Großes Rätselraten

Weihnachtsstern: Gab es den Stern von Bethlehem wirklich?

Ein rund sieben Meter hoher Weihnachtsstern leuchtet auf einer Wiese an der Sundpromenade in Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern, gegenüber von Rügen.
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Ein rund sieben Meter hoher Weihnachtsstern leuchtet auf einer Wiese an der Sundpromenade in Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern, gegenüber von Rügen.

Der Weihnachtsstern hat den drei Weisen aus dem Morgenland zur Krippe Jesu geführt. So steht es in der Bibel. Aber was steckt hinter dem Phänomen vom Stern von Bethlehem? Ein Komet? Eine besondere Konstellation von Planeten? Eine Supernova? Oder ist alles nur eine Weihnachtsgeschichte?

Berlin – Es ist Weihnachtszeit und am 24. Dezember wird die Geburt Jesus Christus gefeiert. Bereits kurz nach seiner Geburt wurde er von drei Weisen aus dem Morgenland besucht. Sie brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe (Matthäus 2, 11) und erkundigten sich: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten“ (Matthäus 2, 2). Dass die drei Weisen Caspar, Melchior und Balthasar hießen, steht im Matthäus-Evangelium nicht geschrieben. Sie werden erst seit dem sechsten Jahrhundert so genannt.

Ein Stern soll den drei Weisen den Weg zur Krippe gezeigt haben. Bereits im zweiten Jahrhundert nach Christus Geburt versuchten seine Anhänger herauszufinden, was sich tatsächlich am Himmel abspielte. Ein Komet war für die nächsten hundert Jahre die gängigste Theorie.

Weihnachtsstern: War ein Komet der Stern von Bethlehem? 

In der Bibel soll der Weihnachtsstern ein Komet sein. Doch niemand sonst berichtet in dieser Zeit von einem Kometen. Auch, wenn wir mittlerweile den zweitausendzweiundzwanzigsten Geburtstag von Jesus feiern, sein tatsächliches Geburtsjahr wird heute auf sieben bis vier Jahre vor Christus datiert. 

Kometen sind Besucher aus den Tiefen des Alls. Der bekannteste unter ihnen ist der Halleysche Komet, der alle 76 Jahre in Erdnähe sichtbar ist.

Der wiederkehrende Halleysche Komet (1P/Halley) gilt als viel bedeutendster Kandidat für den Stern von Betlehem. Er ist ein sehr lichtstarker Komet, der ungefähr alle 75,3 Jahre sichtbar an der Erde vorbeifliegt. Das nächste Mal soll es im Jahr 2061 so weit sein. Da seine Flugbahn gut erforscht ist, zeigt sich bereits das Problem: Der Halleysche Komet ist im Jahre zwölf vor Christus von der Erde aus sichtbar gewesen. Somit scheidet dieser aus.

Zudem galten Kometen in der Antike nichts als Heilsbringer, sondern als Unglücksboten. Dass ein Komet die Ankunft eines neuen Königs verkündet, scheint somit unwahrscheinlich. 

Zeigte eine Planetenkonstellation den Weg zum Jesuskind? Rätsel um Existenz vom Weihnachtsstern

Eine weitere Theorie spricht von einer besonderen Planetenkonstellation, die den Weisen den Weg zeigte. Zwei Planeten sollen von der Erde aus gesehen so eng zusammen gestanden haben, dass sie wie ein großer Stern gewirkt haben. Dieser scheinbar große Stern war heller als die meisten anderen Himmelskörper. Waren also Planeten der Stern von Betlehem?

Jupiter und Saturn standen sogar im Jahr sieben vor Christus besonders nah beieinander. Dieses astronomische Phänomen wird als „Große Konjunktion“ bezeichnet. Zuletzt konnte man sie am 21. Dezember 2020 bewundern. 

Die Planeten Jupiter und Saturn befinden sich am Montagabend im Dezember 2020 so eng aneinander, wie seit fast 400 Jahren nicht mehr.

Bei der Großen Konjunktion nähern sich die beiden Planeten Saturn und Jupiter von der Erde aus gesehen über mehrere Tage an. Tatsächlich sind sie weiterhin viele Millionen Kilometer voneinander entfernt. Zum Zeitpunkt der Großen Konjunktion scheinen die beiden Planeten zu einem hellen Stern zu verschmelzen. Dann überholt unsere Erde bei ihrer Wanderung um die Sonne die beiden Planeten und es wirkt, als würden Jupiter und Saturn rückwärts laufen und sich allmählich wieder voneinander entfernen. Dieses Phänomen lässt sich ungefähr alle 20 Jahre beobachten. 

Große Konjunktion im siebten Jahr vor Christus als Stern von Bethlehem?

In der Antike galt Jupiter zudem als Königsplanet und Saturn als der „Planet des Volkes Israels“. Ein neuer König Israels wird geboren – das passt. Zudem befanden sich Jupiter und Saturn im Sternbild Fische und dieses stand sinnbildlich für das Land Judäa. 

War die Große Konjunktion im siebten Jahr vor Christus somit der Stern von Bethlehem? Aus babylonischen Keilschrifttafeln geht hervor, dass diese Große Konjunktion bei den damaligen Astronomen keine besondere Bedeutung hatte. Zudem sei nicht sicher, ob bei den Babyloniern das Sternbild Fische und der Ringplaneten Saturn für Judäa und Israel standen. 

Ist eine Supernova der wahre Weihnachtsstern?

Im Mittelalter kam die Theorie einer Supernova als Erklärung für den Stern von Betlehem auf. Diese These wurde von Astronomen wie Johannes Kepler, der zudem Mathematiker und Katholik war, vertreten. Kepler erkannte, dass sich die Planeten um die Sonne bewegten und die Erde und somit die Menschen nicht der Mittelpunkt des Universums sind (Keplersche Gesetze).

Kepler beobachtete am Weihnachtsmorgen im Jahr 1603 eine Konjunktion. Saturn, Jupiter und Merkur befanden sich gemeinsam am Himmel. Das brachte den Mathematiker auf die Idee, zurückzurechnen. Auch im Jahr sieben vor Christus fand eine Große Konjunktion statt. Am 9. Oktober 1604 beobachte Kepler zudem eine Supernova am Himmel. Sie war so hell, dass sie alle Sterne am Himmel überstrahlte. 

Gigantische Auflösung: Eine Supernova-Explosionswolke im Sternbild Stier, Ende 2005.

Bei einer Supernova leuchtet ein massereicher Stern am Ende seiner Lebenszeit durch seine Explosion kurz auf. Der Stern selbst wird dabei vernichtet. Diese Explosion ist so hell, dass die Leuchtkraft einer ganzen Galaxie entspricht. Eine Supernova kann zur Entstehung eines neuen, sehr kompakten Himmelskörpers führen, wie ein Schwarzes Loch oder ein Pulsar – da Pulsare überwiegend aus Neutronen bestehen, werden sie auch Neutronensterne genannt. Es kann aber auch sein, dass nach ihrer Explosion kein überlebender Zentralstern übrig bleibt (Supernovae vom Typ Ia). 

Kepler vermutete, dass neben der Konjunktion auch eine Supernova zur Geburt Jesus am Nachthimmel zu beobachten war. Doch heute weiß man, dass die Theorie nicht zum Stern von Betlehem passt. Bereits im Jahr 48 vor Christus haben chinesische Himmelsgelehrte das Phänomen der Supernova aufgezeichnet. Doch weder in China noch in Babylonien gibt es Aufzeichnungen, die auf eine Supernova um Christus Geburt hinweisen.

Was ist der Weihnachtsstern?

Eine Supernova ist für den Stern von Betlehem keine Erklärung. Ein Komet wird für den Weihnachtsstern auch nicht infrage kommen. Die Konjunktion ist somit die gängigste Erklärung für den Stern von Betlehem. Doch bis heute ist man sich nicht sicher, welchen Wahrheitsgehalt die Geschichte des Weihnachtssterns überhaupt besitzt.

Die meisten Theologen halten den Stern für Betlehem für eine Legende ohne waren Hintergrund. Die Ankunft des Messias wird im Alten Testament mit dem Leuchten eines Sterns ankündigt. Matthäus habe sein Evangelium mit dieser Prophezeiung vermutlich nur ausgeschmückt – Storytelling ums Jahr 80 nach Christus. 

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