Corona-Lockerungen nicht vertretbar

230.000 Neuinfektionen: Drosten rechnet erst ab Ostern mit Entspannung

Zwischen der Omikron-Variante und Subtyp BA.2 ist kein Platz für eine Lockerung der Corona-Regeln. Virologe Christian Drosten verbreitet dennoch Oster-Optimismus.

Berlin – Lockern, trotz hoher Corona-Zahlen, oder alles beim Alten belassen? Eine Frage, die Virologe Christian Drosten für sich bereits geklärt hat. In der aktuellen Pandemie-Situation, die erst noch mit dem Höhepunkt der Omikron-Welle aufwartet, seien Lockerungen schlicht nicht vertretbar. Entspannung kann erst nach Ostern möglich sein. Hofft zumindest Drosten.

230.000 Neuinfektionen: Experten gehen von einer hohen und weiter steigenden Zahl von Fällen aus

Derweil stieg die Zahl der binnen eines Tages ans Robert Koch-Institut (RKI) übermittelten Corona-Neuinfektionen erneut auf einen Höchststand. Die Gesundheitsämter meldeten nach RKI-Angaben von Donnerstagmorgen, 3. Februar 2022, 236.120 neue Coronafälle in Deutschland binnen 24 Stunden. Vor einer Woche waren es 203.136 erfasste Neuinfektionen gewesen. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI mit 1283,2 an – das ist ebenfalls ein Höchststand.

Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 1227,5 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 1017,4 (Vormonat: 232,4). Die aktuellen Inzidenzen geben den Stand des RKI-Dashboards von 5:00 Uhr am Donnerstagmorgen wieder.

Experten gehen von einer hohen und weiter steigenden Zahl von Fällen aus, die in den RKI-Daten nicht erfasst sind, unter anderem, weil Testkapazitäten und Gesundheitsämter vielerorts am Limit sind. Zudem melden einige Städte und Kreise seit Tagen Probleme bei der Übermittlung der Corona-Fallzahlen.

230.000 Neuinfektionen: Deutschland verzeichnet inzwischen fast 120.000 Corona-Tote

Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 164 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 188 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 10.422.764 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken gekommenen Corona-infizierten Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Mittwoch mit 4,77 an (Dienstag: 4,59). Darunter können auch Menschen mit positivem Corona-Test sein, die eine andere Haupterkrankung haben. Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Donnerstagmorgen mit 7.869.200 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 118.334. Alles Zahlen, die auf eine heftige Welle mit der Omikron-Variante des Coronavirus und dessen Omikron-Subtyp BA.2.

Christian Drosten: Top-Virologe spricht über Omikron-Subtyp – BA.2 könnte sich deutlich schneller verbreiten

Im NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“ macht Christian Drosten deutlich, unter welchen Gegebenheiten der Subtyp BA.2* die Omikron-Welle deutlich verlängern könnte. Diese Omikron-Untervariante ist in Dänemark, wo alle Corona-Regeln gänzlich aufgehoben wurden, auf dem besten Wege, dominant zu werden.

Vor Ostern 2022 hält Virologe Christian Drosten Lockerungen der Corona-Regeln nicht für möglich und vertretbar. Und danach? (kreiszeitung.de-Montage)

Eine Studie aus Dänemark hatte bereits ergeben, dass sich dieser Subtyp noch leichter und schneller als die Omikron-Variante vom Coronavirus verbreiten könnte. Nach den vorläufigen Zahlen sei das Infektionsrisiko bei BA.2 deutlich höher als bei Omikron selbst. Bei geimpften Kontaktpersonen sei die Wahrscheinlichkeit gering, dass das Virus weitergegeben wird. Umso höher ist es aber bei ungeimpften Ersterkrankten einer Infektionskette.

Virologe Christian Drosten erteilt Lockerungen der Corona-Regeln vor Ostern 2022 eine Abfuhr

Doch was bedeuten diese Erkenntnisse der Wissenschaft für die weitere Corona-Politik der Bundesregierung rund um Kanzler Olaf Scholz (SPD)? Kann überhaupt noch seriös geplant und, wenn möglich, präventiv gehandelt werden? Virologe Christian Drosten spricht zumindest vom „Planungshorizont“ Ostern und bezieht sich damit auf eine mögliche Entspannung der Pandemie-Lage in Deutschland.

Wir haben eindeutig den Befund, dass die Übertragungen im Moment aus dem Schulbetrieb gespeist werden. Da werden spätestens die Osterferien den Riegel vorschieben.

Virologe Christian Drosten spricht im NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“ über die zeitnahe Entwicklung der pandemischen Lage in Deutschland

Darüber hinaus verweist Drosten darauf, dass es nach Ostern wärmer sein „und die Inzidenz wahrscheinlich nicht mehr so stark an Fahrt aufnehmen“ wird. Genau vorhersagen könnte man aber noch nicht, ob der Omikron-Subtyp BA.2 bis Mitte April 2021 vorherrschen wird.

„Motor von BA.2 hat ein paar PS mehr“: Virologe Christian Drosten hält schnellere Verbreitung vom Omikron-Subtyp für wahrscheinlich

Dafür deuten für Drosten die Daten aus Dänemark darauf hin, dass BA.2 einen Fitnessvorteil und damit eine höhere Übertragbarkeit haben könnte. „Der Motor von BA.2 hat schon ein paar PS mehr“, nimmt der Virologe einen Auto-Vergleich vor. Dementsprechend hält er es für wahrscheinlich, dass der BA.2-Anteil an den Corona-Infektionen auch in Deutschland steigen könnte. Jedoch langsamer als in anderen europäischen Ländern.

Zudem rät Drosten von einer Immunisierung der Bevölkerung durch eine Infektion der Ungeimpften mit einer der beiden Omikron-Varianten ab. Denn mittlerweile würden immer mehr Untersuchungen zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit wiederholter Ansteckungen hoch ist.

Omikron-Durchseuchung der Bevölkerung verhindern: Christian Drosten vertritt selbe Meinung wie Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)

„Die Rechnung einer Omikron-Infektion als Impfung durch die Hintertür geht nicht auf“, heißt es in diesem Kontext. Schon Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte sich gegen eine „Durchseuchung“ der Bevölkerung mit Omikron ausgesprochen und ähnliche Gründe wie Drosten aufgeführt.

Der Virologe wiederum verweist auf England, wo ebenfalls die Corona-Regeln erneut fallen und die Bevölkerung deutlich stärker immunisiert ist als in Deutschland. Und dennoch wird die Reininfektionsquote auf der Insel auf knapp zehn Prozent geschätzt. Vielmehr macht sich Christian Drosten zum wiederholten Male für eine ideale Immunisierung stark.

Christian Drosten mit Plädoyer für Boosterimpfungen – auch mit Blick auf mögliche Long-Covid-Folgen von Omikron

Heißt für Drosten, „dass man eine vollständige Impfimmunisierung hat, mit drei Dosen und auf dem Boden dieser Immunisierung sich dann erstmalig und auch zweit- und drittmalig mit dem Virus infiziert und dass man dadurch eine Schleimhautimmunität entwickelt, ohne schwere Verläufe in Kauf nehmen zu müssen“. An Boosterimpfungen führt für ihn also kein Weg dran vorbei.

Und auch mit Blick auf die vielen Ungeimpften in Deutschland sowie die Unwägbarkeiten und Folgen von Long Covid, die womöglich auch durch eine Omikron-Infektion hervorgerufen werden, rät Drosten von einer Durchseuchung der Bevölkerung ab. Nun bleib abzuwarten, ob der Osterhase neben Eiern und Süßigkeiten auch Lockerungen der Corona-Regeln mit ins Nest legt. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa/Martina Raedlein/imago

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