KRIEG IN OSTEUROPA

Landkreis Rotenburg nimmt alte Kaserne als Flüchtlingsankunft in Betrieb

Heiko Lindhorst steht im DRK-Foodtruck auf dem alten Kasernengelände in Visselhövede.
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Für alles gerüstet, auch für Ankommende mitten in der Nacht: Heiko Lindhorst im DRK-Foodtruck auf dem alten Kasernengelände in Visselhövede.

181 Räume der alten Visselhöveder Kaserne sind dank der Arbeit vieler Hilfsorganisationen voll ausgestattet, um die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine kurzzeitig zu beherbergen. Denn nach ihrer Ankunft werden sie in die Kommunen weitergeleitet. Falls das nicht sofort klappt, stehen 330 Betten zur Verfügung.

Visselhövede – Immer mehr Flüchtlinge aus der Ukraine kommen im Landkreis Rotenburg an. Die Verteilung durch die Landesaufnahmebehörde in Hannover hat begonnen, am Freitag erreicht ein weiterer Bus die Samtgemeinde Sottrum. Um dem Strom gewachsen zu sein, bereiten sich sowohl der Landkreis als auch die Kommunen vor, die für ihre Unterbringung zuständig sind. „Vom Zugdrehkreuz Hannover aus, steuern die Busse neben Anlaufstationen in anderen Regionen in unserem Landkreis zunächst die alte Visselhöveder Kaserne an“, betont Kreis-Jugenddezernentin Imke Colshorn. Dafür wurden in den vergangenen Tagen einige Gebäude hergerichtet und mit Betten, Spielzeug, Wickelkommoden und anderen Dingen des täglichen Bedarfs ausgestattet.

Das Gelände der Firma JBS gilt künftig als zentrale Ankunftsstelle für alle Flüchtlinge, die offiziell aus Hannover zugeteilt werden. Sie soll auch „als Reservekapazität für die Kommunen dienen, für den Fall, dass die Kapazitäten an Wohnraum in den Gemeinden erschöpft sind“, so Colshorn. Wann genau die Busse den Lehnsheide-Campus ansteuern, konnte sie aber auch Donnerstagnachmittag nicht genau sagen. „Wir rechnen aber Anfang kommender Woche damit.“

Der Aufbau in Visselhövede ist in Zusammenarbeit von Hilfsorganisationen wie der DLRG Rotenburg und dem DRK der Kreisstadt unter Koordination des DRK-Kreisverbandes Bremervörde erfolgt. Auch für den Betrieb in den ersten Wochen sorgen die Hilfsorganisationen mit etwa 16 ehrenamtlichen Einsatzkräften, wie Andreas Rothgeber von der DRK-Kreisbereitschaft berichtet.

Die Firma JBS als Eigentümerin hat mit dem Landkreis insgesamt fünf Mietverträge geschlossen, die aber „allesamt monatlich kündbar sind“, wie der Liegenschaftsverwalter Hans-Hinrich Hastedt betont. Überhaupt zeigt sich JBS sehr großzügig, denn nach Abzug der Nebenkosten wird Firmenchef Joachim Behrens die Mieteinnahmen an die Ukrainehilfe überweisen. „Für die geflüchteten Menschen stellen wir 181 Räume mit insgesamt 4000 Quadratmetern Wohnfläche zur Verfügung“, so Hastedt.

Hygienebesprechung in der Kantine des ehemaligen Offizierskasinos.

Insgesamt gibt es auf dem Gelände eine Bettenkapazität von 330. „Wir planen aber mit 200 Übernachtungsmöglichkeiten, weil nicht alle Räume mit vier Personen belegt werden“, so Rothgeber. Man werde auf jeden Fall die jeweilige familiäre Situation berücksichtigen.

Neben den Schlafräumen sind die Blocks auch mit Spielzimmern für die etwas größeren Kinder und mit Räumen zum Wickeln von Säuglingen ausgestattet. Die ehemaligen Soldatenunterkünfte wurden gerade vom Visselhöveder Schulkindergarten und von Grundschülern kindgerecht dekoriert.

„Im alten Offizierskasino gibt es die Mahlzeiten, die uns aus der Großküche der Rotenburger Werke geliefert werden“, erklärt Rothgeber. Gegessen wird allerdings mit Besteck aus Holz, denn Einweg-Gabeln und Co. aus Plastik sind natürlich tabu. „Da muss man sich dran gewöhnen, aber das ist wohl das kleinste Problem für die Menschen, die hier ankommen.“

Denn die bräuchten angesichts der hinter ihnen liegenden Ereignisse zunächst einmal viel Ruhe und Sicherheit, betont Colshorn, die froh ist, dass „die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten und auch die Hilfe der Bevölkerung so hervorragend klappt“. Das DRK brauche abends nur via sozialer Medien nach Hilfe zu rufen, und „morgens stehen zehn Personen bereit, die anpacken“, dankt Rothgeber.

Bereits Anfang der Woche sind die ersten Flüchtlinge aus Hannover am Kreishaus in Rotenburg angekommen und in Scheeßel sowie auf dem Campus Unterstedt untergebracht worden. Nicht alle Flüchtlinge kommen über den offiziellen Verteilschlüssel in die Landkreise, sondern auch privat. „Die haben wir zunächst nicht erfasst“, sagt Imke Colshorn, aber auch das Thema sei wie so Vieles gerade in der Abstimmung.

Viele ukrainische Kinder werden Betreuungs- und Schulplätze brauchen. Vor allem ersterer Bedarf dürfte bei der bekannten Personalknappheit und ohnehin schon beengter Räume in mancher Kommune ein großes Problem werden. Die Schüler sollen in den Schulen in Deutsch als Zweitsprache unterrichtet werden.

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