Corona-Regeln in England
Boris Johnsons Regierung will Impfpflicht für medizinisches Personal kassieren
In England sind die meisten Corona-Regeln gefallen, auch von der Impfpflicht für medizinisches Personal nimmt Boris Johnsons Regierung möglicherweise Abstand.
London – Die britische Regierung um Premierminister Boris Johnson geht in der Pandemiebekämpfung einen Sonderweg – das gilt nicht nur für ihre eigenen schweren Fehler im Umgang mit den Corona-Regeln, die Ermittlerin Sue Gray jetzt aufdeckte. Auch die Abschaffung nahezu aller Corona-Regeln sorgte kürzlich für Aufsehen. Boris Johnsons Regierung bleibt ihrem zuletzt eingeschlagenen Kurs in der Corona-Politik treu und bewertet die Frage nach einer Impfpflicht für medizinisches Personal neu.
Boris Johnsons Regierung kassiert möglicherweise Impfpflicht für medizinisches Personal
In Deutschland werden aktuell Forderungen laut, die einrichtungsbezogene Impfpflicht im Gesundheitssektor aufzuschieben. Auch in England war eine Impfpflicht für medizinisches Personal geplant. Nach Berichten der dpa könnten diese Pläne bald der Vergangenheit angehören, Boris Johnson Regierung plant die Corona-Regel zu ändern – eine der letzten verbliebenen. Gesundheitsminister Sajid Javid hatte am Montag, dem 31.01.2022 erklärt, die Pläne neu zu bewerten. Dazu sollen Daten der medizinischen Behörden ausgewertet werden. Javid ließ bereits durchklingen, er hielte die Impfpflicht nicht mehr für zwingend notwendig.
Die Pläne hatten ursprünglich vorgesehen, dass Pflegekräfte ab dem ersten April eine Zweitimpfung nachweisen müssen. Das Zurückrudern in der Frage um die Impfpflicht im medizinischen Sektor wird von der britischen Regierung mit den offensichtlich milderen Verläufen der Omikron-Variante begründet. Die Impfpflicht im Gesundheitssektor war in Anbetracht der Delta-Variante geplant worden.
Rücktritt Boris Johnsons kein Thema für den britischen Premierminister – dafür eine Reihe populistischer Änderungen der Corona-Regeln in Großbritannien
Die britische Regierung hatte erst kürzlich nahezu alle Corona-Regeln abgeschafft. Boris Johnson und seine Regierung führen den Weg populistischer Maßnahmen fort, dazu gehört die mögliche Abschaffung der Impfpflicht für medizinisches Personal. Mit den Maßnahmen versucht der britische Premierminister auch seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Durch den Partygate-Skandal ist der Regierungschef angezählt, ihm droht nach wie vor der Tory-Putsch. Mit dem Kassieren der Impfpflicht würde die Regierung den Forderungen vieler Torys nachgeben – Johnson braucht ihre Unterstützung.
Der umstrittene Premierminister weigert sich nach wie vor, zurückzutreten. Populäre Maßnahmen in der Corona-Pandemie sollen ihn zumindest in der Gunst der Bevölkerung steigen lassen. Der Unmut über das Regierungsoberhaupt war zuletzt drastisch gewachsen. Nach der Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse zu unerlaubten Feiern während des Lockdowns hatte Johnson sich kurzfristig etwas kleinlauter gegeben und sich für seinen Umgang mit den Partygate-Vorwürfen entschuldigt.
Boris Johnson und Corona in England: Künftig zählen auch Mehrfachinfektionen mit dem Corona-Virus
Während Boris Johnson versucht, sich und seine Haut zu retten, steigen die Infektionszahlen in England. Dass die Statistiken mehr Infektionen mit dem Corona-Virus ausweisen, hat auch damit zu tun, dass in offiziellen Zählungen jetzt anders berechnet wird als bisher. Zuvor waren Mehrfachinfektionen in Schottland, England und Nordirland nicht mitgezählt worden, in Wales nur, wenn sie 42 Tage auseinander lagen. Die meisten Menschen, die sich in Großbritannien mehrfach infizierten, wurden also, mit Ausnahme einiger Waliserinnen und Waliser, nur einmal gezählt.
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Auch in Niedersachsen gab es zuletzt weniger Impfungen und mehr Infektionen. In Deutschland ist die Diskussion der Politik über die Impfpflicht in vollem Gange. Boris Johnsons Sonderweg in der Corona-Pandemie wird mit Spannung beobachtet, auch aus Deutschland. Der Grünen Gesundheitsexperte Janosch Dahmen hält Lockerungen der Corona-Regeln in den nächsten vier Wochen hier hingegen für „eher unrealistisch“. Ihre nahezu gänzliche Abschaffung, wie in England, kann sich aktuell kaum einer vorstellen.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
Rubriklistenbild: © Peter Cziborra | dpa
