Bittere Werder-Pleite

Zwischen Anspruch und Ausführung: Nach Werders Niederlage gegen Leipzig ist das Wörtchen „Qualität“ in aller Munde

Eine Frage der Qualität: Werder Bremen zeigt gegen RB Leipzig keine schlechte Leistung - und verliert trotzdem! So ordnen die Beteiligten die Pleite ein!

Eintragen kann Ole Werner den Termin noch nicht in seinen Kalender, aber er ist überzeugt davon, dass er es bald tun wird. Nämlich dann, wenn im Sommer der neue Spielplan der nächsten Bundesliga-Saison erscheint – und auch der SV Werder Bremen weiterhin Teil davon sein wird. Daran hat der Ex-Coach der Norddeutschen jedenfalls keine Zweifel, auch nicht nach der 1:2-Niederlage des Teams gegen Werners jetzigen Arbeitgeber RB Leipzig. „Ich freue mich darauf, auch nächstes Jahr wieder hier zu sein“, meinte der 37-Jährige lächelnd und wischte somit ganz unaufgeregt die Bremer Abstiegssorgen für einen Moment beiseite. „Wer dieses Spiel gesehen hat, hat auch gesehen, welche Qualität die Mannschaft hat.“ Allerdings auch, welche nicht. Und die war entscheidend.

Trainer Daniel Thioune beschneigte seinem SV Werder Bremen trotz der Pleite gegen RB Leipzig (1:2) einen guten Auftritt - doch die Niederlage zeigte auch schonungslos auf, was der Mannschaft noch fehlt.

Werder Bremens Marco Friedl: „Wir schaffen es zwar, in Abschlussaktionen zu kommen, doch wir bringen sie nicht konsequent zu Ende“

Die Profis des SV Werder Bremen hatten den Gegner ordentlich beackert, mit intensiven Läufen gestresst und im Mittelfeld zu Ungenauigkeiten gezwungen. Kurzum: RB Leipzig wirkte keineswegs wie ein übermächtiger Anwärter auf die Champions-League-Plätze. „Wir waren in der ersten Halbzeit phasenweise nicht nur auf Augenhöhe, sondern ein bisschen besser“, befand Chefcoach Daniel Thioune. Der Haken an der Sache: Vor dem Tor gab es dann doch prägnante Unterschiede. Das zeigte sich besonders ausgeprägt nach einer Viertelstunde. Werders Romano Schmid hatte die dicke Chance zur Führung, brachte den Ball aber aus gut 13 Metern nicht an RB-Keeper Maarten Vandevoordt vorbei.

Im direkten Gegenzug zeigte RB Leipzig dann, wie man eine Topgelegenheit gewinnbringend nutzt, als Antonio Nusa aus noch etwas größerer Entfernung eiskalt zuschlug. Auch bei einem späteren Schmid-Versuch aufs kurze Eck (37.) oder einem Distanzschuss von Senne Lynen (41.) fehlte die letzte Klasse. „Wir schaffen es zwar, in Abschlussaktionen zu kommen, doch wir bringen sie nicht konsequent zu Ende“, meinte Marco Friedl, Kapitän des SV Werder Bremen. „Das Problem hatten wir nicht nur heute, sondern bereits über die gesamte Saison.“

Kurz nach dem Seitenwechsel reichte den Sachsen dann abermals eine einzige Situation, um durch einen Treffer von Romulo (52.) spielentscheidend davonzuziehen. „Man hat gesehen, dass aus sehr wenig sehr viel entstehen kann - und dass aus sehr viel sehr wenig entstehen kann“, bilanzierte Daniel Thioune zerknirscht. „Die Effizienz und Qualität waren beim Gegner individuell höher, deswegen standen dort zwei Tore auf der Anzeigetafel und bei uns nur eines.“ Salim Musah hatte spät in seinem erst dritten Bundesligaspiel getroffen, doch für eine echte Aufholjagd des SV Werder Bremen kam das schmucke Premierentor zu spät. „Wir machen ein richtig gutes Spiel gegen einen guten Gegner und belohnen uns dann nicht. Wir waren in beiden Boxen nicht effektiv genug – das ist der Schlüssel“, monierte Torhüter Mio Backhaus nach der Niederlage gegen RB Leipzig. „Ich kann nicht viele Punkte aufzählen, die wir falsch gemacht haben. Wir haben eine super Mentalität gezeigt und gute Zweikämpfe gewonnen, weswegen ich extrem enttäuscht bin, dass wir am Ende verloren haben.“

Werder Bremens Daniel Thioune: „Es war inhaltlich eine deutliche Steigerung gegenüber dem Wolfsburg-Spiel, vom Ergebnis her leider nicht“

Aus den erhofften Bonuspunkten im Kampf um den Klassenerhalt wurde somit nichts. Die sollen und müssen nun an anderer Stelle geholt werden. Zumindest auf dem Papier erscheint die Wahrscheinlichkeit dafür in den beiden kommenden Partien des SV Werder Bremen beim 1. FC Köln (Sonntag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) und daheim gegen den Hamburger SV (18. April, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) wieder deutlich höher. Auch weil gegen RB Leipzig eben nicht alles schlecht war. „Wir haben uns sehr gut verkauft – das macht Mut für die nächsten Spiele“, meinte Romano Schmid. „Dass wir jetzt nicht alles gewinnen können, war von Beginn an klar. Trotzdem hat vieles sehr gut ausgesehen.“ Das sah auch Daniel Thioune so. „Es war inhaltlich eine deutliche Steigerung gegenüber dem Wolfsburg-Spiel, vom Ergebnis her leider nicht. Das stimmt mich aber trotzdem zuversichtlich.“

Auch weil sich das Team nicht hängen lässt. Einerseits im Spiel gegen RB Leipzig, was trotz des klaren Rückstands immerhin noch zum Tor von Salim Musah führte und zeigte, wie es offensiv gehen kann. Aber auch insgesamt. Werder Bremen wehrt sich, vermittelt trotz aller Widrigkeiten von Verletzungssorgen über Kader-Kritik bis Offensivharmlosigkeit eine spürbare Geschlossenheit, um das Saisonziel zu erreichen. „Unsere Mannschaft ist absolut darauf eingestellt und nimmt die Situation an“, sagte Clemens Fritz und unterstrich wiederholt die „absolute Überzeugung“, die der Werder-Sportchef habe, dass in dieser Konstellation der Klassenerhalt gelingt. „Wir haben die Qualität im Kader, auch wenn immer wieder gesagt wird, dass wir sie nicht hätten.“ Und damit hatte sich der Kreis zu Ex-Coach Ole Werner geschlossen. „Mit Daniel gibt es hier einen Trainer, der total zur Mannschaft passt“, sagte dieser noch, ehe er hinterherschob: „Natürlich ist es eng an allen Enden der Tabelle, aber Werder ist gerüstet.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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