Stoffwechseltypen

Ernährung nach Stoffwechseltyp: Sinnvolle Diät oder Quatsch?

Der Stoffwechsel – bei manchen läuft er auf Hochtouren: Sie nehmen einfach nicht zu. Bei anderen verwandelt sich gefühlt jede Kalorie zum Polster an Bauch und Hüften. Kann man die Genetik hinter den Stoffwechseltypen entschlüsseln und zur Gewichtsreduktion nutzen?

Bremen – Das Thema Stoffwechsel taucht im Zusammenhang mit Diäten und dem Wunsch abzunehmen immer wieder auf. Offenbar haben manche, so scheint es, einen „schnelleren“ Stoffwechsel als andere: Sie können gefühlt essen, was sie wollen, ohne Fett anzusetzen – während andere ständig mit den Kilos zu kämpfen scheinen, obwohl sie sich viel weniger gönnen. Dem Wunsch vieler, ihren Stoffwechsel „anzuheizen“, sodass er schneller Kalorien verbrennt, haben sich auch viele Firmen angenommen, die angeblich genetisch zugeschnittene Ernährungspakete und dazu passende Produkte anbieten.

Doch stimmt das überhaupt? Gibt es tatsächlich eine Ernährungsweise, die aufgrund der Genetik besser zu einem Menschen und seinem Stoffwechseltyp passt?

Was die Stoffwechseltyp-Diät und im Internet angebotene Gentests bewirken

Mithilfe von DNA-basierten Tests sollen Menschen ihren genetisch festgelegten Stoffwechseltyp erfahren und ihre Ernährung entsprechend anpassen können. Die Versprechen einiger dieser Firmen klingen durchaus verlockend: So sollen die Kilos im Zuge einer Stzowwechsel-Diät nur so dahinschmelzen. Einfach so, vom Sofa aus, ganz ohne Bewegung. Aber was ist dran an der Stoffwechseltyp-Diät? Bringt das tatsächlich etwas und kann man seinen Stoffwechsel überhaupt dahingehend verändern, dass er Kalorien besser oder schneller verbrennt?

Menschen scheinen sich Menschen im Stoffwechsel zu unterscheiden – manche verwerten Nahrung besser als andere

Zunächst muss man sagen: Eine wissenschaftliche Grundlage haben die sogenannten Stoffwechseltypen nicht. In der Fitnessszene haben sich zwar unterschiedliche Typologisierungen und entsprechende Begrifflichkeiten wie ektomorph, mesomorph und endomorph verbreitet, die teilweise auch immer noch verwendet werden. Doch diese sind weder ernährungs- noch sportwissenschaftlich fundiert. Es scheint allerdings tatsächlich so zu sein, dass der Stoffwechsel von Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann und entweder schneller oder langsamer beziehungsweise effizienter oder ineffizienter arbeitet. Das bedeutet: Die aufgenommene Nahrung wird dann besser oder schlechter verwertet.

Die Waage will und will einfach kein niedrigeres Gewicht anzeigen. Liegt das womöglich daran, dass die Ernährung nicht zum Stoffwechseltyp passt?

Bei den Besserverwertern wird die Energie aus der Nahrung besser aufgenommen und im Körper gespeichert. Bei den Schlechterverwertern wird diese Energie zu einem größeren Teil wieder nach außen abgegeben – beispielsweise über Wärme, wie das WDR-Wissenschaftsmagazin Quarks erklärt. Aus evolutionärer Sicht war das Speichern von Energie früher durchaus sinnvoll, da unsere Vorfahren es oft mit längeren Hungerzeiten zu tun hatten. Im heutigen Industriezeitalter mit dem Überangebot an kalorienreicher Nahrung kann das beim Stoffwechsel allerdings für viele zum Nachteil werden, da ihr Körper eben mehr Energie einspeichert und sie in der Folge auch mehr Gewicht „ansetzen“.

„Nicht der Ansatz eines wissenschaftlichen Belegs“ für die Theorie verschiedener Stoffwechseltypen

Diesen eher langsamen Verwertern sollen entsprechende Ernährungspläne und stoffwechselanregende Produkte auf die Sprünge helfen. So sollen die Kalorien quasi von alleine verbrennen – und damit auch die Kilos fallen. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass eine an den Stoffwechseltyp angepasste Ernährung irgendwelche Vorteile bietet.

Zu diesem Schluss kommt auch eine Untersuchung von Expertinnen der Olympiastützpunkte in Bayern und Niedersachsen in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Hochschule Hannover und dem Institut für Sportmedizin. Für die unterschiedlichen Theorien zur Stoffwechseltypologisierung gebe es jedoch „nicht den Ansatz eines wissenschaftlichen Belegs“, wie sie betonen. Eine an den Stoffwechsel angepasste Ernährung empfehlen sie ihren Athletinnen und Athleten daher auch ausdrücklich nicht.

Stoffwechseltypen: Genetische Faktoren spielen keine Rolle, ob jemand mit einer bestimmten Diät abnimmt

Auch in einem anderen Forschungsprojekt zum Stoffwechsel fanden sich keine Hinweise darauf, dass die Genetik eine große Rolle dabei spielt, ob jemand durch eine bestimmte Ernährungsweise besser abnimmt als durch eine andere. In einer Studie der Stanford University in den USA wurden über 600 übergewichtige Personen über ein Jahr hinweg bei einer Ernährungsumstellung begleitet. Die Hälfte der Testpersonen folgte einem kohlenhydratreduzierten Ernährungsplan, die anderen einem fettreduzierten.

Dabei wurden die genetisch bestimmten Typen bewusst gemischt. Das Ergebnis: Die Personen nahmen ab – egal, welcher Diät sie folgten. Beim Gewichtsverlust zeigten sich keine großen Unterschiede zwischen den Typen. Entscheidend war offenbar, dass sie überhaupt auf ihre Ernährung und Kalorienzufuhr achteten.

Welche drei Stoffwechsel-Typen es gibt – angeblich

In genetisch zugeschnittenen Ernährungsplänen und entsprechenden Ratgebern, die sich mit Stoffwechseltypen und Diäten beschäftigen, kursieren verschiedenen Theorien über die Kategorien, in die sich Menschen angeblich einteilen lassen – da sie, so die Annahme, von jeweils unterschiedlichen Ernährungsweisen profitieren können.

Diese angeblichen Stoffwechseltypen soll es demnach geben:

  • Eiweiß-Typ: sollte viel Fett und Eiweiß essen (in Form von Fleisch und Leber), dafür wenig Kohlenhydrate
  • Kohlenhydrat-Typ: nimmt wenig Fett und Eiweiß zu sich, dafür hauptsächlich Kohlenhydrate
  • Misch-Typ: sollte alle drei Nährstoffgruppen zu sich nehmen

Eine weitere Kategorisierung von Stoffwechseltypen ist die Unterscheidung zwischen sogenannten „Langsamverbrennern“, auch Beta-Typen genannt, oder „Schnellverbrennern“, den sogenannten Glyko-Typen. Ein anderes Modell basiert auf Drüsen-Typen, das bedeutet, dass man ein „Schilddrüsen-Typ“, ein „Hypophysen-Typ“, ein „Nebennieren-Typ“ sein kann. Bei Frauen gibt es außerdem angeblich noch den „Eierstock-Typ“.

Verbraucherzentralen warnen vor Stoffwechseltyp-Diäten und Gentests

Die Verbraucherzentralen halten von derartigen Genotyp- und Stoffwechseltyp-Diäten wenig. Sie haben die Angebote verschiedener Diät-Anbieter untersucht und kommen zu dem Schluss, dass derartige Konzepte zum Abnehmen wenig sinnvoll sind und sogar gesundheitsschädlich sein können. Die Ernährungsempfehlungen würden sich nur wenig von allgemeingültigen Regeln für eine gesunde Ernährung unterscheiden. Zudem warnen sie ausdrücklich davor, dass im Internet angebotene Gentests, die ohne medizinische Begleitung und eine fachärztliche Einordnung erfolgen, nicht nur wenig aussagekräftig, sondern darüber hinaus auch fahrlässig seien.

Bei Stoffwechseltyp-Diät besteht die Gefahr einer zu einseitigen Ernährung

Außerdem bergen Diäten, bei denen bestimmte Ernährungsgruppen weggelassen und andere dagegen vermehrt zu sich genommen werden sollen, ihrer Ansicht nach die Gefahr einer zu einseitigen Ernährung – was wiederum negative Folgen für den Körper und die allgemeine Leistungsfähigkeit haben kann. Und so bleibt zwischen all den Stoffwechseltypen und Kategorisierungen wohl am Ende nur die Erkenntnis, dass der beste – und günstigste – Weg zu einer gesunden und dauerhaften Gewichtsreduktion nicht über Gentests und ausgeklügelte Formeln führt, sondern über altbewährte Pfade, die viele allerdings eher unbequem finden.

Statt Stoffwechseltyp-Diät: Auf altbekannte Mittel zur Gewichtsreduktion zurückgreifen

Denn die heißen nach wie vor: regelmäßiger Sport. Am besten eine Mischung aus Ausdauer- und Krafttraining, denn das regt den Stoffwechsel erwiesenermaßen nachhaltig an. Das Sportprogramm sollte man am besten mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung kombinieren. Diese beinhaltet viel frisches Gemüse und Ballaststoffe, am besten in Form von Vollkornprodukten. Zucker, Weißmehl, geschälten Reis und Alkohol sollte man hingegen eher meiden. Es darf aber durchaus von allem etwas dabei sein – allerdings in Maßen.

Rubriklistenbild: © Siering/IMAGO

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