Afghanistan-Aufnahmeprogramme

Kein „Plan B“ für die Sicherheit von hunderten Afghanen? „Scheint in der Regierung niemanden zu interessieren“

Karlsruhe hat in Visa-Frage für Afghanen entschieden. Doch entscheidende Fragen seien weiter offen, erklärt Eva Beyer von Kabul Luftbrücke: „Die Zeit läuft davon.“

Berlin – Eine jüngste Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts dürfte in Pakistan wartenden Afghaninnen und Afghanen wohl bald Gewissheit verschaffen – doch die Frage nach Sicherheit bleibt zunächst offen. Es ist nur ein Teilerfolg, den ein afghanischer Richter und seine Familie mit ihrer Verfassungsbeschwerde und einem Eilantrag erzielt haben. Karlsruhe verpflichtete die Bundesrepublik am Donnerstag (4. Dezember) dazu, umgehend über ihre Visaanträge zu entscheiden.

August 2021: Evakuierung am internationalen Flughafen Hamid Karzai in Kabul nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan.

„Die grundlegenden Fragen werden damit leider nicht beantwortet“, sagt Eva Beyer von Kabul Luftbrücke im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media zu der Entscheidung des Verfassungsgerichts. Die Initiative steht in Kontakt mit vielen der Menschen, die in Pakistan auf eine Ausreise nach Deutschland warten. Beyer warnt: Die Zeit drängt und Fragen zur Sicherheit der in Pakistan wartenden Afghaninnen und Afghanen blieben von Seiten der Regierung nach wie vor offen.

Afghanistan-Aufnahmeprogramme: Afghanischer Richter zieht vors Bundesverfassungsgericht

Der ehemalige afghanische Richter und seine Familie hatten im September mit Unterstützung der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) Verfassungsbeschwerde und einen Eilantrag in Karlsruhe eingereicht, um ein vorläufiges Visum zur Einreise nach Deutschland zu erhalten. Dabei hatte er sich auf Vertrauensschutz und das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit berufen. „Die Bedeutung der Verfassungsbeschwerde und des Eilantrags geht über den Einzelfall des Richters und seiner Familie hinaus“, da in Pakistan weitere Afghaninnen und Afghanen „mit ähnlichen Zusagen aus älteren deutschen Aufnahmeprogrammen“ warten, schrieb das Fachmagazin Legal Tribune Online noch vor der Entscheidung.

Nach der Machtübernahme der radikal-islamistischen Taliban in Afghanistan hatte Deutschland besonders gefährdeten Afghaninnen und Afghanen Schutz zugesagt. Aufnahmezusagen über die Menschenrechtsliste und aus dem Überbrückungsprogramm stuft die Regierung nun jedoch als rechtlich nicht verbindlich ein. Wie eine Sprecherin des Innenministeriums gegenüber unserer Redaktion mitteilte, könnten diese rund 650 Menschen in Pakistan nicht mit einer Einreise nach Deutschland rechnen.

Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die komplette Liste in Bildern

Friedrich Merz
Das Kabinett Merz ist die seit dem 6. Mai 2025 amtierende Bundesregierung unter der Führung von Kanzler Friedrich Merz. Es handelt sich um die fünfte schwarz-rote Koalitionsregierung und die 17. Regierung unter Führung der Unionsparteien auf Bundesebene. © Michael Kappeler/dpa
Nina Warken
Nina Warken hat bereits Geschichte geschrieben: Als erste Frau wurde sie im Juli 2026 Chefin des Bundeskanzleramtes. Die bisherige Bundesgesundheitsministerin übernahm das Amt von Thorsten Frei – und damit die zentrale Koordinationsstelle der Regierungsarbeit.  © Christoph Soeder/dpa
Linnemann
Im Zuge des Personalumbaus hat der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Juli 2026 das Gesundheitsressort übernommen. Allerdings hat er vorab selbst Zweifel gesät, dass er wirklich der richtige Mann für den Job ist. Er wäre nach der Regierungsübernahme durch Merz gerne Arbeitsminister geworden, musste das Ressort aber der SPD überlassen. Dem Sender Phoenix hatte er im Mai 2025 zum Interesse an anderen Kabinettsposten gesagt, es sei nicht „sein Ding“, nur Minister zu sein, damit das irgendwo in Wikipedia stehe. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen.“  © Christoph Soeder/dpa
Steffen Bilger
Ebenfalls neu im Kabinett ist der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Er gilt als fachlich geeignet, ist sehr gut vernetzt, arbeitete in der schwarz-roten Koalition bislang aber vor allem im Hintergrund. Der gelernte Rechtsanwalt stammt aus Baden-Württemberg und ist ausgewiesener Verkehrsexperte: Er saß schon als frisch gebackener Bundestagsabgeordneter von 2009 bis 2013 im Verkehrsausschuss. Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Wiederwahl von Angela Merkel (CDU) 2017 war er als Vertreter der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur beteiligt. 2018 wurde er dann Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. © Marijan Murat/dpa
Sommerfest der SPD im Landkreis Verden
Und sonst? Lars Klingbeil ist als Vizekanzler weiter der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Eigentlich brennt er für die Außenpolitik und geprägt durch den familiären Hintergrund als Soldatensohn am Heeresstandort Munster für Verteidigung. Jetzt steht er dem Finanzressort vor. Für Klingbeil, der im konservativen SPD-Flügel zuhause ist, könnte es das Sprungbrett für eine Kanzlerkandidatur 2029 sein - auch wenn manchen in der Partei aufstößt, mit welcher Skrupellosigkeit er sich zuletzt seine Macht sicherte. © Focke Strangmann/dpa
Alexander Dobrindt
Innenminister ist Alexander Dobrindt. Der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag galt schon seit Wochen als gesetzt für den Posten, auf dem er die von der Union verlangte „Migrationswende“ umsetzen soll. Dobrindt war von 2009 bis 2013 CSU-Generalsekretär, danach vier Jahre Bundesverkehrsminister. Als CSU-Landesgruppenchef galt er als wesentlicher Faktor für die relativ geräuschlose Zusammenarbeit von CSU-Chef Markus Söder und Merz. © Sebastian Gollnow/dpa
Außenminister Wadephul bei der UN
Auswärtiges Amt: Johann Wadephul. Erstmals seit fast 60 Jahren führt die CDU wieder das Außenamt. Den Posten hat Merz, der im Kanzleramt maßgeblich auch die Außenpolitik mitgestalten will, nun an einen Fachpolitiker aus dem Bundestag vergeben. Wadephul kommt aus Schleswig-Holstein und ist bisher als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Er gilt als international gut vernetzt und war in den vergangenen Wochen bereits in Paris, London und Warschau, um sich mit den dortigen Außenministern zu treffen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsminister Pistorius besucht Objektschutzregiment
Verteidigungsminister Boris Pistorius war für die SPD gesetzt – schließlich ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Als er im November 2023 „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ für die Bundeswehr ausrief, legte der Niedersachse die Latte hoch. Seit der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse kann er sich über mangelnde Finanzierung nicht mehr beschweren. Der Jurist wurde in Osnabrück geboren, er arbeitete in mehreren niedersächsischen Regierungsstellen und war von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt („das schönste Amt der Welt“). In den zehn folgenden Jahren war er Innenminister von Niedersachsen. 2023 übernahm er das Verteidigungsministerium von Christine Lambrecht und gewann in kurzer Zeit die Anerkennung der Truppe und der Verbündeten. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bundeswirtschaftsministerin Reiche zu Energiekosten
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie ist Katherina Reiche. Lange galt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als wahrscheinlicher Minister – doch der sagte ab und blieb auf seinem Posten an der Spitze der Parteizentrale. Merz entschied sich dann für die frühere Umwelt- und Verkehrsstaatssekretärin Reiche aus Brandenburg. Sie ist seit vielen Jahren in der Wirtschaft und war von 2015 bis 2019 zunächst Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende war schon von 2018 bis 2021 als Staatsministerin für Digitales im Kabinett von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Bär kam 2002 zusammen mit vielen anderen jungen Christsozialen während der Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber erstmals in den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen das deutschlandweit höchste Ergebnis. © Heiko Becker/Imago
Aktionsplan Steuer- und Finanzkriminalität
Justiz: Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin begann 2000 im Bundesjustizministerium und stieg zur Referatsleiterin auf. 2008 ging sie nach Mainz: Erst in die Staatskanzlei, 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Strafrecht im Justizministerium. Hubig wurde 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war damals ihr Parteikollege Heiko Maas. Beide gerieten mit dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range aneinander: Dabei ging es um später eingestellte Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats. © Michael Kappeler/dpa
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Karin Prien – Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die in Amsterdam geborene Prien arbeitete zu Beginn ihrer Karriere als Rechtsanwältin im Bereich Wirtschafts- und Insolvenzrecht, engagierte sich aber auch früh in der Hamburger Lokalpolitik. 2011 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt, bevor sie nach Schleswig-Holstein wechselte. Im „Zukunftsteam“ des gescheiterten Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet war sie 2021 gleichfalls für den Bereich Bildung zuständig. © Jens Schicke/Imago
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bodenständig, geradlinig, klar: Als Bundestagspräsidentin hat sich Bärbel Bas einen guten Ruf erworben. Zuvor war die Duisburgerin einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie sitzt seit 2009 im Bundestag und kümmerte sich unter anderem um Gesundheitspolitik. Ihre unkomplizierte Art mag mit der Herkunft zu tun haben: Die neue Bundesministerin für Arbeit und Soziales wuchs als zweitälteste von sechs Geschwistern in materiell einfachen Verhältnissen auf. Spielen, so erzählte Bas später, musste sie als Kind draußen, weil im Kinderzimmer zu wenig Platz war. © Imago
Pressekonferenz Wildberger und Warken
Digitalisierung und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger. Merz hat ganz früh angekündigt, dass er einen Experten aus der Wirtschaft mit dem neu geschaffenen Ressort betrauen will. Nun soll der Chef der Holding der Elektronikmärkte MediaMarkt und Saturn den Posten übernehmen. Der promovierte Physiker Wildberger war von 2016 bis 2021 Vorstand der Holding des Energiekonzerns Eon und davor unter anderem in Managementpositionen bei den Telekom-Konzernen Vodafone und Deutsche Telekom. © Soeren Stache/dpa
Fortsetzung der Sommerreise von Bundesumweltminister
Umwelt und Klimaschutz: Carsten Schneider war in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz Staatsminister und Beauftragter für Ostdeutschland. Damit war er eine der profiliertesten Stimmen dieser Region und sollte vor allem für gleichwertige Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern sorgen. Schneider stammt aus Erfurt und sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Dort war er unter anderem Haushaltspolitiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Der 49 Jahre alte Bankkaufmann gilt als pragmatisch, erfahren und vielseitig einsetzbar.  © Stefan Sauer/dpa
90. Grüne Woche Berlin - Eröffnungstag
Ernährung, Landwirtschaft und Heimat: Alois Rainer. Nach dem Rückzug des zunächst vorgesehenen bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner ist der Niederbayer zum Zug kommen. Der 60 Jahre alte Metzgermeister sitzt seit 2013 im Bundestag. Schon sein gleichnamiger Vater saß 18 Jahre im Bundestag, seine Schwester ist die ehemalige Bundesbau- und Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt. © Sebastian Gollnow/dpa
Reem Alabali-Radovan
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Reem Alabali-Radovan hat eine steile politische Laufbahn hingelegt. Zuletzt war sie Integrationsbeauftragte der Ampel-Regierung. Nun folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Schwerinerin. Geboren wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie, die vor den politischen Verhältnissen im Irak floh, nach Mecklenburg-Vorpommern. Als Integrationsbeauftragte setzte sie sich unter anderem gegen Racial Profiling ein, also die verdachtsunabhängige polizeiliche Kontrolle von Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe und anderen ethnischen oder religiösen Merkmalen. Alabali-Radovan ist verheiratet mit dem Profiboxer Denis Radovan und bekam 2023 eine Tochter.  © Katharina Kausche/dpa
Verena Hubertz
Die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist eine politische Senkrechtstarterin: Verena Hubertz ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete und wurde direkt stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, zuständig unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen. Oft führte sie in der Ampel-Koalition Verhandlungen mit Politikern von Grünen und FDP, wenn es um strittige Fragen ging. Laute Töne sind nicht ihr Fall. Die Triererin und Betriebswirtin hat eine für Politiker eher ungewöhnliche Biografie. 2013 gründete sie mit einer Studienkollegin das Küchen-Start-up Kitchen Stories. Die Idee: in Videos und Schritt für Schritt zu zeigen, wie einfach Kochen sein kann.  © Kay Nietfeld/dpa
Patrick Schnieder
Bis Juli 2026 war Patrick Schnieder Bundesminister für Verkehr. Verkehr. Merz hat ihn entlassen, weil er mit seiner Amtsführung unzufrieden war – besonders bei den Dauerkrisenherden Schienennetz und Infrastruktur. Die Entlassung Schnieders nach nur gut einem Jahr im Amt stieß in der CDU teilweise auf heftige Kritik. © Sven Kaeuler/dpa
Jens Spahn
Auslöser für den Kabinettsumbau im Juli 2026 war der Rücktritt von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef. Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz nahm den Wechsel an der Fraktionsspitze zum Anlass, die CDU in Regierung und Partei neu aufzustellen. © Michael Kappeler/dpa
Thorsten Frei
Umbau auch in der Union: Thorsten Frei übernahm den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Er war bisher Kanzleramtsminister. Frei steht für eine unverwüstlich wirkende Freundlichkeit, gepaart mit geduldiger Erklärlust. Trotz seiner nach außen getragenen Sanftmütigkeit steht wr inhaltlich für Härte. Die innere Sicherheit und die Begrenzung der Migration zählen zu den Kernthemen des Innenexperten, der als Sohn eines Polizisten in Südbaden aufgewachsen ist. © Michael Kappeler/dpa
Franziska Hoppermann
Für Linnemann wurde Franziska Hoppermann als CDU-Generalsekretärin ins Amt gewählt. Die bisherige Bundesschatzmeisterin gilt als arbeitnehmernah und hat ein starkes Profil in der Frauen Union.  © Christoph Soeder/dpa
Philipp Amthor
Philipp Amthor bekam eine Schlüsselrolle bei der föderalen Zusammenarbeit. Er wurde von Merz zum neuen Staatsminister im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen ernannt, der bisherige Amtsinhaber Michael Meister musste gehen. Amthor war bisher parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium. © Christoph Soeder/dpa
Christiane Schenderlein
Christiane Schenderlein wird Nachfolgerin von Tino Sorge als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Sie war bisher Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt.  © Kay Nietfeld/dpa
Wolfram Weimer
Er bleibt Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer. Er will aber nur für eine Legislaturperiode im Amt bleiben. 2003 war er Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren „FAZ“-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group. © Georg Wendt/dpa

Aufnahme von Afghanen: Dobrindts Ministerium sieht sich nach Karlsruhe-Urteil bestätigt

Hintergrund ist die Art der erteilten Zusage in den unterschiedlichen Aufnahmeprogrammen und die damit zusammenhängende Rechtsgrundlage. Rechtlich gebunden sieht sich die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz nur an jene Zusagen über das Bundesaufnahmeprogramm – zudem sollen Menschen mit Zusagen über das Ortskräfteverfahren aufgenommen, wie die Ministeriumssprecherin gegenüber unserer Redaktion erklärte.

Mit Blick auf Zusagen über Menschenrechtsliste und aus dem Überbrückungsprogramm sieht sich das Innenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) in seiner Annahme, „dass keine rechtsverbindliche Aufnahme für diesen Personenkreis besteht“, nun bestätigt, wie eine Ministeriumssprecherin laut Bericht der Katholischen Nachrichten-Agentur mitteilte. Bezüglich der zeitnahen Entscheidung über die Visa-Anträge sagte sie, nach Zuleitung des Gerichtsbeschlusses „werden wir die notwendigen Schritte einleiten“.

Pakistan droht mit Abschiebungen nach Afghanistan – während Verfahren in Pakistan stillstehen

Das Bundesverfassungsgericht lässt der Regierung nun freie Hand, was die Entscheidung angeht. Doch die Karlsruher Richter wiesen die Bundesregierung an, die Visaanträge des ehemaligen Richters und seiner Familie zu prüfen: Die Entscheidung habe „umgehend“ zu erfolgen, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Beschluss des Zweiten Senats. Die Prüfungsanordnung dürfte sich, wie Beyer erklärt, auch auf jene Verfahren übertragen lassen, die in Pakistan seit Monaten auf Eis liegen.

Mit Blick auf Afghaninnen und Afghanen mit Zusagen über Menschenrechtsliste, aus dem Überbrückungsprogramm, sowie für die Ortskräfte erklärt die Sprecherin des Hilfsvereins Kabul Luftbrücke: „Die Verfahren stehen aktuell komplett still. Es gibt weder Termine für Sicherheitsinterviews und Sicherheitsüberprüfungen in der Deutschen Botschaft noch sonstige Termine.“ Pakistan hat der Bundesregierung bis zum Jahresende Zeit für die Aufnahmeverfahren gegeben – danach sollen erneut Menschen nach Afghanistan abgeschoben werden. Das machte jüngst auch Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif gegenüber der Welt noch einmal deutlich: „Wenn Deutschland sie nicht aufnimmt, dann werden wir sie abschieben. So ist das nun einmal.“

Sprecherin von Kabul Luftbrücke mahnt: „Die Zeit läuft davon“ – Kalkül der Regierung Merz?

Die Regierung zieht das Tempo nun zwar an – jedoch bleiben jene Menschen mit Aufnahmezusagen über die Menschenrechtsliste und aus dem Überbrückungsprogramm dabei auf der Strecke. „Und die Zeit läuft davon“, mahnt Eva Beyer. „Aber das ist auch schon relativ lange so und das ist es auch, was uns so wütend macht: dass das die Bundesregierung scheinbar mit einkalkuliert hat. Was den Leuten passiert, scheint in der Regierung niemanden zu interessieren – aber das könnte noch Konsequenzen haben.“

Eine Verantwortung, den Schutz der Afghaninnen und Afghanen zu sichern, bis die Verfahren abgeschlossen sind, habe die Regierung auch mit der Entscheidung des Verfassungsgerichts nach wie vor, erklärt die Sprecherin der Organisation Kabul Luftbrücke.

Nach Abschiebungen nach Afghanistan: Brandbrief an Merz – Sorge vor Folter und willkürlicher Verhaftung

Mehr als 200 Afghaninnen und Afghanen wurden bereits im Sommer von der pakistanischen Regierung nach Afghanistan zurückgeschickt. Anfang September richteten sie sich in einem Brandbrief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und forderten eine schnelle Ausreise nach Deutschland. Die Gruppe sei durch die Taliban bedroht – zu befürchten seien Entführungen, Folter, willkürliche Verhaftungen und sogar Hinrichtungen, zitierte die Deutschen Presse-Agentur aus dem Brief.

Und auch Jule Klemm von Mission Lifeline warnte im Gespräch mit unserer Redaktion: „Menschen, die sich für demokratische Werte eingesetzt haben, Frauen oder solche, die mit Alliierten zusammengearbeitet haben, werden als Verräter angesehen“ – ein sicheres Leben sei für diese Menschen in Afghanistan nicht mehr möglich. Wie die Regierung die Sicherheit der in Pakistan wartenden Menschen nach Jahresende garantieren will, sei völlig unklar, erklärt Beyer.

Karlsruhe entscheidet in Visa-Frage für Afghanen: Dobrindt ohne „Plan B“ für die Sicherheit?

Anhand der Zahlen der vergangenen Monate hat Kabul Luftbrücke zusammengetragen, dass im Schnitt rund 50 Interviews pro Woche durchgeführt würden. Bei rund 700 Menschen aus verschiedenen Verfahren wurden demnach noch keine Sicherheitsinterviews durchgeführt. „Abzüglich Kinder unter 16 und alten Menschen ü65, die nicht befragt werden, ergibt das schätzungsweise 500 ausstehende Sicherheitsinterviews“, schreibt die Organisation.

Bei 50 Interviews pro Woche wären die Befragungen somit erst im März 2026 abgeschlossen. „Da wäre die Frage an die Bundesregierung, was ist der Plan B? Was passiert mit den Menschen, die eben nicht bis zum 31.12. ausgeflogen werden konnten?“, fragt Beyer. Eine Antwort auf diese Frage lieferte das Innenministerium auf Anfrage unserer Redaktion nicht.

Auch die von Kabul Luftbrücke zusammengetragenen Zahlen bestätigte das Ministerium auf Anfrage nicht und verwies stattdessen auf Verfahrensschritte für Personen aus dem Bundesaufnahmeprogramm für Afghanen und dem Ortskräfteverfahren: „Bis auf wenige Einzelfälle sind die persönlichen Befragungen für diese Fälle abgeschlossen.“ Die Sprecherin erklärte zudem: „Für Personen, die über eine rechtsverbindliche Zusage verfügen und die die Prüfungen positiv durchlaufen haben, erfolgt derzeit die Einreiseplanung. Es ist beabsichtigt, dass der Großteil dieser Personen noch in diesem Jahr nach Deutschland einreist.“

Kabul Luftbrücke: Sicherheitsinterviews mit Afghanen in Pakistan wohl erst im März 2026 abgeschlossen

Die Bundesregierung geht davon aus, dass eine Aufnahme von Afghaninnen und Afghanen mit einer entsprechenden Zusage aus Deutschland auch Anfang kommenden Jahres noch möglich sein wird. Hört man dem pakistanischen Verteidigungsminister im Welt-Gespräch zu, kommen jedoch Zweifel auf: „Wenn Deutschland sie nicht aufnimmt, dann werden wir sie abschieben“, kündigte Asif an.

Worauf sich die Regierung in der Annahme stützt, dass die Aufnahme der Menschen noch Anfang des kommenden Jahres möglich sein wird, bleibt auch auf Nachfrage an das Innenministerium offen. Und auch Kabul Luftbrücke erhält hierzu keine Informationen. „Das ganze System war ja darauf aufgebaut, dass wir als NGOs dazwischen geschaltet sind und die Kommunikation mit den Menschen übernehmen.“ Doch obwohl ursprünglich zugesagt worden sei, die Organisationen mit entsprechenden Informationen zu versorgen, erklärt Beyer: „Wir werden auch total geghostet.“

„Don Dobrindt setzt nach“: Kabul Luftbrücke kritisiert Druck auf Afghanen in Pakistan

Mit Blick auf die wartenden Afghaninnen und Afghanen in Pakistan berichtet sie: „Die Panik ist extrem groß. Und die Familien sitzen da seit vielen Monaten und wissen gar nicht, wie es weitergeht.“ Erst kürzlich hatte die Bundesregierung einem Teil dieser Menschen Geld angeboten, wenn sie aus dem Programm ausscheiden - 62 Menschen sollen das Angebot angenommen haben. Nach Ablaufen der ersten Frist zur Beantwortung richtete sich das Innenministerium in einem weiteren Schreiben an jene, von denen keine Rückmeldung erfolgt war.

In dem zweiten Schreiben forderte die Regierung eine Rückmeldung bis zum 27. November, sonst könnten „ernsthafte Auswirkungen auf Ihren Fall“ folgen. Eine Aufforderung, die wie eine Drohung anmutet, kritisierte Kabul Luftbrücke – die ein Bild des Schreibens auf Instagram postete: „Nachdem seinem unmoralischen Angebot Aufnahmezusagen gegen Geldzahlungen auszutauschen eine klare Absage erteilt wurde, setzt er nun die Daumenschrauben an und setzt die Afghan*innen in Pakistan weiter unter Druck“, heißt es in dem Post mit Blick auf Innenminister Alexander Dobrindt. Dazu: Ein Bild des CSU-Politikers im Stil des Paten: „Don Dobrindt setzt nach.“

Doch auch vonseiten der pakistanischen Regierung wachse der Druck auf die Menschen vor Ort, berichtet Eva Beyer im Gespräch mit unserer Redaktion. Neben Razzien habe die Regierung in Statements dazu aufgerufen „Afghanen zu verpfeifen, wenn Menschen sehen, wo sie wohnen“. Die in Pakistan ausharrenden Afghaninnen und Afghanen seien teils in ihren Zimmern quasi „eingesperrt“: „Und sie haben unfassbare Angst, weil eben keiner weiß, was passiert.“ (Quelle: Eigene Recherche, LTO, dpa, Kabul Luftbrücke) (pav)

Rubriklistenbild: ©  via www.imago-images.de

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