Zwei Deals fix

Gladbach-Fans fordern Transfers – Erster Coup trotzdem schon da?

Die Fans von Borussia Mönchengladbach sehnen sich nach Transfers. Einer der bereits unter Vertrag genommenen Spieler könnte sich aber als Trumpf erweisen.

Mönchengladbach – Seit Roland Virkus 2022 zum Sport-Geschäftsführer von Borussia Mönchengladbach ernannt worden ist, folgt jeder Transfersommer einem bestimmten Muster.

Gladbach-Boss Virkus geht in jedem Sommer ähnlich vor

Erst geht Gladbach in Vorleistung, spätestens aber nach zwei Transfers, die eine Ablösesumme beinhalten, muss Geld für weitere Neuzugänge beschafft werden. Heiß wird es deshalb vor allem kurz vor Toresschluss, wenn das eigene Tafelsilber doch noch Interesse weckt.

Rudy, Contento, Bender-Zwillinge, Großkreutz: Ex-Profis im Amateurfußball

Sebastian Rudy bei einem Spiel der TSG Hoffenheim
Mit dem FC Bayern gewann Sebastian Rudy seine einzige deutsche Meisterschaft, für die DFB-Auswahl lief er insgesamt 29 Mal auf. Zudem hinterließ er vor allem bei der TSG Hoffenheim (327 Einsätze) seine Spuren. Nach seinem Karriereende im September schloss er sich der SpG Dilsberg 1/Bammental aus der Heidelberger Kreisliga A an und verwandelte bei seinem Debüt direkt einen Freistoß. © H. Langer, H. Langer / Imago
Diego Contento bei einem Legendspiel des FC Bayern
So richtig glücklich wurde Diego Contento beim FC Bayern nie, fungierte oftmals nur als Einwechselspieler. Seinen Stammplatz bei Bezirksligist FC Aschheim (Oberbayern Nord), wo er gemeinsam mit seinen drei Brüdern spielt, dürfte er indes sicher haben. © Mladen Lackovic / Imago
Raffael bei einem Spiel von Borussia Mönchengladbach
Einen Namen in Deutschland machte sich Raffael vor allem bei Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach, verbuchte in 290 Bundesliga-Partien satte 134 Scorerpunkte. Über solche Zahlen würde sich auch wohl auch Ay-Yildizspor Hückelhoven (Kreisliga A Mittelrhein) freuen, die den gebürtigen Brasilianer zur Saison 2023/24 im Team begrüßen durften. © Norbert SCHMIDT / Imago
Fin Bartels bei einem Spiel von Holstein Kiel
Während seine Profikarriere stand Fin Bartels ausschließlich in Norddeutschland unter Vertrag, kickte für Holstein Kiel, Hansa Rostock, St. Pauli und Werder Bremen. Im Sommer 2023 machte er einen Haken hinter den bezahlten Fußball und schloss sich seinem Jugendklub SpVg Eidertal Molfsee (Kreisliga A, Schleswig Holstein Ost-1) an. Dort trifft auf Bruder Tom und Freunde aus alten Tagen. © Eibner-Pressefoto/Marcel von Fehrn / Imago
Marvin Matip bei einem Spiel des FC Ingolstadt
Marvin Matip, der ehemalige Kapitän und amtierende Rekordspieler des FC Ingolstadt, kickt nebenbei in der Kreisliga I für den SV Hundszell. Zuvor absolvierte er insgesamt 278 Pflichtspiele im Trikot der „Schanzer“ sowie drei Partien für die A-Nationalmannschaft Kameruns. © De Fodi / Imago
Christian Träsch nach einem Spiel des FC Ingolstadt
Gemeinsam mit Matip schnürte Christian Träsch seine Fußballschuhe für den FCI, zudem war der defensive Mittelfeldspieler auch für 1860 München, den VfL Wolfsburg und den VfB Stuttgart am Ball. Im September 2021 ging Träsch dann in die Kreisliga Donau-Isar zum FC Gerolfing. © Imago/ EIBNER/Michael Taeger
Lars und Sven Bender bei einem Bundesliga-Spiel von Bayer Leverkusen
Große Teile ihrer fußballerischen Laufbahn verbrachten die Bender-Zwillinge Lars und Sven gemeinsam, waren beispielsweise zeitgleich beim TSV 1860 München und bei Bayer Leverkusen. Und auch nach der Profi-Karriere sind beiden Ex-Nationalspieler für denselben Verein unterwegs, ihren bayerischen Jugendklub TSV Brannenburg (Kreisklasse I). © Imago Images/ Laci Perenyi
Kevin Großkreutz beim einem Spiel des TuS Bövinghausen
Der Ex-Dortmunder wurde Weltmeister, gewann zwei Mal die deutsche Meisterschaft und holte 2012 den DFB-Pokal. Mit Beginn der Spielzeit 2023/24 beackert Kevin Großkreutz die Außenbahn beim Westfalenligisten SV Wacker Obercastrop, zuvor war er auch schon in der Oberliga Westfalen für den TuS Bövinghausen unterwegs. © IMAGO/Jens Dünhölter
Sidney Sam bei einem Spiel von Bayer Leverkusen
Fünf Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft stehen in der Vita des Ex-Leverkuseners Sidney Sam, der auch für Schalke 04 und den VfL Bochum spielte. Weitere Partien im DFB-Dress werden nicht hinzukommen, dafür aber einige im Trikot des Düsseldorfer CfR Linksrheinisch in der Kreisliga A. © imago sportfotodienst
Martin Harnik bei einem Spiel der TuS Dassendorf
Der Torrekord in der Oberliga Hamburg gehört seit der Saison 22/23 Martin Harnik, der die TuS Dassendorf auch als Kapitän aufs Feld führt. In der höchsten deutschen Spielklasse kickte der Österreicher unter anderem für den SV Werder Bremen, den VfB Stuttgart sowie Hannover 96 und absolvierte insgesamt 240 Bundesliga-Spiele. © IMAGO/Vivian Pfaff
Dominik Stroh-Engel bei einem Spiel des FC Memmingen
Auf einen Knipser mit Erfahrung im Profibereich kann auch der FC Memmingen zurückgreifen. Einst schoss Dominik Stroh-Engel (rotes Trikot) den SV Darmstadt 98 mit seinen Toren von der 3. Liga direkt in die Bundesliga, seit Januar 2022 schenkt er den Keepern in der Bayernliga Süd die Tore ein. © IMAGO/Zichy /Eibner-Pressefoto
Kostas Mitroglou vor einem Spiel von Aris Thessaloniki
Wandervogel Konstantinos Mitroglou hat so einige Stadien in diversen Ligen gesehen. Der ehemalige griechische Nationalspieler war beispielsweise für Olympiakos Piräus, SL Benfica, Galatasaray Istanbul, die PSV Eindhoven und Olympique Marseille aktiv. Nun erkundet er die Plätze mit der SpVgg Rheurdt-Schaephuysen die Plätze in der Kreisliga A (Niederrhein). © Imago Images/ Yannis Halas
Marcell Jansen bei einem Spiel von Hamburger SV III
Mit Marcell Jansen findet sich ein weiterer Ex-Nationalspieler mittlerweile im Amateurbereich wieder. Nach 45 Länderspielen und über 200 Erstliga-Begegnungen, vornehmlich auf der linken Defensivseite, spielt der Ex-HSV-Profi noch immer beim einstigen Bundesliga-„Dino“ – allerdings in der 3. Mannschaft in der Oberliga Hamburg. © IMAGO/BODE
Domi Kumbela während eines Spiels von Eintracht Braunschweig
Zur Rückrunde der Saison 2020/21 begrüßte der SSV Delrath (Kreisliga Niederrhein) einen prominenten Neuzugang. Der langjährige Zweitliga-Knipser Domi Kumbela (u.a. Eintracht Braunschweig, Rot Weiss Ahlen) schloss sich dem Klub aus dem Düsseldorfer Umland an. © Imago Images/ Huebner
Maximilian Nicu bei einem Spiel von Wacker Burghausen
Von der Jugend des TuS Prien in den deutschen Profifußball und wieder zurück. Diesen Weg ging Innenverteidiger Maximilian Nicu, der neben drei Länderspielen für Rumänien auch 70 Erstliga- und 88 Zweitliga-Partien absolvierte und dabei beispielsweise für Hertha BSC, den SC Freiburg und Wacker Burghausen spielte. Seit 2018 ist er wieder in der Kreisliga Inn-Salzbach bei seinem Heimatverein am Ball. © Imago Images / Picture Point
Manuel Schmiedebach bei einem Spiel von Ahrensfelde
Als Sechser räumte Manuel Schmiedebach (weißes Trikot) mehr als zehn Jahre vor den Abwehrreihen von Hannover 96 und Union Berlin ab und bestritt 181 Partien in Deutschlands Oberhaus. Seit 2021 gibt er den Staubsauger in der Brandenburgliga bei Grün-Weiß Ahrensfelde.  © Imago/Sebastian Räppold/Matthias Koch
Martin Hinteregger bei seiner Verabschiedung von Eintracht Frankfurt
Martin Hinteregger ist der einzige Ex-Profi in dieser Liste, der nicht in Deutschland unterwegs. Der langjährige Frankfurter, der gemeinsam mit der SGE sensationell die Europa League gewann, tritt seit seinem Karriereende im Sommer 2022 für die SGA Sirnitz in der fünften österreichischen Liga gegen das runde Leder – allerdings nicht mehr als Abwehrspieler, sondern als Mittelstürmer. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Gawlik
Konstantin Rausch bei einem Spiel des 1. FC Nürnberg
246 Bundesliga-Einsätze sammelte Konstantin Rausch, die meisten davon für Hannover 96. Zudem lief er 28 Mal in der Europa League auf und spielte neun Partien im Trikot der russischen Nationalmannschaft. Im August 2022 wurde der Ex-Nürnberger dann beim SC Vorwerk Celle als Neuzugang der zweiten Mannschaft vorgestellt und ackert seitdem auf den Plätzen der niedersächsischen Kreisklasse. © Imago/ Jan Huebner
Marc-Andre Kruska bei einem Spiel von F91 Düdelingen
Fünf Jahre spielte Marc-Andre Kruska beim BVB, im Anschluss ging es weiter zu Energie Cottbus, dem FSV Frankfurt und dem SC Paderborn. Letzte Station seiner Profikarriere war F91 Düdelingen in Luxemburg, für die er auch fünf Europa-League-Partien absolvierte. 2019 folgte dann der Wechsel in die Bezirksliga Westfalen zum FC Frohlinde. © Imago/Ben Majerus

Auffällig ist zudem, dass Virkus gerne in der 2. Bundesliga wildert. So verpflichtete Gladbach 2022 Ko Itakura, der bei Manchester City unter Vertrag stand, die Saison 2021/22 aber beim FC Schalke 04 verbracht hatte. Im Sommer 2023 kam Robin Hack von Arminia Bielefeld, das in die dritte Liga abgestiegen war, 2024 wechselte Philipp Sander von Holstein Kiel an den Niederrhein.

Mit Jens Castrop hat Gladbach im vierten aufeinanderfolgenden Sommer einen Zweitliga-Profi verpflichtet. Der deutsche U21-Nationalspieler verstärkt das zentrale Mittelfeld und kostet nach seinem Wechsel vom 1. FC Nürnberg zu Borussia 4,5 Millionen Euro.

Gladbach kauft gerne in der 2. Bundesliga ein

Im Interview mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, übte Ex-Borusse Thomas Kastenmaier leise Kritik an der Strategie, im Zweitliga-Teich zu fischen. Dabei haben sich die bisherigen Transfers als lohnenswerte Investitionen erwiesen.

Jens Castrop soll der nächste Star von Borussia Mönchengladbach werden.

Itakura ersetzte den zum SC Freiburg abgewanderten Matthias Ginter tadellos und entwickelte sich zum Gladbacher Abwehrchef. In dieser Saison blieb der Japaner erstmals verletzungsfrei und stellte seine Klasse konstant unter Beweis. Ein Transfer – Eintracht Frankfurt zählt zu den Interessenten – soll etwa zwölf Millionen Euro einbringen. Das wäre, rein an der Ablösesumme 2022 gemessen, ein Gewinn von sieben Millionen Euro.

Bei Itakura war absehbar, dass der Sprung in die Bundesliga gelingen würde, für Hack stellte dieser Schritt eine größere Herausforderung dar. Der Flügelspieler hatte zwar 2021/22 für Arminia 30 Bundesligaspiele absolviert, erzielte aber kein Tor und blühte erst nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga mit zehn Toren und fünf Vorlagen auf.

Auch Hack und Sander sind in Gladbach durchgestartet

Nach etwas Anlaufzeit fand sich Hack in Gladbach immer besser zurecht und eroberte spätestens 2024 den Stammplatz auf der linken Offensivseite. In seiner ersten Saison avancierte er mit zehn Toren zum besten Fohlen-Torjäger, 2024/25 brachte er es „nur“ auf vier Tore und acht Vorlagen, nahm dafür aber im Spiel gegen den Ball eine immer wichtigere Rolle ein. Längst ist Hack bei Borussia gesetzt, kommende Saison wird er die Marke von 100 Bundesligaspielen knacken.

Hinter Sander stand ebenfalls ein Fragezeichen, galt der defensive Mittelfeldspieler doch als Spätzünder. Was Gladbach an ihm hat, war offensichtlich, als Sander vom 27. bis 31. Spieltag wegen eines Infekts ausgefallen war. Als Stabilisator gegen den Ball nimmt der 27-Jährige eine wichtige Rolle ein, im Tandem mit Julian Weigl ist er außerdem bei eigenem Ballbesitz wichtig. Der ehemalige Kieler Kapitän hat einen guten Eindruck hinterlassen und kann in der kommenden Saison noch wichtiger für Gladbach werden.

Jeltsch-Entwicklung macht Castrop Mut

Ob Castrop eine ähnliche Entwicklung nehmen wird, bleibt selbstredend abzuwarten. Mit seinen Qualitäten als Balltreiber und mit seinem Tempo bringt er aber zwei Eigenschaften mit, die dem Borussen-Mittelfeld fehlen.

Von seinem Profil her gilt Castrop als verspäteter Ersatz für Manu Koné, der 2024 zur AS Rom gewechselt ist. Findet Gerardo Seoane eine Rolle, in der der U21-Nationalspieler seine Stärken optimal zur Geltung bringen kann, wird er eine faire Chance erhalten.

Castrop ist mit Beginn der Saisonvorbereitung in der Bringschuld und muss das in ihn gesetzte Vertrauen zurückzahlen. Mut macht aus Gladbacher Sicht das Beispiel Finn Jeltsch. Das Innenverteidiger-Talent wechselte im Winter von Nürnberg zum VfB Stuttgart, absolvierte zehn Startelfeinsätze und spielte neunmal über 90 Minuten durch.

Besser hätte der U17-Weltmeister kaum starten können – und auch Castrop würde sich über einen solchen Auftakt keinesfalls beschweren.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sascha Janne

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