Schnell und zielstrebig
Wie Kohfeldt Werder in der kommenden Saison spielen lassen möchte
Bremen - Es war kein schöner Abend, und sonderlich erfolgreich lief er für Werder auch nicht: Mit 0:0 trennten sich die Bremer in der Rückrunde der Vorsaison von Hertha BSC.
Ein Heimspiel an einem bitterkalten Januarabend, an das zu erinnern ein halbes Jahr später eigentlich nicht lohnt – eigentlich. Werders Trainer Florian Kohfeldt hat es am Sonntag trotzdem getan, um zu veranschaulichen, in welchen Bereichen er seine Mannschaft vor dem Start in die neue Saison verbessern möchte. „Wir wollen nicht einfach nur Ballbesitz über Ballbesitz haben“, sagte der 35-Jährige – und betonte: „Ich möchte zielstrebigen Ballbesitz von den Jungs sehen.“
Kurz nach dem ersten Mannschaftstraining der laufenden Sommer-Vorbereitung sprach Kohfeldt in einer Medienrunde über aktuelle Werder-Themen – und es dauerte nicht lange, da stand sie im Mittelpunkt: die Frage nach dem Fußball, den Werder in der neuen Saison zu spielen gedenkt. Zur Erinnerung: Nach der Amtsübernahme von Alexander Nouri hatte Kohfeldt die Bremer in der vergangenen Serie stets entschlossen nach vorne spielen lassen. Mutig sein, die Überzeugung haben, gegen jeden Gegner gewinnen zu können – diese Leitmotive trug der Coach von Beginn an in die Öffentlichkeit. Und daran hat sich während der Sommerpause nichts geändert.
Kohfeldt: „Mentalität soll zum Selbstverständnis werden“
„Diese Mentalität wollen wir beibehalten, sie soll zum Selbstverständnis werden“, sagte Kohfeldt, der schon jetzt das Gefühl hat, „dass die Jungs bereit sind und die Mentalität inhaliert haben.“ Das ist sicherlich eine Art geistige Grundvoraussetzung für das, was körperlich auf dem Platz folgen soll.
Kohfeldt ist es wichtig, dass seine Elf im Spiel mit dem Ball stets mehrere Optionen hat, dass sie eine Grundordnung taktisch auf verschiedene Weisen interpretieren kann. Ein Beispiel? Mal angenommen, Werder spielt in einem 4-3-3-System. „Da ist es ein Riesenunterschied, ob Martin Harnik im Sturm spielt oder Max Kruse“, sagte Kohfeldt. Selbst einen klaren Plan haben und im Spiel, falls nötig, auf den jeweiligen Gegner reagieren können – das klingt einfach, aber „da steckt viel harte Arbeit dahinter“, weiß Kohfeldt.
Offensiv setzt der Coach auch in der neuen Saison auf Ballbesitz. Werder soll keine reine Kontermannschaft sein. „Kontern muss man natürlich auch können, aber wir wollen vorrangig den Ball zirkulieren lassen“, sagte er. Ballbesitz als Selbstzweck soll es aber nicht sein. Kohfeldt geht es darum, „Tempo-Aktionen“ mit Ball zu suchen. „Das ist extrem wichtig für die Art und Weise, wie ich Fußball sehe.“
Aus diesem Grund wird der Trainer während der Vorbereitung einen Schwerpunkt auf das Thema „intensive Offensivläufe“ legen, womit wir wieder beim Hertha-Heimspiel aus dem Januar angekommen wären. Gegen defensiv so kompakte Gegner, wie die Hertha damals einer war, „ist es wichtig, immer wieder in Sprints hinter die Kette zu investieren“, erläuterte der Coach. Lücken reißen, den Gegner in Bewegung bringen, darum geht es Kohfeldt, das sollen seine Spieler verinnerlichen – und das sollen sie konditionell auch leisten können.
Keine Fitness-Debatte mehr bei Werder
„Es gab in diesem Verein ja schon mal Fitness-Debatten“, erinnerte Kohfeldt, um dann zu betonten: „Die gibt es jetzt nicht mehr!“ Sämtliche Profis – also auch die Neuzugänge, die schon in Bremen weilen – seien fit aus dem Urlaub zurückgekehrt. „Da gab es nichts zu beanstanden.“ Während des Trainingslagers im Zillertal (12. bis 21. Juli) wird Werder weiter im konditionellen Bereich arbeiten, wenn auch überwiegend mit dem Ball am Fuß. „Es geht jetzt schon in die Spielformen“, erklärte Kohfeldt.
Bei allem Offensivgeist, bei aller Freude am zielstrebigen Angreifen – auch die Defensive soll bei Werder natürlich nicht zu kurz kommen. Kohfeldt: „Mir ist es wichtig, dass wir auch im Verteidigen in der Ordnung sehr aggressiv sind.“ Oder anders ausgedrückt: „Kontrolle haben und dann zupacken.“
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