Historische Entscheidung
„Die Situation zu ignorieren, ist keine Option“: Iran-Krieg treibt Ölpreise – Deutschland gibt Reserven frei
Der Iran-Krieg trifft die Welt an einem zentralen Punkt der Ölversorgung. Nun gibt Deutschland als G7-Staat einen Teil seiner Reserven frei.
Update vom 11. März, 11:55 Uhr: Die Entscheidung ist gefallen: Deutschland gibt einen Teil der nationalen Ölreserven frei, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Hintergrund sind die wegen des Iran-Kriegs deutlich gestiegenen Öl- und Spritpreise. Die G7-Staaten hatten deshalb in einer Sondersitzung über eine Freigabe von Reserven beraten.
Erstmeldung vom 11. März: Die Internationale Energieagentur (IEA) hat die größte Freigabe von Notfall-Ölvorräten ihrer Geschichte vorgeschlagen. Auslöser ist der seit dem 28. Februar andauernde Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran. Die Rohölpreise sind auf ein Vier-Jahres-Hoch gestiegen. Eine Entscheidung der 32 IEA-Mitgliedstaaten wird noch am heutigen Mittwoch (11. März) erwartet.
Die Freigabe würde die bisher größte in der Geschichte der IEA übertreffen, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf vertraute Kreise. 2022 hatten die Mitgliedstaaten nach dem russischen Angriff auf die Ukraine in zwei Tranchen insgesamt 182 Millionen Barrel Öl auf den Markt gebracht. Die genaue Menge der neuen Freigabe ist noch nicht bekannt. Fest steht: Sie soll diesen Rekord übertreffen. Die IEA berief dazu eine Sondersitzung ein. Das Verfahren sieht vor, dass der Vorschlag als angenommen gilt, wenn kein Mitglied widerspricht. Ein Einspruch reicht, um die Entscheidung zu verzögern.
IEA plant wegen Iran-Krieg größte Freigabe von Notfall-Ölvorräten in der Geschichte
Seit ihrer Gründung im Jahr 1974 hat die IEA bisher fünf koordinierte Freigaben von Ölreserven durchgeführt. Die erste erfolgte vor dem Zweiten Golfkrieg 1991. Weitere folgten nach den Hurrikanen Katrina und Rita 2005, während des Bürgerkriegs in Libyen 2011 sowie zweimal nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 und der darauffolgenden Engpässe.
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Die G7-Energieminister hatten eine Freigabe am Dienstag (10. März) zunächst noch abgelehnt. Sie baten die IEA stattdessen um eine Lageeinschätzung. Doch die Haltung ändert sich. „Obwohl derzeit kein Land mit einem Rohölmangel konfrontiert ist, steigen die Preise rasant an, und die Situation zu ignorieren, ist keine Option“, sagte eine Quelle aus der G7 gegenüber der internationalen Nachrichtenagentur Reuters. „Die G7-Staaten befürworten im Allgemeinen eine von der IEA koordinierte Freigabe der Ölreserven.“ Deutschland ist als G7- und IEA-Mitglied direkt in den Entscheidungsprozess eingebunden.
Die IEA verpflichtet ihre Mitglieder, ständig Notfall-Ölbestände vorzuhalten. Diese müssen mindestens 90 Tagen ihrer Netto-Importe entsprechen. Auch die Europäische Union (EU) hat diese Regelung übernommen. Eine koordinierte Freigabe greift auf diese strategischen Reserven zurück – ohne die Versorgungssicherheit der IEA-Mitgliedstaaten unmittelbar zu gefährden.
Iran blockiert Straße von Hormus – und treibt damit die Ölpreise in die Höhe
Der Iran-Krieg hat die globalen Energiemärkte stark erschüttert. Die USA und Israel hatten am 28. Februar mit Luftangriffen begonnen. Bereits am ersten Kriegstag töteten sie den obersten iranischen Anführer und Diktator Ali Chamenei sowie weitere Mitglieder der Führung. Der Iran reagiert seitdem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel und mehrere Golfstaaten.
Die iranischen Revolutionsgarden haben die Straße von Hormus gesperrt. Über diese Meerenge werden normalerweise rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Rohöls transportiert. Die Sperrung trifft die globale Ölversorgung damit an einem zentralen Punkt – und die Preise stiegen. Laut dem Wall Street Journal fielen zwischenzeitlich die Preise für US- und Brent-Rohöl wieder. Das Weiße Haus wollte sich auf Anfrage nicht äußern. (Quellen: AFP, dpa, Reuters, Wall Street Journal) (cln)
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