Pandemie-Regeln fallen weg

Corona in Europa: Hier wird jetzt überall gelockert

Die Pandemie hat Europa weiterhin im Griff, durch Omikron steigen die Infektionszahlen. Und doch lockern Länder wie England oder Dänemark ihre Corona-Regeln.

Kopenhagen/London/Stockholm – Europa macht sich locker – zumindest in weiten Teilen des Kontinents. Denn obwohl die Pandemie noch längst nicht überwunden ist, fallen in vielen Ländern die geltenden Corona-Regeln komplett weg. In England sind die Pubs wieder voll, in Griechenland kann wieder ausgelassen getanzt werden. Doch wie werden diese weitreichenden Entscheidungen überhaupt begründet?

Ende der Corona-Regeln: Trotz hoher Omikron-Zahlen fallen in Dänemark nahezu alle Beschränkungen weg

Vorneweg: In Deutschland bleibt alles beim Alten. Die FFP2-Maskenpflicht bleib bestehen, es greifen die Abstandsregeln sowie 2G, 2G Plus und 3G im öffentlichen Leben. Bund und Länder haben sich in Anbetracht der angespannten Corona-Lage und dem noch erwarteten Höhepunkt der Omikron-Welle gegen Lockerungen der Pandemie-Regeln entschieden. Konträr hierzu gestaltet sich der Umgang mit der Coronavirus-Krise in Dänemark, einem der Lockerungs-Vorreiter in Europa. Deutschlands nördlichster Nachbar hat sich praktisch von allen Corona-Regeln verabschiedet. Seitdem ist die Kopenhagener Innenstadt masken- und beschränkungsfrei, die Menschen gehen wie vor der Corona-Pandemie ausgelassen shoppen.

Dabei liegen die Corona-Neuinfektionszahlen in Dänemark schon seit Wochen auf einem hohen Niveau. Begründet wird der Schritt der dänischen Politik damit, dass Omikron-Infektionen eher mildere Krankheitsverläufe zur Folge haben*. Zudem sei durch hohe Impfzahlen (rund 81 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft) eine angespannte Lage auf den Intensivstationen des Landes ausgeblieben.

Corona-Regeln in Schweden: Beschränkungen sollen am 9. Februar 2022 wegfallen

Schweden will nun bei den Corona-Regeln nachziehen und ebenfalls die meisten Beschränkungen aufheben. Schon ab Mittwoch, 9. Februar 2022, sollen Zusammenkünfte und Veranstaltungen wieder ohne Teilnehmerobergrenzen stattfinden können. Und auch die Corona-Beschränkungen für Restaurants, Kneipen und Cafés in Schweden fallen weg.

Eine Entscheidung, die mit Blick auf Schwedens bisherige Corona-Politik gar nicht mal so sehr überrascht. Denn seit Beginn der Pandemie hatte die Regierung vergleichsweise lockere Maßnahmen ergriffen. Einen echten Lockdown gab es nie, die Maskenpflicht war beispielsweise nicht so streng ausgelegt wie in Deutschland, wo wie in Bremen strikt auf FFP2-Masken zurückgegriffen werden muss.

Corona hat Großbritannien weiterhin fest im Griff – und doch sind Pubs und Stadien wieder voll

Doch auch in Großbritannien kann schnell vergessen, dass sich die Welt noch immer mit einer Pandemie konfrontiert sieht. Die Pubs sind wieder gefüllt, Schutzmasken gegen das Coronavirus sind nur noch vereinzelt zu sehen. Und das, obwohl Großbritannien täglich bis zu 100.000 neue Corona-Fälle zählt. Die Omikron-Welle, deren Höhepunkt in Deutschland noch aussteht, ist zumindest deutlich abgeflacht.

Hoch die Hände, die Corona-Regeln sind zu Ende: In vielen Ländern Europas werden die Pandemie-Beschränkungen aufgehoben. So auch in England, wo sich Fußball-Fans wieder ausgelassen in den Pubs treffen und dabei nicht mal eine Schutzmaske tragen müssen (Symbolbild)

Ändert aber nichts daran, dass positive Fälle vor allem im engeren Umfeld immer mehr zum Alltag in Großbritannien gehören. Dies trifft vor allem auf Familien mit Schulkindern zu. Und dennoch sind in England Ende Januar 2022 die wenigen noch geltenden Corona-Maßnahmen, wie schon im Sommer 2021, ausgelaufen. In Büros, in Stadien, beim Sport oder eben in Pubs herrscht wieder ein reger Andrang.

Hohe Impfquote als Argument für Wegfall vieler Corona-Beschränkungen: Auch Spanien lockert seine Maßnahmen

Ganz so weit ist Spanien noch nicht. Auch, wenn sich Gesundheitsministerin Carolina Darias darüber freut, dass ihr Land „über den Berg“ sei. Die Zahlen geben ihr in gewisser Hinsicht aber recht. Hatte die Sieben-Tage-Inzidenz Mitte Januar noch ihren Höchststand mit einem Wert von 1600 erreicht, beläuft sie sich aktuell „nur“ noch auf 1060.

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Deswegen werden viele Corona-Beschränkungen in Spanien nach und nach aufgehoben. Beispielsweise soll die Maskenpflicht im Freien komplett wegfallen. Zwar wurde diese Regel kaum kontrolliert, doch hätten sich viele an die Vorschrift gehalten. Übrigens: Durch die hohe Impfquote in Spanien kommt es auch zu weniger schweren Erkrankungen. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung haben bereits ihre Grundimmunisierung, rund 46 Prozent auch schon die Boosterimpfung erhalten.

Italien will Ausnahmezustand beenden: Viele Corona-Regeln sollen aufgehoben werden – wenn 2G erfüllt wird

Optimismus macht sich derweil auch in Italien breit. Die Politik erwägt ein Ende des Ausnahmezustandes und will viele Corona-Regeln wieder aufheben. Die Krankenhäuser seien weit davon entfernt, maximal ausgelastet zu sein. Deswegen soll in Italien die Maskenpflicht im Freien auslaufen.

Etwaige Öffnungsschritte koppelt die italienische Regierung jedoch stets an Impfungen. Wer in Hotels, Kinos oder Restaurants, die Bahn benutzen oder auf öffentliche Veranstaltungen gehen möchte, muss den beispielsweise aus Niedersachsen bekannten 2G-Nachweis erbringen. Zudem sollen künftig geimpfte Schüler auch bei positiven Fällen innerhalb der Klasse weiter in die Schule dürfen.

Corona-Inzidenz von fast 4000: Frankreich lässt dennoch Maskenpflicht im Freien und Homeoffice-Pflicht wieder fallen

Von Corona-Beschränkungen trennt sich aber auch Frankreich. Trotz hoher Inzidenzwerte von knapp unter 4000 würde sich die pandemische Lage weitaus entspannter anfühlen als noch im Sommer 2021. Mit fallenden Neuinfektionszahlen plädiert die Regierung nun für Lockerungen.

Beispielsweise wird die Homeoffice-Pflicht nach nur einem Monat in eine Empfehlung umgewandelt. Zudem fällt auch in Frankreich die Maskenpflicht im Freien. Obergrenzen für Sport und Kultur gehören teils der Vergangenheit an, Mitte Februar sollen die Clubs wieder eröffnen. Tanzend durch die Pandemie, wenn man so will.

Beginn eines „Ausstiegs“: Schweiz will 2G-Regel in Restaurants wieder kippen – Entscheidung Mitte Februar 2022

In der Schweiz wird wiederum von dem Beginn eines „Ausstiegs“ gesprochen, wie es die Boulevardzeitung „Blick“ formuliert. Und das, obwohl im Nachbarland Deutschlands täglich Neuinfektionszahlen vorliegen, die berechnet auf 100.000 Einwohner fast doppelt so hoch sind wie in der Bundesrepublik.

Die Homeoffice-Pflicht ist in der Schweiz bereits weggefallen, so auch die Quarantänepflicht für Menschen, die mit Infizierten Kontakt hatten. Zudem ist im Gespräch, dass die 2G-Regel in Restaurants schon Mitte Februar fallen soll. Das gilt auch für Museen und Kinos. Zudem könnte die Maskenpflicht in Geschäften und im öffentlichen Verkehr Mitte Februar aufgehoben werden. Über die weiteren Lockerungen entscheidet die Regierung final am 16. Februar.

Sirtaki tanzen in der Pandemie: Griechenland lockert seine Corona-Regeln und lässt Leben zurück ins Land

Derweil kann in Griechenland wieder Sirtarki getanzt werden. Denn seit Anfang Februar läuft in Tavernen, Café und Bars wieder Musik. Dies war zuvor verboten, da befürchtet wurde, dass die Griechen durch Musik wieder zu tanzen beginnen und alles letztendlich in einer Party ausufert.

Zudem dürfen Geimpfte wieder ohne zusätzlichen Corona-Test nach Griechenland einreisen. Mit dieser Corona-Maßnahme zog Athen im Dezember 2021 scharfe Kritik auf sich. Einen negativen Test bei der Einreise benötigen fortan aber nur noch Ungeimpfte.

Niederlande wie Deutschland: Corona-Regeln bleiben bestehen – Infektionszahlen und Inzidenz sind zu hoch

Hinsichtlich des starren Festhaltens an seinen Corona-Regeln steht Deutschland übrigens nicht allein auf weiter Flur. In den Niederlanden endete zwar im Januar der harte Lockdown, doch greifen weiterhin die Maskenpflicht und der Nachweis vom Corona-Pass (3G). Darüber zeigen sich viele Bürger in den Niederlanden empört.

Es wird argumentiert, dass sich eh kaum jemand an die Regeln hält und auch keine Kontrollen stattfinden. Zwar würden täglich noch immer Höchstwerte bei den Neuinfektionen gemeldet werden (aktuell Inzidenz: 3330,2), doch seien die Patientenzahlen in den niederländischen Krankenhäusern im Vergleich dazu nur leicht angestiegen.

Ändert aber auch nichts an dem Fakt, dass es wegen der strengen Quarantäne-Regeln zu enormen Personalausfällen kommt, wie sie in Deutschland zwingend verhindert werden sollen. Es fahren weniger Züge, in Altenheimen und Krankenhäusern wird die Versorgung eng, in Kneipen und Restaurants fehlt ausreichend Personal. (Stand der Daten: 7. Februar 2022; mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Nick Potts/dpa

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