Radwege und Autospuren

Bremer City: Auswertung des Verkehrsversuchs Martinistraße liegt vor

Stau am Abend: Die Martinistraße in der Bremer Innenstadt an einem Märztag um 18 Uhr.
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Stau am Abend: Die Martinistraße in der Bremer Innenstadt an einem Märztag um 18 Uhr.

Bremen – Die Auswertung des umstrittenen Verkehrsversuchs in der Innenstadt-Achse Martinistraße liegt vor. Das Ergebnis ist am Donnerstag Thema in der Sitzung der Verkehrsdeputation. Gegenüber der gegenwärtigen Verkehrsführung, so die Empfehlung, soll sich – trotz der vielen Staus in Richtung Brill zu Berufsverkehrszeiten – nicht viel ändern.

Ein Ergebnis, auf das man auch ohne monatelange „Versuche“ hätte kommen können. Es sind vor allem Nuancen, die nun noch empfohlen werden. Dazu zählt beispielsweise der Vorschlag, dass die Baken und Poller, die Autos und Radfahrer trennen, kleiner ausfallen sollten. In den zurückliegenden Monaten waren etliche von ihnen umgefahren worden – „fast wöchentlich“, so die Gutachter. Da viele Radfahrer sie ebenfalls eher als Hindernisse empfunden haben, könne auch auf sie verzichtet werden – zugunsten einer Radspur „in Roteinfärbung ohne weitere Protektionselemente“. So steht es in der 56 Seiten umfassenden Evaluation, die aus dem Referat „Strategische Verkehrsplanung“ des Ressorts von Senatorin Maike Schaefer (Grüne) stammt.

Im Sommer vergangenen Jahres hatte der zeitweilig von Freizeit-Aktionen („Surfwelle“) begleitete Versuch begonnen. Die erste Phase mit Sperrung für den Autoverkehr in Höhe Pieperstraße wurde „als besonderes Event für die Ferienzeit geplant und umgesetzt“, so die Gutachter. „Sie war ursprünglich zeitgleich mit einer ohnehin baustellenbedingten Sperrung der Brillkreuzung verknüpft.“ Wegen des allgegenwärtigen Materialmangels sei die Brill-Baustelle – neue Schienen und Weichen für die Straßenbahnen – auf dieses Jahr verlegt worden. Aussagekraft für die Evaluation habe die erste Phase nicht gehabt. Die „relevanten Phasen“ seien allein „Phase 2 mit der Teil-Einbahnstraße sowie Phase 3 mit einer Fahrspur je Fahrtrichtung“. Zur Analyse des Versuchs beigetragen hätten unter anderem Daten aus Detektoren der Verkehrsmanagementzentrale, „Verkehrsbeobachtungen vor Ort“ und „Rückmeldungen von Trägern öffentlicher Belange und Anliegern“.

Wall und Bremer Neustadt zeitweilig stärker belastet

In der Phase mit der Teil-Einbahnstraße haben sich Autoverkehre verlagert. „In der Neustadt ist insbesondere der Knotenpunkt Westerstraße/Langemarckstraße von verlagerten Verkehren betroffen. Die Zunahmen sind hier zum Teil deutlich nachweisbar“, heißt es dazu in der Evaluation mit Blick auf diese Zeit. Auch der Wall sei zeitweilig überlastet gewesen. Die Verkehrsbelastung der Faulenstraße hingegen sei in dieser Zeit zurückgegangen. Und es sei zu einer „Reduzierung von reinen Durchgangsverkehren“ gekommen.

Anders sei das Bild in Phase 3 gewesen, in der die Kraftfahrzeugzahlen „großflächig abgenommen“ hätten. „Im gesamten Innenstadtbereich, auf den zuführenden Straßen Herdentor, Bürgermeister-Smidt-Straße (vom Breitenweg), Osterdeich und auf beiden Weserbrücken hat der Verkehr signifikant abgenommen. Zunahmen gab es lediglich am Sielwall und Am Dobben, jedoch geringer als in Phase 2.“

Stau am Morgen: Die Martinistraße in der Bremer Innenstadt an einem Junitag gegen 8.30 Uhr, aufgenommen aus einem Bus der Linie 25.

Autospuren sollen etwas breiter werden

Und die Staus, die in den späten Nachmittags- und frühen Abendstunden in der Martinistraße so oft zu beobachten waren und sind? Im motorisierten Individualverkehr gebe es das höchste Aufkommen erfahrungsgemäß „in der Zeit zwischen 15 und 19 Uhr, da es hier zu einer Überlagerung von Berufs-, Einkaufs- und Freizeitverkehren kommt“, heißt es an einer Stelle der Auswertung.

Unterm Strich empfehlen die Gutachter, es in der Martinistraße beim einspurigen Zweirichtungsverkehr mit Radweg zu belassen. Sie plädieren dafür, die beiden Autospuren – eben: pro Richtung eine – von drei Metern auf 3,25 Meter zu verbreitern. Drei Meter seien bei Tempo 20 „zwar vertretbar“, allerdings befinden sich „auf der Martinistraße auch ein höherer Anteil an Schwerverkehr und eine starke Linienbus-Achse“.

Rote Radstreifen für die Martinistraße in der Bremer City

Die Radspuren sollten 2,85 Meter breit sein, so die Gutachter. Deutlich in roter Farbe gekennzeichnete Radstreifen seien womöglich „ein Lösungsansatz auch für eine bessere Abwicklung von Lieferverkehren und Einsatzfahrten von Krankenwagen, Polizei, Feuerwehr“.

Die Bushaltestellen sollten anders gebaut werden, nämlich „in Form von Kap-Haltestellen“ – „um ein barrierefreies Ein- und Aussteigen sicherzustellen“. Fußgänger sollen es in Zukunft leichter haben, die Martinistraße zu überqueren. So schlagen die Autoren der Auswertung unter anderem vor, die Querungen durch Absenken der Borde zu verbreitern.

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