Spritze gegen Corona
Vierte Impfung: Fragen und Antworten zum 2. Booster gegen Corona
Omikron verbreitet sich rasant, deswegen erhalten manche Personengruppen bereits ihre vierte Impfung. Doch wann kommt der zweite Booster für alle?
Berlin – Keine Frage, Impfen ist das Patentrezept im Kampf gegen das Coronavirus. Vor allem die Boosterimpfung kann zwar nicht vor der Corona-Infektion an sich schützen, doch schützt die Auffrischungsimpfung vor schweren Verläufen bis hin zu Long Covid. Durch das Aufkommen der Omikron-Variante und deren Unterform BA.2 ist die Bedeutung von Spritzen gegen Corona noch einmal gestiegen. Manch einer hat bereits seine vierte Impfung erhalten. Der 2. Booster gegen Corona wirft aber auch noch einige Fragen auf.
Vierte Impfung: Wie sinnvoll der 2. Booster gegen Corona ist und ab wann es Sinn macht
Als sinnvoll wird der 2. Booster aktuell nur für bestimmte Personengruppen erachtet. Hierzu zählen über 70-Jährige, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie Menschen mit Immunschwächekrankheiten ab fünf Jahren. Die Empfehlung spricht in diesem Fall die Ständige Impfkommission aus.
Die Empfehlung der Stiko hinsichtlich der vierten Impfung greift aber auch für Beschäftigte in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, wo ebenfalls die einrichtungsbezogene Impfpflicht gilt, insbesondere mit direktem Patientenkontakt. Bei diesen Personen soll der 2. Booster frühestens ein halbes Jahr nach dem 1. Booster verabreicht werden. Bei gesundheitlich gefährdeten Menschen ist die Rede von mindestens drei Monaten nach der ersten Boosterimpfung.
Vierte Impfung: Wer erhält bislang in Deuschland den 2. Booster gegen Corona?
Bislang hält sich die Stiko) mit einer Empfehlung zur vierten Impfung für alle Menschen in Deutschland zurück. Den 2. Booster gegen Corona, Varianten wie Omikron BA.1 oder Sublinien wie Omikron BA.2 haben hierzulande bisher nur Menschen über 70 Jahren und vulnerable Personengruppen erhalten.
Bleibt es vorerst dabei – oder ist eine Abkehr vom eingeschlagenen Weg absehbar und somit auch die vierte Impfung bei deutlich jüngeren und gesünderen Menschen möglich?
2. Booster gegen Corona: Warum Virologen aktuell von der vierten Impfung für alle abraten
Eine vierte Impfung gegen Corona wird von Virologen derzeit nicht für sinnvoll erachtet. Sie gehen nicht davon aus, dass dem Coronavirus in absehbarer Zeit eine so nachhaltige Immunflucht gelingen wird, dass eine komplett neue Impfkampagne notwendig ist. Die Beschaffenheit vom Virus spielt hierbei eine große Rolle:
Große Teile des Spike-Proteins von Sars-CoV-2 sind auch heute noch identisch mit der Urvariante.
Die in Deutschland eingesetzten Impfstoffe seien gegen das gesamte Protein entwickelt worden. Das Virus müsste sich also grundlegender verändern als bisher, damit die Notwendigkeit bestehe, neue Vakzine zu entwickeln. Diese Veränderung sei zwar nicht unmöglich, aber eher unwahrscheinlich. Darauf verweist Christina Falk gegenüber der „Berliner Morgenpost“.
Vierte Impfung gegen Corona vor allem für Menschen über 70 und Immungeschwächte sinnvoll
Mit Blick auf den 2. Booster gegen das Coronavirus, also die nunmehr vierte Impfung, muss laut Falk aber auch zwischen einer Corona-Infektion und einem schweren Verlauf unterschieden werden. Die Immunologin geht nicht davon aus, dass sich das Risiko einer Corona-Infektion durch etwaige Impfungen langanhaltend senken lässt.
Und auch ein Impfstoff, der an Omikron angepasst sei, dürfte in dieser Hinsicht nur wenig Besserung versprechen. Vielmehr betont Christina Falk die immense Bedeutung der vierten Impfung für Menschen über 70 sowie für Immungeschwächte. Das Risiko für schwere Verläufe, beispielsweise nach einer Infektion mit Omikron oder deren Unterform BA.2, könne durch die vierte Impfung gesenkt werden.
Erhöhter Impfschutz durch 2. Booster? Experte verneint Schutz vor schweren Verläufen durch vierte Impfung bei gesunden Menschen
Für jüngere, immungesunde Personen sei der 2. Booster nach aktuellem Stand der Forschung also nicht nötig. Dieselbe Ansicht vertritt auch Andreas Radebruch, seines Zeichens Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrum in Berlin. Denn eine vierte Impfung bei immungesunden Menschen würde den Schutz vor schweren Verläufen nicht verbessern.
Zudem könnte der sekundäre Schutz, also den vor Infektion und Verbreitung des Virus, kaum noch erhöhen. „Das haben die Studien aus Israel gezeigt. Und ich gehe davon aus, dass eine fünfte oder gar sechste Impfung sogar noch weniger bewirken würde“, wird Radebruch von der „Berliner Morgenpost“ zitiert.
Vierte Impfung gegen Corona ohne großen Effekt bei jungen, gesunden Menschen
Bei gesunden Menschen, die keine Immunprobleme aufweisen, würde eine relativ robuste T-Zell-Antwort schon nach der zweiten Impfdosis ein Jahr anhalten. Das sagte Christoph Neumann-Haefelin, Leiter der Arbeitsgruppe Translationale Virusimmunologie am Universitätsklinikum Freiburg, in einer Videoschalte des „Science Media Centers“. Und der 1. Booster würde vorübergehend noch einmal den Schutz erhöhen, auch durch gesteigerte Antikörperspiegel, und zu dessen Dauer beitragen.
Welche Rollen spielen T-Zellen beim Impfschutz?
Eine Corona-Impfung stimuliert Antikörper und T-Zellen. Diese können zwar keine Infektion verhindern, schützen jedoch vor schweren Verläufen. Laut Christoph Neumann-Haefelin können diese T-Zellen eine „Infektion verkürzen“ und für einen „milderen Verlauf“ sorgen. Und: „Der Schutz durch die T-Zellen ist zudem deutlich langwieriger als der Schutz durch die Antikörper“. (Quelle: „spiegel.de“)
Beobachtungen hätten bereits ergeben, dass eine vierte Impfung bei jungen und gesunden Menschen im Endeffekt keinen großen Nutzen hat. Schließlich wären die Antikörperspiegel nur für einige Wochen angestiegen und dann wieder abgeflaut. Und für einen langfristigen Schutz vor einer Corona-Infektion, vor der auch Kinder vor allem bei Omikron nicht gefeit sind, würde das nun mal nicht reichen.
Vierte Impfung gegen Corona: Warum der 2. Booster für ältere, kranke Menschen sinnvoll ist
Die vierte Impfung macht aber für Menschen, die ein geschwächtes Immunsystem haben, ältere Menschen oder Personen mit Erkrankungen wie Krebs, umso mehr Sinn. Sie reagieren nämlich deutlich langsamer auf die Corona-Impfungen. „Da haben viele erst nach der dritten oder gar vierten Impfung eine ähnliche Immunfunktion wie Gesunde bereits nach der zweiten Impfung“, sagt Christoph Neumann-Haefelin über den 2. Booster.
Den 2. Booster für junge, gesunde Menschen schließt er aber nicht aus. Vielmehr könne man sich mit der nunmehr vierten Impfung für diese Personengruppe noch bis zum Herbst 2022 Zeit lassen. Schließlich dürfte deren Impfschutz lange anhalten. Zwangsläufig stellt sich aber auch die Frage, wie lange denn die erneute Auffrischungsimpfung Schutz vor Corona bietet.
Studie aus Israel zur vierten Impfung: Schutz vor Infektion und schwerem Verlauf gegeben?
Eine große Studie aus Israel liefert Ergebnisse, wie effektiv die vierte Impfung denn tatsächlich vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützt – aber auch vor einer schweren Covid-19-Erkrankung. Für die im Fachblatt „NEJM“ veröffentlichte Arbeit wurden die Daten von rund 1,2 Millionen Menschen ab 60 Jahren ausgewertet.
Konkret verglich das Forschungsteam dabei die Zahl der Corona-Infektionen und schweren Covid-19-Verläufen von Menschen, die mindestens acht Tage zuvor ihre vierte Impfung erhalten hatten, mit einer Gruppe von nur dreifach Geimpften. Als Kontrollgruppe dienten die Infektions- und Krankheitsfälle bei denen, die sich im Studienzeitraum ein viertes Mal impfen ließen, in den Tagen drei bis sieben nach eben jener Impfung. In diesem Zeitraum war die Schutzwirkung der vierten Impfung noch nicht eingetreten.
Vierte Impfung gegen Corona: Das bringt der 2. Booster laut Studie aus Israel
Das Entscheidende: untersucht wurde tatsächlich nur die Wirksamkeit des Impfstoffs von Biontech, Comirnaty. Von der Studie aus Israel waren also bereits die Menschen ausgeschlossen, die auch nur eine Impfung mit einem anderen Vakzin erhalten hatten. Die Studie hatte letztendlich ergeben, dass ab dem achten Tag nach der vierten Impfung sowohl weniger Infektionen als auch schwere Krankheitsverläufe auftraten.
Im ohnehin schon kurzen Studienzeitraum sank der Schutz vor einer Corona-Infektion jedoch deutlich ab. Zwar waren die Menschen, die ihre vierte Impfung erhalten hatten, nach vier Wochen noch besser vor einer Infektion geschützt als die dreifach Geimpften. Doch war dieser Unterschied nach sechs Wochen weitgehend wieder verschwunden gewesen.
Vierte Impfung gegen Corona erhöht Schutz vor schweren Covid-19-Verläufen – doch wie lange?
Die vage Hoffnung, dass der 2. Booster langfristig und zuverlässig vor einer Corona-Infektion schützt, hatte sich somit zerschlagen. Immerhin: Der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen, gegeben durch die vierte Impfung, hielt während des Studienzeitraums und somit bis zu sechs Wochen an.
In der Gruppe der Probanden, die bereits ihre vierte Impfung erhalten hatten, war die Zahl der schweren Covid-19-Fälle 3,5-mal niedriger als bei den Menschen, die nur dreifach geimpft waren. Wie lange dieser Schutz durch den 2. Booster letztendlich bestehen bleibt, kann durch die aktuelle Studie jedoch noch nicht beantwortet werden. Das Aufkommen der Omikron-Variante BA.2.12.1 könnte hierauf eventuell Einfluss nehmen. (Stand der Daten: 22. April 2022)
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