
Unter Thomas Schaaf setzt sich Werder mit Torsten Frings wieder in der oberen Tabellenhälfte der Bundesliga fest. © imago
Mit Platz sechs in der Liga qualifiziert sich Werder Bremen 2002 mal wieder für den Uefa-Cup. Leistungsträger Torsten Frings...
Mit Platz sechs in der Liga qualifiziert sich Werder Bremen 2002 mal wieder für den Uefa-Cup. Leistungsträger Torsten Frings... © imago
... entscheidet sich für den Trikotwechsel. Er wechselt zum Deutschen Meister Borussia Dortmund. Dort bleibt er von 2002 bis 2004, ehe er...
... entscheidet sich für den Trikotwechsel. Er wechselt zum Deutschen Meister Borussia Dortmund. Dort bleibt er von 2002 bis 2004, ehe er... © imago
...zum Rekordmeister Bayern München weiterzieht. Beim FCB bleibt Frings zwar nur eine Saison, gewinnt aber das Double aus Meisterschaft und Pokal 2005.
...zum Rekordmeister Bayern München weiterzieht. Beim FCB bleibt Frings zwar nur eine Saison, gewinnt aber das Double aus Meisterschaft und Pokal 2005. © imago
2005 kehrt Torsten Frings an die Weser zurück. Werder ist mittlerweile ein Spitzenteam und startet in der Champions League gegen Teams wie den FC Barcelona.
2005 kehrt Torsten Frings an die Weser zurück. Werder ist mittlerweile ein Spitzenteam und startet in der Champions League gegen Teams wie den FC Barcelona. © nordphoto
Torsten Frings ist bei Werder ein absoluter Leader, Kapitän war aber zunächst noch Frank Baumann, der 2009 den DFB-Pokal in die Höhe recken darf.
Torsten Frings ist bei Werder ein absoluter Leader, Kapitän war aber zunächst noch Frank Baumann, der 2009 den DFB-Pokal in die Höhe recken darf. © nordphoto
Baumann beendete nach dem Pokalsieg seine Karriere, Frings übernahm die Binde. 2011 verlässt Frings mit 34 Jahren die Bühne Bundesliga...
Baumann beendete nach dem Pokalsieg seine Karriere, Frings übernahm die Binde. 2011 verlässt Frings mit 34 Jahren die Bühne Bundesliga... © nordphoto
... und schließt sich für zwei Jahre dem FC Toronto an. In der MLS trifft er unter anderem auf seinen alten Werder-Weggefährten Frank Rost (damals New York Red Bulls).
... und schließt sich für zwei Jahre dem FC Toronto an. In der MLS trifft er unter anderem auf seinen alten Werder-Weggefährten Frank Rost (damals New York Red Bulls). © imago
2013 ist endgültig Schluss mit der aktiven Karriere. Sein Abschiedsspiel im Bremer Weserstadion nennt Torsten Frings "My Last Game in Green".
2013 ist endgültig Schluss mit der aktiven Karriere. Sein Abschiedsspiel im Bremer Weserstadion nennt Torsten Frings "My Last Game in Green". © nordphoto
Frings' Weg bei Werder sollte aber dort nicht enden. Er wurde Co-Trainer von Viktor Skripnik (l.) - zunächst in der U23, von 2014 bis 2016 auch bei den Profis.
Frings' Weg bei Werder sollte aber dort nicht enden. Er wurde Co-Trainer von Viktor Skripnik (l.) - zunächst in der U23, von 2014 bis 2016 auch bei den Profis. © gumzmedia
Das Gespann rettete Werder zweimal vor dem Abstieg. Nach katastrophalem Saisonstart 2016/2017 mussten Skripnik und Frings gehen. Der Manager, der sie entließ: Frank Baumann.
Das Gespann rettete Werder zweimal vor dem Abstieg. Nach katastrophalem Saisonstart 2016/2017 mussten Skripnik und Frings gehen. Der Manager, der sie entließ: Frank Baumann. © gumzmedia
Langweilig wird Torsten Frings nach seinem Abschied aus Bremen nicht. Im November 2016 besucht er das Wrestling-Debüt seines Kumpels Tim Wiese.
Langweilig wird Torsten Frings nach seinem Abschied aus Bremen nicht. Im November 2016 besucht er das Wrestling-Debüt seines Kumpels Tim Wiese. © nordphoto
Kurz vor Jahresende 2016 wird Torsten Frings erstmals Bundesliga-Cheftrainer. Der 40-Jährige übernimmt den stark abstiegsbedrohten Tabellenletzten Darmstadt 98.
Kurz vor Jahresende 2016 wird Torsten Frings erstmals Bundesliga-Cheftrainer. Der 40-Jährige übernimmt den stark abstiegsbedrohten Tabellenletzten Darmstadt 98. © gumzmedia
Am 9. Dezember 2017 wurde Frings nach insgesamt 36 Pflichtspielen beim SV Darmstadt entlassen.
Am 9. Dezember 2017 wurde Frings nach insgesamt 36 Pflichtspielen beim SV Darmstadt entlassen. © gumzmedia

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