Gestörtes Vertrauensverhältnis?

Merz‘ Regierung unter Zeitdruck: „Ohne Bürgergeld-Reform kein Weihnachtsfrieden für die Koalition“

Beim Bürgergeld gibt es bei CDU/CSU und SPD noch Klärungsbedarf. Politikberater Johannes Hillje warnt nach dem Renten-Streit vor weiterem „Showdown-Regieren“.

Berlin – Geht es von dem Streit um das Renten-Paket gleich weiter mit einer Debatte um die Bürgergeld-Reform? Die Koalitionsspitzen weisen den Anschein größerer Unstimmigkeiten zwar von sich. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach am Donnerstag noch von wenigen Fragen, die nun „im guten Einvernehmen geklärt“ würden. Das sei ein völlig normaler Prozess, beteuerte. Doch mit der neuen Grundsicherung, wie das Bürgergeld bald heißen soll, sollte es jetzt jedoch besser schnell gehen, glaubt der Politikberater Johannes Hillje: „Ohne Bürgergeld-Reform kein Weihnachtsfrieden für die Koalition“, sagt er zur Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA.

Bundeskanzler Friedrich Merz, Finanzminister Lars Klingbeil, CSU-Chef Markus Söder und Arbeitsministerin Bärbel Bas nach dem Koalitionsausschuss.

Eigentlich hätte sich das Bundeskabinett bereits am Mittwoch (10. Dezember) mit dem Bürgergeld befassen sollen. Widerstand zweier unionsgeführter Ministerium durchkreuzte das Vorhaben. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Innenminister Alexander Dobrindt hatten Bedenken angemeldet – der Kabinettsbeschluss wurde vertagt. Arbeitsministerin Bärbel Bas zeigte sich verwundert. Die Details seien in der Koalition „auf Spitzenebene verhandelt“ worden, erklärte die SPD-Chefin laut Bericht der Nachrichtenagentur AFP nach dem Koalitionsausschuss: „Und insofern war ich überrascht, dass es noch ein paar rechtliche Rückfragen gibt.“

Merz‘ Kabinett vertagt Entscheidung – „Ohne Bürgergeld-Reform kein Weihnachtsfrieden für die Koalition“

Die Vorbehalte aus Innen- und Wirtschaftsministerium betreffen die Frage, ob Bürgergeldbeziehende, die nicht mit dem Job-Center kooperieren, noch persönlich angehört werden sollen, ehe ihnen Leistungen gestrichen werden. Bärbel Bas hat eine solchen letzten Kontaktversuch in ihrem Entwurf vorgesehen. In der Union sieht man das wohl anders.

„Die Bürgergeld-Reform wurde schon als beschlossen kommuniziert und nun wird sie doch wieder diskutiert“, erklärt Hillje gegenüber der Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA mit Blick auf den Vorgang. „Daran zeigt sich, wie uneinig sich die Koalition bei manchen Themen bis ins letzte Detail ist.“

Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die komplette Liste in Bildern

Friedrich Merz
Das Kabinett Merz ist die seit dem 6. Mai 2025 amtierende Bundesregierung unter der Führung von Kanzler Friedrich Merz. Es handelt sich um die fünfte schwarz-rote Koalitionsregierung und die 17. Regierung unter Führung der Unionsparteien auf Bundesebene. © Michael Kappeler/dpa
Nina Warken
Nina Warken hat bereits Geschichte geschrieben: Als erste Frau wurde sie im Juli 2026 Chefin des Bundeskanzleramtes. Die bisherige Bundesgesundheitsministerin übernahm das Amt von Thorsten Frei – und damit die zentrale Koordinationsstelle der Regierungsarbeit.  © Christoph Soeder/dpa
Linnemann
Im Zuge des Personalumbaus hat der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Juli 2026 das Gesundheitsressort übernommen. Allerdings hat er vorab selbst Zweifel gesät, dass er wirklich der richtige Mann für den Job ist. Er wäre nach der Regierungsübernahme durch Merz gerne Arbeitsminister geworden, musste das Ressort aber der SPD überlassen. Dem Sender Phoenix hatte er im Mai 2025 zum Interesse an anderen Kabinettsposten gesagt, es sei nicht „sein Ding“, nur Minister zu sein, damit das irgendwo in Wikipedia stehe. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen.“  © Christoph Soeder/dpa
Steffen Bilger
Ebenfalls neu im Kabinett ist der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Er gilt als fachlich geeignet, ist sehr gut vernetzt, arbeitete in der schwarz-roten Koalition bislang aber vor allem im Hintergrund. Der gelernte Rechtsanwalt stammt aus Baden-Württemberg und ist ausgewiesener Verkehrsexperte: Er saß schon als frisch gebackener Bundestagsabgeordneter von 2009 bis 2013 im Verkehrsausschuss. Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Wiederwahl von Angela Merkel (CDU) 2017 war er als Vertreter der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur beteiligt. 2018 wurde er dann Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. © Marijan Murat/dpa
Sommerfest der SPD im Landkreis Verden
Und sonst? Lars Klingbeil ist als Vizekanzler weiter der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Eigentlich brennt er für die Außenpolitik und geprägt durch den familiären Hintergrund als Soldatensohn am Heeresstandort Munster für Verteidigung. Jetzt steht er dem Finanzressort vor. Für Klingbeil, der im konservativen SPD-Flügel zuhause ist, könnte es das Sprungbrett für eine Kanzlerkandidatur 2029 sein - auch wenn manchen in der Partei aufstößt, mit welcher Skrupellosigkeit er sich zuletzt seine Macht sicherte. © Focke Strangmann/dpa
Alexander Dobrindt
Innenminister ist Alexander Dobrindt. Der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag galt schon seit Wochen als gesetzt für den Posten, auf dem er die von der Union verlangte „Migrationswende“ umsetzen soll. Dobrindt war von 2009 bis 2013 CSU-Generalsekretär, danach vier Jahre Bundesverkehrsminister. Als CSU-Landesgruppenchef galt er als wesentlicher Faktor für die relativ geräuschlose Zusammenarbeit von CSU-Chef Markus Söder und Merz. © Sebastian Gollnow/dpa
Außenminister Wadephul bei der UN
Auswärtiges Amt: Johann Wadephul. Erstmals seit fast 60 Jahren führt die CDU wieder das Außenamt. Den Posten hat Merz, der im Kanzleramt maßgeblich auch die Außenpolitik mitgestalten will, nun an einen Fachpolitiker aus dem Bundestag vergeben. Wadephul kommt aus Schleswig-Holstein und ist bisher als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Er gilt als international gut vernetzt und war in den vergangenen Wochen bereits in Paris, London und Warschau, um sich mit den dortigen Außenministern zu treffen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsminister Pistorius besucht Objektschutzregiment
Verteidigungsminister Boris Pistorius war für die SPD gesetzt – schließlich ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Als er im November 2023 „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ für die Bundeswehr ausrief, legte der Niedersachse die Latte hoch. Seit der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse kann er sich über mangelnde Finanzierung nicht mehr beschweren. Der Jurist wurde in Osnabrück geboren, er arbeitete in mehreren niedersächsischen Regierungsstellen und war von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt („das schönste Amt der Welt“). In den zehn folgenden Jahren war er Innenminister von Niedersachsen. 2023 übernahm er das Verteidigungsministerium von Christine Lambrecht und gewann in kurzer Zeit die Anerkennung der Truppe und der Verbündeten. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bundeswirtschaftsministerin Reiche zu Energiekosten
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie ist Katherina Reiche. Lange galt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als wahrscheinlicher Minister – doch der sagte ab und blieb auf seinem Posten an der Spitze der Parteizentrale. Merz entschied sich dann für die frühere Umwelt- und Verkehrsstaatssekretärin Reiche aus Brandenburg. Sie ist seit vielen Jahren in der Wirtschaft und war von 2015 bis 2019 zunächst Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende war schon von 2018 bis 2021 als Staatsministerin für Digitales im Kabinett von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Bär kam 2002 zusammen mit vielen anderen jungen Christsozialen während der Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber erstmals in den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen das deutschlandweit höchste Ergebnis. © Heiko Becker/Imago
Aktionsplan Steuer- und Finanzkriminalität
Justiz: Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin begann 2000 im Bundesjustizministerium und stieg zur Referatsleiterin auf. 2008 ging sie nach Mainz: Erst in die Staatskanzlei, 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Strafrecht im Justizministerium. Hubig wurde 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war damals ihr Parteikollege Heiko Maas. Beide gerieten mit dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range aneinander: Dabei ging es um später eingestellte Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats. © Michael Kappeler/dpa
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Karin Prien – Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die in Amsterdam geborene Prien arbeitete zu Beginn ihrer Karriere als Rechtsanwältin im Bereich Wirtschafts- und Insolvenzrecht, engagierte sich aber auch früh in der Hamburger Lokalpolitik. 2011 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt, bevor sie nach Schleswig-Holstein wechselte. Im „Zukunftsteam“ des gescheiterten Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet war sie 2021 gleichfalls für den Bereich Bildung zuständig. © Jens Schicke/Imago
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bodenständig, geradlinig, klar: Als Bundestagspräsidentin hat sich Bärbel Bas einen guten Ruf erworben. Zuvor war die Duisburgerin einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie sitzt seit 2009 im Bundestag und kümmerte sich unter anderem um Gesundheitspolitik. Ihre unkomplizierte Art mag mit der Herkunft zu tun haben: Die neue Bundesministerin für Arbeit und Soziales wuchs als zweitälteste von sechs Geschwistern in materiell einfachen Verhältnissen auf. Spielen, so erzählte Bas später, musste sie als Kind draußen, weil im Kinderzimmer zu wenig Platz war. © Imago
Pressekonferenz Wildberger und Warken
Digitalisierung und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger. Merz hat ganz früh angekündigt, dass er einen Experten aus der Wirtschaft mit dem neu geschaffenen Ressort betrauen will. Nun soll der Chef der Holding der Elektronikmärkte MediaMarkt und Saturn den Posten übernehmen. Der promovierte Physiker Wildberger war von 2016 bis 2021 Vorstand der Holding des Energiekonzerns Eon und davor unter anderem in Managementpositionen bei den Telekom-Konzernen Vodafone und Deutsche Telekom. © Soeren Stache/dpa
Fortsetzung der Sommerreise von Bundesumweltminister
Umwelt und Klimaschutz: Carsten Schneider war in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz Staatsminister und Beauftragter für Ostdeutschland. Damit war er eine der profiliertesten Stimmen dieser Region und sollte vor allem für gleichwertige Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern sorgen. Schneider stammt aus Erfurt und sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Dort war er unter anderem Haushaltspolitiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Der 49 Jahre alte Bankkaufmann gilt als pragmatisch, erfahren und vielseitig einsetzbar.  © Stefan Sauer/dpa
90. Grüne Woche Berlin - Eröffnungstag
Ernährung, Landwirtschaft und Heimat: Alois Rainer. Nach dem Rückzug des zunächst vorgesehenen bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner ist der Niederbayer zum Zug kommen. Der 60 Jahre alte Metzgermeister sitzt seit 2013 im Bundestag. Schon sein gleichnamiger Vater saß 18 Jahre im Bundestag, seine Schwester ist die ehemalige Bundesbau- und Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt. © Sebastian Gollnow/dpa
Reem Alabali-Radovan
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Reem Alabali-Radovan hat eine steile politische Laufbahn hingelegt. Zuletzt war sie Integrationsbeauftragte der Ampel-Regierung. Nun folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Schwerinerin. Geboren wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie, die vor den politischen Verhältnissen im Irak floh, nach Mecklenburg-Vorpommern. Als Integrationsbeauftragte setzte sie sich unter anderem gegen Racial Profiling ein, also die verdachtsunabhängige polizeiliche Kontrolle von Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe und anderen ethnischen oder religiösen Merkmalen. Alabali-Radovan ist verheiratet mit dem Profiboxer Denis Radovan und bekam 2023 eine Tochter.  © Katharina Kausche/dpa
Verena Hubertz
Die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist eine politische Senkrechtstarterin: Verena Hubertz ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete und wurde direkt stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, zuständig unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen. Oft führte sie in der Ampel-Koalition Verhandlungen mit Politikern von Grünen und FDP, wenn es um strittige Fragen ging. Laute Töne sind nicht ihr Fall. Die Triererin und Betriebswirtin hat eine für Politiker eher ungewöhnliche Biografie. 2013 gründete sie mit einer Studienkollegin das Küchen-Start-up Kitchen Stories. Die Idee: in Videos und Schritt für Schritt zu zeigen, wie einfach Kochen sein kann.  © Kay Nietfeld/dpa
Patrick Schnieder
Bis Juli 2026 war Patrick Schnieder Bundesminister für Verkehr. Verkehr. Merz hat ihn entlassen, weil er mit seiner Amtsführung unzufrieden war – besonders bei den Dauerkrisenherden Schienennetz und Infrastruktur. Die Entlassung Schnieders nach nur gut einem Jahr im Amt stieß in der CDU teilweise auf heftige Kritik. © Sven Kaeuler/dpa
Jens Spahn
Auslöser für den Kabinettsumbau im Juli 2026 war der Rücktritt von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef. Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz nahm den Wechsel an der Fraktionsspitze zum Anlass, die CDU in Regierung und Partei neu aufzustellen. © Michael Kappeler/dpa
Thorsten Frei
Umbau auch in der Union: Thorsten Frei übernahm den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Er war bisher Kanzleramtsminister. Frei steht für eine unverwüstlich wirkende Freundlichkeit, gepaart mit geduldiger Erklärlust. Trotz seiner nach außen getragenen Sanftmütigkeit steht wr inhaltlich für Härte. Die innere Sicherheit und die Begrenzung der Migration zählen zu den Kernthemen des Innenexperten, der als Sohn eines Polizisten in Südbaden aufgewachsen ist. © Michael Kappeler/dpa
Franziska Hoppermann
Für Linnemann wurde Franziska Hoppermann als CDU-Generalsekretärin ins Amt gewählt. Die bisherige Bundesschatzmeisterin gilt als arbeitnehmernah und hat ein starkes Profil in der Frauen Union.  © Christoph Soeder/dpa
Philipp Amthor
Philipp Amthor bekam eine Schlüsselrolle bei der föderalen Zusammenarbeit. Er wurde von Merz zum neuen Staatsminister im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen ernannt, der bisherige Amtsinhaber Michael Meister musste gehen. Amthor war bisher parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium. © Christoph Soeder/dpa
Christiane Schenderlein
Christiane Schenderlein wird Nachfolgerin von Tino Sorge als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Sie war bisher Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt.  © Kay Nietfeld/dpa
Wolfram Weimer
Er bleibt Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer. Er will aber nur für eine Legislaturperiode im Amt bleiben. 2003 war er Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren „FAZ“-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group. © Georg Wendt/dpa

Der Entwurf stammt, wie auch das Renten-Paket, das nach langem Ringen in der vergangenen Woche verabschiedet wurde, aus der Feder von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD): „Ob auch Ministerin Bas als Person von Unionsseite angegriffen werden soll, ist Spekulation“, führt der Politikberater aus, doch: „Klar ist aber: Ohne Bürgergeld-Reform kein Weihnachtsfrieden für die Koalition.“

Bürgergeld-Reform mit Reibungspotenzial: Spahn machte bereits vor der Renten-Abstimmung Druck

Bas und Merz wollen einen Entschluss im Kabinett noch vor Weihnachten. Nach einer Entscheidung im Kabinett soll der Bürgergeld-Reformentwurf auf den weiteren Weg ins parlamentarische Verfahren gegeben werden. Doch dort könnte ein weiterer Konflikt auf CDU/CSU und SPD warten. In den Reihen der Sozialdemokraten werden die Komplettsanktionen, die Mitwirkungsverweigerern drohen sollen, heftig kritisiert. Derzeit läuft eine Unterschriftensammlung für ein SPD-Mitgliederbegehren, das die Bürgergeld-Reform stoppen will.

Zuletzt war auch der SPD-Parteinachwuchs beim Juso-Bundeskongress hart mit der Parteichefin ins Gericht gegangen, als es um die Bürgergeld-Reform ging. Bas stellte daraufhin in Aussicht, dass im parlamentarischen Verfahren nachgebessert werden könnte. Unions-Fraktionschef Jens Spahn (CDU) erklärte hingegen noch vor der Abstimmung über das Renten-Paket am vergangenen Freitag: Er „habe die entschiedene Erwartung an die SPD, dass sie auch beim Thema Bürgergeld eins zu eins mitträgt, was vereinbart worden ist“.

Die Folgen von „,Showdown-Regieren‘ wie bei der Rente“: „Die Regierung überwintert im Vertrauenskeller“

Nach dem Ringen um die Rente hat die Regierung wohl ohnehin wenig Interesse an einem weiteren öffentlichen Streit, der von inhaltlichen Errungenschaften ablenken könnte. „,Showdown‘-Regieren wie bei der Rente ist als Politikstil wenig nachhaltig. Das lenkt den Fokus auf Uneinigkeiten und Unsicherheiten“, erklärt Johannes Hillje gegenüber unserer Redaktion.

Und auch, wenn das Renten-Paket mit Kanzlermehrheit im Bundestag verabschiedet wurde, haben die Wochen der Unsicherheit Spuren hinterlassen, glaubt der Politikberater: „Nach dem Koalitionsausschuss haben die Parteispitzen gute Mine zu mieser Stimmung in der Bevölkerung gemacht. Die Regierung überwintert im Vertrauenskeller.“ Dabei verweist Hillje auch auf Umfragen: „Demoskopische Daten sprechen eine klare Sprache, dass die Regierung seit dem Sommer an Vertrauen verloren hat.“

Die Bevölkerung erwarte mehr Verlässlichkeit im Regieren. „Ein zentraler Grund für das unruhige Regieren ist mangelhaftes Politikmanagement.“ Am Beispiel des jüngsten Streits über die Rente habe sich das bei Kanzler Friedrich Merz an „deutlich zu später Einbindung der jungen CDU-Abgeordneten“ gezeigt. „Noch deutlicher sind diese Mängel aber bei Jens Spahn deutlich geworden: Spahn war als Chefkoordinator und Mehrheitsorganisator der Unionsfraktion ein Schwachpunkt des bisherigen Regierungsmanagements.“

Herausforderung für die Regierung Merz: Gestörtes Vertrauensverhältnis „zwischen Fraktion und Kabinett“

Bereits nach der geplatzten Richterwahl im Sommer war der Eindruck entstanden, dass es bei Union und SPD an Vertrauen mangelt. Die Wahl der Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf war an Unions-Widerstand gescheitert – die SPD sah das Vertrauen in der Koalition erschüttert. Das Ringen um das Renten-Paket, das geprägt war von dem Eindruck einer Führungsschwäche innerhalb der Union, Vorwürfen, Druck und einer SPD, die klar bei ihrer Haltung blieb, scheint ebenso am Vertrauensverhältnis gekratzt zu haben. Johannes Hillje erklärt: „Das Vertrauensverhältnis innerhalb des Kabinetts ist belastbar, aber zwischen Fraktionen und Kabinett ist es gestört.“

Vor allem aus den Fraktionen kämen die Störsignale. Das zeigte sich im Falle der Rente am Widerstand der Jungen Gruppe der Union; im Falle der Bürgergeld-Reform an Aufbegehren der Sozialdemokraten. „Ohne eine solide Vertrauensbasis zwischen Fraktionen und Kabinett ist eine Regierung kaum handlungsfähig, weil es die Mehrheiten im Parlament braucht“, erklärt der Politikberater: „Solange die Fraktionen die Beschlüsse des Kabinetts mehr wie Empfehlungen statt Entscheidungen behandeln, sind Mehrheiten im Parlament dauerhaft bedroht.“ (Quelle: Eigene Recherche, dpa, AFP) (pav)

Rubriklistenbild: © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Sonnenfinsternis 2026 in Spanien: Bilder von der Eklipse in Benidorm

Sonnenfinsternis 2026 in Spanien: Bilder von der Eklipse in Benidorm

Kommentare