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Trump-Ära und multiple Krisen – Finanzexpertin warnt: Folgen „treffen Frauen am härtesten“
Bestseller-Autorin Natascha Wegelin spricht im Interview über das deutsche Sozialsystem, wie es Frauen benachteiligt, und erklärt, wieso finanzielle Selbstbestimmung überlebenswichtig ist.
Die zweite Präsidentschaft von Donald Trump, Kriege, ein unsicherer Sozialstaat: Wie treffen gesellschaftliche und politische Krisen Frauen und warum ist finanzielle Unabhängigkeit gerade für sie jetzt so wichtig? Damit beschäftigt sich Bestseller-Autorin Natasha Wegelin in ihrem neuen Buch „Die Krise liebt Frauen wie dich“ (Random House, 20€). Wegelin ist CEO der Madame Moneypenny GmbH, ein Unternehmen, das Finanzberatung speziell für Frauen anbietet. Im Interview mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media erklärt Wegelin, dass es einen Ausweg aus „Ohnmacht und Existenzangst“ gibt.
Frau Wegelin, in Ihrem neuen Buch steigen Sie mit dem Thema Unsicherheit ein, die durch viele unterschiedliche Faktoren ausgelöst wird: etwa durch Donald Trumps zweite Amtszeit oder durch Kriege. Hat sich die Situation aus Ihrer Sicht noch einmal verhärtet?
Als ich das Buch angefangen habe zu schreiben, war unser Alltag bereits von multiplen Krisen geprägt. Über ein Jahr später ist das nicht anders: politische Unsicherheit und Polarisierung, Kriege oder der Rückschritt in patriarchale Strukturen. All das spitzt sich immer weiter zu. Entscheidend ist dabei weniger, was sicher passieren wird, sondern was plötzlich als wahrscheinlicher gilt als zuvor – etwa ist es aktuell wahrscheinlicher als früher, dass geopolitische Spannungen weiter zunehmen, Energiepreise erneut stark schwanken oder die Inflation länger hoch bleibt als erwartet.
„Alte Machtstrukturen“ und das Problem des deutschen Sozialsystems
Und in Deutschland?
Parallel zieht sich auf nationaler Ebene der Staat immer weiter aus Bereichen wie der Altersvorsorge, Gesundheitsversorgung oder sozialen Absicherung zurück, während die strukturellen Ursachen unangetastet bleiben – und genau das trifft Frauen besonders hart. Unser Sozialsystem denkt noch immer in männlichen Vollzeitbiografien und wertet Kindererziehung, Teilzeit und Unterbrechungen ökonomisch ab. Finanzielle Abhängigkeit ist hier kein individuelles Versagen, sondern systembedingt.
Besonders bitter ist dabei der politische Rückschritt für Frauen: Nach Jahren, in denen Gleichstellung zumindest auf dem Papier ein Ziel war, verliert sie wieder an Priorität. Gleichzeitig rebellieren immer mehr Frauen gegen diese alten Machtstrukturen und machen damit deutlich: Das System kann sich nicht mehr hinter leeren Versprechen verstecken.
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Ist finanzielle Sicherheit und Unabhängigkeit gerade deshalb für Frauen so wichtig?
Finanzielle Selbstbestimmung ist für Frauen längst kein Nice-to-have mehr, sondern eine Überlebensstrategie: In Deutschland arbeiten Frauen deutlich häufiger in Teilzeit und erhalten im Alter über 35 Prozent weniger Rente. Darüber hinaus verdienen Frauen im Schnitt rund 16 Prozent weniger als Männer und besitzen gleichzeitig kaum oder gar kein eigenes Vermögen. Krisen wirken dabei wie ein Brennglas: Sie treffen Frauen zuerst und oft am härtesten. Zudem können wir bei historischen Analysen beobachten, wie gesellschaftliche Krisen häufig mit Rückschritten bei Gleichberechtigung und feministischen Fortschritten einhergehen.
Gibt es ein „zu spät“, um mit Eigenverantwortung und Initiative Geld zu investieren?
Es gibt definitiv einen Punkt, an dem Zeit als Faktor nicht mehr einzuholen ist. Passiver Vermögensaufbau über den Kapitalmarkt braucht schließlich Zeit – idealerweise sprechen wir hier von zehn bis fünfzehn Jahren, um Schwankungen auszugleichen und nachhaltige Rendite erzielen zu können. Wer erst kurz vor dem Ruhestand beginnt und bisher kaum Ersparnisse hat, kann diesen Zeitraum schlicht nicht mehr aufholen. Diese Erkenntnis kann schmerzhaft sein, weil sie die Grenzen des eigenen Spielraums offenlegt. Das Gefühl, das Steuer nicht mehr vollständig herumreißen zu können, löst oft Ohnmacht und Existenzangst aus – vor allem, wenn klar wird, dass substanzielle Rücklagen oder ein finanzielles Polster nicht mehr aufgebaut werden können.
Wendepunkt: Bestseller-Autorin verliert selbst 18.000 Euro
Erinnern Sie sich an den Moment, als Sie selbst einmal das Gefühl hatten, aufgrund einer finanziellen Situation keine Kontrolle zu haben?
Der Ursprungsmoment für meine Motivation, mich näher mit meinen Finanzen auseinanderzusetzen, war eine scheinbar unabhängige und kostenlose Finanzberatung, durch die ich 18.000 Euro verloren habe. Ich habe gemerkt, dass ich die radikale Eigenverantwortung für meine Finanzen selbst übernehmen muss. Daraufhin habe ich mir über Jahre hinweg mein Finanzwissen eigenständig angeeignet: durch über 1.000 Stunden Selbststudium, rund 200 Bücher, Podcasts und Seminare. Und je tiefer ich eingestiegen bin, desto klarer wurde mir: Dieses Wissen muss raus – besonders an Frauen, die sich im Finanzbereich oft unsicher fühlen.
Wenn Sie nur einen einzigen Ratschlag zum Thema finanzielle Sicherheit geben könnten, der universell anwendbar ist – welcher wäre das?
Im ersten Schritt muss man hier einmal den Unterschied zwischen finanzieller Sicherheit und finanzieller Resilienz verstehen: Finanzielle Sicherheit zielt darauf ab, eine Krise möglichst unbeschadet zu überstehen – das ist Robustheit. Man kann sich das vorstellen wie bei einem Stein: Wenn er vom Tisch fällt, bleibt er zwar ein Stein und geht nicht kaputt, er wird aber nicht besser. Finanzielle Resilienz hingegen geht einen entscheidenden Schritt weiter. Sie bedeutet, an Krisen zu wachsen: stärker, klüger und anpassungsfähiger daraus hervorzugehen und im besten Fall finanziell stabiler und wohlhabender. Wer resilient ist, verfällt in schwierigen Zeiten nicht in Passivität, sondern erkennt neue Chancen und nutzt sie bewusst.
Wie behalten Sie Ihre Motivation?
Jeden Tag zu sehen, wie viel wir schon verändert haben und wie viele Frauen wir bereits auf ihrem Weg in die finanzielle Selbstbestimmung unterstützt haben. Das gibt mir Mut und den Willen, weiterzumachen. Mitzubekommen, dass Frauen von meinem Wissen profitieren, dass diese Themen jetzt auch in die großen Medien kommen und eine breitere Öffentlichkeit erreichen. Das bestärkt mich in unserer Mission, Frauen zu helfen, in unsicheren Zeiten stabiler zu stehen und zu lernen, wie sie an Krisen nicht zerbrechen, sondern wachsen können.