Kontroverse Debatte

Politiker für Senkung der Gastro-Steuer – Ökonomen kontern: „Begünstigung für Wohlhabende“

Im Vorfeld der Neuwahlen sorgt die Debatte um Mehrwertsteuersenkungen für die Gastronomie für Kontroversen. Ökonomen mahnen, von Subventionen würden vor allem Wohlhabende profitieren.

Frankfurt – Die Debatte um Steuersenkungen für die Gastronomie nimmt vor den anstehenden Neuwahlen Fahrt auf. Seit der Rückkehr zum regulären Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent stehen Gastronomen massiv unter Druck, warnt der Gaststättenverband DEHOGA – und fordert schon länger die dauerhafte Senkung des Steuersatzes. Restaurants und Kneipen seien gegenüber Lieferdiensten und To-go-Anbietern benachteiligt, die weiter vom ermäßigten Steuersatz profitieren. Wirtschaftsexperten halten dagegen: Ein Gastro-Steuerbonus begünstige Wohlhabende – und löse keine Probleme, sondern schaffe nur neue.

Mehrwertsteuersenkungen für die Gastronomie als Wahlkampfthema. Wirtschaftsexperten warnen: Ein Gastro-Bonus löse keine Probleme, sondern schaffe neue. (Archivfoto)

„Mehrwertsteuersenkung begünstigt Wohlhabende“: Ökonomen gegen Gastro-Steuerbonus

Auf dem Branchentag des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga am Dienstag (12. November) in Berlin wurde die Mehrwertsteuer als große Herausforderung für die Betriebe und Bedrohung der Gastronomie erneut zum zentralen Thema. Verbands-Präsident Guido Zöllick fragte: „Warum hat der Fertigsalat aus dem Supermarkt 7 Prozent und der bayerische Wurstsalat im Restaurant 19? Ich kann es nicht sagen. Ich weiß aber: Steuerfairness sieht definitiv anders aus!“. Vor dem Hintergrund des eröffneten Wahlkampfes für die Neuwahlen im Februar erfuhr Zöllick Rückenhalt von Politikern aller Parteien.

„Eine einheitliche Besteuerung ist die richtige Antwort“, erklärte etwa der CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz. Es könne keine Rolle spielen, ob Essen im Restaurant, in einer Bäckerei, oder aus dem Supermarkt gegessen werde. Wolfgang Kubicki, FDP, und auch der Grünen-Landwirtschaftsminister Cem Özdemir bekundeten ihren Beistand für die Durchsetzung einer vergünstigten Gastro-Steuer. Gaststätten seien viel mehr als Orte der Bedürfnisbefriedigung. Sie seien die Seele des Dorfes, des Viertels, des Austausches und des Miteinanders, legte Özdemir in seinem „Plädoyer für den Stammtisch“ dar.

Ökonomen gegen Steuer-Bonus für Gastronomie: „Alle kämpfen mit steigenden Kosten“

Die Diskussion um die Mehrwertsteuer werde „emotionalisiert und populistisch“ geführt, kritisiert Daniela Steinbrenner vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) gegenüber IPPEN.MEDIA. Während Gaststätten als „soziale Zentren“ und kulturelle Treffpunkte hervorgehoben würden, ließe sich genauso argumentieren, dass gemeinsames Kochen zu Hause die Familie und den Freundeskreis stärke. „Es erschließt sich mir nicht, warum die ‚Restaurantkultur‘ ein so förderungswürdiges öffentliches Gut darstellt, dass dafür Steuersubventionen gezahlt werden sollte“, sagt die Ökonomin.

Von Currywurst bis Braten: Die Nationalgerichte der 16 Bundesländer

Maultaschen schwäbische Spezialität
Baden-Württemberg: Maultaschen sind eine schwäbische Spezialität aus Baden-Württemberg und werden oft als „schwäbische Ravioli“ bezeichnet. Sie bestehen aus einem Nudelteig, der mit einer Mischung aus Fleisch, Spinat, Zwiebeln und Gewürzen gefüllt wird. Traditionell werden sie in Brühe serviert, aber auch gebraten oder mit einer Zwiebel-Sahne-Soße sind sie sehr beliebt. Auch der schwäbische Zwiebelrostbraten ist ein Klassiker der süddeutschen Küche. Er besteht aus einem zarten Rindersteak, das in einer kräftigen Bratensoße serviert und mit knusprig gebratenen Zwiebeln garniert wird. Als Beilage gibt es häufig Spätzle oder Bratkartoffeln, die die herzhafte Soße perfekt aufsaugen. © Imago
Grünkohl mit Kassler, Mettwurst, Speck und Kartoffeln
Niedersachsen: Grünkohl mit Pinkel ist ein typisches Wintergericht aus Niedersachsen, das aus deftigem Grünkohl, der kräftigen Pinkelwurst und geräuchertem Speck besteht. Der Grünkohl wird lange gekocht, bis er eine weiche Konsistenz erreicht, und erhält durch die Beigabe von Speck sein charakteristisches Aroma. Serviert wird dieses Gericht traditionell mit Salzkartoffeln und ist besonders in der kalten Jahreszeit beliebt. Niedersachsen ist außerdem bekannt für seinen Spargel, der besonders im Frühjahr frisch gestochen wird. Die klassische Zubereitung erfolgt mit zerlassener Butter oder einer milden Senfsoße, dazu gibt es Pellkartoffeln und luftgetrockneten Schinken. Dieses Gericht gilt als Delikatesse und wird während der Spargelsaison in vielen niedersächsischen Haushalten und Restaurants genossen. © Imago
Pellkartoffeln mit Quark
Brandenburg: Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl sind ein Klassiker der brandenburgischen Küche. Die Pellkartoffeln werden mit einer Mischung aus Quark und Leinöl serviert, was dem Gericht eine leicht nussige Note verleiht. Es ist ein gesundes und leichtes Gericht, das oft im Sommer gegessen wird. Außerdem isst man in Brandenburg Soljanka nach DDR-Rezept. Soljanka ist eine säuerlich-scharfe Suppe, die in der DDR sehr beliebt war. Sie besteht aus Fleisch, Gurken und einer würzigen Brühe, die mit Tomatenmark und Paprika abgeschmeckt wird. Dieses Gericht hat osteuropäische Wurzeln und wird bis heute gerne in Brandenburg serviert. © Imago
Currywurst aus Berlin
Berlin: Die Currywurst ist wohl das bekannteste Streetfood Berlins und besteht aus einer Bratwurst, die in Scheiben geschnitten und mit einer würzigen Currysoße serviert wird. Sie wird traditionell mit Pommes frites oder Brötchen gegessen. Dieses Gericht symbolisiert das urbane Leben Berlins und ist bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebt. Ein ebenso beliebtes Berliner Streetfood ist der Döner Kebab. Er hat in Berlin, trotz seiner türkischen Ursprünge, Kultstatus erreicht. Fladenbrot gefüllt mit gegrilltem Fleisch, Salat und verschiedenen Soßen ist ein beliebtes Fast-Food-Gericht, das fast an jeder Ecke in der Hauptstadt zu finden ist. Es steht für die multikulturelle Vielfalt Berlins. © Imago
Altmärkische Hochzeitssuppe
Sachsen-Anhalt: Die Altmärkische Hochzeitssuppe ist eine klare Brühe, die traditionell bei Hochzeiten in Sachsen-Anhalt serviert wird. Sie enthält Klößchen aus Grieß oder Leber, Gemüse und manchmal auch Nudeln. Dieses festliche Gericht symbolisiert den Reichtum und die Großzügigkeit bei besonderen Anlässen. Auch Eier in Senfsoße mit Salzkartoffeln sind in Sachsen-Anhalt beliebt. Es handelt sich dabei um ein einfaches, aber herzhaftes Gericht, das in Sachsen-Anhalt beliebt ist. Die hartgekochten Eier werden in einer cremigen Senfsoße serviert und mit Salzkartoffeln als Beilage ergänzt. Es ist ein schnelles, sättigendes Gericht, das besonders in der Hausmannskost geschätzt wird. © IMAGO/Bernd Juergens
Bismarckhering ist ein sauer eingelegter Hering
Mecklenburg-Vorpommern: Der Bismarckhering ist ein sauer eingelegter Hering, der in Mecklenburg-Vorpommern traditionell als Imbiss oder Beilage gegessen wird. Er wird oft mit Zwiebeln und Brötchen serviert und ist ein beliebtes Fischgericht in der Region, das auf eine lange Tradition zurückblickt. Ebenfalls bekannt ist Mecklenburg-Vorpommern für Selterskuchen, ein einfacher Rührkuchen, der mit Mineralwasser zubereitet wird, was ihm eine besonders luftige Konsistenz verleiht. Er wird oft mit Puderzucker bestreut und ist eine beliebte Kaffeespezialität in Mecklenburg-Vorpommern. © IMAGO/Winfried Rothermel
Birnen, Bohnen und Speck
Schleswig-Holstein: Das norddeutsche Gericht Birnen, Bohnen und Speck vereint die süßen Aromen der Birnen mit der Herzhaftigkeit von Bohnen und Speck. Es wird traditionell im Herbst zubereitet, wenn Birnen und Bohnen frisch geerntet werden. Oft wird es zusammen mit Salzkartoffeln serviert und steht für die einfache, aber nahrhafte Küche Schleswig-Holsteins. Auch Rübenmus mit Kasseler und Kochwurst ist in Schleswig-Holstein beliebt. Rübenmus, eine Mischung aus gestampften Steckrüben und Kartoffeln, wird in Schleswig-Holstein häufig als Beilage zu Kasseler und Kochwurst serviert. Es ist ein typisches Wintergericht, das durch seinen mild-süßlichen Geschmack in Kombination mit dem salzigen Fleisch überzeugt. © Imago
Labskaus aus Hamburg
Hamburg: Labskaus ist ein traditionelles Seefahrtsgericht, das aus gepökeltem Fleisch, Kartoffeln und Rote Bete zubereitet wird. Es wird oft mit einem Spiegelei, Gurken und Rollmops serviert. Dieses Gericht ist in Hamburg besonders beliebt und symbolisiert die maritime Geschichte der Stadt. © Imago
Gebratene Stinte
Bremen: Gebratene Stinte sind kleine Fische, die vor allem im Frühling an der Weser gefangen werden und in Bremen eine besondere Delikatesse sind. Sie werden in Mehl gewendet und knusprig gebraten, was sie besonders aromatisch macht. Gebratene Stinte werden traditionell mit Bratkartoffeln und Salat serviert. Außerdem beliebt in Bremen ist das Kürbisbrot, ein herbstliches Gebäck, das durch die Zugabe von Kürbis besonders saftig wird. Es hat eine leicht süßliche Note und wird gerne mit Butter oder Marmelade gegessen. Besonders an kalten Tagen ist es ein beliebtes Gebäck, das in vielen Bremer Haushalten frisch aus dem Ofen kommt. © Imago
Thüringer Klöße
Thüringen: Thüringer Klöße sind Kartoffelklöße, die aus rohen und gekochten Kartoffeln zubereitet werden. Diese Klöße werden oft mit einer herzhaften Roulade serviert, die aus gefülltem Rindfleisch besteht. Zusammen mit einer kräftigen Bratensoße ist dieses Gericht ein wahrer Klassiker der Thüringer Küche. © Imago
Bayrischer Schweinsbraten
Bayern: Der Schweinsbraten ist ein klassisches bayerisches Gericht, das in einer aromatischen Biersoße geschmort wird. Die Kruste des Bratens wird besonders knusprig, während das Fleisch zart und saftig bleibt. Begleitet wird der Braten von Brezenknödeln, die durch ihre fluffige Textur perfekt zur deftigen Soße passen. © Bernd Juergens/Imago
Dibbelabbes aus dem Saarland
Saarland: Dibbelabbes ist ein rustikales Gericht aus dem Saarland, das aus geriebenen Kartoffeln, Lauch und Speck zubereitet wird. Die Zutaten werden in einer Pfanne knusprig angebraten, wobei sich eine goldene Kruste bildet. Häufig wird Dibbelabbes mit Apfelmus oder Sauerkraut serviert, was dem Gericht eine süß-säuerliche Note verleiht. © Imago
Leipziger Allerlei ist ein buntes Gemüsegericht
Sachsen: Leipziger Allerlei ist ein buntes Gemüsegericht, das traditionell aus Erbsen, Möhren, Spargel und Morcheln besteht. Es wurde ursprünglich als festliches Gericht serviert und steht für die Frische und Vielfalt der sächsischen Küche. Oft wird es mit Flusskrebsen und Semmelklößen ergänzt. Außerdem ist Sachsen für Plinse bekannt, dünne Pfannkuchen, die sowohl süß als auch herzhaft serviert werden. Sie ähneln in ihrer Zubereitung französischen Crêpes, werden jedoch in Sachsen traditionell mit Quark oder Marmelade bestrichen. Manchmal werden sie auch als Beilage zu Fleischgerichten gereicht. © Imago
Pfälzer Saumagen mit Sauerkraut
Rheinland-Pfalz: Der Pfälzer Saumagen ist ein deftiges Gericht, bei dem eine Mischung aus Kartoffeln, Schweinefleisch und Gewürzen in einen Schweinemagen gefüllt und dann gekocht wird. Traditionell wird der Saumagen in Scheiben geschnitten und angebraten, oft mit Sauerkraut und Kartoffelpüree serviert. Er wurde besonders durch den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl bekannt. Auch Rheinische Döppekooche ist ein beliebtes Gericht in Rheinland-Pfalz. Döppekooche ist ein herzhafter Kartoffelauflauf, der aus geriebenen Kartoffeln, Speck, Zwiebeln und Eiern besteht. Der Name stammt vom „Döppe“, dem rheinischen Wort für Topf. Oft wird dieses Gericht während der kälteren Jahreszeiten serviert und gilt als „Arme-Leute-Essen“, das aber heute noch viele Liebhaber hat. © Imago
Frankfurter Grüne Soße
Hessen: Die Frankfurter Grüne Soße ist ein kaltes Kräutergericht, das aus sieben verschiedenen Kräutern, darunter Borretsch, Kerbel und Schnittlauch, zubereitet wird. Sie wird klassisch mit hartgekochten Eiern und Salzkartoffeln serviert. Besonders im Frühling, wenn die Kräuter frisch sind, ist dieses Gericht ein Highlight der hessischen Küche. © Imago
Himmel und Erde rheinisches Gericht
Nordrhein-Westfalen: Himmel und Erde ist ein traditionelles Gericht aus Nordrhein-Westfalen, das eine Kombination aus Kartoffelpüree (Erde) und Apfelmus (Himmel) darstellt. Dazu kommt gebratene Blutwurst, was dem Gericht seine herzhafte Note verleiht. Oft wird es mit Zwiebeln garniert und ist ein klassisches Beispiel für die bodenständige rheinische Küche. Ein weiteres NRW-typisches Gericht ist der rheinische Sauerbraten, ein mariniertes Rindfleischgericht, das eine süß-saure Geschmacksnote hat. Das Fleisch wird mehrere Tage in einer Marinade aus Essig, Wein und Gewürzen eingelegt, bevor es langsam geschmort wird. Traditionell serviert man ihn mit Klößen und Rotkohl, oft auch mit Rosinen in der Soße. © Imago

Ökonomen warnen: „Subventionen lösen keine grundlegenden Probleme“

Sie und andere Wirtschaftsexperten stehen einer dauerhaften Steuererleichterung skeptisch gegenüber. „Wenn wir die Gastronomie dauerhaft subventionieren, verschieben wir das Problem lediglich auf andere Zweige, die ebenfalls mit steigenden Energie- und Personalkosten zu kämpfen haben“, erklärt Steinbrenner.

Die Bewirtung in Restaurants sei eine Dienstleistung und unterliege daher zu Recht dem regulären Mehrwertsteuersatz. Statt den ermäßigten Steuersatz auszuweiten, solle man eher darüber nachdenken, die bislang begünstigte To-go-Gastronomie ebenfalls mit 19 Prozent zu besteuern.

In Deutschland gilt ein Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent in der Gastronomie. Dies ist dies einer der höchsten Sätze in der Europäischen Union, wo in 23 von 27 Ländern ein reduzierter Satz gilt.

Gastro-Steuersatz in Deutschland gehört zu den höchsten in Europa

Unbestreitbar bleibt, dass der Steuersatz für Restaurants nach der Erhöhung zu einem der höchsten in der EU gehört. Das zeigt eine Aufstellung der DEHOGA. In 23 von 27 Ländern gilt danach ein reduzierter Steuersatz für die Gastronomie. Aber: Lediglich in Luxemburg mit 3 Prozent und in Ungarn mit 5 Prozent müssen Gastronomen weniger Steuern zahlen, als es sich der Branchenverband zukünftig für Deutschland wünscht.

Darüber hinaus würde die Senkung der Mehrwertsteuer für Restaurants vor allem wohlhabendere Haushalte begünstigen, da diese häufiger auswärts essen, lautet ein weiterer Kritikpunkt: „Das Gastgewerbe argumentiert, dass eine reduzierte Mehrwertsteuer Normalverdienern zugutekommt, aber in der Realität profitieren reichere Haushalte mehr davon, da sie überdurchschnittlich häufig Restaurants besuchen“, gibt Daniela Steinbrenner zu bedenken.

Steuerausfälle von 3 Milliarden jährlich? „Bevorzugung führt zu zusätzlichen Belastungen“

Die Bevorzugung einzelner Branchen durch Steuervorteile hingegen, führe „langfristig zu Verzerrungen und zusätzlichen Belastungen“, so die ZEW-Ökonomin, „das würde Steuerausfälle von derzeit rund 3 Milliarden Euro jährlich verursachen“, Kosten, die im ohnehin schon knappen Staatsbudget entweder durch höhere Steuern oder Kürzungen in anderen Bereichen ausgeglichen werden müssten und zu einer Verschärfung der sozialen Ungerechtigkeit führen würden.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa

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