Insgesamt 1.784 Tonnen
Warum die Pariser Notenbank Goldreserven aus den USA zurückholt – und damit Milliarden verdient
Mitten in den Spannungen zwischen Emmanuel Macron und Donald Trump zieht Frankreich einen Großteil seiner Goldreserven aus den USA ab. Was steckt dahinter?
Die politischen Beziehungen zwischen den USA und Frankreich sind angespannt. Frankreich hält sich im Konflikt um Iran und im Umgang mit dem US-israelischen Vorgehen militärisch zurück und setzt öffentlich stärker auf Diplomatie. Auf der Gegenseite feuert US-Präsident Donald Trump in regelmäßigen Abständen gegen seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron. Besonders die geschmacklosen Witze über die Ehe Macrons zu seiner Frau Brigitte stießen unlängst auf Verärgerung.
Nicht wegen, sondern trotz Spannungen: Frankreichs Notenbank zieht Gold aus den USA ab
Inmitten dieser Spannungen hat die Banque de France einen kleinen, zuletzt noch in New York gelagerten Teil ihrer Goldreserven zu verkaufen: Zwischen Juli 2025 und Januar 2026 ließ die französische Notenbank 129 Tonnen Gold aus ihrem Restbestand in New York veräußern und durch europäische Barren ersetzen, die nun in Paris lagern.
Bis 2028 sollen zudem noch weitere 134 Tonnen folgen. Damit ist Frankreich scheinbar den Weg gegangen, den zuletzt in Deutschland viele forderten. Aufgrund der Unberechenbarkeit der Regierung von Trump wurden zuletzt Stimmen laut, dass Bundeskanzler Friedrich Merz erwägen sollte, die bei der Federal Reserve Bank (Fed) in New York eingelagerten Goldbestände nach Deutschland zu holen.
Geplantes Modernisierungsprogramm seit 2005 – Goldreserven in den USA für Frankreich nicht gut handelbar
Doch der Akt der französischen Notenbank war kein spontaner Verkauf wegen der USA, sondern vielmehr ein Abschluss eines seit 2005 laufenden Programms zur technischen Standardisierung der Goldreserven. Bisher modernisierte das Land rund 1.784 Tonnen in den vergangenen 20 Jahren. Der Bestand in den USA umfasst alte und teilweise nicht mehr marktübliche Barren, die nicht mehr der internationalen Norm der London Bullion Market Association (LBMA) nach Form, Größe, Reinheit, Kennzeichnung und Handelbarkeit entsprechen.
Entsprechende Barren nach LBMA-Standards sind heute weltweit viel leichter handelbar. Wie die Banque de France mitteilte, sei der Verkauf in New York und der Neukauf in Europa einfacher gewesen als eine lange, teure und riskante Rückholaktion der Bestände.
Frankreichs Zentralbank freut sich über Milliardengewinn und tilgt die Schulden
Durch die Maßnahme hat Frankreich seine Goldreserven allerdings nicht reduziert: Der Bestand bleibt auch weiterhin bei 2.437 Tonnen, was hinter den USA, Deutschland und Italien die viertgrößte Goldreserve der Welt bedeutet. Als wirksamen Nebeneffekt verbuchte die Notenbank einen einmaligen Kapital- und Veräußerungsgewinn von 12,8 Milliarden Euro, weil die Transaktionen in eine Phase sehr hoher Goldpreise fielen.
Der Milliardengewinn floss allerdings nicht als direkter Sondereffekt in den französischen Staatshaushalt. Wenngleich es dieser durchaus gebrauchen könnte: Frankreichs öffentliche Verschuldung lag Ende 2025 bei 3.460,5 Milliarden Euro oder 115,6 Prozent des BIP – nach Griechenland (149,7 Prozent) und Italien (137,8 Prozent) ein Rekordwert in Europa.
Französischer Staat um Macron profitiert nicht – sogar Trump hält sich mit Kommentaren zurück
Nationale Zentralbanken dürfen aber nach den EU-Verträgen und den Unabhängigkeitsregeln des Eurosystems grundsätzlich keine Weisungen von Regierungen entgegennehmen. Die Goldreserven dienen daher eher als Reserve- und Stabilitätsanker der Notenbank und nicht als Haushaltsressource für Regierungen. Deshalb kam der Vorgang in erster Linie der Banque de France selbst zugute: Der Gewinn diente dazu, den negativen Ergebnisvortrag aus dem Verlustjahr 2024 vollständig auszugleichen. 2024 fuhr die Nationalbank einen Verlust von 7,7 Milliarden Euro ein – für 2025 weist die Bank durch den Goldverkauf einen Nettogewinn von 8,1 Milliarden Euro aus.
Bisher haben zudem weder US-amerikanische noch französische Politiker den Vorgang kommentiert. Bei einer politisch motivierten Maßnahme hätte mindestens eine Seite wohl mit einem zynischen Kommentar reagiert – und die Beziehungen zwischen den USA und Frankreich weiter belastet. (Quellen: Reuters, Banque de France) (msw).
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