CDU trifft sich in Stuttgart

90-Prozent-Hürde oder Kanzler-Blamage: Merz muss um gutes Ergebnis bei Wiederwahl auf Parteitag zittern

Zum ersten Mal stellt sich Friedrich Merz als Kanzler zur Wiederwahl für das Amt des Parteichefs. Intern gibt es Unmut. Das Ergebnis wird mit Spannung erwartet.

Es ist der nächste Stimmungstest für den Bundeskanzler. Zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt stellt sich der Sauerländer der Wiederwahl für das Amt des CDU-Parteichefs. Das Ergebnis auf dem CDU-Parteitag könnte wegweisend sein. Denn: Intern gibt es Unmut über Schwarz-Rot. Merz will deshalb in den eigenen Reihen für seinen Reformkurs werben. „Ich kenne natürlich auch manche Unzufriedenheit, auch manche Kritik“, räumte der CDU-Chef beim traditionellen Rundgang durch die Parteitagshalle auf die Frage einer Journalistin ein.

Bundeskanzler Friedrich Merz spricht beim CDU-Bundesparteitag. Die CDU wählt ihre Führungsgremien neu. Für den Vorsitz tritt zum dritten Mal in Folge Kanzler Friedrich Merz als einziger Kandidat an.

„Das ist in einer Demokratie im Übrigen auch einigermaßen normal, dass nicht alle gleich zufrieden sind“, fügte Merz vor dem CDU-Parteitag hinzu. Er ergänzte: „Aber ich werde versuchen, den Weg aufzuzeigen, auf dem wir sind.“ Er gehe von guter Stimmung unter den 1.001 Delegierten aus, sagte Merz. Die CDU werde sich aber „auch mit den Herausforderungen zu beschäftigen haben, vor denen wir stehen – innenpolitisch, außenpolitisch, wirtschaftspolitisch, sozialpolitisch“. Das Ergebnis für Merz auf dem CDU-Parteitag wird schlussendlich zeigen: Gibt die Partei dem Kanzler Rückenwind – oder verpasst sie dem Parteichef einen Dämpfer?

Merz-Ergebnis bei Parteitag: Kanzler wegen Regierungsarbeit mit Stimmungstest konfrontiert

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann zeigte sich überzeugt, dass sich die Delegierten bei der ersten Wiederwahl von Merz zum CDU-Chef in dessen Zeit als Kanzler breit hinter den Vorsitzenden stellen. „Wir werden ihm den Rücken stärken in unglaublich schwierigen Zeiten“, sagte der Politiker mit Blick auf den CDU-Parteitag und das mögliche Ergebnis für Merz. Andere Stimmen sind hingegen deutlich kritischer: „Die Zeiten, in denen die CDU auf einem Parteitag immer nur Dinge beschlossen hat, die die Regierung sowieso machen wollte, sind vorbei. Wir sind kein Kanzlerwahlverein mehr“, sagte der Vorsitzende der Jungen Gruppe in der Unionsfraktion im Bundestag, Pascal Reddig, gegenüber der Zeit.

1001 Delegierte kommen ab Freitagvormittag in der Stuttgarter Messe zum 38. CDU-Parteitag zusammen. Bei dem Treffen unter dem Motto „Verantwortung verpflichtet“ wird zunächst der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, Manuel Hagel, ein Grußwort sprechen. Die CDU Deutschlands sei vor dem Treffen „so geschlossen und entschlossen“ wie lange nicht, betonte Hagel. „Beweis“ dafür sei, dass alle noch lebenden ehemaligen Parteivorsitzenden zu Gast sein würden, einschließlich Ex-Kanzlerin Angela Merkel, die Merz immer kritisch gegenüberstand.

Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die komplette Liste in Bildern

Friedrich Merz
Das Kabinett Merz ist die seit dem 6. Mai 2025 amtierende Bundesregierung unter der Führung von Kanzler Friedrich Merz. Es handelt sich um die fünfte schwarz-rote Koalitionsregierung und die 17. Regierung unter Führung der Unionsparteien auf Bundesebene. © Michael Kappeler/dpa
Nina Warken
Nina Warken hat bereits Geschichte geschrieben: Als erste Frau wurde sie im Juli 2026 Chefin des Bundeskanzleramtes. Die bisherige Bundesgesundheitsministerin übernahm das Amt von Thorsten Frei – und damit die zentrale Koordinationsstelle der Regierungsarbeit.  © Christoph Soeder/dpa
Linnemann
Im Zuge des Personalumbaus hat der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Juli 2026 das Gesundheitsressort übernommen. Allerdings hat er vorab selbst Zweifel gesät, dass er wirklich der richtige Mann für den Job ist. Er wäre nach der Regierungsübernahme durch Merz gerne Arbeitsminister geworden, musste das Ressort aber der SPD überlassen. Dem Sender Phoenix hatte er im Mai 2025 zum Interesse an anderen Kabinettsposten gesagt, es sei nicht „sein Ding“, nur Minister zu sein, damit das irgendwo in Wikipedia stehe. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen.“  © Christoph Soeder/dpa
Steffen Bilger
Ebenfalls neu im Kabinett ist der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Er gilt als fachlich geeignet, ist sehr gut vernetzt, arbeitete in der schwarz-roten Koalition bislang aber vor allem im Hintergrund. Der gelernte Rechtsanwalt stammt aus Baden-Württemberg und ist ausgewiesener Verkehrsexperte: Er saß schon als frisch gebackener Bundestagsabgeordneter von 2009 bis 2013 im Verkehrsausschuss. Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Wiederwahl von Angela Merkel (CDU) 2017 war er als Vertreter der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur beteiligt. 2018 wurde er dann Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. © Marijan Murat/dpa
Sommerfest der SPD im Landkreis Verden
Und sonst? Lars Klingbeil ist als Vizekanzler weiter der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Eigentlich brennt er für die Außenpolitik und geprägt durch den familiären Hintergrund als Soldatensohn am Heeresstandort Munster für Verteidigung. Jetzt steht er dem Finanzressort vor. Für Klingbeil, der im konservativen SPD-Flügel zuhause ist, könnte es das Sprungbrett für eine Kanzlerkandidatur 2029 sein - auch wenn manchen in der Partei aufstößt, mit welcher Skrupellosigkeit er sich zuletzt seine Macht sicherte. © Focke Strangmann/dpa
Alexander Dobrindt
Innenminister ist Alexander Dobrindt. Der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag galt schon seit Wochen als gesetzt für den Posten, auf dem er die von der Union verlangte „Migrationswende“ umsetzen soll. Dobrindt war von 2009 bis 2013 CSU-Generalsekretär, danach vier Jahre Bundesverkehrsminister. Als CSU-Landesgruppenchef galt er als wesentlicher Faktor für die relativ geräuschlose Zusammenarbeit von CSU-Chef Markus Söder und Merz. © Sebastian Gollnow/dpa
Außenminister Wadephul bei der UN
Auswärtiges Amt: Johann Wadephul. Erstmals seit fast 60 Jahren führt die CDU wieder das Außenamt. Den Posten hat Merz, der im Kanzleramt maßgeblich auch die Außenpolitik mitgestalten will, nun an einen Fachpolitiker aus dem Bundestag vergeben. Wadephul kommt aus Schleswig-Holstein und ist bisher als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Er gilt als international gut vernetzt und war in den vergangenen Wochen bereits in Paris, London und Warschau, um sich mit den dortigen Außenministern zu treffen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsminister Pistorius besucht Objektschutzregiment
Verteidigungsminister Boris Pistorius war für die SPD gesetzt – schließlich ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Als er im November 2023 „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ für die Bundeswehr ausrief, legte der Niedersachse die Latte hoch. Seit der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse kann er sich über mangelnde Finanzierung nicht mehr beschweren. Der Jurist wurde in Osnabrück geboren, er arbeitete in mehreren niedersächsischen Regierungsstellen und war von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt („das schönste Amt der Welt“). In den zehn folgenden Jahren war er Innenminister von Niedersachsen. 2023 übernahm er das Verteidigungsministerium von Christine Lambrecht und gewann in kurzer Zeit die Anerkennung der Truppe und der Verbündeten. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bundeswirtschaftsministerin Reiche zu Energiekosten
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie ist Katherina Reiche. Lange galt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als wahrscheinlicher Minister – doch der sagte ab und blieb auf seinem Posten an der Spitze der Parteizentrale. Merz entschied sich dann für die frühere Umwelt- und Verkehrsstaatssekretärin Reiche aus Brandenburg. Sie ist seit vielen Jahren in der Wirtschaft und war von 2015 bis 2019 zunächst Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende war schon von 2018 bis 2021 als Staatsministerin für Digitales im Kabinett von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Bär kam 2002 zusammen mit vielen anderen jungen Christsozialen während der Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber erstmals in den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen das deutschlandweit höchste Ergebnis. © Heiko Becker/Imago
Aktionsplan Steuer- und Finanzkriminalität
Justiz: Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin begann 2000 im Bundesjustizministerium und stieg zur Referatsleiterin auf. 2008 ging sie nach Mainz: Erst in die Staatskanzlei, 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Strafrecht im Justizministerium. Hubig wurde 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war damals ihr Parteikollege Heiko Maas. Beide gerieten mit dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range aneinander: Dabei ging es um später eingestellte Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats. © Michael Kappeler/dpa
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Karin Prien – Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die in Amsterdam geborene Prien arbeitete zu Beginn ihrer Karriere als Rechtsanwältin im Bereich Wirtschafts- und Insolvenzrecht, engagierte sich aber auch früh in der Hamburger Lokalpolitik. 2011 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt, bevor sie nach Schleswig-Holstein wechselte. Im „Zukunftsteam“ des gescheiterten Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet war sie 2021 gleichfalls für den Bereich Bildung zuständig. © Jens Schicke/Imago
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bodenständig, geradlinig, klar: Als Bundestagspräsidentin hat sich Bärbel Bas einen guten Ruf erworben. Zuvor war die Duisburgerin einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie sitzt seit 2009 im Bundestag und kümmerte sich unter anderem um Gesundheitspolitik. Ihre unkomplizierte Art mag mit der Herkunft zu tun haben: Die neue Bundesministerin für Arbeit und Soziales wuchs als zweitälteste von sechs Geschwistern in materiell einfachen Verhältnissen auf. Spielen, so erzählte Bas später, musste sie als Kind draußen, weil im Kinderzimmer zu wenig Platz war. © Imago
Pressekonferenz Wildberger und Warken
Digitalisierung und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger. Merz hat ganz früh angekündigt, dass er einen Experten aus der Wirtschaft mit dem neu geschaffenen Ressort betrauen will. Nun soll der Chef der Holding der Elektronikmärkte MediaMarkt und Saturn den Posten übernehmen. Der promovierte Physiker Wildberger war von 2016 bis 2021 Vorstand der Holding des Energiekonzerns Eon und davor unter anderem in Managementpositionen bei den Telekom-Konzernen Vodafone und Deutsche Telekom. © Soeren Stache/dpa
Fortsetzung der Sommerreise von Bundesumweltminister
Umwelt und Klimaschutz: Carsten Schneider war in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz Staatsminister und Beauftragter für Ostdeutschland. Damit war er eine der profiliertesten Stimmen dieser Region und sollte vor allem für gleichwertige Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern sorgen. Schneider stammt aus Erfurt und sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Dort war er unter anderem Haushaltspolitiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Der 49 Jahre alte Bankkaufmann gilt als pragmatisch, erfahren und vielseitig einsetzbar.  © Stefan Sauer/dpa
90. Grüne Woche Berlin - Eröffnungstag
Ernährung, Landwirtschaft und Heimat: Alois Rainer. Nach dem Rückzug des zunächst vorgesehenen bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner ist der Niederbayer zum Zug kommen. Der 60 Jahre alte Metzgermeister sitzt seit 2013 im Bundestag. Schon sein gleichnamiger Vater saß 18 Jahre im Bundestag, seine Schwester ist die ehemalige Bundesbau- und Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt. © Sebastian Gollnow/dpa
Reem Alabali-Radovan
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Reem Alabali-Radovan hat eine steile politische Laufbahn hingelegt. Zuletzt war sie Integrationsbeauftragte der Ampel-Regierung. Nun folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Schwerinerin. Geboren wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie, die vor den politischen Verhältnissen im Irak floh, nach Mecklenburg-Vorpommern. Als Integrationsbeauftragte setzte sie sich unter anderem gegen Racial Profiling ein, also die verdachtsunabhängige polizeiliche Kontrolle von Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe und anderen ethnischen oder religiösen Merkmalen. Alabali-Radovan ist verheiratet mit dem Profiboxer Denis Radovan und bekam 2023 eine Tochter.  © Katharina Kausche/dpa
Verena Hubertz
Die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist eine politische Senkrechtstarterin: Verena Hubertz ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete und wurde direkt stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, zuständig unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen. Oft führte sie in der Ampel-Koalition Verhandlungen mit Politikern von Grünen und FDP, wenn es um strittige Fragen ging. Laute Töne sind nicht ihr Fall. Die Triererin und Betriebswirtin hat eine für Politiker eher ungewöhnliche Biografie. 2013 gründete sie mit einer Studienkollegin das Küchen-Start-up Kitchen Stories. Die Idee: in Videos und Schritt für Schritt zu zeigen, wie einfach Kochen sein kann.  © Kay Nietfeld/dpa
Patrick Schnieder
Bis Juli 2026 war Patrick Schnieder Bundesminister für Verkehr. Verkehr. Merz hat ihn entlassen, weil er mit seiner Amtsführung unzufrieden war – besonders bei den Dauerkrisenherden Schienennetz und Infrastruktur. Die Entlassung Schnieders nach nur gut einem Jahr im Amt stieß in der CDU teilweise auf heftige Kritik. © Sven Kaeuler/dpa
Jens Spahn
Auslöser für den Kabinettsumbau im Juli 2026 war der Rücktritt von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef. Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz nahm den Wechsel an der Fraktionsspitze zum Anlass, die CDU in Regierung und Partei neu aufzustellen. © Michael Kappeler/dpa
Thorsten Frei
Umbau auch in der Union: Thorsten Frei übernahm den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Er war bisher Kanzleramtsminister. Frei steht für eine unverwüstlich wirkende Freundlichkeit, gepaart mit geduldiger Erklärlust. Trotz seiner nach außen getragenen Sanftmütigkeit steht wr inhaltlich für Härte. Die innere Sicherheit und die Begrenzung der Migration zählen zu den Kernthemen des Innenexperten, der als Sohn eines Polizisten in Südbaden aufgewachsen ist. © Michael Kappeler/dpa
Franziska Hoppermann
Für Linnemann wurde Franziska Hoppermann als CDU-Generalsekretärin ins Amt gewählt. Die bisherige Bundesschatzmeisterin gilt als arbeitnehmernah und hat ein starkes Profil in der Frauen Union.  © Christoph Soeder/dpa
Philipp Amthor
Philipp Amthor bekam eine Schlüsselrolle bei der föderalen Zusammenarbeit. Er wurde von Merz zum neuen Staatsminister im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen ernannt, der bisherige Amtsinhaber Michael Meister musste gehen. Amthor war bisher parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium. © Christoph Soeder/dpa
Christiane Schenderlein
Christiane Schenderlein wird Nachfolgerin von Tino Sorge als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Sie war bisher Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt.  © Kay Nietfeld/dpa
Wolfram Weimer
Er bleibt Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer. Er will aber nur für eine Legislaturperiode im Amt bleiben. 2003 war er Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren „FAZ“-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group. © Georg Wendt/dpa

Die Delegierten haben über mehr als 280 Sachanträge zu entscheiden – das Themenspektrum reicht von einer Altersbegrenzung für die Nutzung sozialer Medien durch Kinder und Jugendliche über Maßnahmen zur Stärkung des Wohnungsmarkts bis hin zu einer Reform des erst kürzlich eingeführten freiwilligen Wehrdienstes. Auch die angekündigten Sozialreformen nehmen einen zentralen Stellenwert ein. Ein kurz vor dem Parteitag eingebrachter Initiativantrag zielt darauf ab, den SPD-Vorstoß zur Erhebung von Sozialversicherungsbeiträgen auf Kapitalerträge und Mieteinnahmen abzulehnen.

Über diesen und weitere Initiativanträge muss zunächst am Freitagabend die Antragskommission beraten, bevor am Samstag darüber abgestimmt werden könnte. Der Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, übte am Freitag erneut Kritik an der aus seiner Sicht unkontrollierten parteiinternen Debatte über die Sozialstaatsreform. „Die Diskussionen der letzten drei Wochen haben uns auch in der öffentlichen Wahrnehmung nicht genutzt, ganz im Gegenteil“, sagte Radtke im Bayerischen Rundfunk.

Merz-Ergebnis bei Wahl des Parteichefs: Was Mitglieder von der Führung erwartet

Zum CDU-Parteitag wird auch Altkanzlerin Angela Merkel erwartet. Innerhalb weniger Jahre haben sich die Christdemokraten deutlich vom Kurs der ehemaligen Parteivorsitzenden entfernt. Die Tagesschau attestiert der Partei, inzwischen generalüberholt zu sein: weniger Mitte, weniger Merkel – dafür mehr Merz. Der Kanzler war 2022 bei einem Online-Parteitag mit einem Ergebnis von 94,6 Prozent zum Parteichef gewählt worden, später bestätigte eine Briefwahl ihn im Amt. 2024 kam er auf 89,8 Prozent. Spannend wird, ob Merz beim Parteitag ein ähnliches Ergebnis gelingt.

Was Parteimitglieder von ihrer Führung erwarten, hat der Trierer Politikwissenschaftler Marius Minas in einer bislang unveröffentlichten Studie untersucht – und dabei rund 22.000 Mitglieder von CDU, SPD und Grünen befragt. FDP, Linke und AfD hatten auf Nachfragen nicht reagiert. Die Untersuchung lag dem ARD-Hauptstadtstudio vorab vor. Integrität und Ehrlichkeit landen parteiübergreifend auf den Spitzenplätzen der Wunschliste, Fernseh- oder Social-Media-Tauglichkeit dagegen weit hinten. Den Idealtyp nennt Minas den „Vertrauensanker“ – eine Person, die durch Empathie, Bürgernähe und einen moderierenden Stil überzeugt, nicht durch Dominanz.

Besonders interessant wird die Studie beim Blick auf Friedrich Merz, der beim bevorstehenden CDU-Parteitag als Vorsitzender bestätigt werden will. Die eigenen Mitglieder sehen in ihm eher den „smarten Kommandeur“: intelligent, entschlossen, ehrgeizig – aber wenig bürgernah und kaum empathisch. Aufschlussreich ist eine Leerstelle in der Befragung: Die Frage nach einer möglichen CDU-Doppelspitze wurde auf Betreiben der Bundesgeschäftsführung schlicht aus dem Fragebogen gestrichen – „Für die CDU-Mitglieder wurde in Absprache mit der Bundesgeschäftsführung auf diese Frage verzichtet“, schreibt der Forscher. Die Studie hat nicht ermittelt, welche Art von Parteichef oder -chefin bevorzugt wird.

Umfrage zeigt Wunsch nach Merkel-Kurs: Merz-Ergebnis bei Parteitag im Schatten der Regierungsarbeit

Denn zuletzt zeigte sich einmal mehr, dass der Kanzler aufgrund der angespannten Weltlage weniger Zeit für Partei-Interna hatte: US-Präsident Donald Trump rasselte gewaltig mit dem Zoll-Säbel, Wladimir Putin setzt unbeirrt den Ukraine-Krieg fort. Doch nicht nur auf der Weltbühne ist die Lage rauer geworden, auch in Deutschland steht die Regierung vor einem gewaltigen Problemberg. Die Wirtschaft schwächelt weiter und die Herausforderungen für den Sozialstaat werden immer größer.

Eine aktuelle Umfrage von Forsa für den Stern bescherte Merz wenige Tage vor dem Parteitag einen zusätzlichen Dämpfer. Die CDU wäre bei Wahlen mit einem Mitte-Kurs wie zu Zeiten Angela Merkels erfolgreicher. Das sagen 54 Prozent der Bürger in der Befragung. Die Daten der repräsentativen Umfrage wurden am 12. und 13. Februar erhoben. Insgesamt wurden 1001 Menschen befragt. Demnach stehen CDU/CSU-Wähler zu 60 Prozent an der Seite von Merz. Nur 34 Prozent bevorzugen einen Merkel-Kurs.

Angesichts der Kritik und der Herausforderungen für seine Regierung kündigte Merz am Donnerstag an: „Wir haben viel geschafft, aber wir haben auch noch viel zu tun, und das wird auch meine Botschaft morgen sein. Wir sind auf einem Weg, aber wir sind noch längst nicht am Ziel.“ Er werde versuchen, dies den Delegierten bei seiner Rede am Freitag zu vermitteln. An anderer Stelle gab sich der Kanzler hingegen selbstkritischer: „Es hat eine Erwartungshaltung gegeben nach der Bundestagswahl, die wir nicht erfüllen konnten“, räumte er im Podcast Machtwechsel ein. „Wir würden heute im Wiederholungsfall das Erwartungsmanagement ein bisschen anders machen.“

Ewige Rivalen: Ergebnisse von Merz und Merkel im Vergleich

JahrErgebnis
200095,94 Prozent (Merkel)
200293,92 Prozent (Merkel)
200488,41 Prozent (Merkel)
200693.06 Prozent (Merkel)
200894,83 Prozent (Merkel)
201090.4 Prozent (Merkel)
201297,94 Prozent (Merkel)
201496,72 Prozent (Merkel)
201689,5 Prozent (Merkel)
202262,1 Prozent (Merz, Wahl gegen Röttgen und Braun)
202489,8 Prozent (Merz)

Merz-Ergebnis auf CDU-Parteitag: Vergleich zu Söder und Merkel

Laut Deutschlandfunk glauben inzwischen viele in der CDU, dass Merz beim Parteitag nicht an frühere Ergebnisse bei der Wiederwahl als Parteichef herankommen wird, und verweisen auf den holprigen Start der Regierung. Allerdings könnten auch die kommenden Landtagswahlen für Geschlossenheit in den Reihen der Christdemokraten sorgen – und Merz ein solides Ergebnis bescheren. Wichtige Marke bei der Wiederwahl als Parteichef ist das Ergebnis von CSU-Chef Markus Söder. Der bayerische Ministerpräsident kam im Dezember auf 83,6 Prozent.

Sollte das Ergebnis auf dem Parteitag für Merz am Ende schlechter sein als 88,4 Prozent, könnte dies zudem für den Kanzler zur persönlichen Schmach werden. Merkel, seine unliebsame Gegnerin, kam 2004 auf diesen Wert. 2016 wurde bei ihr angesichts eines Ergebnisses von 89,5 Prozent bereits über einen möglichen Dämpfer spekuliert – und auf möglichen innerparteilichen Unmut verwiesen. Auch Merz sieht sich diesem Problem ausgesetzt: Der CDU-Wirtschaftsflügel will Arbeitnehmer in die Pflicht nehmen. Die Debatte um „Lifestyle-Teilzeit“ sorgte zuletzt für Aufsehen. Auf der anderen Seite steht der Sozialflügel mit eigenen Forderungen. (Quellen: dpa, afp, Stern, Deutschlandfunk, Tagesschau) (fbu)

Rubriklistenbild: © Katharina Kausche/dpa

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