Verschärfte Corona-Regeln in Italien
Grüner Pass in Italien: Verschärfte Regeln regen Impfkritiker auf
Weil Covid-19-Infektionen steigen, wird in Italien in weiteren Bereichen ab 1. September 2021 der Green Pass benötigt. Die 3G-Regel erzürnt Impfkritiker.
Rom – Die Verschärfung des Grünen Pass tritt heute in Italien Kraft. Das treibt einige Italienerinnen und Italiener zur Weißglut. Dabei war das südeuropäische Land während der ersten Welle der Corona-Pandemie einer der Hotspots innerhalb der Europäischen Union überhaupt.
| Land in Europa: | Italien |
| Fläche: | 301.338 Quadratkilometer |
| Einwohner: | 60.026.546 (Stand: 30. Juni 2020) |
| Internationale Vorwahl: | +39 |
| Regierungschef: | Ministerpräsident Mario Draghi |
Die Bilder gingen um die Welt. Lastwagenweise musste die Armee die Covid-19-Toten im Frühjahr 2020 aus den Krankenhäusern abholen und zu den Krematorien transportieren. Doch auch diese waren zeitweise völlig überlastet. Seit Anfang Juli dieses Jahres steigen die Infektionszahlen in Italien wieder kräftig an. Nachdem Anfang August bereits einmal die Regeln für das öffentliche Leben und in der Gastronomie verschärft wurden, gelten seit Mittwoch, 1. September 2021, im Reiseverkehr und in Schulen strengere Maßnahmen.
Inzidenz in Italien ist der Grund für die Verschärfung der Regeln für den Grünen Pass
Grund ist die immer höher werdende 7-Tage-Inzidenz in Italien. Also die Anzahl der Menschen, die sich in den vergangenen sieben Tagen mit Covid-19 infiziert haben, hochgerechnet auf 100.000. Einwohner. Nachdem die Zahl am 1. Juli 2021 noch bei 7,4 gelegen hatte, liegt gut zwei Monate später die Inzidenz in Italien bei 75,7, also um gut das zehnfache.
Zum heutigen Tag wurden den Behörden in Rom 5492 Neuinfektionen und weitere 75 Todesfälle gemeldet. Derzeit befinden sich 4239 Menschen im Krankenhaus, 472 Patienten davon sind intensivpflichtig. Dabei sind in dem Land inzwischen knapp 71 Prozent der Bürger einmal geimpft, eine zweite Immunisierung haben bereits rund 61 Prozent der Italiener erhalten.
Corona in Italien: Inzidenzen in beliebten Urlaubsregionen wie Sizilien, Sardinien oder die Toskana
Weiterhin besonders schwer betroffen vom Coronavirus sind die beliebten Urlaubsregionen Sizilien mit den Regionen um Enna (310), Syrakus (270), Caltanisetta (261) und Ragusa (252). Derweil hat sich die Lage auf Sardinien wieder etwas entspannt, gebannt ist die Corona-Lage allerdings noch nicht.
Cagliari, lange Zeit Corona-Hotspot mit einer Inzidenz von deutlich über 300, verzeichnet derzeit einen Inzidenzwert von 210. Tendenz weiter fallend. Auch die Region Sud Sardegna mit einem Wert von 156 verzeichnet rückläufige Neuinfektionen im Zusammenhang mit Covid-19.
Ein ähnliches Bild zeichnet sich in der Toskana ab. Im Gebiet um Florenz, Lugano oder Pisa liegt die Inzidenz wieder unter 150.
Green Pass-Regel in Italien lässt Impfgegner ausrasten: 3G-Regel soll diskriminierend sein
Um einen weiteren rapiden Anstieg, und um die eine erneute Überlastung der Intensivstation samt Triage zu verhindern, hat die Regierung in Rom die Corona-Regeln im Reiseverkehr in dem Urlaubsland zum 1. September 2021 noch einmal verschärft. Wer derzeit in Italien mit einem Langstreckenbus oder im Bahnverkehr mit einem Hochgeschwindigkeits- oder Intercity-Zug reisen möchte, der benötigt ab sofort den sogenannten Green Pass. Allein in Sizilien mussten die Corona-Regeln gesondert angepasst werden.
Damit können Fahrgäste nachweisen, ob sie geimpft, genesen oder getestet (3G-Regel) sind. Dabei handelt es sich um ein digitales Dokument, alternativ kann es auch ausgedruckt werden. Die neue Vorschrift gilt zwar nicht im Nahverkehr, dennoch bringt es die Bewegung „No Vax“ zum Schäumen, da die Impfgegner sich diskriminiert fühlen.
Green Pass-Regel in Italien lässt Impfgegner ausrasten: Ausnahme für 3G-Regel in Pendlerzügen
Konkret gilt die 3G-Regel für Intercity-, Nacht- und Schnellzüge von Trentitalie und Itallo, auch nationale und internationale Flugverbindungen sind ebenso betroffen wie Langstreckenbusse. Eine Ausnahme gibt es landesweit für Regional- und Pendlerzüge. Auch Fährverbindungen sind von der neuen 3G-Regel betroffen, mit einer Ausnahme für die Verbindung über die Meerenge von Messina, da diese als Nahverkehrsverbindung gilt.
Kontrolliert werden soll der Green Pass von den Angestellten des jeweiligen Transportmittels. Wer es trotzdem beispielsweise an Bord eines der Intercityzuges gelangt, wird in einem gesonderten Waggon untergebracht. Geldstrafen sind ebenso vorgesehen, während die bereits bestehende Maskenpflicht in Zügen bleibt bestehen.
Grüner Pass ab heute für Lehrer: Aufgrund von Corona muss das ganze Schulpersonal verpflichtend über einen Green Pass verfügen
Und auch in anderen Bereichen wird der „Green Pass“ zur Pflicht. So muss beispielsweise das gesamte Schulpersonal darüber verfügen. Dies betrifft auch die einfache Büroangestellte oder den Hausmeister einer Schule.
Zwar müssen sich Lehrer nach einer langen Debatte nicht impfen lassen, aber die dann notwendigen Tests gehen auf die eigenen Kosten des Personals.
Lehrkräfte in Turin verfügten nicht über den Grünen Pass und werden von der Schule abgewiesen
Ein besonders drastisches Beispiel für die verschärften Regeln des Grünen Pass spielt sich in Turin ab. Zwei Lehrer des Curie-Levi-Gymnasiums in Collegno wollen an der Schule erscheinen, verfügten aber nicht über den entsprechenden Grünen Pass beziehungsweise den notwendigen QR-Code. Daraufhin staunten sie nicht schlecht, als der Schulleiter sie nach Angaben der Corrriere della Sera abwies, weil er ihre medizinischen Ausnahmegenehmigungen nicht anerkannte.
„Der Schulleiter argumentiert, dass die Ausnahmegenehmigung von meinem Hausarzt unterschrieben werden muss und nicht von einem anderen“, erklärt Alisa Matizen, eine der beiden beteiligten Lehrerinnen, gegenüber der Corriere della Sera. „Das ist Auslegungssache, Kollegen anderer Schulen hatten keine Probleme und sind mit der gleichen Freistellung problemlos in den Unterricht eingestiegen.“
Verschärfung des Grünen Pass ab heute: Abgewiesene Lehrkräfte wenden sich an die Polizei
Die beiden Lehrkräfte wandten sich an die Polizeiwache, aber Alisa Matizen entschloss sich, keine Anzeige zu erstatten. „Ich gehe zu einer Impfstelle, um eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen, oder mir fällt etwas anderes ein“, erklärt die Spanischlehrerin.
Am Gymnasium Galileo Ferraris hingegen kam es bei den 103 Lehrerinnen und Lehrer der Schule, die an das erste Lehrkollegium seit Beginn der Corona-Pandemie berufen wurden, zu keinen Vorfällen. „Ich wollte ein Zeichen setzen, das ein gutes Omen für eine Rückkehr zur Normalität ist“, sagt Schulleiter Giuseppe Inzerillo.
Green Pass-Regel in Italien: Neue 3G-Regel kommt pünktlich zum Ende der Sommerferien
Die neuen Regeln für den Grünen Pass, die pünktlich zum Ende der italienischen Sommerferien kommen, bringt die Impfgegner aus der Bewegung „No Vax“ auf die Palme. Sie sind zwar eine kleine Minderheit im Land, dafür wird das Auftreten der Gruppierung immer mehr zum Problem in Italien. Sie sind laut, aggressiv und werden auf Demonstrationen auch immer wieder handgreiflich gegenüber Impfbefürwortern, Sicherheitskräften oder Journalisten und Kameraleuten.
Dabei befürwortet der Großteil der Italiener die Maßnahmen und auch die Impfungen gegen eine Covid-19-Infektion, bringen sie doch einen Hauch von Normalität zurück ins Leben. Auch hat die Einführung des Green Pass die Impfbereitschaft in dem europäischen Urlaubsland besonders bei der jungen Bevölkerung noch einmal angekurbelt. Ganz anders bei älteren Menschen. Von den Italienern und Italienerinnen, die über 50 Jahre alt sind, sind bis jetzt noch immer drei Millionen Personen ungeimpft.
Doch der Zorn von Bewegungen wie „No Vax“, „No Mask“ und „No Pass“ wird immer größer und richtet sich in jüngster Zeit auch häufig gegen einzelne Personen wie Ärzte, Politiker oder auch Virologen. Quasi gegen jeden, der sich pro Impfung ausspricht.
Green Pass-Regel in Italien lässt Impfgegner ausrasten: „Impf dich doch selbst, du Scheiße. Ich bringe dich um.“
Der bekannter italienischer Infektiologe Mattei Bassetti – so berichtet die Süddeutsche Zeitung – habe in jüngster Zeit 70 Menschen anzeigen müssen. So oft sei allein er schon mit dem Tode bedroht worden. Jüngst soll er dem Bericht zufolge von einem Impfgegner bis zur Haustüre verfolgt worden sein, wo dieser ihn mit den Worten anbrüllte: „Impf dich doch selbst, du Scheiße. Ich bringe dich um.“
In Rom wurde jüngst ein Videojournalist der bekannten Tageszeitung „La Repubblica“ auf einer Demonstration durch Faustschläge verletzt. Auch wurde ihm vor laufender Kamera damit gedroht, dass man ihm die Kehle durchschneiden wolle.
Italienischer Innenminister besorgt über Gewaltausbrüche – hartes Vorgehen gegen Gruppen wie „No Vax“ beschlossen
Die italienische Innenministerin Luciana Lamorgese zeigt sich besorgt über die jüngste Gewalteskalation und hat veranlasst, dass die Behörden im Notfall entschlossen und hart durchgreifen. Dies gelte ab sofort, was auch einer groß angekündigten Protestaktion der Bewegung „No Vax“ zugrunde liegen soll.
Die hatten dazu aufgerufen, am morgen des 1. Septembers 2021 insgesamt 54 Bahnhöfe lahm zu legen. Entsprechend groß war das Aufgebot der Sicherheitskräfte in Rom, da eine Behinderung des öffentlichen Dienstes in Italien als Straftat gilt.
Regeln für Grünen Pass verschärft: Corona-Impfnachweise auf Arm tätowiert
Derweil hat ein Tätowierer aus Kalabrien eine originelle Idee verwirklicht. Andrea Colonnetta aus Reggio Calabria am südlichen Ende des italienischen Festlandes ließ sich einen QR-Code tätowieren, mit dem er direkt sein digitales Impf-Zertifikat anzeigen kann und hat es seitdem immer dabei.
Es handle sich um ein permanentes Tattoo, sagte der 22-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Das Abbild behalte er damit auch, wenn der Nachweis eines Tages seine Gültigkeit verlieren sollte. „Allerdings bleibt die Bedeutung, die ich ihm damit geben wollte“, erklärte er weiter.
Medien auf der ganzen Welt berichteten über den jungen Mann, und in den sozialen Medien kommentierten hunderte Menschen seine Idee – positiv und negativ. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
