Verträge sind unterschrieben
Beachclub am Weichelsee: Strandgold für Rotenburg
Die Verträge sind unterzeichnet: Der Rotenburger Weichelsee bekommt einen Beachclub. Roland Nielebock investiert 1,5 Millionen Euro ins „Strandgold“.
- Beachclub am Weichelsee startet mit erstem Angebot im Sommer.
- Gastro-Location für bis zu 400 Gäste.
- Freier Zugang zum See bleibt erhalten.
Rotenburg – Die Unterschriften unter dem Erbpachtvertrag für die nächsten 99 Jahre sind noch nicht ganz getrocknet, da steht Roland Nielebock am Rotenburger Weichelsee und grinst: „Ich habe richtig Bock.“ Nach mehreren Jahren Planung, nach Rück- und Zuschlägen kann es endlich losgehen für den 35-jährigen Investor, der das Rotenburger Ausflugsziel wiederbeleben möchte. Schon im Sommer geht es los: Rotenburg bekommt „Strandgold“ – den neuen Beachclub am Weichelsee.
Alles ist irgendwie „traurig und liegt brach“, sagt Nielebock, schaut sich um, es nieselt und ist grau. Ein paar Spaziergänger sind unterwegs, auf der nahe gelegenen Bundesstraße hupt jemand. Nielebock wischt mit den Turnschuhen durch den Sand am Weichelsee-Strand. „Der muss auch neu.“ Überhaupt: „Es wird schick gemacht“, verspricht der Unternehmer.
Jahrelang gab es auch öffentlich die Diskussion, was mit dem Weichelsee passiert. Das alte „Strandhouse“ war seit Ende 2018 dicht, drohte zu verfallen. Die Stadt lockte Investoren, der Kirchwalseder Caterer Philipp Landschof erhielt den Zuschlag. 3,5 Millionen Euro wollte er investieren, ein Mammut-Projekt, im Sommer 2020 wird allerdings die Notbremse gezogen. „Corona hat uns eingeholt“, sagt Landschof damals. Es ist Nielebocks zweite Chance. Sein Konzept hat die Stadt auch überzeugt, nun erhält der Scheeßeler den Zuschlag. „Ich habe mir immer gewünscht, dass es klappt“, sagt Nielebock. Auch Landschof habe er es gegönnt – aber nun ist er am Zuge.
Seit Donnerstagvormittag flimmert ein Video der frisch freigeschalteten Strandgold-Accounts durch die sozialen Netzwerke: Ein Drohnen-Flug über das Areal, wo bis Ende 2023 das entstehen soll, was Nielebock jahrelang konzipiert hat. „Heute geht es los“, sagt er. Tatsächlich öffnet der erste Teil des Beachclubs im Sommer seine nicht vorhandenen Türen. 350 000 Euro nimmt Nielebock nach eigenen Angaben in die Hand, um zunächst eine „entspannte Gastronomie“ im Außenbereich aufzubauen. Stationen mit Überseecontainern, Lounges, Sitzplätze. Auch das alte „Strandhouse“ soll mit Betreiber Heiko Broede noch eine Sommersaison lang „würdig in den Ruhestand“ verabschiedet werden, sagt Nielebock. Dann beginnen im kommenden Jahr die großen Umbauarbeiten für das neue Haupthaus. Gastronomie, Eventlocation, Platz für bis zu 400 Gäste – Nielebock verspricht einen neuen „Ausgeh- und Freizeit-Hotspot“ für die Kreisstadt. Der Neubau sei ein idealer Ort für Hochzeiten, Empfänge, Firmenveranstaltungen und Familienfeste aller Art. Mit möglichen Gastro-Partnern sei er bereits im Gespräch. Das „Beach-Village“ werde aber auch mit dem Neubau bleiben, möglicherweise etwas versetzt in Richtung des jetzigen Spielplatzes.
Ich habe richtig Bock.
Ganz wichtig für Nielebock, auch nach der üblichen Miesmacherei nach Bekanntwerden der Pläne: „Der Öffentlichkeit wird nichts versperrt.“ Der Weichelsee-Strand bleibe frei zugänglich, es werde nirgendwo Absperrungen geben für Spaziergänger, Spielplätze und Fitness-Geräte bleiben erhalten. Und auch das, was gar nicht direkt zum Strandgold gehört, soll aufgewertet werden: Wege, Uferbereiche, Parkplätze. Zudem werde das Areal für die Camper besser und komfortabler hergerichtet. Mindestens zehn feste Stellplätze für Wohnmobile werde es geben, ein Sanitärhaus auch mit Toiletten und Außenduschen für die Badegäste ist in Planung.
Der Weichelsee, sagt Nielebock, werde weder privatisiert noch zur dauerlärmenden Party-Location. Natürlich wolle man an Veranstaltungen wie der etablierten „Summer Sensation“ festhalten, aber der Weichelsee diene eben auch der Erholung. Flohmärkte, Weihnachtsmärkte, Sportveranstaltungen – alles sei denkbar. Es gebe genug, was in Rotenburg möglich sei und mitunter noch fehle. Sind die Bauarbeiten wie vorgesehen Ende 2023 abgeschlossen, kalkuliert Nielebock mit einer Gesamtinvestition von 1,5 Millionen Euro.
Für den Scheeßeler ist das Strandgold ein zweites Standbein. „Herzensprojekt“, sagt er selbst, bleibe für ihn und seine Mitstreiter das Ferdinands Feld Festival. Fünf Ausgaben gab es seit 2015 auf dem Rotenburger Flugplatz, 2019 feierten zuletzt mehr als 15 000 Freunde elektronischer Musik zusammen. Dann kam Corona, eine Mini-Ausgabe 2020. Und 2021? „Wir müssen abwägen, was kommt und möglich ist“, sagt Nielebock am Tag, nachdem viele große Festivals wie das Hurricane ihre Ausgaben 2021 gestrichen haben. Aufgeben will er auch bei diesem Projekt noch nicht – Happy End wie beim Strandgold nicht ausgeschlossen.
