„Die Situation ernst nehmen“

Nach Spritpreis-Schock: Wirtschaftsweise bringt Tempolimit ins Spiel – „damit die Menschen das ernst nehmen“

Hohe Spritpreise belasten die Menschen in Deutschland zunehmend. Jetzt spricht sich die Wirtschaftsweise Veronika Grimm für ein Tempolimit aus.

Der Krieg im Iran hält an und in Deutschland steigen die Spritpreise immer weiter. Die von US-Präsident Donald Trump angeschlagene Rhetorik der vergangenen Tage macht dabei wenig Hoffnung auf ein Ende der Eskalation im Nahen Osten. „Wir werden sie zurück in die Steinzeit befördern“, drohte Trump und kündigte ein hartes Vorgehen gegen das Mullah-Regime an. Und obwohl der MAGA-Republikaner ein baldiges Ende der Angriffe ankündigte, schossen die Ölpreise auf dem Weltmarkt wieder nach oben.

Ein leider allzu vertrautes Bild: Die Spritpreise klettern im Iran-Krieg immer weiter.

Die Preise für Benzin und Diesel hängen mit dem globalen Preis für Rohöl, das zu einem Großteil über die vom Iran gesperrte Meerenge von Hormus transportiert wird, zusammen. Und trotz der von der Bundesregierung eingesetzten Preisbremse, die nur eine Preiserhöhung an den Tankstellen pro Tag zulässt, ist der Literpreis für Diesel am 2. April im Tagesdurchschnitt laut ADAC auf ein neues Allzeithoch geklettert. Super E10 stellte einen Jahreshöchstpreis auf. Wie also umgehen mit der Energiekrise? Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sprach sich nun für ein Tempolimit aus.

„Kluges Signal“: Wirtschaftsweise Grimm hält Tempolimit für gutes Instrument

„Das wäre kein Schaden - vielleicht sogar ein kluges Signal, damit die Menschen die Situation ernst nehmen“, sagte Grimm der Rheinischen Post. Sie verwies dabei auf Länder im globalen Süden, die bereits Maßnahmen wie Homeofficepflicht oder Einschränkungen bei der Fahrzeugnutzung getroffen hätten. „Je mehr wir verbrauchen, desto schlimmer trifft es letztlich diese Länder“, warnte Grimm.

Ein Tempolimit hatte auch die Internationale Energieagentur (IEA) ins Spiel gebracht. Die Organisation mit Sitz in Paris sprach sich neben einer Reihe weiterer Vorschläge für eine „Senkung der Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen um mindestens 10 km/h“ aus. Damit könnten der Spritverbrauch bei PKW und öffentlichen Verkehrsmittel gesenkt, und so Verbraucher entlastet werden.

Übergewinnsteuer und Co: Wirtschaftsweise hält nichts von staatlichen Preisregulierungen

Neben der Beschränkung der Preisanstiege an den Tankstellen, werden weitere Forderungen an die Bundesregierung laut. Und sogar in der Koalition gibt es Vorschläge für drastische Maßnahmen. So lässt Finanzminister Lars Klingbeil etwa eine Übergewinnsteuer auf die Profite von Mineralölkonzernen prüfen, wie unter anderem der Deutschlandfunk berichtete.

Grimm hält von solchen Maßnahmen aber wenig. „Die Regierung muss die Preise wirken lassen, damit die Energie-Nachfrage sinkt“, sagte die Wirtschaftsweise der Rheinischen Post. „Tankrabatte und Preisdeckel verzerren die Preise, sie sind der falsche Weg.“ Von einer Übergewinnsteuer halte sie ebenfalls „nichts“. (Quellen: Rheinische Post, AFP, ADAC, IEA, Deutschlandfunk) (nhi)

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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