Grünen-Vorsitzkandidatin
Hartz IV: Gegen Misstrauen – Ricarda Lang für Reform der Jobcenter
Hartz IV soll durch ein Bürgergeld ersetzt werden. Ricarda Lang reicht das nicht. Sie fordert eine Reform der Jobcenter, damit Menschen wieder besser Arbeit finden.
Berlin – Es gehe darum, Hartz IV zu überwinden. Die Grünen-Vorsitzkandidatin Ricarda Lang hat sich dafür ausgesprochen, dass eine Reform der Jobcenter dringend nötig sei. „Das bisherige System beruht eher auf Misstrauen und nicht darauf, Menschen zu befähigen, eine Arbeit zu finden. Das muss sich ändern“, kritisierte sie gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Für die Ampel-Regierung von Kanzler Scholz (SPD) stellt Hartz IV ein wichtiges Thema in der laufenden Legislatur dar: So soll Hartz 4 durch das Bürgergeld ersetzt werden. Federführend ist hierbei Hubertus Heil (SPD), der auch gegen die Langzeitarbeitslosigkeit vorgehen will.
| Mitglied des Deutschen Bundestages: | Ricarda Lang |
| Geboren: | 17. Januar 1994 (Alter 28 Jahre), Filderstadt |
| Partei: | Bündnis 90/Die Grünen |
| Ausbildung: | Universität Heidelberg, Humboldt-Universität zu Berlin, Hölderlin-Gymnasium Nürtingen |
Hartz IV: Ricarda Lang kritisiert gegenwärtiges System der Jobcenter der Agentur für Arbeit
Das gegenwärtige System der Vermittlung in den Jobcenter der Agentur für Arbeit stößt bei Ricarda Lang, die sich auch für eine Impfpflicht starkmacht, auf besonders große Kritik: Ihrer Ansicht nach müsste die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt im Vordergrund stehen: „Gleichzeitig geht es darum, die Jobcenter so zu reformieren, dass die Mitarbeiter dort die Zeit haben, Menschen dabei zu helfen, in Arbeit zu kommen, neue Fähigkeiten zu erlernen oder bestehende auszubauen“, sagte sie der dpa. Zudem müsse die Grundsicherung das Existenzminimum sichern und Teilhabe ermöglichen, so die Grünen-Politikerin.
Mehr soziale Gerechtigkeit und Teilhabe für Bürger in Deutschland – die Pläne der Ampel waren schon im Koalitionsvertrag ambitioniert. Knapp zwei Monate nach dem Start der neuen Regierung sollen die Vorhaben in die Tat umgesetzt werden. Während Hubertus Heil ankündigte, dass die Reform von Hartz IV zum Bürgergeld im großen Stil in diesem Jahr anlaufen werde, stieg der Regelsatz bei Hartz IV zum Januar 2022 um wenige Euro – für viele Leistungsempfänger stellen die steigenden Energiekosten allerdings weiterhin ein großes Problem dar. Heil kündigte indes einen höheren Mindestlohn an.
Bürgergeld statt Hartz IV: Andrea Nahles soll Agentur für Arbeit übernehmen und Reform umsetzen
Bürgergeld statt Hartz IV: Die Reform von Hartz 4 wird künftig nicht nur die Regierung von Kanzler Olaf Scholz und das Ministerium von Hubertus Heil beschäftigen. Die Agentur für Arbeit, Deutschlands größte Behörde, ist angehalten, die Einführung des Bürgergelds federführend umzusetzen. Zudem steht die Bewältigung der Corona-Pandemie als zentrale Aufgabe an. Die Ampel-Koalition will, dass der Bundesagentur eine stärkere Rolle bei der Qualifizierung und dazugehöriger Beratung zukommt. Für die kommenden Aufgaben hat die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Deutsche Gewerkschaftsbund am Dienstag Andrea Nahles (SPD) als neue Chefin der Agentur für Arbeit vorgeschlagen.
Lage von Empfängern von Hartz IV während Corona schwierig – Linke fordern Corona-Bonus
Besonders während der Corona-Pandemie ist die Lage für viele Empfänger von Hartz IV prekär: Die Jobsuche kann nur erschwert stattfinden, Jobcenter arbeiten wegen der Schutzmaßnahmen nur eingeschränkt und die Inflation treibt die Preise in die Höhe. Während einigen Arbeitnehmern mit einem Corona-Bonus von ihren Arbeitgebern in Aussicht gestellt wird, gingen Hartz-IV-Empfänger leer aus. Die Linke forderte aus diesem Grund zuletzt einen Corona-Bonus in Höhe von 100 Euro für Leistungsempfänger.
Kritik an der gegenwärtigen Situation von Hartz-4-Empfängern äußert nicht nur Ricarda Land: Während der Regelsatz bei Hartz IV zum Jahresanfang 2022 um drei Euro stieg, halten Experten diesen Anstieg nicht zuletzt wegen der hohen Gaspreise und Strompreise in Deutschland für viel zu gering. Die Paritätische Forschungsstelle forderte aus diesem Grund zuletzt einen deutlichen Anstieg des Regelsatzes. Ihrer Ansicht nach müsste dieser mindestens 678 Euro betragen – derzeit liegt der Hartz-IV-Satz bei 449 Euro. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.