Globaler Energiemarkt
Tanker dreht kurz vor Europa ab: Warum Asien Europas Diesel wegkauft
Mehrere Öltanker wurden zuletzt auf dem Weg nach Europa umgeleitet. Asiatische Käufer zahlen schlicht mehr für Diesel. Die Versorgungslage in Deutschland gilt dennoch als stabil.
Die Versorgung mit Diesel entwickelt sich zunehmend zu einer strategischen Herausforderung für Europa. Während beim Benzin die Eigenproduktion eine größere Rolle spielt, ist der Kontinent bei Diesel in hohem Maße auf Importe angewiesen. Sowohl beim Rohstoff als auch beim fertigen Produkt. Aktuelle Entwicklungen auf dem Weltmarkt zeigen, wie schnell sich diese Abhängigkeit bemerkbar macht.
1,2 Millionen Fass Diesel umgeleitet
Der Tanker „Elka Delphi“ war bereits auf dem Weg von den USA nach Europa, als er kurz vor Erreichen des Ziels abdrehte. Statt Amsterdam steuerte das Schiff plötzlich Durban in Südafrika an. An Bord waren mehrere Hunderttausend Fass Diesel aus amerikanischen Raffinerien.
Solche Kurswechsel sind laut ntv kein Einzelfall. Innerhalb weniger Tage wurden mehrere Tanker mit insgesamt rund 1,2 Millionen Fass Diesel umgeleitet. Auch Flüssiggaslieferungen sollen betroffen sein. Die neuen Ziele liegen häufig in Afrika, allerdings wohl nur als Zwischenstation. Der eigentliche Bestimmungsort dürfte in vielen Fällen Asien sein.
Asiatische Käufer zahlen mehr – Europa geht leer aus
Der Grund für diese Umleitungen liegt im Preis. Käufer in Asien sind derzeit offenbar bereit, deutlich mehr für Diesel zu zahlen als europäische Abnehmer. Händler reagieren flexibel: Ladungen werden unterwegs verkauft und umdirigiert. Für die ursprünglichen Empfänger in Europa bedeutet das, dass die eingeplanten Lieferungen ihr Ziel nicht erreichen.
Diese Entwicklung ist eng mit dem Iran-Krieg verknüpft. Die Blockade wichtiger Transportwege im Nahen Osten hat Lieferketten massiv gestört. Raffinerien in der Golfregion können kaum noch exportieren, während asiatischen Produzenten wichtige Rohölmengen fehlen. Länder wie Indien, die bislang selbst exportierten, müssen nun zusätzlich Diesel importieren.
Lieferketten funktionieren, aber die Lage bleibt fragil
Trotz der geopolitischen Krise gilt die Versorgung mit Diesel derzeit als gesichert. Weder Behörden noch Branchenvertreter sehen aktuell Hinweise auf tatsächliche Engpässe. „Aktuell drohen keine Lieferengpässe bei Benzin, Diesel oder Heizöl“, heißt es aus der Mineralölindustrie. Trotzdem wird die Entwicklung mit Sorge betrachtet. Zwar gibt es aktuell noch keine akuten Engpässe, aber die Versorgung sei deutlich komplexer und anfälliger geworden. Besonders beim Diesel nehme die Verfügbarkeit spürbar ab.
Auch aus Regierungskreisen wird diese Einschätzung bestätigt: Die Lieferketten funktionieren weiterhin und es gebe „keine physischen Engpässe in Deutschland“. Dennoch reagieren Märkte sensibel auf mögliche Störungen. Schon die Aussicht auf eingeschränkte Handelsrouten oder verzögerte Lieferungen kann Preise bewegen und Handelsströme verschieben. Selbst dann, wenn ausreichend Ware verfügbar ist. Nicht die Menge an Diesel ist das Problem, sondern die zunehmende Unsicherheit im globalen Handel. (Verwendete Quellen: ntv, dpa)
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